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Part of Tabula Peutingeriana - Rome

Tabula Peutingeriana – Single display of hits

Toponym TP (renewed):

Gandari Indi

Name (modern):

 

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Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/59818
Area:

India

Toponym Type:

Ethnicon

Grid square:

11B3 / 11B4

Toponym Color:

red

Vignette Type :

---

Itinerary:

 

Alternative Name (Lexica):

Gandaritis (DNP)

Name A (RE):

Gandaritai

Name B (Barrington Atlas):

Gandaris (6 C3)

Name C (TIR/TIB/others):

 

Name D (Miller):

Gandari Indi

Name E (Levi):

 

Name F (Ravennate):

 

Name G (Ptolemy):

Γανδάραι (7.1.44)

Plinius:

 

Strabo:

 

Dating from Toponym on TP:

Early Hellenism (before 200 BC)

Argument for Dating:

Der Ganges wurde erst durch Megasthenes im 3.Jh. v.Chr. im antiken Mittelmeerraum bekannt; kaiserzeitliche Autoren wie Strabo, der Verfasser des Periplus Maris Erythraei, Plinius und Ptolemaios zeigen sich über Indiens Bewohner und die Flüsse vergleichsweise gut informiert. Die Verwechslung von Gandariden und Gangariden dürfte entsprechend der Quellenbasis ins 1.Jh. v.Chr. zu datieren sein.

Commentary on the Toponym:

Bei Hekataios von Milet im Zitat bei Stephanus von Byzanz ist erstmals die Region Gandarike erwähnt (Hekataios FGrHist 1 F 294a: Κασπάπυρος, πόλις Γανδαρική Σκυθῶν ἀκτή). Den ältesten Beleg für die Gandarioi bietet Herodot in seiner Beschreibung der am Kophen (Kabul)-Fluss und dem Oberlauf des Indus gelegenen Landschaft Gandaritis (Hdt. 3, 91, 4: Γανδαρίοι), die früheste Bezeugung findet sich um 520 v.Chr. in der Bisutun-Inschrift Dareios’ I. (DB 1, 16: Gandāra) und anderen achäemenidischen Inschriften mit Auflistungen der zum Reich gehörigen „Länder“ (altpersisch dahyāva) und Völker („Länderlisten“, vgl. die Zusamenstellung bei Jacobs, Persepolisdelegationen; Wiesehöfer, Ein König erschließt und imaginiert sein Imperium; Gropp, Die Darstellung der 23 Völker). Strabo bezeichnet das Gebiet vom Kophes-Fluss bis in den Panjab als Gandaritis (Strabo 15, 1, 26 [696f.]: Γανδαρίτις) und fügt in der nachfolgenden Passage über die Zuflüsse des Indus hinzu, dass dieser geographische Raum im nordwestlichen Indien als Gandaris bezeichnet werde (15, 1, 30 [699]: Γανδαρίς, vgl. Karttunen, Gandhāra and the Greeks, 131). Plinius verbindet die Gandarer mit der Hindukusch-Region (nat. 6, 48: Gandari); der Periplus Maris Erythraei verortet sie bei Bukephala Alexandreia (Βουκέφαλος Ἀλεξάδρεια) im Panjab (§ 47: Γανδαραίοι).
Die Platzierung der Gandariden auf der Tabula Peutingeriana stiftet allerdings Verwirrung, denn das Ethnonym ist bei Palibothra, also in der Ganges-Region und nicht in Nordwestindien eingetragen. In dieser Position würde man also die Gangariden erwarten, die in der antiken Überlieferung ebenfalls wiederholt genannt werden: Basierend auf den Alexanderhistorikern (Diod. 17, 93, 3; Arr. Ind. 10, 5; Curt. 9, 2, 1) sind die Gangaridae (Plin. nat. 6, 65: gens Gangaridum Calingarum) neben den Πράσιοι (Prasii, Prasi, Sanskrit Prācya) das mächtigste Volk in Indien in der Region um Palibothra (Megasthenes im Zitat bei Strab. 15, 1, 36f. [702f.] = FGrHist 715 F 9b; Diod. 17, 93, 2: Πράσιοι; Mela 3, 7; Plin. nat. 6, 68. 70: Prasi; 80: Prasiana gens; Solin. 52, 10: Prasia gens), das im 3.Jh. v.Chr. also den Kalingai unterstand, wobei die Prasier eine auf beiden Seiten des Ganges siedelnde Völkerschaft sind (Plin. nat.. 6, 68. 70. 82: Prasii). Nach Curtius Rufus siedelten Gangaridae und Prasier östlich des Ganges: … excipere deinde Gangen, maximum totius Indiae fluminum, ulteriorem ripam colere gentes Gangaridas et Prasios … „dann komme der Ganges, der größte Fluss von ganz Indien, an dessen jenseitigem Ufer die Gangariden und Prasier lebten …“ (Curt. 9, 2, 1). Um die Zeitenwende waren die Gangariden offenbar erneut zu einem Machtfaktor auf dem indischen Subkontinent aufgestiegen, ein entsprechender Beleg aus der augusteischen Zeit findet sich bei Vergil (vgl. Verg. georg. 3, 26f.: Gangaridae). Ihre Hauptstadt war Gange, das Artemidor (Strab. 15, 1, 72 [719] = fr. 109 Stiehle = FGrHist 721 F 5b) zufolge ebenso wie Palibotra am Ganges, aber flussabwärts an der Biegung des Flusses nach Osten liegt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Handelsplatz im Ganges-Delta). Valerius Flaccus (6, 67) nennt Gangaridae an der Maeotis. Orosius (3, 19, 4) verzeichnet sie gemeinsam mit den Prasii am Ganges, Isidor platziert die Gangariden am Ganges: Gangaridae populi sunt inter Assyrios, Indosque inhabitantes circa Gangem fluvium; unde etiam Gangaridae nuncupati sunt. „Die Gangariden sind ein Volk, das zwischen Assyrern und Indern am Ganges wohnt; daher werden sie nämlich Gangariden genannt.“ (Isid. orig. 9, 2, 41; vgl. auch Serv. Aen., georg. 3, 27).
Für die Verwechslung der Gandariden nördlich des Kophen (Kabul-Fluss) und westlich des Indus mit den nordostindischen Gangariden bereits in der Antike liefert z.B. Diodor einen Nachweis, der die Anwohner des Ganges als Gandariden (Γανδαρίδαι) bezeichnet und Indien charakterisiert „als ein großes und dicht besiedeltes Königreich, das viele indische Völkerschaften bewohnen, von denen das größte das der Gandariden ist“ (βασιλεία μεγάλη καὶ πολυάνθρωπος οἰκουμένη δ᾽ὑπὸ πλειόμων Ἰνδικῶν ἐθνῶν, ὧν ἐστι μέγιστον τὸ τῶν Γανδαριδῶν ἔθνος). Das Siedlungsgebiet der Gandariden sei durch den Ganges gegenüber dem übrigen Indien abgegrenzt: ὁρίζει δὲ τὴν χώραν ταύτην καὶ τὴν ἑξῆς Ἰνδικὴν ποταμὸς ὁ <ὀνομαζόμενος Γάγγης> … „Dieses Land und das weiterhin daran angrenzende India trennt der Fluss Ganges voneinander …“ (Diod. 18, 6, 1f.; vgl. auch 2, 37, 2f.). Ebenso wie Strabo hebt Diodor auch die zahlreichen großen Flüsse als Charakteristikum Indiens heraus, die alle im Norden im Gebirge entspringen und dann in südlicher bzw. südöstlicher Richtung das Land durchströmen würden, um dann mit einem oder mehreren Mündungsarmen ins Meer zu fließen (Diod. 2, 16, 3; 37, 1; Strab. 15, 1, 13 [690]; vgl. auch Plin. nat. 6, 60. 71). Auch bei Plutarch (Alexander 62, 3) würde man die Gangariden (Γανγαρίδαι) erwarten. Vertauscht werden offenbar sowohl die Gandaridae und Gangaridae als auch Indus und Ganges, was mit der Benutzung des Ethnonyms Gandaridae im Kontext von Alexanders (legendären) Kämpfen (vgl. den in seiner Authentizität zweifelhaften Brief des Krateros an seine Mutter, dass Alexander bis an den Ganges vorgedrungen sei, überliefert bei Strab. 15, 1, 35 [702] = FGrHist 153 F 2; vgl. Demandt, Alexander der Große, 270; Roller, Ancient Geography, 92; Ders., A Historical and Geographical Guide, 851. 859f.) gegen die Prasii am Ganges etwa in Plut. Alexander 62, 3 und Iust. 12, 8, 9 und in der Justin-Passage auch mit der Verwechslung von Indus und Ganges deutlich wird (Tarn, Alexander the Great 2, 279. 282f. 285; Bosworth, Alexander and the East, 74-76. 189-195). Die Gargariten bei Dionysios Periegetes (1144: Γαργαρίδαι) dürften ebenso wie die gleichnamige Völkerschaft bei Ptolemaios (7, 1, 44: Γανδάραι) in Nordwest-Indien im Einzugsgebiet der Indus-Zuflüsse anzusetzen sein, wobei letzterer klar die Gangariden abtrennt und am Ganges platziert (7, 1, 81: Γαγγαρῖδαι).
Die Unsicherheit der antiken Autoren über die Lokalisierung der Gandaridae im Unterschied zu den Gangaridae schlägt sich auch in der antiken und mittelalterlichen Kartographie nieder. Die entsprechenden fehlerträchtigen Darstellungen etwa von Diodor spiegeln das geographische Wissen der hellenistischen Zeit wieder: Der Ganges wurde erst durch Megasthenes im 3.Jh. v.Chr. im antiken Mittelmeerraum bekannt; kaiserzeitliche Autoren wie Strabo, der Verfasser des Periplus Maris Erythraei, Plinius und Ptolemaios zeigen sich über Indiens Bewohner und die Flüsse vergleichsweise gut informiert. Das Ethnonym findet sich in dieser Schreibung auch auf der Beatuskarte von Saint-Sever (2. Hälfte des 11. Jahrhunderts) und ist ebenso wie auf der Tabula Peutingeriana am Ganges eingetragen. Die Platzierung der Gandari Indi auf der TP in der Nähe von Palibotra und die noch weiter östlich, ebendfalls am Ganges eingetragenen Andre Indi (vgl. Plin. nat. 6, 67: gens Andarae), bei Plinius lassen an die Gangariden denken, das Ethnonym wäre dann also falsch und müsste in Gangaride Indi korrigiert werden. - Vgl. auch zum Indus Fl. Indvs·, Fl. GanGes / Fl. Ganges und Andre Indi.

DNP:
Gandaritis

(griech. Γανδαρικὴ χώρα; Ethnika: Gandarai, Gandarioi), Landschaft am Kābul. Nach Herodot (3,91) bildeten im altpers. Reich die Gandarioi zusammen mit den Stämmen der Sattagydai, Aparytai und Dadikai die siebte Satrapie, die im wesentlichen das vom Kophen durchflossene Alpengebiet Kabulistans zw. Paropanisos (Hindukusch) und dem oberen Indus und das genannte Gebirge selbst umfaßte.

Trotz schwieriger Pässe längs des Kophen dienten die Wege durch die G. spätestens seit dem 4. Jt. v.Chr. als Handelsstraßen aus dem Industal nach Westen und Norden, sowie als Einfallsweg zahlreicher Eroberer, der indoarischen “Inder”, der Achämeniden, der Makedonen unter Alexander d.Gr., der Saken, Parther, Araber, Türken, Afghanen und Mongolen. Von hier aus entstand ein mächtiges griech.-ind. Reich, dessen einflußreichster König Menandros war (um 100 v.Chr.).

Unter den Graeco-Baktriern und den Kuschanen (Kuschan) war die G. eine blühende buddhistische Kulturlandschaft, in der sich gräko-röm. und nomadische Kunst mit ind. Inhalten und Trad. zur Gandhara-Kunst verband (2.-3. Jh. n.Chr.). Ihr Formenbestand beeinflußte bestimmte Kunststile Nordindiens und spielte eine wichtige Rolle in der Ausbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China.

Brentjes, Burchard (Berlin)
Duchesne-Guillemin, Jacques (Lüttich)

References:

Wilhelm Tomaschek, in: RE I / 2, 1894, 2120 s.v. Andarae; Ders., ebd., 2132 s.v. Andrae Indi; Miller, Mappaemundi I, 54; Max Kiessling, in: RE VII / 1, 1910, 694f. s.v. Gandaritai; Ders., ebd., 695f. s.v. Gandaris; Ders., ebd. 696-701 s.c. Gandaritis; Ders., ebd., 703 s.v. Gange 2; Miller, Itineraria, 628; Louis Renou, La géographie de Ptolémée: L’Inde (VII, 1-4), Paris 1925, 79: Γανδάραι; John W. McCrindle, Ancient India as described by Megasthenes and Arrian, Calcutta 1926, 134-136f. (Gangaridae); William W. Tarn, Alexander the Great, Volume 2: Sources and Studies, New York 1948 (ND Cambridge 2002), 278-285; Hans Treidler, in: RE XXII / 2, 1954, 2548-2559 s.v. Prasii; Dineschandra C. Sircar, Studies in the Geography of Ancient and Medieval India, Delhi 1971 (2. Aufl.), 171f. 213-218; Bimala C. Law, Tribes in Ancient India, Poona 1943 (= Bhandarkar Oriental Series 4), 9-11 (Gandaris); Giuseppe Tucci, On Swat, the Dards and connected Problems, in: East and West 27, 1977, 9-103, hier 11 (Gandaris); Jacques André / Jean Filliozat, Pline l’Ancien, Livre VI, Paris 1980, 62 (Gandaris). 95 (Gangaridae); Bruno Jacobs, Persepolisdelegationen und Satrapienordnung, in: Acta praehistorica et archaeologica 13/14, 1982, 75-84; Jacques André / Jean Filliozat, L’Inde vue de Rome, Paris 1986, 163 (Gangaridae); T.R. Robinson, Alexander and the Ganges: The Text of Diodorus 18.6.2, in: Ancient History Bulletin 7, 1993, 84-99; Albert B. Bosworth, Alexander and the East: The Tragedy of Triumph, Oxford 1996 (ND 2001), 75 Anm. 34. 192f.; John C. Yardley / Waldemar Heckel (Hrsg.), Justin, Epitome of the Philippic History of Pompeius Trogus, Volume 1: Books 11-12: Alexander the Great, Oxford 1997, 251-253; Dilip K. Chakrabarti, Archaeological Geography of the Ganga Plain. The Lower and Middle Ganga, Delhi 2001, 154f.; Josef Wiesehöfer, Ein König erschließt und imaginiert sein Imperium. Persische Reichsordnung und persische Reichsbilder zur Zeit Dareios’ I. (522-486 v.Chr.), in: Michael Rathmann (Hrg.), Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume in der Antike, Mainz 2007, 31-40; Grant Parker, The Making of Roman India, Cambridge 2008, 44f. 95; Alexander Demandt, Alexander der Große. Leben und Legende, München 2009, 269-271; Gerd Gropp, Die Darstellung der 23 Völker auf den Reliefs des Apadana von Persepolis, in: Iranica Antiqua 54, 2009, 283-359; Duane W. Roller, Ancient Geography: The Discovery of the World in Classical Greece and Rome, London 2015 (= Library of Classical Studies 9), 92; Ders., A Historical and Topographical Guide to the Geography of Strabo, Cambridge / New York 2018, 851. 859f.; Richard Stoneman The Greek Expereince of India: From Alexander to the Indo-Greeks, Princeton 2019, 27. 64. 155f. - Zum literarischen Indienbild vgl. zuletzt zusammenfassend Kai Ruffing, Die Ausbildung des literarischen Indienbildes bis Megasthenes, in: Josef Wiesehöfer / Horst Brinkhaus / Reinhold Bichler (Hrg.), Megasthenes und seine Zeit. Megasthenes and His Time. Akten der Internationalen Tagung „Megasthenes, Apollodoros and Isidoros. Greek Views of India and the Parthian Empire“, Kiel, 27.-30.6.2012, Teil 1 / Part 1, Wiesbaden 2016 (= Classica et Orientalia 13), 165-190. - Zu Diod. 18, 6, 1 vgl. Michael Rathmann, Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume im Hellenismus am Beispiel Asiens, in: Ders. (Hrg.), Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume in der Antike, Mainz 2007, 81-102 (hier 90f. 96).


J. Auboyer, Afghanistan und seine Kunst, 1968

J.M. Rosenfeld, The Art of the Kushans, 1967.

   [Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]

Last Update:

04.11.2025 14:50


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