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Part of Tabula Peutingeriana - Rome

Tabula Peutingeriana – Single display of hits

Toponym TP (renewed):

Turnaco

Name (modern):

Tournai

Image:
Toponym before XI     Virouino (Virovino)     XIIII     Nemetaco     
Toponym following XII     (unnamed/illegible, no. ID 3708)     
Alternative Image ---
Image (Barrington 2000)
Image (Scheyb 1753) ---
Image (Welser 1598) ---
Image (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/109398
Area:

Gaul/Germania

Toponym Type:

Toponym, no Symbol

Grid square:

1A3

Toponym Color:

black

Vignette Type :

---

Itinerary:

Turnacum (376,7)

Alternative Name (Lexica):

Turnacum (DNP)

Name A (RE):

Turnacum

Name B (Barrington Atlas):

Turnacum (11 D2)

Name C (TIR/TIB/others):

 

Name D (Miller):

Turnaco

Name E (Levi):

 

Name F (Ravennate):

 

Name G (Ptolemy):

 

Plinius:

 

Strabo:

 

Dating from Toponym on TP:

---

Argument for Dating:

 

Commentary on the Toponym:

Miller, Itineraria, Sp. 60:
Turnaco, Turnacum (It), civ. Turnacensium (ng in Belg. II), procurator gynaecii Tornacensis, Belg. II – praepositus numeri Turnacensium, Lemannis (ND), urbs Tornacensis, quae quondam fuit regalis civitas (S. Aud.), Turnacensis Ecclesia (MA); j. Doornik, französ. Torney. Iss: 3566 (cf. 3565. 3567). Abzweigung nach Nemetaco (Strecke 8). 12; it. (It).

Datierung (Barrington):
Turnacum - Roman/ Late Antique (VillesGB 271-82; Petit 1994, 252 (no. 315))

DNP:
Turnacum
h. Tournai (Belgien, Prov. du Hainaut). Gallo-röm. vicus beiderseits des Scaldis (Schelde) im Grenzbereich zw. Menapii und Nervii, ein Knotenpunkt auf der Route von Gesoriacum nach Bagacum (Tab. Peut. 2,3; Itin. Anton. 367,7), von dem Straßen nach Castellum (h. Cassel; Itin. Anton. 377,5) und Tervanna (ebd. 378,11) abgingen. Siedlungsspuren sind bis in die Eisenzeit nachgewiesen, die gallo-röm. Präsenz in augusteischer Zeit ist unzusammenhängend; der eigentliche Aufstieg des Ortes begann unter Claudius [III 1]. Ein temporäres Militärlager ist im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Truppen für den Feldzug nach Britannia zu sehen. E. des 1. Jh. n. Chr. wurde die Siedlung auf der linken Flußseite orthogonal ausgerichtet. Die Blütezeit dauerte bis E. des 2. Jh. n. Chr. (mit städtischem Wasser- und Kanalisationsnetz, öffentlichen Gebäuden, Thermen, Hafeneinrichtungen; am rechten Ufer ein Tumulus). Die Stadt profitierte v. a. von Steinbrüchen, war aber auch Handelszentrum für die umliegende Agrarregion. Von Chauci 172-174 n. Chr. geplündert, erreichte T. nicht mehr den alten Glanz; Mitte des 3. Jh. wurde T. erneut zerstört. Nach der Provinzialreform des Diocletianus civitas-Hauptort der Menapii (Notitia Galliarum 6,8), und E. des 3. Jh. auf ca. ein Viertel reduziert, wurde die Siedlung zum castellum [I 1] umgebaut, in dem german. laeti stationiert waren [1]. 407 wurde T. von Vandali verheert, dann von salischen Franci (Salii [1]) wiederhergestellt und zur Residenzstadt erhoben (Hier. epist. ad Geruchiam aus dem J. 409). Das sehr reich ausgestattete Grab des 482 verstorbenen Königs Childerich I. ist erh. [2]. Als unter seinem Sohn Chlodovechus die Franci expandierten, wurde die Residenz nach Paris verlegt.
Schön, Franz

RE:
Turnacum
RE P. Goessler VII A,2 1398–1408 — Turnacum (Tornacum). 1) Name einer gallorömischen Siedlung im ehemals menapischen Gebiet in der Prov. Belgica secunda, in später Kaiserzeit Hauptstadt der Menapier = h. Tournai (franz. Torney, fläm. Doornijk) a. Schelde. Kiepert FOA T. XXV Dk. CIL XIII T. II C g. S. Holder Altcelt. Sprachsch. II 2001f. CIL XIII 1 p. 567. o. Bd. XV S. 766ff. Vercauteren Étude sur les civitates de la Belgique seconde 233ff. mit Bibliographie S. 233 (= Ac. R. de Belgique, Mém. [Lettres] T. XXXIII). Quellen: 1) CIL 3565 GENIO TVRNACE(n)SIV(m) Graffito auf „rotbemaltem“ Gefäß, anscheinend Barbotine-Sigillata; Zeit: 2. Jhdt. n. Chr., gefunden in Tournai. 2. Tab. Peut. segm. II 3 Turnaco — ohne Zeichen — als Raststation an der Hauptstraße Baca conervio (= h. Bavai)—Castello Menapiorum (= h. Cassel), und zwar zwischen Pontes caldis — statt Ponte Scaldi — (= h. Escaupont a. Schelde, Dép. Nord) und Virovino (= h. Wervicq-Belgien), von jenem XII L, von diesem XI L entfernt. 3. Itin. Ant. nennt außer der genannten durchgehenden Hauptstraße (a) zwei weitere Straßen (b und c), die von T. ausgehen bzw. in T. enden: a) p. 376, 7 Turnacum als Raststation an der Straße a portu Gesoricensi (= h. Boulogne) Bagacum usque (= h. Bavai), und zwar zwischen Viroviacum (= h. Wervicq) und Pontes Caldis (s. o.), von jenem XVI L, von diesem XII L entfernt; b) p. 377, 5 Turnacum als Endstation der Straße a Castello (s. o.) per compendium — Abkürzungsweg von nur XXXVIII L, indes Straße a) über Viroviacum für dieselbe Strecke Cassel—Tournai XXVIII L angibt; die Zahlen sind jedoch gestört — Turnacum usque XXXVIII L mit einer Zwischenstation Minariacum (= h. Estaires, Dép. Nord; s. o. Bd. XV S. 1765), von ihr XXVII L entfernt; c) p. 378, 11 Turnacum als Endstation der Straße a Tarvenna (= h. Thérouanne, Dép. Pas de Calais; s. Bd. IV A S. 2451f.) Turnacum XLIX L mit einer Zwischenstation Nemetacum (= h. Arras; s. o. Bd. XVI S. 2381f.), von ihr XXVII L entfernt. Diese Verbindung Turnacum—Nemetacum ist auch in einigen Ausgaben der Tab. Peut. — jedoch nicht bei Scheyb und dem von ihm abhängigen Mannert; s. Desjardins Table de Peut. 13 — eingezeichnet, wobei aber die rechts von „Nemetaco“ angegebene Zahl XIIII sich nicht auf die Entfernung Nemetaco—Turnaco, sondern auf die Distanz Nemetaco—Camaraco (= Cambrai) bezieht, also zu der hier gezeichneten Hauptstraße Tervanna—Camaraco, an der Nemetacum liegt, gehört. 4. Not. Gall. VI 8 p. 265f. (ed. Seeck) in provincia Belgica secunda civitates num. XII: Metropolis civitas Remorum (= Reims) ... civitas Turnacensium (Var. Tornacensium); T. ist also jetzt — Anfang 5. Jhdt. — Hauptstadt des danach genannten Gebietes und nicht mehr das noch bei Ptolem. p. 223, 9ff. als πόλις der Μενάπιοι — deren Name verschwunden ist — genannte Κάστελλον. 5. Not. dign. occ. XI 57 (p. 151 ed. Seeck) nennt unter den procuratores gynaeceiorum den procurator gynaeceii Tornacensis Belgicae secundae. 6. Not. dign. occ. XXVIII 15 (p. 180f. ed. Seeck) sub dispositione viri spectabilis comitis litoris Saxonici per Britanniam ... praepositus numeri Tornacensium Lemannis (Var. Lemanis); s. Böcking annot. II 563f. 7. Hieron. ep. 123 (ad Geruchiam) vom J. 409 (Corp. scr. eccl. LVI 92; Vercauteren 368) Remorum urbs praepotens, Ambiani, Atrebatae extremique hominum Morini, Tornacus — also hier zeitlich zum erstenmal das wohl an sich ursprünglichere Torn-, nicht mehr Turn- — Nemetae, Argentoratus translati in Germaniam; es wird also in der oft zitierten Schilderung der kriegerischen Ereignisse in Gallien im Anfang des 5. Jhdt. unter den Gebieten und Städten, die die Germanen zerstört haben — translati in Germaniam — auch die Stadt oder pagus Tornacus genannt. Alsdann folgen die zahlreichen Erwähnungen von T. in den Quellen von der Merowingerzeit an bis zu den um 1160 geschriebenen Historiae Tornacenses (MGH script. t. XIV 266ff.), in denen Torn- gegenüber Turn- weitaus überwiegt, so vor allem bei Greg. Tur. hist. Franc. IV 50f. V 22. 49. X 27 (s. MGH scr. rer. mer. I 1 Register S. 909 u. d. W. T(h)ornacus, Tornacensis pagus usw.), [Fredegar] Gesta regum Franc. (s. MGH ebd. II Register S. 555 u. d. W. Turnacus, Thornoa, Turnacinsis urbs), [Venant. Fort.] Vita S. Medardi (MGH a. a. IV 2 p. 68, 17) in Tornaco civitate. Weitere Zeugnisse s. Holder II 2002. Über die Franci Tornacenses bei Greg. Tur. X 27 s. Vercauteren 238f. Endlich auf merowingischen Prägungen TURNACO (Prou Cat. mer. nr. 1086–1088) und auf karolingischen TORNACO (Prou Cat. car. nr. 203–205). Name, Ableitung und Bedeutung. Wie auch der sprachlich gleich gebildete Personen-, vermutliche Häuptlingsname Durnacos, der auf den nach dem Vorbild römischer Quinare geprägten, in der Südost-Celtica häufig vorkommenden keltischen Silbermünzen aus der Zeit der Liga des Ariovist vorkommt (Muret-Chabouillet Cat. 5743ff. Forrer Kelt. Numismatik 114ff. mit Abb. 213f. Holder I 1382), beweist, handelt es sich bei T. um eine echt keltische Bildung, eine Zusammensetzung wohl eines keltischen Personennamens mit dem keltischen, aber latinisierten Suffix -acum. Tornos bzw. Turnus kommt öfters als P. N. vor, z. B. als Töpfername CIL XIII 10010, 1929f. Vgl. Jubainville Propr. fonc. 170. 503. Kaspers Etymol. Untersuchungen über die mit -acum usw. gebildeten nordfranzös. Ortsnamen 292f. Kaspers Die -acum Ortsnamen des Rheinlandes nr. 98 S. 11. Gröhler Urspr. und Bedeutung der französ. Ortsnamen 224. Gamillscheg Romania Germanica 6f. Die Bedeutung des Namens Turnus, der, wenn er eine Person bedeutet (Jullian Hist. de la Gaule VI 462, 2), eher ein cognomen als ein gentile ist, ist unsicher. Dagegen bedeutet Turnacus — ergänze fundus — eine Herrensiedlung, von der, etwa in Form einer größeren Villa, freilich bis jetzt nichts, auch nicht in der Nähe gefunden worden ist (Jullian IV 376). Geographisch-Geschichtliches. Die Bedeutung der aus einem keltischen Herrenhof herausgewachsenen, an sich kleinen Siedlung gallorömischer Zeit, die den Namen dieses Grundstücks übernommen hat und an die sich früh ein Markt in diesem durch Wegsamkeit (Vercauteren 240) und Fruchtbarkeit ausgezeichneten Gebiet (Petri German. Volkserbe in Wallonien I 135) angeschlossen haben mag, wie Jullian VI 462f. vermutet, wird vor allem der Lage am Fluß und am Eingang zur flandrischen Ebene verdankt. Sie liegt auf seiner linken Seite. Zu einer gewissen Zeit mag die Schelde die Menapier, zu deren Gebiet T. gehört hat, von den zwischen Schelde und Sambre-Meuse im h. Hennegau und Südbrabant wohnenden Nerviern getrennt haben. Gerade aus der Flußlage erklärt sich, daß später die Hauptstadt der Menapii von Castellum Menapiorum (= h. Cassel, Dép. du Nord; s. o. Bd. III S. 1759 nr. 13), nahe der Grenze gegen die Moriner gelegen, also von der Westperipherie weg an die Ostseite verlegt worden ist. Für die alte Zeit erwies sich diese Flußlage als Vorteil durch die Bedeutung der Schelde für Schiffahrt und Handel des neben Waldreichtum auch Getreide und Vieh erzeugenden Landes; später aber bedeutete der Fluß als Annäherungshindernis einen gewissen Schutz gegen Angriffe vom Osten, vom Rhein, her. Diese Schutzlage hat alsdann militärische Bedeutung bekommen, als die Stadt ummauert wurde (s. nachher). Damals lehnte sich eine Seite der Stadt, die Nordostseite, an den Fluß an, wofür es zahlreiche Beispiele — man denke nur an die linksrheinischen Städte der Spätzeit — gibt; vgl. auch Blanchet Les enceintes Rom. de la Gaule 274f. Über die Stelle des römischen Schelde-Überganges herrscht freilich noch Dunkel seitens der topographisch-archäologischen Forschung. Jedenfalls kann sie nicht die Stelle des h. Pont de l’Arche sein, der in der alten Stadtgeschichte, aber nicht mehr bei Poutrain Hist. de Tournay (1750) II 558, für römisch galt, sondern die des alten Hauptübergangs, später Pont-à-Pont, heute Pont-aux-Pommes, genannt, zwischen den Mauern da, wo man im 6. Jhdt. eine Holzbrücke, die nach dem Quartier bei der späteren S. Brice führte, annahm (Schayes Les Pays-Bas avant et pendant l’occup. romaine II 243f.; Rolland Topographie tournaisienne gallo-romaine et franque, Annales de l’Académie royale d’arch. de Belgique LXXV, 7e Série. T. V S. 92, 60). Jedoch überschritt in den ersten Jahrhunderten n. Chr. keine Römerstraße hier den Fluß, sondern aller Verkehr lag auf seiner linken Seite. Es ist eine Aufgabe der Lokalforschung, die römischen Spuren auf dem Ostufer, bis jetzt römische Gräber und Baureste in der rue St. Brice (Soil Ann. Soc. Hist. Tournai V 1900), näher festzulegen. Ja neuerdings (Grenier Mélanges Thomas 392) ist man geneigt, aus dem Vorkommen spätrömischer Scherben, insbesondere der Rädchensigillata in Bavai, Tournai und in Gent die Römerstraße von Köln über Tongern—Bavai nach Tournai und vielleicht in einer Fortsetzung auf dem linken Scheldeufer über Kortryk bis Gent als eine Art Limes mit befestigten Plätzen, darunter vor allem T., anzusehen, was Breuer Le strade Romane nel Belgio 1938 (= Le grandi Strade del mondo Romano VIII), 30 andeutet, jedoch Petri a. O. mit guten Gründen zunächst noch für recht fraglich hält. Dadurch bekäme der Flußübergang in T. nur noch militärisch-defensive Bedeutung. Die genannte Straße Bavai—Tournai, auf dem linken Ufer der Schelde weit einwärts laufend, ist zugleich die Fortsetzung der wichtigen Straße von der Hauptstadt der Belgica secunda, von Reims her, die eine in vorrömische Zeit zurückgehende Verbindung vom Mittelfrankreich nach dem Meer bei Boulogne darstellt. Da, wo sie aus der Südost-Nordwestrichtung endgültig in die West-Ostrichtung umbiegt, liegt T.: auch das ein Grund, der für den gewählten Ort bedeutungsvoll gewesen sein mag. Übrigens war zu einer gewissen Zeit T. mit Bavai durch eine zweite direktere Straße verbunden, die den größten Teil des Weges auf der rechten Seite der Schelde lief, sie erst kurz vor T. überschritt und dann in die genannte linksseitige Hauptstraße einmündete (s. z. B. die Karte bei Grenier Manuel VI 453). Die uralte Bedeutung dieser selbst erhellt auch aus den alten Denkmälern an ihr, wie etwa der pierre Brunehaut nördlich Hollain südlich T. (verzeichnet bei Dessailly Bull. Soc. Préh. France 1921, 156; Grenier 298). Die Bedeutung des Orts, der weder bei Caesar noch bei Ptolem., zu deren Zeit der Hauptort der Menapier noch im Westen nahe den Morinern gelegen hat, sondern zum erstenmal in einer Inschrift des 2. Jhdts. (s. o.) genannt wird, ergibt sich lediglich aus seiner auch durch die Itinerare bezeugten Rolle als Straßenknotenpunkt. Die Mitteilungen Bozières (s. u.) 7f. über Straßenreste innerhalb T. sind veraltet. Zu der genannten Straße Bavai—Wervicq—Cassel, einem Teil der Verbindung Reims—Boulogne (CIL XIII 2 p. 688 nr. XXXV), an deren Knie T. liegt (Jullian V 101, 2; Breuer 6), kommen drei weitere Abzweigungen — unsicher ist eine vierte gegen Norden, nach Kortryk, eingezeichnet bei Grenier 453 — hinzu: 1. gegen Süden nach Cambrai; 2. gegen Südwesten nach Arras = Itin. Ant. in der obigen Aufzählung nr. 3 c; 3. gegen Westen nach Cassel, wie die genannte Hauptstraße, jedoch mit Umweg über Estaires = Itin. Ant. oben nr. 3 b; s. CIL XIII 2 p. 687 nr. XXXIV. Eine zwischen 2 und 3 liegende Verbindung, die von T. aus gegen Südwesten über Ostricourt nach Beaumont bei Arras führt, ist bei Grenier 453 noch eingezeichnet. Sonst erfahren wir über die Schicksale der Siedlung T. auf literarischem Wege, zumal auch Inschriften fast ganz (CIL XIII 3565f.) und Bildwerke ganz fehlen, da ferner systematische Ausgrabungen kaum gemacht und außer Gräbern und dürftigen Resten der Stadtmauer sehr wenig beobachtet ist, nichts Besonderes bis zu dem Zeitpunkt, da die seitherige Hauptstadt der Menapier, Castellum M., vermutlich im Laufe der Kämpfe der Römer und Franken, die vom Beginn des 4. Jhdts. ab zum Dauerkrieg werden (Pirenne Hist. de Belgique⁵ I 14), wie auch Bavai zerstört und dann, wie dieses durch Cambrai, so durch T. ersetzt worden ist (Cumont Comment la Belgique fut romanisée 106), so daß in Not. Gall. von civitas Turnacensium statt seither Menapiorum und von milites Turnacenses gesprochen wird. CIL XI 390 erwähnt noch SALINATORES CIVITATIS MENAPIORVM (aus Ariminum, Zeit: spätes 1. Jhdt. n. Chr.). An der Identität dieser civitas mit der civitas Turnacensium der Not. Gall. kann kein Zweifel sein; nennt doch z. B. Vita S. Amandi 6. Febr. ASS p. 863 D Tornucus urbs Menapiorum. Diese Umwandlung der seitherigen ländlichen Siedlung mit Markt bedeutete Übergang des Turnacus fundus in kaiserlichen Besitz. Daß damit die Erbauung der Stadtmauer von T. zusammenhängt, ist sicher; aber da bis jetzt keine sicheren Anhaltspunkte für ihre Zeit vorliegen, so ist auch das genaue Datum der Gründung der neuen Menapierhauptstadt unbekannt. Nur der genannte, noch zu besprechende Brief des Hieronymus vom J. 409, der Tornacus erwähnt, ist ein terminus ante quem. Zwei Münzfunde aus T. verzeichnet Blanchet Trésors de monnaies romaines nr. 644 (S. 259): über 200 Münzen des Victorinus, Tetricus Vater und Sohn, Claudius und Quintilla, gef. 1786, und 2000 Münzen derselben Zeit, gef. in Horwarderie bei T. Über Münzen des 3. und 4. Jhdts. wird auch von den Grabungen auf der Grand’ Place des J. 1821, die einen Friedhof — davon nachher — ergeben haben, berichtet. Daraus sind keine sicheren Daten für kriegerische Ereignisse, die die Ummauerung veranlaßt haben, zu gewinnen. Aber wahrscheinlicher als die Wirren um 275 und als die Züge der Vandalen im J. 406, auf die Hieronymus’ Zeugnis anspielt — in dem übrigens nichts von Zerstörung der Mauern gesagt wird — erscheint mir die allgemeine politisch-militärische Situation des 4. Jhdts. den Mauerbau nahegelegt zu haben, wie auch Blanchet 337 und Rolland 92 anzunehmen geneigt sind. Vercauteren 234 denkt an den Anfang des 4. Jhdts., an die Zeit Constantins I. Über die Stadtmauer s. A.-F. J. Bozière Tournai ancien et moderne 9ff. mit pl. I und danach Blanchet 112, jedoch nach dem Urteil Rollands 90, 48 ganz hypothetisch und besonders durch dessen Forschungen überholt. Im Gegensatz zu der Skepsis von Jullian VI 462, 1. VIII 220 hat Rolland, dem in neuerer Zeit die Geschichte der Stadt das meiste verdankt (s. Vercauteren 233), — bis jetzt freilich ohne Grabungen — vor allem auch unter Heranziehung der Beobachtungen des langjährigen Präsidenten der Société historique et archéologique de Tournai, des 1934 verstorbenen Chevalier Soil de Moriame, der im Bulletin und in den Annalen der Société viele Berichte darüber veröffentlicht hat — s. die Bibliographie im Nekrolog von Rolland, Revue Belge d’Arch. et d’Hist. de l’Art 1935, 87ff. —, in dem genannten Aufsatz neue Grundlagen der gallo-römischen und fränkischen Topographie der Stadt gelegt und in einem Plan, der von Bozière pl. I und S. 9ff. völlig abweicht, die Richtlinien für die dringende systematische Forschung gegeben. Ein Hauptzeugnis für die römische Stadtmauer ist die Erzählung Greg. Tur. H. Fr. IV 50 (MGH a. O. 185f.) vom Rückzug Chilperichs I. im J. 575 infra Thornacensis murus und von der Belagerung durch seinen Bruder Sigebert. Da eine merowingische Ummauerung geschichtlich undenkbar ist, zumal T. als Residenz längst durch Soissons und Reims abgelöst war, kann es sich nur um eine ältere, also spätrömische Mauer handeln. Es ist dieselbe, die alsdann im 9. Jhdt. in der metrischen Vita S. Amandi von Milon III 37ff. geschildert wird (MGH Poetae lat. aevi Car. III 589, 37ff.): urbs fuerat quondam, quod adhuc vestigia monstrant, / Tornacus, nunc multiplici prostrata ruina. / Funditus ah! turres deflet cecidisse superbas. Endlich überträgt Karl der Einfältige 898 dem Bischof Heidilon das Recht, in civitate Tornace firmitatem antiquitus statutam et nunc destructam denuo aedificare (Wariches 144. Rolland 77–79); 881 hatten die Normannen einen großen Teil der Stadt zerstört. Innerhalb dieses Mauerrings lag das in Not. Dign. erwähnte gynaeceium Tornacense Belg. sec., das zweite in dieser Provinz neben dem in Reims selber, d. h. die kaiserliche Tuchfabrik, welche die bäuerlichen weiblichen Arbeitskräfte und Erzeugnisse in einem staatlichen Betrieb unter Leitung eines militärischen Procurators zusammenfaßte und in der die Frauen die Schafwolle zu spinnen und zu weben hatten, aus der vor allem für militärische Zwecke Mäntel, saga und birri, hergestellt wurden (Jullian VII 172ff.; Vercauteren 442f.); Pirenne spricht mit Recht die flämische Tucherzeugung des Mittelalters als direkte Erbin der gallorömischen Fabriken an (Vierteljahresschr. f. Wirtschaftsgesch. 1909, 310f.). In der Tat war neben Salzgewinnung oder Salzhandel, wovon die genannte italische Inschrift von den salinatores civ. Men. (CIL XI 390), aber auch das bereits 1146 (Rolland 85, 30) genannte Salinenviertel der Stadt T. nördlich der alten Stadtmauer an der Schelde spricht (Rolland 87), die Verwertung der Schafwolle, die im Mittelalter eine Zeitlang durch das Kupferkunsthandwerk überholt wurde, in römischer Zeit Hauptverdienst der Einwohner. Daß auch eine Truppe hier lag, ist an sich wahrscheinlich, ergibt sich aber auch aus dem Not. Dign. genannten numerus Tornacensium, der im britannischen Lemanae — Itin. Ant. 473, 10 Lemanis — zum Schutz der Hafenstation am Saxonicum litus (s. o. Bd. II A S. 331ff. und Bd. XII S. 1893f.) postiert war; sein Kastell ist gefunden im Stutfall Castle bei Lymne (Grafschaft Kent). Rolland hat unter Beobachtung der freilich dürftigen archäologischen Spuren, z. B. beim alten Buttermarkt nahe der Südwestecke (Rolland 90 mit Anm. 51 unter Verweis auf Soil Ann. Soc. 1904, 126), sowie der alten Parochiegrenzen und alter Straßenläufe (S. 86) den Verlauf der römischen Stadtmauer, die mit wohl halbrunden Türmen und drei Toren versehen war, rekonstruiert (Plan S. 87). Da nirgends ein römischer Mauerrest außerhalb der bischöflichen Mauer, die selbst wieder der im 11. Jhdt. entstandenen städtischen Umwallung vorangeht und wohl aus dem Anfang des 10. Jhdts. stammt (Rolland 86), gefunden worden ist, und da sich römische Spuren da und dort unter der bischöflichen Mauer finden, so schließt er, daß die im allgemeinen sich mit der Notre Dame-Parochie deckende bischöfliche Stadt, über die die Stadt der Bürger vom 11. Jhdt. ab im Westen und Süden bedeutend hinausgegangen ist, identisch ist mit der antiken Stadt, wie sie dann als civitas Turnacensium und dann als Merowingerresidenz gedient hat. Es ist die alte cité auf der linken Seite der Schelde und an sie angelehnt, im Gegensatz zum novus burgus, der auf das rechte Ufer herübergreift und so die ville neben die cité setzt. Der Mittelpunkt der römischen Stadt war die später arex oder castellarium (Casteler) genannte Gegend um die Kathedrale, indes die media urbs, das St. Pierre-Viertel, gegen den Fluß zu lag. Ausgezeichneter Baustein stand für die Mauer in der Nähe zur Verfügung, der zur Zeit der Römer für das Castrum von Oudenbourg — nach Jullian V 101, 2 und VI 462, 3 vielleicht Hafenort für Bavai und T. — und im Mittelalter für die Stadtmauern als bester Baustein Flanderns nach dem Zeugnis Hariulfs (MGH scr. XV 2 p. 871) von der Tornacensis-Parochie geholt worden ist. Rolland berechnet die Länge der Mauern auf 1300 m — nicht 1500, wie Breuer 26 schreibt — und den Flächeninhalt auf etwa 12 ha — Vercauteren 285: 14,16 ha —: das sind niedere Zahlen, die auch sonst in Gallien beobachtet werden (s. o. Bd. III A S. 2087; Vercauteren 385); jedoch unter den Städten der Belgica II kommt T. damit gleich nach der größten, Reims. Nach Vercauteren 359ff. hatte das Gebiet der alten Stadt im 18. Jhdt. 1896 Einwohner: eine freilich für die römische Zeit nicht verbindliche Zahl. Der von Rolland (zu S. 88) als römisch abgebildete Turm in der rue des Fossés weist, wie auch Breuer a. O. bemerkt, nichts Römisches im Aufgehenden auf. Für die Rekonstruktion des römischen Stadtbezirks ist noch wichtig die außerhalb anzunehmende Lage des Friedhofs auf der Grand’ Place, wo an der Nordseite seit 1821 (Bozière 12f.), zuletzt 1914 (Soil ann. Soc. 1916) Gräber gefunden worden sind. Es ist das westlich von Kathedrale und Bischofspalast gelegene Marktquartier (Forum), die Parochie St. Quentin, die westlich außerhalb der Bischofsstadt gelegen ist, wie südlich das Quartier des h. Piat, beide erst in die städtische Mauer einbezogen. Die Mönche von Saint Martin fanden noch im 13. Jhdt. Sarkophage aus Blei und Stein, vermutlich römischer Zeit im Südwesten der Stadt (Hist. Tornacensis MGH SS. t. XIV 347), also dem suburbium. Ebenso liegen, was öfters vorkommt, spätere öffentliche Gebäude auf der römischen Mauer, so der Bischofspalast, das alte Palais des États und der Beffroi (Rolland 91, 58). Das Christentum hat nach einem ersten, gleichzeitig mit der lateinischen Sprache wieder verschwundenen Anfang (Pirenne I 20) spät Eingang in T. gefunden. Die Diözesen haben sich dementsprechend langsam hier gebildet (Warichez Les origines de l’église de T.). Völlig legendär ist der Märtyrer unter Diokletian, St. Piat (s. Vercauteren 236, 3). Der erste sicher bezeugte Bischof ist der um 532 verstorbene Eleutherius, der um die Zeit des Todes von Chlodwig um 510 plötzlich auftaucht (Duchesne Fastes épisc. III 114). Damals mag auch die 1. Kirche erbaut worden sein. Das Gebiet der Diözese T. entspricht dem alten Gebiet der Menapier. Aber zwischen 614–627 mit Bischof Acharius wird auf über 500 Jahre die Diözese von T., wo ja nichts mehr von königlicher Organisation war, mit Noyon vereinigt. Eine bedeutsame Rolle, wenn auch eine vorübergehende, hat T. alsdann gespielt in der Zeit der kleinen salischen Königreiche als Hauptstadt der Franci Tornacenses (Greg. Tur. X 27 MGH a. O. 438ff.). T. ist der erste, vermutlich noch vor Cambrai und Arras, gefallene römische Posten, der zu einer Zeit, da das Gebiet der Menapier bereits von den gallorömischen Bauern verlassen war, den Soldaten des Merowingers Clodion zwischen 431–451 (Pirenne I 17) in die Hände gefallen ist (MGH scr. rer. mer. II 245). Greg. Tur. erwähnt diese Eroberung nicht; ein terminus post quem ist die zwischen 428–437 entstandene Not. dign. occ., die noch den alten Zustand voraussetzt. Die Franken waren die Erben des römischen Fiscus, der zum fiscus regius geworden ist; der fiscus Tornacus, genannt z. B. in einem Diplom des Chilperich II. von 716, wird jetzt caput fisci (Rolland 96 mit Quellen und Lit. Pirenne Le fisc royal de Tournai, Mélanges F. Lot 648ff. Vercauteren 242). Über die Residenz der fränkischen Kleinkönige als Vorgänger der Bischöfe im Castellarium oder Arx (Capitolium) s. Rolland 98ff. Petri 158, über ihre Gerichtsstätte, dem in der rue des Maux (Nordwestecke des Forums) nachlebenden mallus s. Rolland 103ff. S. auch Rolland Les origines de la commune de Tournai 1931. Das glänzendste archäologische Zeugnis aus der Zeit der fränkischen Könige in T. ist das berühmte im J. 1653 auf dem jenseitigen Scheldeufer an der Nordseite der Kirche S. Brice entdeckte Grab, das ob seiner reichen Ausstattung im allgemeinen und ob des Siegelrings mit dem Königsnamen in römischer Majuskel gleich in der ersten Veröffentlichung durch Chifflet Anastasis Childerici I Francorum regis Antverpia (ex oficina Plantiana) 1655 dem Vater Chlodwigs, dem 481 verstorbenen Childerich I., zugeschrieben wird, nachdem dieses z. B. im 10. Jhdt. in Amiens vermutet worden war (Kurth Clovis 237, 1). Weitere Literatur über dieses dank seiner völlig gesicherten Datierung zum wissenschaftlichen Ausgangs- und Eckpunkt der ganzen archäologischen Erforschung der Kultur der Völkerwanderungs-Germanen gewordene Grab, mit dem sich alle führenden Forscher von J. Grimm, Müllenhoff, Lindenschmit, Cochet, Pilloy an bis heute beschäftigt haben, s. Kauffmann Deutsche Altertumskunde II 626ff., dazu neuestens E. Babelon Le tombeau du roi Childéric et les origines de l’orfèvrerie cloisonnée in Mém. Soc. des Antiquaires de France T. LXXVI 1919–1923. — Über einen 2. fränkischen Friedhof, 1921 durch Soil freigelegt, s. Bull. arch. 1921 S. CVI. Petri 804 äußert sich über die Gründe der Zugehörigkeit des Tournaisis zum fundarmen Gebiet der fränkischen Reihengräberkultur. Sein Sohn Chlodwig, nicht in T. geboren, sondern vermutlich in Orléans, anläßlich eines Feldzugs seines von der Gemahlin begleiteten Vaters im J. 466, der sich dann zum fränkischen Großkönig aufgeschwungen hat, hat bald, nachdem er 481 in T. sein Gebiet angetreten hatte und — ein Zeichen der totalen Änderung der Stellung zum Christentum und zur römischen Kirche — vom Reimser Bischof Remigius begrüßt worden war, T. als Residenz aufgegeben und 486 sich im Palast des von ihm besiegten und hingerichteten römischen Statthalters Syagrius in Soissons niedergelassen. Damit war das Ende der Frankenresidenz T. gekommen; aber die Stadt verödete nicht und die Stadtmauer blieb aufrecht, wie vor allem die oben berichtete Erzählung Chilperichs I. beweist. Archäologische Funde. Die Legendenbildung, die kaum eine Stadt so überwuchert hat, wie T., und an der bereits Stadtgeschichten wie Cousin 1619/20 und noch mehr Poutrain 1750 erheblich zweifeln, hat sich auch auf den Ursprung der römischen Stadt erstreckt (Schayes II 187. 202, 1. Bozière 3). Sie mag nicht bloß der etymologischen Namenspielerei gelehrter Humanisten entsprungen sein, sondern auch zum Teil auf ganz alte Zeit der fränkischen Residenz, der man möglichst hohes Alter zudichten wollte, zurückgehen. Dazu gehört die Zuschreibung ihrer Gründung an Tullus Hostilius oder Tarquinius Priscus oder Servius Tullius — wegen angeblicher Namensähnlichkeit! —, dann ihre Zerstörung durch Caesar, der ja mit dem Widerstand der Menapier besonders viel zu schaffen gehabt hat; dann die Legende vom Turm, den Graf Guntianus oder Anolinus an Stelle des Beffroy erbaut hat (Schayes I 244), von der Revolte der Treverer unter Verrieus und Sorricus, die zu einer Belagerung durch Commodus geführt habe, dann vom Märtyrer S. Piat, der 30 000 Bauern — ohne Frauen und Kinder — bekehrt habe (Fulbertus vita S. Piati Acta SS. Belg. I 139). Auch die Bodenfunde sind damit verbunden worden, wenn Poutrain I 72 vom chateau de Cicéron am Ostufer der Schelde berichtet, wo der Legat Caesars im J. 54 von den Nerviern belagert worden sei (Caes. bell. Gall. V 42ff.) (Schayes I 244f.). Eine andere Legende erzählt, daß Eleutherus einen Tempel des Apollon niedergelegt habe (Schayes a. O.). Für die ernste Bodenforschung ist bereits der Arbeit von Soil de Moriame und der Soc. hist. et arch. gedacht, in deren Bulletins 1889 und 1894 und deren Annales 1898, 1900, 1904, 1906, 1916 und 1921 von Soil über Bodenfunde berichtet wird. Vgl. auch die Literaturangaben bei Rolland a. O. In T. archäologisches Stadtmuseum. Der Grund der geringen Zahl Inschriften und des völligen Fehlens von Bildwerken ist nicht leicht anzugeben; ob Zerstörung in größerem Maße vorliegt oder auch von Haus aus eine gewisse Dürftigkeit, bleibt, bis gründliche Ausgrabungen vorliegen, unklar. Bis jetzt sind außer im Anschluß an die Stadtmauer kaum zusammenhängende Bauten beobachtet worden, dagegen Gräber (Bozière 8f.), die sich wie auch Bauten auf das jenseitige Ufer erstreckten und z. B. in rue St. Brice (s. o.) zu Tage kamen, wie auch die Lage des Childerichs-Grabs sich aus der dortigen alten Straße erklärt. Grabkeramik ist abgebildet bei Bozière pl. II. Über gestempelte Sigillata von dort s. Ann. Soc. 1900. Über Stempel von T. s. Thédénat Bull. des ant. de France 1900, 126ff. Der bis jetzt größte römische Fund ist der bereits erwähnte Friedhof an der Nordseite der Grand’ Place in der Nähe des späteren fränkischen mallus. Andere Gräber sind bei Niederlegung des alten Gouvernementsgebäudes gefunden worden (Schayes II 246). Auf der Grand’ Place ist 1821 bei Wasserleitungsgrabungen die — heute verschollene — Grabschrift CIL 3566 gefunden worden; der Text lautet nach der Revision durch Rolland (Musée Belge 1922, 103ff.). D. M | MONIMENTUM INSTITVIT SI | BI VI(v)VS VLP(ius) | IVSTVS AR...... Der Begrabene, der sich das Grab zurecht gemacht hat, heißt Ulpius (gentile) Iustus (1. cognomen). Die Ergänzung des 2. cogn., gewiß ein gallisches, etwa Artos, hat durch Verbindung mit der 1764 in T. gefundenen silberinkrustierten Bronzestatuette und Bronzehand eines Attis (de Bast Rec. d’antiquités I 162. 191 mit Abb. V 12. Graillot Le culte de Cybèle 234. 451. Cumont 100, 5) den Finder Renard (s. CIL XIII 1 p. 568) und andere zu der abenteuerlichen Erfindung eines in T. beheimateten archigallus geführt. Die Figur des Attis, auch aus Vervoz bekannt, wird von Cumont mit Recht auf Grabkult, zu dessen Glauben der wieder auferstandene Attis gehörte, bezogen; der Kybelesohn kommt ja auch als Plastik in trauernder Haltung auf Gräbern vor, z. B. in Rottenburg und Cannstatt (Haug-Sixt Röm. Bildwerke in Württ. nr. 128f. 321). Auch von einer Isis in T. spricht de Bast Rec. I 185; vgl. auch Cannegieter De gemma Bentinckiana, de Iside ad Tornacum reperta etc. 1764. Weitere Lit. (soweit noch nicht genannt): Valois Not. Gall. 567f. D’Anville Notice de la Gaule 664. Ukert Alte Geogr. II 2, 550. Mannert Geogr. d. Gr. u. R. II 1, 203. Forbiger Handb. d. alten Geogr. III 259, 30. Desjardins Géogr. IV 57f. 128f. Longnon Géogr. de la Gaule 83f. 141f. 415. Cloquet Tournais et le Tournaisis 1884 (mir unbekannt). 2) Über das weitere Vorkommen dieses Ortsnamens von frühfränkischer Zeit ab in Frankreich und Belgien s. Jubainville Propr. foncière 503. Holder Altcelt. Sprachsch. II 2002f. Gröhler Ursprung und Bedeutung der französ. Ortsnamen 224. [P. Goessler.]

"TP-Online-ID: 3020 — Turnaco

Desjardins S. 13.

Lesung und Namensform bei Desjardins: Turnaco; normalisierte Form: TURNACUM.

Lage und Route bei Desjardins: Region/Lage: Belgica II. Typ: Carrefour de trois routes. Route/Abschnitt: V. d’Atuaca, Tongres, — à Gesogiaco ou Bononia, Boulogne, — par Turnaco, Tournai.

Quellenstellen bei Desjardins: It. Ant. 376,7; 377,5; 378,11; Not. Gall. 6,8: civitas Turnacensium; Not. Dign. Occ. 28,15: praepositus numeri Turnacensium, Lemannis; Not. Dign. Occ. 11,57: procurator gynaecii Tornacensis Belgicae Secundae; Hier. Ep. 123: Tornacum; Greg. Tur. Hist. 10,20; 7,31; mittelalterliche und numismatische Turnacum-/Tornacum-Belege.

Moderne Identifikation bei Desjardins: Tournai, Doornick, Hainaut Belge.

Kommentar und Forschungsstand bei Desjardins: Desjardins sieht Tournai auf der TP als Knoten von drei, im Itinerarium faktisch vier Straßen. Er diskutiert die problematischen Distanzen. Die Verbindung Turnacum–Nemetacum fehlt nur bei Scheyb und Mannert, nicht im älteren Kartenbestand. Mittelalterliche Belege nach Valois, Notit. Gall., S. 567–568.

Zusatz aus Desjardins’ Gallien-/Germanienanalyse (S. 78–79): In der systematischen Einzelprüfung der Belgica führt Desjardins diesen Namen unter den Ortsnamen, die er ausdrücklich als sicher vor dem Tod des Augustus bzw. spätestens augusteisch einstuft.

Bearbeitungshinweis: Not. Dign. jetzt mit moderner Occ.-Zählung."

References:

Desjardins, Table, p. 13, col. 1-2, no. 6.

Miller, Itineraria, Sp. 60.

Goessler, Peter, Turnacum, in: RE VII/2 (1943-1948), Sp. 1398.

R. Brulet, P.-M. Vêche, Les origines de la fortification urbaine à Tournai (Publication extraordinaire de la Soc. royal d`Histoire et d`Archéologie de Tournai 2) 1985, 29-40.

R. Brulet, Les fouilles du quartier Saint-Brice à Tournai, 2. Bde., 1990/1992.

M. Amand, I. Eykens-Dierickx, Tournai Romain, 1960.

R. Brulet, Tournai, in: J.-P. Petit, M. Mangin, Atlas des agglomérations secondaires de la Gaule Belgique et des Germanies, 1994, 252 f. (Nr. 315).

Ders., Le développement topographique et chronologique de Tournai, in: Revue Archéologique de Picardie 1984, 271-282.

S. J. De Laet, s. v. T., PE, 940 f.

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Last Update:

24.08.2026 12:45


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