| Toponym TP (aufgelöst): | Bvr (Bur) |
| Name (modern): | (POL / UKR) (Barrington) |
| Bild: | ![]() Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP |
| Toponym vorher | |
| Toponym nachher | |
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| Bild (Barrington 2000) |
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| Bild (Scheyb 1753) | --- |
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| Bild (MSI 2025) | --- |
| Großraum: | Oberhalb Rhein/Donau |
| Toponym Typus: | Ethnikon |
| Planquadrat: | 4A3 / 4A4 |
| Farbe des Toponyms: | rot |
| Vignette Typus : | --- |
| Itinerar (ed. Cuntz): |   |
| Alternativer Name (Lexika): |   |
| RE: | Buri (Burii?) |
| Barrington Atlas: | Buri? (13 H3) |
| TIR / TIB /sonstiges: |   |
| Miller: | Bur[I] |
| Levi: |   |
| Ravennat: |   |
| Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff): | Λοῦγοι οἱ Βοῦροι (2,11,20), τῶν Βουργουντῶν (ἔθνος), Var. Βουργούντων (2,11,15. 17f.) |
| Plinius: |   |
| Strabo: |   |
| Autor (Hellenismus / Späte Republik): |   |
| Datierung des Toponyms auf der TP: | Kaiserzeit (2. Jh.) |
| Begründung zur Datierung: | Der Eintrag des Ethnonyms auf der Tabula Peutingeriana stimmt in etwa mit den Angaben der Quellen des späten 1. und 2.Jh. n.Chr. überein. Daher ist von einer Überarbeitung dieser Region auf der Tabula Peutingeriana im 2.Jh. n.Chr. auszugehen. |
| Kommentar zum Toponym: |
Das Ethnonym BVR ist auf der Tabula Peutingeriana an der mittleren (bis unteren?) Donau platziert. Am wahrscheinlichsten ist die Gleichsetzung mit den Buri, wie der Kontext auf der Karte nahelegt. Die Buri sind ein germanischer Stamm am Oberlauf der Weichsel, der zuerst bei Tacitus Erwähnung findet, ihm zufolge Nachbarn der Quaden und Markomannen sind (Tac. Germ 43: Buri). In der Forschung wird es zumeist mit den Burgundern gleichgesetzt, die zuerst bei Plinius (nat. 4, 99; Burgodiones) in einer großen als Vindili/Vandili bezeichneten Gruppe der Oder-Weichsel-Germanen und Mitte des 2.Jh. n.Chr. auch bei Ptolemaios (2, 11, 15. 17f.: τὸ τῶν Βουργουντῶν [ἔθνος], Var. Βουργούντων) bezeugt sind; hierher zu stellen sind möglicherweise auch die von Ptolemaios an der mittleren oder oberen Weichsel oder östlich des Flusses platzierten Frugundionen (Ptol. 3, 5, 20: Φρουγουνδίωνες) und die Burgunziones der Veroneser Völkertafel (13, 17 Seeck 251), die eventuell als eine Teilgruppe der Burgunden anzusprechen sind, und die Burgundiones gens (Iul. Hon. 26A p. 40 GLM Riese). Eine Schwierigkeit in der Identifizierung dieses Ethnonyms auf der Tabula Peutingeriana besteht also darin, dass die Schreibungen bei den antiken Autoren variieren und auch die Handschriften unterschiedliche Namensformen bieten. Die Siedlungsgbiet der Burgunden dürften zu diesem Zeitpunkt „im Raum zwischen Warthe, Netze, dem Weichselknie und der mittleren Oder“ gelegen haben (Kaiser, Die Burgunder, 15), im 3.Jh. n.Chr. am oberen und mittleren Main und verlagerten sich wenig später, vielleicht schon ab dem späten 3.Jh., immer weiter nach Westen (beidseitig des Rheins, westliches Gallien). Erwägenswert ist aber auch die Identifizierung mit den Borani/Βορανοί, vielleicht ein sarmatischer Stamm, der Tacitus zufolge in Nachbarschaft der Markomannen und Quaden lebte und in seiner Kultur (Sprache, Kleidung) Bezüge zu den Sueben aufwies: … Buri terga Marcomannorum Quadorumque claudunt. e quibus Marsigni et Buri sermone cultuque Suebos referunt (Tac. Germ. 43, 1), der an der Nordküste des Schwarzen Meeres, den östlichen Karpaten und an der unteren Donau siedelte. In Erwägung zu ziehen auch ist die Zugehörigkeit der Buri zu dem Kultverband der Lugier, die Strabo als μέγα ἔθνος bezeichnet (Strab. 7, 1, 3 [290]), das der Markomannenkönig Marbod neben vielen anderen Völkern in sein Reich integriert habe. Ptolemaios setzt sie in der Nähe der Weichselquelle an und ordnet sie den Lugiern zu (Ptol. 2, 11, 10: Λούγιοι Βοῦροι). Die Lugier, ein Kolleltivname für die südliche Gruppe der Ostgermanen, finden in der antiken Literatur wiederholt Erwähnung (Strab. 7, 1, 3: Λου<γ>ίους; Tac. Germ. 43, 2: Lugii; Ptol. 2, 11, 20: Λοῦγοι; Cass. Dio 67, 5, 2: Λύγιοι) - zuletzt bei Zosimos, der die Lugier als einen germanischen Teilstamm ansieht (Zos. 1, 67, 3: Λογγίωνας ἔθνος Γερμανικόν, von Castritius rekonstruierte Form: Λογίωνες). |
| Literatur: | Maximilian Ihm, in: RE III / 1, 1897, 719 s.v. Borani (Βορανοί); Ders., ebd., 1063-1065 s.v. Burgundiones; Ders., ebd., 1067 s.v. Buri (Burii?); Miller, Itineraria, 616; Moritz Schönfeld, in: RE XIII / 2, 1927, 1715-1517 s.v. Lugii; Hans-Jörg Kellner, Expeditio Burica, in: Dieter Albrecht / Andreas Kraus / Kurt Reindel (Hrsg.), Festschrift für Max Spindler zum 75. Geburtstag, München 1969, 25-29; Otto J. Maenchen-Helfen, The World of the Huns. Studies in their History and Culture, Berkely / London 1973, 452f.; Hans H. Anton / Heinrich Beck / Peter Berghaus / Max Martin/Günter Neumann, Hellmut Rosenfeld, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 4, 1981 (2. Aufl.), 224-271 s.v. Burgunden; Karlheinz Dietz, in: DNP 2, 1997, 856 s.v. Burgundiones; Günter Neumann, in: RGA 19, 2001, 30-32 s.v. Lugier, § 1 Namenkundliches; H. Castritius, ebd., 32-35 s.v. Lugier, § 2 Historisches; Herwig Wolfram, Die Goten, München 2001 (4. Aufl.), 58ff.; Falko von Saldern, Studien zur Politik des Commodus, 2003 (= Historische Studien der Universität Würzburg 1), 77-83; Reinhold Kaiser, Die Burgunder, Stuttgart 2004, 15-20; Klaus-Peter Johne, Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike, Berlin 2006, 251f. 289; Péter Kovács; Marcus Aurelius’ Rain Oracle and the Marcomannic Wars, Leiden / Boston 2009 (= Mnemosyne 308), 162. 203. 244. 253. 259. 260f.; Everett L. Wheeler, The Army and the Limes in the East, in: Paul Erdmann (Hrsg.), Companion to the Roman Army, Malden 2011 (= Blackwell Companions to the Ancient World), 235-266, hier 254. [Standard-Literatur-Liste im PDF-Format] |
| Letzte Bearbeitung: | 04.05.2026 11:44 |
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