| Kommentar zum Toponym: |
Das “pi” vor der Vignette ist undeutlich, aber noch erkennbar, das verblasste “a” steht zwischen den beiden Giebeln der Vignette, das “vro” nach dem zweiten Giebel ist klar lesbar.
Der Verteilung der Buchstaben zufolge wurde zuerst die Vignette gezeichnet und dann der Namenszug eingepasst.
Epidaurus sollte eigentlich in der Argolis liegen, also auf der unbenannten Landzunge links darüber, wo auf der TP auch Cencris/Cenchrae (eigentlich weiter westlich im saronischen Golf, also weiter links zu erwarten) lokalisiert ist.
Ähnlichste Namensform:
- ᾽Επίταυρος Strabo 8,6,15 Ἡ Ἐπίδαυρος δ´ ἐκαλεῖτο Ἐπίταυρος (aus Aristoteles, frg. 491 R); die ältere Namensform laut Steph. Byz. s. v. Ἐπίδαυρος und s. v. Καυλωνία; in der Lit. Sonst laut ThlG nur noch belegt bei Herod. pros. cath. 201 u. ö. und Eust. ad Hom. Il. 2,561 (I 443,6)
- Epitauron Rav 5,13 p. 94,13 Corinthos – Cenchris – Epitauron – Maleon - Boas; Rav 5,22 p. 99,53 Stomis – Corithon – Cencris – Epitauron – Muleon – Boas; Guido 111.
Übliche Namensformen:
- Ἐπίδαυρος (mask. und meist fem.), zahlreiche Belege seit dem homerischen Schiffekatalog, Hom. Il. 2,561 ἀμπελόεντ´ Ἐπίδαυρον (das weinreiche E.), z. B. Pind. Isthm. 8,75; Hdt. 3,53,1; 5,82–84 u. ö.; Thuk. 2,56,4f; 5,75,5 u. ö.; Xen. Hell. 7,1,18 u. ö.; Ps.-Skyl. 50; 54 μετὰ δὲ Τροιζηνίαν πόλις Ἐπίδαυρος καὶ λιμήν. παράπλους δὲ τῆς Ἐπιδαυρίαςχώρας στάδια <ρ>λ; 55(Stadt mit Hafen zwischen der Halia, Troizen und dem Gebiet von Korinth); Ps.-Skymn. 552 gegenüber der Insel Aigina; Strabo 8,6,15 (zur Gründungshistorie nach Aristoteles, frg. 491; zum Asklepiadeum und zur Lage); Ptol. 3,16,12; Paus. 2,26-29,1 (ausführlich zur Gründungsgeschichte und vor allem zum Asklepiadeum seinen Gründungsmythen, seiner Geschichte und seiner Umgebung; lobende Erwähnung des Theaters).
- Epidaurus, belegt seit Plaut. Curc. 562, z. B. Cic. nat. deor. 3,83; Liv. 45,28,3 inde haud parem opibus Epidaurum, sed inclutam Aesculapi nobili templo, quod quinque milibus passuum ab urbe distans nunc uestigiis reuolsorum donorum, tum donis diues erat, quae remediorum salutarium aegri mercedem sacrauerant deo; Mela 2,50 portus Saronicus et Schoenitas et Pogonus, oppida autem Epidaurus et Troezene et Hermiona his litoribus adposita sunt; Plin. nat. 4,17 Qui sequitur sinus ad Skyllaeum Argolicus appellatur … oppida Boea, Epidaurus Limera cognomine, Zarax, Cyphans portus; Serenus med. praef. 5
Ps.-Probus Verg. georg. 3,43 ´Epidaurus´ est Peloponnesi civitas, unde optimi et generosissimi equi exeunt.; Serv. Verg. georg. 3,43 Epidaurus civitas Peloponnensium, Asclepio sacrata; Schol. Stat. Theb. 4,123 ciuitas Argiuorum, ubi Aesculapius colitur, equorum fertilitate gratissima, u. ö.
Nebenform:
Epidaurum Plin. nat. 4,18 sinus Saronicus, olim quemo nemore redimitus, unde nomen, ita Graecia antiqua appellante quercum; in eo Epidaurum oppidum, Aesculapi delubro celebre;
Steph. Byz. nennt als weitere (Bei-)Namen Λειμήρη (die Wiesenreiche, vgl. Plin. nat. 4,17 Epidaurus Limera cognomine), Μειλισσία und Αἱμηρά, da der Asklepiosaltar ständig von den Opfern blutbefleckt gewesen sei.
Stadt der argolischen Akte mit gutem Hafen (Zweiturmvignette) in strategisch wichtiger Lage (s. Piérart 2004, 606) mit guter Landverbindung zur argolischen Ebene an einer Bucht mit flachem Strand und einer kleinen Küstenebene auf einem in die Bucht vorspringenden Felsenhügel (s. Lafond, DNP), allerdings in einer wenig fruchtbaren Umgebung (s. Philippson/Kern, RE 46),
In der Nähe der Stadt berühmtes Asklepias-Heiligtum (oft in den Quellen erwähnt, s. oben), das von Sulla (Plut. Sulla 12,3) und von Seeräubern (Plut. Pompeius 24,5) geplündert wurde.
Um 163 n. Chr. reiche Förderung (Paus. 2,27,6f). Statuen für röm. Kaiser reichen bis in die Zeit des Gordianus. Christl. Basilika des 4. Jh.
395 n. Chr. zerstörten die Goten das Heiligtum. Mitte des 5. Jh. infolge der Ausbreitung des Christentums Aufgabe des bisherigen Kults (Lafond, DNP).
Auf der TP weist eine Zweiturmvignette auf die Bedeutung als Hafenstadt und Verkehrknotenpunkt hin, jedoch keine Tempelvignette trotz des berühmten Asklepiadeums.
Die archäolog. Reste (z. B. Tempel, Theater, Stadion, Propyläen) sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes (https://whc.unesco.org/en/list/491).
Zu den Funden s. Tomlinson 1983
Grabungsberichte: V. Lambrinoudakis, Praktika 140, 1984 (1988), 229-232; 142, 1987 (1991), 52-65; 143, 1988 (1991), 21-29; 144, 1989 (1992), 43-56; V. Ch. Petrakos, Ergon 37, 1990 (1991), 11-21; 38, 1991 (1992), 11-23; 39, 1992 (1993), 8-20.
Bauinschriften bei Prignitz 2014 und 2022.
Münzen: Mz.: HN2, 418; 441f; Traeger 2020.
Kommentar (Talbert):
- The "v" is indistinct, and the "a" even more so, but neither is in doubt.
- An extra chicane was created (well ahead) to prevent the route linework running into the name.
- There are no onward stretches.
Miller, Itineraria, Sp. 584:
[22.]
Epitavro,_ [...], auf der Akte von Argolis am Strymonischen Meerbusen, berühmt als Kurort durch seinen Äskulaptempel (5 mp südöstlich von der Stadt); j. noch Epidauro (Pidhavro). Überreste des Heiligtums der Athena Kissäa, der Befestigungen. CIG 1167-1182. CIL III 533. 7266. 7267.
Datierung (Barrington):
Epidauros, § Epidauria - Archaic, Classical, Hellenistic, Roman (Lauffer 1989, 219-21 |
Paus. 2.25.7)
DNP:
Epidauros
(Ἐπίδαυρος).
A. Lage
Stadt der argolischen Akte an der Südküste des Saronischen Golfs mit ausgedehntem Territorium bis zum Argolischen Golf und guter Landverbindung zur argolischen Ebene. Die ant. Stadt lag an einer Bucht mit flachem Strand und einer kleinen Küstenebene auf einem in die Bucht vorspringenden Felsenhügel mit zwei Gipfeln (Nisi) beim h. Palaia-Epidavros. Die Top. des ant. E. ist nur oberflächlich bekannt.
Lafond, Yves
B. Geschichte
E. wird bereits bei Hom. Il. 2,561 erwähnt; die Stadt war Mitglied der Amphiktyonie von Kalaureia (Strab. 8,6,14); im 7./6. Jh.v.Chr. Tyrannis des Prokles (Hdt. 3,50-52; Paus. 2,28,8). Am Kampf gegen die Perser beteiligte sich E. mit Heer und Flotte; 459/8 erlitt E. eine Niederlage gegen Athen bei Kekryphaleia (Thuk. 1,105,1; Diod. 11,78,1f.). Im Peloponnesischen Krieg und später befand sich E. auf Seiten Spartas, auch nach der Schlacht bei Leuktra 371 v.Chr.; Beteiligung am Lamischen Krieg 323/2 v.Chr. (Diod. 18,11,2). 243 erfolgte der Anschluß an den Achaiischen Bund (Plut. Aratos 24,3; Paus. 2,8,5; StV 3, 489). Eine Verlustliste der Schlacht am Isthmos 146 v.Chr. ist erh. (IG IV 12, 28). 395 n.Chr. zerstörten die Goten das Heiligtum. Mitte des 5. Jh.n.Chr. kam es infolge der Ausbreitung des Christentums zur Aufgabe des bisherigen Kults.
Lafond, Yves
C. Heiligtum des Asklepios
Ca. 10 km südl. von E. lag in einer weiten Talmulde das Heiligtum des Asklepios. Der Kult begann im 7.Jh. v.Chr., evtl. schon früher (Entdeckung einer Kultstätte SH I-II) in dem am Abhang des Kynortion liegenden Heiligtum des später mit Apollon gleichgesetzten Maleatas [1; 2], im Heiligtum selbst im 6. Jh.v.Chr.; Apollon und Asklepios waren gemeinsam Inhaber des Heiligtums. Bes. im 4. Jh.v.Chr. kam es zu glanzvollem Ausbau, durch Sulla (Plut. Sulla 12,3) und durch die Seeräuber (Plut. Pompeius 24,5) aber zu Plünderungen des Heiligtums. Um 163 n.Chr. erlebt E. reiche Förderung und mehrere Neubauten durch den Senator Sex. Iulius Maior Antoninus Pythorus aus Nysa (Paus. 2,27,6f.). Statuen für röm. Kaiser reichen bis in die Zeit der Severer und des Gordianus. Eine christl. Basilika des 4. Jh.n.Chr. befindet sich im Nordteil des Bezirks. Der Hauptzugang zum Heiligtum von der Stadt her liegt im Norden (Nord-Propyläen). Mittelpunkt des Heiligtums ist der dor. Peripteral-Tempel (ca. 380-375 v.Chr.) mit der goldelfenbeinernen Kultstatue des thronenden Asklepios von Thrasymedes aus Paros (Paus. 2,27,2) [3], dahinter die Tholos (“Thymele”) des jüngeren Polykleitos [4], einer der am reichsten ausgestatteten Kultbauten der klass. Zeit, über einem Unterbau aus konzentrischen Mauerringen mit Gängen dazwischen (genaue Funktion immer noch fraglich). Mehrere Tempel, bes. der Artemis (E. des 4. Jh.v.Chr.), Themis, Aphrodite [5. 171-175] und der “ägypt. Götter”, gehören ebenso zum Komplex des Heiligtums wie große Gebäude für die Unterbringung und Behandlung der Heilungsuchenden und sonstigen Besucher, dazu Gebäude für die Agone des Hauptfestes (Asklepíeia), dessen Entwicklung mit der Verbreitung des Asklepios-Kults verbunden ist [6], Gymnasion, Palaistra, Stadion [7] und das frühhell. Theater (2. H. 4. Jh.v.Chr.) [8; 9], mehrere Thermen, Nebengebäude und eine große Anzahl von Altären und Kunstwerken. Die Kranken suchten Heilung in den Traumorakeln, die sie im Schlaf in einer zweiteiligen Porticus (enkoimētḗrion oder ábaton) erhielten. Berichte über Wunderheilungen wurden von der Priesterschaft auf großen, z.T. erh. Stelen verzeichnet (IG IV 12, 121-127). Daneben gab es auch Heilkuren unter Verwendung von Wasser [10]. Belegstellen: Skyl. 50,54; Strab. 8,6,15; Paus. 2,26-29,1 [11. 298-307]; Liv. 45,28,3. Inschr.: IG IV 12. Mz.: HN2, 418; 441f.
Lafond, Yves
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| Literatur: |
Miller, Itineraria, Sp. 584.
Pfaff, Christopher A.: Late Antique Symbols and Numerals on Altars in the Asklepieion at Epidauros, Hesperia, 87 (2018), 387-428.
Piérart, Marcel: Epidauros, in: Hansen, Mogens Herman/Nielsen, Thomas Heine: An inventory of archaic and classical poleis, Oxford 2004, 606-608.
Pharaklas, N.: Ἐπιδαυρία, Athen 1972.
Philippson, Alfred/Kern: Epidauros 1, RE 6,1 (1907), 46-50.
Prêtre, Clarisse: Diaphonie et symphonie. La propagande polyphonique du sanctuaire d´Asklépios à Épidaure, in: Klaus Freitag/Matthias Haake (Hgg.): Griechische Heiligtümer als Handlungsorte, Stuttgart 2019, 175-186.
Prignitz, Sebastian: Bauurkunden und Bauprogramm von Epidauros (400-350): Asklepiostempel, Tholos, Kultbild, Brunnenhaus (= Vestigia 67), München 2014.
Prignitz, Sebastian: Bauurkunden und Bauprogramm von Epidauros II (350–300): Abaton. Kleisia, Aphroditetempel, Artemistempel, Theater, Epidoteion (= Vestigia 75), München 2022
Schultz, Peter/Bronwen, Lara Wickkiser/ Hinge, George/Kanellopoulos, Chrysanthos/Franklin, John C.: The Thymele at Epidauros: Healing, Space, and Musical Performance in Late Classical Greece, Fargo, ND 2017.
Tomlinson, Richard Allan: Epidauros. Granada, London u. a. 1983.
Traeger, Burkhard: Epidauros: das Askleipeion, die Stadt und ihre Münzen, Numismatisches Nachrichtenblatt 69 (2020), 258 – 273.
[Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]
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