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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Sorices

Name (modern):

 

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
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Toponym nachher
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Großraum:

Skythien

Toponym Typus:

Ethnikon

Planquadrat:

8A1

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Sarmatae 1 (Sauromatae)

Barrington Atlas:

 

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Sorices

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Σουαρδηνοί (5, 9, 16. 17)?, Σουρανοί (Σουρομανοί) (5,9,20)?, Σαύαροι (3,5,22)?

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

Späthellenismus (nach 200)

Begründung zur Datierung:

Auf Grund der Quellenlage ist anzunehmen, dass die Platzierung dieses Ethnonyms am unteren Borysthenes am ehesten das geographische Wissen des Späthellenismus oder der frühen Kaiserzeit über den nordpontischen Raum wieder.

Kommentar zum Toponym:

Der Eintrag Sorices, der an lateinisch sorex („Spitzmaus“) mit dem Plural sorices („Spitzmäuse“) denken lässt, ist ebenso wie Cenocephali ein Lapsus: Gemeint sein dürfte genauso wie bei den Hundsköpfigen in Ostafrika ein in der antiken Literatur gut bezeugtes Ethnonym. Podossinov (Eastern Europe, 343) setzt die stark entstellte Form Sorices wahrscheinlich zu Recht mit den Sauromaten gleich. Zwischen dem 6. und 4.Jh. v.Chr. sind die Sauromaten zwischen Wolga und Don (Melyukova, The Scythians, 110-112; Ivantchik, Amazonen, 76). Nach Herodot (4, 21) siedelten die Sauromaten nordöstlich der Mündung des Don, was der archäologische Befund bestätigt (Ivantchik, Amazonen, 76); hingegen nicht archäologisch nachweisbar ist Herodots Version über die Herkunft der Sauromaten aus der Verbindung von Skythen und Amazonen (Hdt. 4, 110-117). Bereits im 5.Jh. v.Chr. stießen Teilverbände der Sauromaten, seit dieser Zeit auch als Sarmaten bezeichnet, vor bis an die Maeotis. Die Sauromaten siedelten also östlich der Skythen. Ammianus hingegen (31, 2, 13. 16f.) grenzt die Siedlungsgebiete der Sauromaten nach Osten durch den Tanais ab, lokalisiert sie also weiter im Westen als die griechischen Autoren der archaischen Zeit. Erstmals bezeugt ist die Wanderung der Sauromaten über den Don nach Westen durch Polybios ( 26, 6, 13), dem zufolge sich dieser Stammesverband an der nordpontischen Küste ansiedelte. Diodor (2, 43, 7) berichtet, dass die Sauromaten weite Landstriche des Skythenlandes verwüstet hätten, also in die Gebiete westlich des Tanais vorgedrungen seien (vgl. auch Lukian. Toxaris 42); im archäologischen Befund erkennbar sind diese Veränderungsprozesse als eine durch lokale Traditionen (Krim, Küstenorte der Griechen) stark überformte, skythische Kultur („Late Scythian culture“, 3.Jh. v.Chr.-frühes 2.Jh. n.Chr.) auf der Krim und am Unterlauf des Dniepr (Ivantchik, Scythians, in: Encyclopædia Iranica ii. Archaeology). Richtig in den Fokus der griechischen und lateinischen Autoren rückten sie im frühen 1.Jh. n.Chr.: Strabo zählt die Saurormaten (Σαυρομάται) zusammen mit den Skythen zu den Völkerschaften „oberhalb des Maiotischen Sees“ (2, 5, 7 [114]: ὑπὲρ τῆς Μαιώτιδος) und „oberhalb des Schwarzen Meeres, des Istros und der Adria Wohnenden“ (11, 6. 2 [507]: ὑπὲρ τοῦ Εὐξείνου καὶ Ἴστρου καὶ τοῦ Ἀδρίου κατοικοῦντας; vgl. auch 7, 2, 4 [294]). In ihrer (weiteren) Nachbarschaft verortet er die Skythen, Achaier, Zyger und Heniocher (2, 5, 31 [129]: Σαυρομάται καὶ Σκύθαι καὶ Ἀχαιοὶ καὶ Ζυγοὶ καὶ Ἡνίοχοι), also die im nördlichen Schwarzmeerraum und an der pontischen Kaukasusküste lebenden Völkerschaften; Teile der sarmatischen Stammeskonföderation leben ihm zufolge zwischen Borysthenes (Dniepr) und Istros (Strab. 7, 3, 17 [306]: οἱ Ἰάζυγες Σαρμάται) und nicht (mehr) östlich des Tanais. Insgesamt definiert er die große Region östlich der Germanen nördlich der Donau, westlich des Tanais und nördlich der Maiotis als Siedlungsgebiet der Geten, Tyregeten, Bastarner und Sauromaten (2, 5, 30 [128]; 7, 3, 1 [294]. 13 [305]; 12, 3, 26 [553] u.ö.). Pomponius Mela verortet sie an der Tanais-Mündung (1, 12: ad Maeotici, ad Tanain Sauromatae; vgl. auch 1, 105). Ähnlich werden sie von Plinius platziert (nat. 4, 80: Sarmatae, Graecis Sauromatae; 81: Iazyges Sarmatae), der unter den verschiedenen Völkerschaften im Mündungsgebiet des Tanais auch die Sarmaten bezeugt und zusätzlich deren griechische Bezeichnung Sauromatae angibt; an anderer Stelle - auch hier vergleichbar mit Mela - nennt er unter den Teilstämmen der großen als Sarmatae bezeichneten Stammeskonföderation die gynaikokratumenischen Sauromaten (Plin. nat. 6, 19: Sarmatae … Sauromatae Gynaecocratumenoe; vgl. auch Mela 1, 105: [Sarmatarum] Maiotidae gynaecocratumeni). Als Sauromaten anzusprechen sind eventuell die von Ptolemaios genannten Suardener (Ptol. 5, 9, 16. 17: Σουαρδηνοί) oder die Suraner (Ptol. 5, 9, 20: Σουρανοί [Σουρομανοί]), wenn man von dem Ethnonym Sorices ausgehend nach einem ähnlichen Namen sucht oder die Σαύαροι (Ptol. 3, 5, 22), nach Kretschmer „ein Volk im europäischen Sarmatien“ (RE II A/1, 250) und von Tomaschek am unteren Borysthenes verortet (Hinweis von Kretschmer, a.a.O.). Meines Erachtens auf der Grundlage von Strabo (2, 5, 7 [114]; 7. 3. 17 [306], s.o.) wahrscheinlicher ist, dass auf Grund ihrer Siedlungsgebiete an der Maiotis die von Ptolemaios im „Europäischen Sarmatien“ (ἡ ἐν Εὐρώπῃ Σαρματία) als Jazygen bzw. Roxolanen aufgelisteten, vielleicht dem sarmatischen Kreis zuzurechnenden Gruppen gemeint sind (Ptol. 3, 5, 19: Ἰάζυγες, Ῥωξολανοί). Prokop (BV 1, 2, 3) verwendet das Ethnonym Σαυρομάται (zusammen mit Μελάγχλαινοι) als Kollektivbezeichnung für Ostrogoten Visigoten, Vandalen, Alanen und Gepiden (Steinacher, Rome and Its Created Northeners, 47f.), zeichnet also ein nicht mit den Einträgen auf der TP kompatibles Bild der Ethnographie der antiken Welt. - Vgl. auch zu den Hic cenocephali nascuntur·, SVANISARMATAe·, ROXVLANI SARMATE· (Roxolanen) und Flvm̄ Tanais qvi dividit asiam (et) evropam·.

Literatur:

Miller, Itineraria, 618; Konrad Kretschmer, in: RE I A / 2, 1920, 2542-2550 s.v. Sarmatae 1; Ders., in: RE II A / 1, 1921, 250 s.v. Σαύαροι; Konstantin F. Smirnov, Sauromates et Sarmates, in: Dialogues d’Histoire Ancienne 6, 1980, 139-151; Alexander V. Podossinov, Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition, Moscow 2002, 343 (auf Russisch); Anna I. Melyukova, The Scythians and Sarmatians, in: Denis Sinor (Hrg.), The Cambridge History of Early Inner Asia, Cambridge 1990 (ND 1994), 97-117, hier 110ff.; Iris von Bredow, in: DNP 11, 2001, 83-85 s.v. Sarmatai; Marek J. Olbrycht, Parthia et ulteriores gentes. Die politischen Beziehungen zwischen dem arsakidischen Iran und den Nomaden der eurasischen Steppen, München 1998 (= Quellen und Forschungen zur antiken Welt 30), 130-133; Ders., Notes on the Presence of Iranian Peoples in Europe and their Asiatic Relations, in: Jadwiga Pstrusińska / Andrew T. Fear (Hrg.), Collectanea Celto-Asiatica Cracoviensia, Kraków 2000, 101-140, hier 104. 110-114. 116-123. 131; Askold I. Ivantchik, Amazonen, Skythen und Sauromaten: Alte und neue Mythen, in: Charlotte Schubert / Alexander Weiss (Hrg.), Amazonen zwischen Griechen und Skythen. Gegenbilder in Mythos und Geschichte, Berlin 2013 (= Beiträge zur Altertumskunde 310), 73-87, hier 76; Anca Dan, The Sarmatians: Some Thoughts on the Historiographical Invention of a West Iranian Migration, in: Felix Wiedemann / Kerstin P. Hofmann / Hans-Joachim Gehrke (Hrg.), Vom Wandern der Völker. Migrationserzählungen in den Altertumswissenschaften, Berlin 2017 (= Berlin Studies of the Ancient World 41), 97-134, hier 112f. (zu Amm. 31, 2, 13. 16f.). 116f. (Zeitstellung der „Sauromaten-Kultur“ in Abgrenzung zu dem späteren Sarmaten-Horizont); Askold Ivantchik, Scythians, in: Encyclopædia Iranica, online edition, 2018, http://www.iranicaonline.org/articles/scythians (zuletzt abgerufen am 30.4.2020); Alexander Podossinov, Northern Asia on the Tabula Peutingeriana: Some Observations on the Ancient Concepts of this Region, in: OT 18, 2020, 167-196, hier 185; Roland Steinacher, Rome and Its Created Northeners, in: Matthias Friedrich / James M. Harland (Hrg.), Interrogating the „Germanic“: A Category and Its Use in Late Antiquity and the Early Middle Ages, Berlin / Boston 2021 (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 123), 31-66.

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Letzte Bearbeitung:

23.03.2023 20:44

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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=1954 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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