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Part of Tabula Peutingeriana - Rome

Tabula Peutingeriana – Single display of hits

Toponym TP (renewed):

Tolosa

Name (modern):

Toulouse

Image:
To the image detail
Toponym before XVIIII     (unnamed/illegible, no. ID 3741)     
Toponym following X (?)     Sar[/n]tali     XXVIII     Fines     XV (?)     Badera     
Alternative Image ---
Image (Barrington 2000)
Image (Scheyb 1753) ---
Image (Welser 1598) ---
Image (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/246694
Area:

Gaul/Germania

Toponym Type:

Toponym with Symbol

Grid square:

1B1

Toponym Color:

black

Vignette Type :

A Twin Towers

Itinerary:

Tolosa (458,3)

Alternative Name (Lexica):

Tolosa (DNP)

Name A (RE):

Tolosa

Name B (Barrington Atlas):

Tolosa (25 G2)

Name C (TIR/TIB/others):

 

Name D (Miller):

Tolosa

Name E (Levi):

Tolosa (A,I,1)

Name F (Ravennate):

 

Name G (Ptolemy):

Τολῶσα κολωνία (2,10,9)

Plinius:

Tolosani Tectosagum (3,37)

Strabo:

 

Dating from Toponym on TP:

---

Argument for Dating:

 

Commentary on the Toponym:

Hauptort der Volcae Tectosages auf einer Terrasse am rechten Ufer des oberen Garumna.
Wohl seit 121 v. Chr. mit Rom verbündet; jedoch probten die Bürger 106 v. Chr. den Aufstand, der damit endete, dass der Consul Servilius Caepio die Stadt eroberte und plünderte (Cic. nat. deor. 3,74 aurum Tolossanum; Gell. 3,9,7; Strabo, s. u.); seither Teil der Provinz Gallia Narbonensis (Caes. Gall. 1,10,1). Das ius Latii erhielt Tolosa unter Caesar, den Rang einer colonia unter Kaiser Domitianus (81-96 n. Chr.). Mit der Reichsreform des Diocletianus Teil der Prov. Narbonensis Prima. 417 n. Chr. Eroberung durch die Westgoten und Residenzstadt ihres “Tolosanischen Reiches”.
Wichtiges Handelszentrum für Weine aus Italia; bedeutend im Backsteinhandwerk; bekannt für seine Juristen und Rhetoren (vgl. Mart. 9,99,3; Auson. carm. 15,5,11 u. ö.; Sidon. carm. 7,4955).
Saturninus, der erste Bischof fiel um 250 n. Chr. der Christenverfolgung des Decius zum Opfer.
Erhalten sind Theater, Amphitheater, zwei Aquädukte. Um 275 wurde die Stadt erneut befestigt [2].
(s. Demarolle, J. Ü. (2006). Tolosa. In Der Neue Pauly Online. Brill. https://doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e1217010).

Die übliche Namensform des Ortes lautet Tolosa.
Weitere antike Belege und alternative Schreibweisen (Auswahl):
- Tolosates Erster literar. Beleg des Ortes: Caes. Gall. 1,10,1 non longe a Tolosatium finibus…, quae civitas est in provincia.
- Τολώσσα Strabo 4,1,13f ἐν δὲ τῇ Τολώσσῃ καὶ τὸ ἱερὸν ἦν ἅγιον τιμώμενον σφόδρα ὑπὸ τῶν περιοίκων, καὶ τὰ χρήματα ἐπλεόνασε διὰ τοῦτο, πολλῶν ἀνατιθέντων καὶ μηδενὸς προσάπτεσθαι θαρροῦντος. (14) (Ἵδρυται δ´ ἡ Τολῶσσα κατὰ τὸ στενότατον τοῦ ἰσθμοῦ τοῦ διείργοντος ἀπὸ τῆς κατὰ Νάρβωνα θαλάττης τὸν Ὠκεανόν, ὅν φησι Ποσειδώνιος ἐλάττω τῶν τρισχιλίων σταδίων (Dort gab es ein hochverehrtes und von den Umwohnern reich beschenktes Heiligtum. Lage am schmalsten Punkt des Isthmos, der den Ozean von dem Meer bei Narbo trennt und der laut Poseidonios (frg. 248 Edelstein-Kidd) weniger als 3.000 Stadien misst).
- Zur Schreibweise vgl. das Adjektiv Tolossanum bei Cic., s. o.)
- Tolosa Mela 2,75 (unter den reichsten Städten der Gallia Narbonenis).
- Τολῶσα κολωνία Ptol. 2,10,9 (zu den Volkai Tektosages).
- Τόλοσσα Cass. Dio 27,90,1; Τόλοσα 38,32,3
- Tolosa Itin. Ant. 457,3f; 458,3.
- civitas Tolosa (var. lect. Tholosa) Itin. Burd. 551,2.
- Auson. ordo urb. 18
Non umquam altricem nostri reticebo Tolosam,
coctilibus muris quam circuit ambitus ingens
perque latus pulchro praelabitur amne Garumna,
innumeris cultam populis, confinia propter
ninguida Pyrenes et pinea Cebennarum,
inter Aquitanas gentes et nomen Hiberum.
quae modo quadruplices ex se cum effuderit urbes,
non ulla exhaustae sentit dispendia plebis,
quos genuit cunctos gremio conplexa colonos.
- Amm. Marc. 15,11,14 in Narbonensi Elusa et Narbona et Tolosa principatum urbium tenent.
- Venant. Fort. De reditu suo (carm. 10,9),496 compulit … / colere externos capta Tolosa lares.
- Ciuitas Tolosatium Notit. Gall. 15,3 (zur Provincia Narbonensis Prima).
- Tolosa Tabula Peutingeriana 1B1
- Tolosates Isid. orig. 9,2,97 (unter den barbarischen germanischen Völkerschaften).

Spätere Namensformen:
- Tholosa, z. B. Cosmogr. Rav. 4,40 p. 77,29.
- Tolosa, Tholosa und Tulusa auf merowing. Münzen.

Ethnonym:
- Tolosani als Ethnonym erscheint nach Plin. (s. auch nat. hist. 4,109) erst wieder ab Greg. Tour. hist. 9,31.
- Tholosanus öfters bei Greg. Tour.
- Tolosates, z. B. Caes. Gall. 1,10,1 u. ö.; Venant. Fort. De reditu suo (carm. 10,9),496; Isid. orig. 9,2,97.
- Tolossenses, z. B. 534 CIL XII.
(Weiter Belege bei Courtenay, Edward Stevens: Tolosa, RE II 6,2 (1937), 1685-1693, https://elexikon.ch/RE/VIA,2_1685.png), besonders 1686).

Weitere Literatur s. Demarolle, J. Ü. (2006). Tolosa. In Der Neue Pauly Online. Brill. https://doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e1217010.
Neuere Untersuchungen:
- Moret, Pierre (2022): Tolosa Tectosagum: A Wide-Ranging Connectivity Hub between Transalpine Gaul, Aquitania and Hispania Citerior, in: Toni Ñaco del Hoyo et al. (Hgg.): Rome and the North-Western Mediterranean, Oxford, 121-130.
- Pailler, Jean-Marie / Darles, Christian / Moret, Pierre (2015): Toulouse: naissance d´une ville, Portet-sur-Garonne.



Kommentar (Talbert):
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Miller, Itineraria, Sp. 97-98:
Tolosa, it. (It, Am), civitas Tholosa (Hi), Tholosa (Ra), civitas Tolosatium (ng in prov. Narb. I). Im Jahre 105 v. Chr. Wurde Tolosa zum ertsenmal von den Römern eingenommen (Dio C, Caes); kolossale Reichtümer dort im Tempel aufgehäuft (St, Cic. De natur. Deorum III 30: aurum Tolosanum, Cic. Pro Fonteio, Pl, Ml, Pt); T. war in die tribus Voltinia aufgenommen; col. mit Beinamen Palladia (Aus); Hauptstadt der Westgoten, dann von Aquitanien (Greg), eingenommen von Chlodwig 507;
j. Toulouse. Museum mit reichen römischen Altertümern. Amphitheater. Iss: 5379-5410. 6025. La Danrade ist eine an der Stelle eines römischen Gebäudes aufgebaute Kirche.
Kreuzung mit der Strecke 17 nach Bordeaux und Narbonne.

Tolosa; j. Toulouse. Abzweigung nach Elusa, Aquis Terebellicis, Strecke 30. Der Verbindungsstrich fehlt, sowie die Zahlen und Namen, welche wohl nicht mehr leserlich waren. Ein Riss und starke Beschädigung im Pergament.
–; It bringt: bis Vernosole 15; j. Vernose;
Inde Aquis siccis 12; j. Ayguas Sec;
Inde Calagorris 16; j. Martres – viele Altertümer;
inde Lugdunum 26 mp.
Bei Labroquère wurde 1 Meilenstein gefunden mit Entfernung: M. P. 2 (es sind Leugen!): I: 8890.

Miller, Itineraria, Sp. 108:
Tolosa, Strecke 14; j. Toulouse.

Tolosa; j. Toulouse. 15; bis Ad Nonum 9 (Hi). Das It hat bis Carcassone folgende Stationen und Entfernungen: mut. Ad Nonum 9, mut. Ad Vicesimum 11, mansio Elusione 9, mut. Sostomago 9, vicus Hebromago 10, mut. Cedros 6, Castellum Carcassone 9, zusammen 63.
In Fourquevaux, etwas abseits von der Straße, wurde ein Meilenstein mit der Entfernung 15 (a Tolosa) gefunden. I: 5676.

Datierung (Barrington):
Tolosa – Hellenistic/Roman/Late Antique (Labrousse 1968; Rivet 1988, 115-29)
§ Col. Iulia Tolosa
§ Civ. Tectosagum
§ Tolosates

[T.W.] c(ivitas) T(olosa) (CIL 17,2, 00301 = CIL 12, 5674)

DNP:
Tolosa

(Τολῶσσα). Hauptort der Volcae Tectosages (Strab. 4,1,13; Plin. nat. 3,37; Ptol. 2,10,9; Cass. Dio 27,90) auf einer Terrasse am rechten Ufer des oberen Garumna; h. Toulouse. Wohl seit 121 v. Chr. mit Rom verbündet, lehnte sich T. 106 v. Chr. gegen die Römer auf und wurde daraufhin vom Consul Servilius [I 12] Caepio erobert und geplündert (zur Affäre um den bei dieser Gelegenheit erbeuteten hl. Schatz, das aurum Tolosanum, “Gold von T.”, vgl. Cic. nat. deor. 3,74; Gell. 3,9,7; Strab. l.c.); seither war T. Teil der Prov. Gallia Narbonensis (Caes. Gall. 1,10,1). Seit Caesar mit dem ius Latii (Latinisches Recht) ausgestattet, wurde T. unter Kaiser Domitianus (81-96 n. Chr.) in den Rang einer röm. colonia erhoben [6]. Mit der Reichsreform des Diocletianus (mit Karte) wurde T. Teil der Prov. Narbonensis Prima (Amm. 15,11,14). 417 n. Chr. eroberten die Westgoten unter Ataulfus die Stadt und erhoben sie zur Residenzstadt ihres “Tolosanischen Reiches”. Als wichtiges Handelszentrum war T. Umschlagplatz für Weine aus It., die von Narbo über T. nach Burdigala (Bordeaux) verfrachtet wurden. In der Stadt wirkten bedeutende Juristen und Rhetoren; sie war bekannt für ihre zahlreichen und qualifizierten Schulen (vgl. Mart. 9,99,3; Auson. urb. 15,5,11; 16,18,7; Sidon. carm. 7,4955). Saturninus, der erste Bischof in T., fiel um 250 n. Chr. auf den Stufen des Kapitols von T. der Christenverfolgung des Decius [II 1] zum Opfer.

In T. blühte das Backsteinhandwerk [3]; aus Backstein wurde großenteils auch die im Zuge der Neugestaltung der ganzen Stadtanlage [4; 5] erforderliche Stadtmauer (1. Jh. n. Chr.) errichtet [1]. Erh. sind Theater, Amphitheater, zwei Aquädukte. Um 275 wurde die Stadt erneut befestigt [2].

Demarolle, Jeanne-Marie

RE:
Tolosa
RE Stevens VI A,2 1685–1693 — Tolosa. Tolosa, das heutige Toulouse (Haute-Garonne), Stadt in Gallia Narbonensis am östlichen Ufer der Garonne. I. Name. Tolosa ist die Lesung der Handschriften in der frühesten Erwähnung Cic. Font. 9, 19 und die übliche Form auf Inschriften und in Texten. Daneben erscheint Tolossa bei Strabon und Cassius Dio sowie in einigen Handschriften des Ptolemaios. Tholosa ist spät- und nachrömische Schreibung; merowingische Münzen bieten Tolosa, Tholosa und Tulusa. Ableitungen sind Tolossensis, Tolossanus, Tolosas/-atis, Tolosanus, Tholosanus, Tolosensis. Der Name scheint nicht keltisch zu sein; seine Bedeutung und Ableitung ist ganz unsicher. II. Vorgeschichte. In der Bronzezeit war die Gegend der oberen Garonne von Bevölkerungen teils ligurischer, teils iberischer Abstammung besetzt; die umfassende Besetzung der unmittelbaren Nachbarschaft scheint aus der späten Hallstattperiode zu stammen. Die Hauptsiedlung befand sich auf den Höhen von Pech-David und Vieille-Toulouse, etwa 5 km südlich von Toulouse. Dort umschloß ein 4–5 m breiter Erdwall ein Gebiet von etwa 200 ha. Innerhalb lagen Hütten aus Flechtwerk und Lehm sowie Gruppen von Aschengräbern. Die Siedlung bestand während der ganzen Latènezeit; zahlreiche Münzfunde bezeugen ihre Bedeutung. Etwa die Hälfte der Münzen stammt aus heimischer Münzstätte, daneben erscheinen spanische, massaliotische, sonstige gallische und römisch-republikanische Münzen. Die Siedlung bestand nach der römischen Eroberung weiter. CIL XII 5388 vom J. 47 v. Chr. erwähnt eine basis et solarium, die bei einer Quelle innerhalb der Umwallung durch ein Kollegium wohl von Sklaven und Freien errichtet wurde. Möglicherweise gewann noch vor der römischen Eroberung die Tieflage von Toulouse selbst an Bedeutung; Tolosa war jedenfalls keine völlig neue römische Stadt nach Art von Augustodunum. Ausgrabungen im Stadtzentrum zeigten unter der römischen eine prähistorische Besiedlungsschicht. Auf dem Friedhof St.-Roch in der südlichen Vorstadt gingen dem gallorömischen Friedhof ausgedehnte vorgeschichtliche Bestattungen voraus; die jüngeren Gräber enthielten campanische und griechische Amphoren. Italischer Weinimport wird durch zahlreiche Amphoren in Vieille-Toulouse und Toulouse bezeugt. Eine Herkunft der galatischen Tectosagen aus dieser Gegend wird als unwahrscheinlich angesehen; ebenso wird die Verbindung des „Goldes von Tolosa“ mit dem Keltenzug nach Delphi abgelehnt. III. Geschichte. Tolosa erscheint zuerst als Stadt, vermutlich Hauptstadt, der Volcae Tectosages, die ihre Herrschaft über keltische, iberische und andere Völkerschaften zwischen Cevennen und Mittelmeer ausgedehnt hatten. Mit Bildung der römischen Provinz 121 v. Chr. wurde ihnen vielleicht ein Teil des Landes für das Siedlungsgebiet von Narbo entzogen; sie traten in eine Art Bundesverhältnis zu Rom, während Tolosa oder Vieille-Toulouse eine römische Garnison erhielt. 106 v. Chr. kündigten sie das Bündnis, vertrieben die Garnison, und Cn. Servilius Caepio nahm die Stadt unter Mithilfe einer römerfreundlichen Partei ein und plünderte sie. Besonders groß war die Beute an goldenen und silbernen Weihgeschenken aus Tempeln und heiligen Gewässern. Das spätere Unglück des Caepio und der mit der Beute verbundenen Personen machte aurum Tolosanum sprichwörtlich. Danach kamen Tolosa und die Tectosagen unter direkte römische Verwaltung. Der Besitz des oberen Garonnetals bot Rom Schutz für den Küstenweg nach Spanien und Kontrolle über den westwärts über Aude und Garonne laufenden Handelsweg. Caesar legte 52 v. Chr. ein praesidium nach Tolosa; 56 v. Chr. wurden dort römische Bürger für den aquitanischen Feldzug besonders aufgeboten. Das Gebiet der Tectosagen war spätestens unter Augustus in kleinere Verwaltungsbezirke geteilt. Der Bezirk von Tolosa ist durch Meilensteine bis 19 Meilen Entfernung bezeugt. Zwei Stationen namens Fines lagen ungefähr an seinen Grenzen, eine auf dem Weg nach Carcassonne, die andere auf dem Weg nach Cahors, beide etwa 40 km entfernt. Der pagus Tolosanus entsprach ungefähr der mittelalterlichen Diözese Toulouse. Plinius nennt Tolosa ein oppidum Latinum; Ptolemaios eine Kolonie, doch hält Stevens diese Koloniebezeichnung für unbelegt und die Münze „Colonia Tolosa“ für eine Fälschung. Bei der diocletianischen Neuordnung wurde Tolosa der Narbonensis prima zugeteilt und erscheint als civitas. Über die frühe Kaiserzeit ist wenig bekannt. Genannt werden Korn und geringwertiger Käse als Erzeugnisse; Mela, Ammianus und Ausonius rühmen den Reichtum. Seit früher Zeit genoß Tolosa den Ruf eines geistigen Mittelpunktes und wurde von Martial Palladia genannt. Zu den bekannten Bürgern gehören der Rhetor Statius Ursulus, M. Antonius Primus und im 4. Jh. die Rhetoren Aemilius Magnus Arborius, Exuperius und Sedatus. Zeitweise war die Stadt Residenz von Angehörigen des constantinischen Kaiserhauses. In der Völkerwanderungszeit wurde Tolosa wohl 413 von Athaulf und den Westgoten genommen, zunächst wieder aufgegeben, durch den Vertrag von 418 jedoch erneut gewonnen. Von nun an wurde es Stützpunkt für westgotische Angriffe auf Narbo und gelegentlich Schauplatz römischer Rückeroberungsversuche. 439 wurde der magister militum Litorius vor seinen Mauern geschlagen. Tolosa blieb bis zur Schlacht von Campus Vocladensis 507 unter westgotischer Herrschaft und kam danach an die Franken. Unter den Westgoten war es meist Königsresidenz, Sitz des königlichen Schatzes und offenbar des obersten Gerichtshofes; 506 wurde hier die Lex Romana Visigothorum erlassen, und das westgotische Reich hieß entsprechend regnum Tolosanum. IV. Verwaltung und örtliche Angelegenheiten. Die Inschriften sind für eine so bedeutende Stadt wenig zahlreich. Wahrscheinlich seit Augustus besaß Tolosa latinisches Recht; diejenigen, welche das römische Bürgerrecht erhielten, wurden der tribus Voltinia zugeteilt. Die übliche Municipalverwaltung ist durch Q. Trebellius Rufus und weitere fragmentarische Inschriften erschließbar. Männer aus Tolosa dienten in den Legionen am Rhein und an der Donau; für die spätere Zeit ist ein protector bezeugt. Personen aus Tolosa sind außerdem in Barcino, Rom, Athen, Pisaurum, Aquae Sextiae und vielleicht Narbo belegt. V. Religion. In der Erzählung vom aurum Tolosanum erscheint ein einheimischer Apollontempel. CIL XII 5388 nennt die basis et solarium von Vieille-Toulouse. Aus Tolosa selbst stammen Weihungen an Iuppiter Optimus Maximus, Mercurius, Silvanus domesticus und die Lokalgottheit Erditsis/Erditsa; eine Statue des Liber ist ebenfalls bekannt. Q. Trebellius Rufus aus Tolosa war Oberpriester des Kaiserkultes in Narbo. Die Anfänge des Christentums sind unbekannt. Erster Bischof soll Saturninus gewesen sein, der um 250 als Märtyrer starb. Christliche Inschriften sind spärlich; unter den Westgoten scheint Tolosa jedoch ein Mittelpunkt der Herstellung christlicher Sarkophage gewesen zu sein. VI. Denkmäler. Die römischen Reste sind spärlich. Wichtigstes Monument ist die Stadtmauer. Sie bestand aus Steinmörtel mit kleinen Oolithblöcken und Ziegelbändern, war etwa 2,5–3 m dick und umschloß ungefähr 80 ha. Ihr Verlauf entsprach im wesentlichen der mittelalterlichen Mauer außer im Norden; runde Türme sprangen über die Mauer vor, im Abstand von etwa 35 m. Die genaue Datierung ist unsicher; Jullian schrieb sie wegen ihres großen Umfangs dem 1. Jh. zu, doch Ziegelbänder sind kein sicherer Hinweis auf späte Datierung, und stellenweise ist wiederverwendetes Material nachgewiesen. Möglicherweise stammt die Mauer aus mehreren Bauphasen; spätere Münz- und Grabfunde lassen eine Verkleinerung der Stadt in der Spätzeit möglich erscheinen. Beim Abbruch des Château Narbonnais im 16. Jh. kam viel römisches Material zutage. Der Bau könnte ein spätrömisches castellum gewesen sein; in seinem Inneren befand sich vielleicht ein triumphbogenartiges Monument. Eine antike Wasserleitung führte auf dem westlichen Garonneufer und soll den Fluß gekreuzt haben. Ein großer, 1869–1870 teilweise ausgegrabener Bau von mehr als 4000 m² wurde als amphitheatrum navale und zugleich als Wasserreservoir gedeutet. Ein zweites Amphitheater lag bei St.-Michel-du-Touch, etwa 5 km nördlich der Stadt; seine Arena maß ungefähr 69 × 59 m. Die Lage des in den Berichten über Saturninus genannten Capitolium bleibt unbekannt. VII. Literatur. Eine Monographie über das römische Toulouse gab es zur Zeit des RE-Artikels nicht; genannt werden u. a. de Vic/Vaissete, CIL XII, Blanchet, Holder, Jullian, Espérandieu, Cartailhac, Noguier, Durosoy sowie Arbeiten von Malafosse, Joulin und Chalande. [Stevens.]


"TP-Online-ID: 3202 — Tolosa

Desjardins S. 53.

Lesung und Namensform bei Desjardins: Tolosa; normalisierte Form: COLONIA TOLOSA VOLCARUM TECTOSAGUM.

Lage und Route bei Desjardins: Region/Lage: Narbonensis Ia. Typ: Oppid. et civit. de l’époque gauloise; puis colonia romana et civit.; carrefour de quatre routes. Route/Abschnitt: LXIII. de Lugduno, Lyon, — à Elusa, Eause, par Vigenna, Vienne; Arelato, Arles; Nenniso, Nîmes; Narbonne, Narbonne et Tolosa, Toulouse.

Quellenstellen bei Desjardins: Itin. Ant. 458,3: Tolosa; Itin. Burd. 551: civitas Tolosa und anschließende Strecke über ad Nonum, ad Vicesimum, Eleusione, Sostomago, Hebromago, Cedros, Carcassone; Cass. Dio, frg. 97 der von Desjardins benutzten Edition, zur Einnahme 105 v. Chr.; Caes. Gall. 7,7; Strab. 4,1,13–14; Cic. Nat. D. 3,74: aurum Tolosanum; Iust. 32,3; Cic. Font. 8; Plin. Nat. 3,37; Mela 2,5; Ptol. Geogr. 2,10,9; Inschrift des Q. Trebellius Rufus sowie lokale Inschriften zu tribus Voltinia, quattuorviri und quaestores, moderne Einzelkonkordanzen nicht vollständig gesichert; römische Münze COLONIA TOLOSA; Not. Gall.: civitas Tolosatium; Amm. Marc. 15,11; Auson. Prof. 17,7; Ordo urb. nob. 12,1–9; Rav. 4,40: Tholosa; Greg. Tur.; Fredegar 5,57: pagus Tholosanus; merowingische, karolingische und gräfliche Münzen; mittelalterlich Toloseta, Tolosella, Tolosula, dioecesis Tolosana.

Moderne Identifikation bei Desjardins: Toulouse.

Kommentar und Forschungsstand bei Desjardins: Desjardins vergleicht die TP-Distanzen Toulouse–Carcassonne detailliert mit dem Itinerarium Burdigalense. Die Übereinstimmung zeige, dass beide Dokumente dieselbe Fernroute mit teilweise unterschiedlichen Zwischenstationen wiedergeben.

Zusatz aus Desjardins’ Gallien-/Germanienanalyse (S. 72 und 77): In der systematischen Einzelprüfung der Narbonensis führt Desjardins diesen Namen unter den Ortsnamen, die er ausdrücklich als sicher vor dem Tod des Augustus bzw. spätestens augusteisch einstuft.

Bearbeitungshinweis: Carrefour de quatre routes ausdrücklich bei Desjardins."

References:

Liccardo, Names, S. 129–131.

Desjardins, Table, p. 53, col. 1-2, no. 26.

Miller, Itineraria, Sp. 97-98. 108.

Stevens, Courtenay Edward, Tolosa, in: RE VI/A,2 (1937), Sp. 1685.


1 G. Baccrabere, A. Badie, L´enceinte du Bas-Empire à Toulouse, in: Aquitania 14, 1996, 125-130

2 R. de Filippo, Nouvelle définition de l´enceinte romaine de Toulouse, in: Gallia 50, 1993, 181-204

3 Ders., Ch. Rico, La forme et la marque: la brique à Toulouse ..., in: Pallas 46, 1997, 67-86

4 M. Labrousse, Toulouse antique, 1968

5 C. E. Stevens, s. v. T., RE 6 A, 1685-1693

6 J.-M. Pailler, Domitien et la “cité de Pallas”, in: Pallas 34, 1988, 99-109.

A. L. F. Rivet, Gallia Narbonensis, 1988, 115-129.

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Last Update:

25.08.2026 13:25


Cite this page:
https://tp-online.ku.de/trefferanzeige_en.php?id=3202 [last accessed on August 25, 2026]

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