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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Bvr (Bur)

Name (modern):

(POL / UKR) (Barrington)

Bild:
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Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000)
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Großraum:

Oberhalb Rhein/Donau

Toponym Typus:

Ethnikon

Planquadrat:

4A3 / 4A4

Farbe des Toponyms:

rot

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Buri (Burii?)

Barrington Atlas:

Buri? (13 H3)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Bur[I]

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Λοῦγοι οἱ Βοῦροι (2,11,20), τῶν Βουργουντῶν (ἔθνος), Var. Βουργούντων (2,11,15. 17f.)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

Kaiserzeit (2. Jh.)

Begründung zur Datierung:

Der Eintrag des Ethnonyms auf der Tabula Peutingeriana stimmt in etwa mit den Angaben der Quellen des späten 1. und 2.Jh. n.Chr. überein. Daher ist von einer Überarbeitung dieser Region auf der Tabula Peutingeriana im 2.Jh. n.Chr. auszugehen.

Kommentar zum Toponym:

Das Ethnonym BVR ist auf der Tabula Peutingeriana an der mittleren (bis unteren?) Donau platziert. Am wahrscheinlichsten ist die Gleichsetzung mit den Buri, wie der Kontext auf der Karte nahelegt. Die Buri sind ein germanischer Stamm am Oberlauf der Weichsel, der zuerst bei Tacitus Erwähnung findet, ihm zufolge Nachbarn der Quaden und Markomannen sind (Tac. Germ 43: Buri). In der Forschung wird es zumeist mit den Burgundern gleichgesetzt, die zuerst bei Plinius (nat. 4, 99; Burgodiones) in einer großen als Vindili/Vandili bezeichneten Gruppe der Oder-Weichsel-Germanen und Mitte des 2.Jh. n.Chr. auch bei Ptolemaios (2, 11, 15. 17f.: τὸ τῶν Βουργουντῶν [ἔθνος], Var. Βουργούντων) bezeugt sind; hierher zu stellen sind möglicherweise auch die von Ptolemaios an der mittleren oder oberen Weichsel oder östlich des Flusses platzierten Frugundionen (Ptol. 3, 5, 20: Φρουγουνδίωνες) und die Burgunziones der Veroneser Völkertafel (13, 17 Seeck 251), die eventuell als eine Teilgruppe der Burgunden anzusprechen sind, und die Burgundiones gens (Iul. Hon. 26A p. 40 GLM Riese). Eine Schwierigkeit in der Identifizierung dieses Ethnonyms auf der Tabula Peutingeriana besteht also darin, dass die Schreibungen bei den antiken Autoren variieren und auch die Handschriften unterschiedliche Namensformen bieten. Die Siedlungsgbiet der Burgunden dürften zu diesem Zeitpunkt „im Raum zwischen Warthe, Netze, dem Weichselknie und der mittleren Oder“ gelegen haben (Kaiser, Die Burgunder, 15), im 3.Jh. n.Chr. am oberen und mittleren Main und verlagerten sich wenig später, vielleicht schon ab dem späten 3.Jh., immer weiter nach Westen (beidseitig des Rheins, westliches Gallien). Erwägenswert ist aber auch die Identifizierung mit den Borani/Βορανοί, vielleicht ein sarmatischer Stamm, der Tacitus zufolge in Nachbarschaft der Markomannen und Quaden lebte und in seiner Kultur (Sprache, Kleidung) Bezüge zu den Sueben aufwies: … Buri terga Marcomannorum Quadorumque claudunt. e quibus Marsigni et Buri sermone cultuque Suebos referunt (Tac. Germ. 43, 1), der an der Nordküste des Schwarzen Meeres, den östlichen Karpaten und an der unteren Donau siedelte. In Erwägung zu ziehen auch ist die Zugehörigkeit der Buri zu dem Kultverband der Lugier, die Strabo als μέγα ἔθνος bezeichnet (Strab. 7, 1, 3 [290]), das der Markomannenkönig Marbod neben vielen anderen Völkern in sein Reich integriert habe. Ptolemaios setzt sie in der Nähe der Weichselquelle an und ordnet sie den Lugiern zu (Ptol. 2, 11, 10: Λούγιοι Βοῦροι). Die Lugier, ein Kolleltivname für die südliche Gruppe der Ostgermanen, finden in der antiken Literatur wiederholt Erwähnung (Strab. 7, 1, 3: Λου<γ>ίους; Tac. Germ. 43, 2: Lugii; Ptol. 2, 11, 20: Λοῦγοι; Cass. Dio 67, 5, 2: Λύγιοι) - zuletzt bei Zosimos, der die Lugier als einen germanischen Teilstamm ansieht (Zos. 1, 67, 3: Λογγίωνας ἔθνος Γερμανικόν, von Castritius rekonstruierte Form: Λογίωνες).
In Domitians Dakerkrieg kämpften die Lugii mit römischer Unterstützung in der Region Dakien („Mysia)“ gegen die Sueben (Cass. Dio 67, 5, 2). Ein Teil der Lugii, die Buri, verbündeten sich mit während Trajans Dakerkrieg 105 n.Chr. mit den Dakern (Cass. Dio 68, 8). Den Buri wurde in der hohen Kaiserzeit offenbar eine gewisse Bedeutung beigemessen: Trajan unterhielt zu ihnen freundschaftliche Kontakte (Cass. Dio 68, 8: Βοῦρροι), Mark Aurel und auch Commodus kämpften in den Markomannenkriege gegen sie (Cass. Dio 71, 18: 72, 2f.: Βοῦρροι); nach der Beendigung dieser Auseinandersetzungen im Jahr 182 schloss Commodus mt ihnen einen Friedensvertrag (CIL III 5397: expeditio Burica; Cass. Dio 72, 3, 1f.: Βοῦρροι). Zusammen mit den Goten, Urugunden und Karpen unternahmen die Buri wiederholt im 3.Jahrhundert, z.B. in der Regierungszeit der Kaiser Trebonianus Gallus (251-253) und Gallienus (253-260), Plünderungszüge ins Römische Reich (bis nach Illyrien und Italien).
Der Eintrag des Ethnonyms auf der Tabula Peutingeriana stimmt also in etwa mit den Angaben der Quellen des späten 1. und 2.Jh. n.Chr. überein, wobei die Platzierung des Ethnonyms BVR auf der Tabula Peutingeriana am ehesten die römische Kooperation mit den Lugiern in den Markomannenkriegen und die Kämpfe gegen die Buri wiederspiegelt. Es ist am ehesten von einer Aktualisierung dieser Region im 2.Jh. n.Chr. auszugehen. - Vgl. auch M.ARCOMANNI· und QVADI·.

RE:
Buri (Burii?), germanisches Volk, zuerst von Tac. Germ. 43 erwähnt zusammen mit Marsignern, Cotinern und Osen: terga Marcomannorum Quadorumque claudunt, e quibus Marsigni et Buri sermone cultuque Suebos referunt (Buri besser bezeugt als Burii). Ptol. II 11, 10 setzt die Λούγιοι Βοῦροι ὑπὸ τῷ Ἀσκιβουργίῳ ὄρει bis zur Weichselquelle. Als den Quaden benachbart erscheinen sie auch bei Dio LXXI 18. LXXII 3 (Βοῦρροι), und die Tab. Peut. endlich verzeichnet sie zwischen Sarmaten und Quaden über der Donau (Bur..). Sie scheinen ein nicht unbedeutendes Volk gewesen zu sein. Dio LXVIII 8 berichtet von ihrem guten Einvernehmen mit Traian (Mommsen R. G. V 202). Marc Aurel und Commodus schlossen mit ihnen Friedensverträge (Dio LXXI 18. LXXII 2). Unter den Völkern des Markomannischen Krieges nennt Iul. Capitolinus (Hist. Aug. M. Ant. phil. 22) auch die Burei (so die Hss., wohl für Burii). Sonst werden sie nicht genannt. Dass sie mit den Borani des Zosimus identisch seien, ist wenig wahrscheinlich, und auch die Vermutung von Zeuss (Die Deutschen 126), dass bei Strab. VII 290 Ζούμους zu verbessern sei in Βούρους, hat nicht viel für sich. Ebenso ist die Deutung des Namens ungewiss. Vgl. Zeuss a. O. 122ff. 126. 458ff. J. Grimm Gesch. d. deutschen Sprache II³ 495f. Müllenhoff Deutsche Altertumsk. II 324f. 337. Much Deutsche Stammsitze 133. Schiller Gesch. d. röm. Kais. I 643. 662. Domaszewski Serta Harteliana 10. 12.

[Ihm. ]
Nachträge und Berichtigungen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig
⟨ Burebista
Busentus ⟩
Band S I (1903) S. 264 (EL)
Buri in Wikidata
Bildergalerie
Register S I Register b
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[Abschnitt korrekturlesen]
S. 1067, 23 zum Art. Buri:
Eine bei Kehlheim gefundene Inschrift CIL III 5937[WS 1] ist dem Iuppiter O. M. Stator gewidmet von Fl(avius) Vetulenus, Centurio der leg. III Italica reversus ab expedit(ione) Burica. Die Zeit dieser Expedition ist unbestimmt.

[Ihm. ]
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig
⟨ Burennius
Busentus ⟩
Band R (1980) S. 71
Buri in Wikidata
Bildergalerie
Register R Register b
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Buri

Germ. Volk. (L) S I.

[Hans Gärtner. ]

Literatur:

Maximilian Ihm, in: RE III / 1, 1897, 719 s.v. Borani (Βορανοί); Ders., ebd., 1063-1065 s.v. Burgundiones; Ders., ebd., 1067 s.v. Buri (Burii?); Miller, Itineraria, 616; Moritz Schönfeld, in: RE XIII / 2, 1927, 1715-1517 s.v. Lugii; Hans-Jörg Kellner, Expeditio Burica, in: Dieter Albrecht / Andreas Kraus / Kurt Reindel (Hrsg.), Festschrift für Max Spindler zum 75. Geburtstag, München 1969, 25-29; Otto J. Maenchen-Helfen, The World of the Huns. Studies in their History and Culture, Berkely / London 1973, 452f.; Hans H. Anton / Heinrich Beck / Peter Berghaus / Max Martin/Günter Neumann, Hellmut Rosenfeld, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 4, 1981 (2. Aufl.), 224-271 s.v. Burgunden; Karlheinz Dietz, in: DNP 2, 1997, 856 s.v. Burgundiones; Günter Neumann, in: RGA 19, 2001, 30-32 s.v. Lugier, § 1 Namenkundliches; H. Castritius, ebd., 32-35 s.v. Lugier, § 2 Historisches; Herwig Wolfram, Die Goten, München 2001 (4. Aufl.), 58ff.; Falko von Saldern, Studien zur Politik des Commodus, 2003 (= Historische Studien der Universität Würzburg 1), 77-83; Reinhold Kaiser, Die Burgunder, Stuttgart 2004, 15-20; Klaus-Peter Johne, Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike, Berlin 2006, 251f. 289; Péter Kovács; Marcus Aurelius’ Rain Oracle and the Marcomannic Wars, Leiden / Boston 2009 (= Mnemosyne 308), 162. 203. 244. 253. 259. 260f.; Everett L. Wheeler, The Army and the Limes in the East, in: Paul Erdmann (Hrsg.), Companion to the Roman Army, Malden 2011 (= Blackwell Companions to the Ancient World), 235-266, hier 254.

   [Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]

Letzte Bearbeitung:

04.05.2026 11:44

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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=2129 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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