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Part of Tabula Peutingeriana - Rome

Tabula Peutingeriana – Single display of hits

Toponym TP (renewed):

Sicilia

Name (modern):

Sicilia

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Image (Barrington 2000)
Image (Scheyb 1753) ---
Image (Welser 1598) ---
Image (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/462492
Area:

Mediterranean Islands

Toponym Type:

Island

Grid square:

6C1 / 6B1/ 6B2/ 6C2

Toponym Color:

red

Vignette Type :

---

Itinerary:

Siciliae (86,2; 98,5), Siciliam (487,6; 515,3; 517,5), Sicilia (491,1; 493,6; 494,1; 517,6)

Alternative Name (Lexica):

Sicilia (DNP)

Name A (RE):

Σικελία, Sicilia [1] - https://elexikon.ch/RE/IIA,2_2461.png

Name B (Barrington Atlas):

Sicilia (47 C3)

Name C (TIR/TIB/others):

 

Name D (Miller):

SICILIA.

Name E (Levi):

 

Name F (Ravennate):

 

Name G (Ptolemy):

Σικελία (1,12,11; 3,4,1; 3,4,12; 3,4,16; 7,5,11; 8,9,1; 8,9,4)

Plinius:

 

Strabo:

 

Dating from Toponym on TP:

---

Argument for Dating:

 

Commentary on the Toponym:

Miller, Itineraria, Sp. 396:
SICILIA. Die Insel ist zum Teil (auf der linken Seite) rot eingefasst. Sizilien ist schon im jAhre 513 a.u.c. römische Provinz geworden. Augustus hat 6 Kolonien deduziert, von welchen nur 3 auf der Ta mit Bildern versehen sind (Panormus Tauromenio und Tindareos sind ohne Bilder). Pl zählt 67 Städte auf. Auch Pt ist reichhaltig, wiewohl bei ihm vieles dunkel bleibt. Der Ta und dem It verdanken wir reichhaltige Angaben für die Kenntnis von Sizilien. Die Ta gibt die Küstenstationen um die ganze Insel und außerdem noch die Verbindung von Catania mit Termini (Palermo). Das Ist ist auf den Inseln Sizilien und Sardinien besonders reichhaltig. In Sizilien gibt das It, was uns in erster Linie interessiert: zwei Strecken aus derselben Quelle, aus welcher die Ta geschöpft hat, ein sehr seltener Fall. Es sind dies
1. die Strecke von Lilibaeo Messana Tindaride;
2. von Thermis bis Catina;
vielleicht entstammt auch die Fortsetzung von Tindaride bis Panormo derselben Vorlage; sie ist aber im It fehlerhaft überliefert und deshalb nicht so sicher. Ferner hat das It die Strecke von Messina über Catania nach Girgenti dreifach, die von Girgenti nach Marsala zweifach, außerdem die Landstrecken von Girgenti nach Palermo und von Palermo nach Marsala. Dann folgen im It noch zwei Schiffs-Itinerarien, nämlich von Girgenti nach Syrakus und von Carini nach Trapani, mit Unterscheidung von refugium und plagia.
Beim Ra V 23 sind fast alle Stationen der Ta (inkl. Catina), zum Teil in anderer Schreibart, sowie eine Anzahl weiterer Orte und 21 Flußnamen aufgeführt; möglicherweise sind sie der von ihm öfters erwähnten Kosmographie des Lollianus entnommen und von dem Sizilianer Mathematiker Firmicus Maternus (um 335) geliefert - s. Miller, Mm VI 38.
Merkwürdig ist, dass von der ganzen Insel kein einziger Meilenstein erhalten ist, im Gegensatz zu Sardinien, wo die Meilensteine zahlreich sind. Es ist kein Zweifel, dass die Insel Sizilien von den Kaisern vernachlässigt worden ist. Ein einziger Stein (CIL X 7200), in Sciacca (Thermis Seluntinis) gefunden, berichtet von der Wiederherstellung der (Post-)Station im 4. Jhdt. Strabo berichtet von einer Via Valeria von Messana nach Lilybaeum, welche vermultich von M. Valerius Laevinus, welcher a.u. 544 Konsul war, erbaut worden ist. Noch erwähnen wir die Bemerkung im It 94 bei der Strecke Catania Girgenti: "mansionibus nunc institutis", woraus zu entnehmen ist, dass diese Stationen eben erst errichtet worden sind.
Im übrigen liegt die alte und neue Geographie von Sizilien noch gar sehr im argen, und die überaus spärlichen Inschriftenfunde stehen in keinem Verhältnis zu der großen und langedauernden einstigen Kulturhöhe dieser Insel.

Datierung (Barrington):
Sicilia – Archaic/Classical/Hellenistic/Roman/Late Antique (Manni 1981, 44-45)

DNP:
Sicilia
I. Name
II. Geologie und Geographie
III. Topographie
IV. Sicilia in der antiken Geographie
V. Sicilia im Mythos
VI. Geschichte
VII. Religion
(Σικελία, Sizilien). Größte Insel im Mittelmeer (Mare Nostrum; vgl. Strab. 2,5,19; anders Hdt. 1,170 und Timaios FGrH 566 F 65): 25460 km2, unter Einschluß der vorgelagerten Inseln wie den Insulae Aegates, Ustica, den Aeoli Insulae, Kossura, Lopadusa (h. Lampedusa), Aethusa (h. Linosa) und Melite [7] 25 953 km2.
I. Name
Urspr. hieß die Insel Trinakria (Τρινακρία, Hellanikos FGrH 51 F 79b), später Sikania (Σικανίη, Hdt. 7,170; Σικανία, Thuk. 6,2,2) und erst dann Sikelia (Σικελία). Der Namenswechsel spiegelt die Reihenfolge der Einwanderung von Sikanoi und Siculi wider; Trinakria aber dürfte eine unhistor. Konstruktion nach der homerischen Thrinakie (Hom. Od. 11,107; 12,127; 12,135; 19,275) unter Berücksichtigung der Dreiecksgestalt (tría ákra) der Insel sein.
Olshausen, Eckart
II. Geologie und Geographie
Die Verbindung der Insel mit It. riß im Diluvium, als das 3 km breite Fretum Siculum entstand (schon von ant. Autoren so gesehen, vgl. Aischyl. fr. 402; Plin. nat. 3,86; Strab. 1,3,10). Von Afrika ist S. über das Mare Africum hinweg 140 km entfernt. Im Norden der Insel setzt sich westwärts der Bogen des Appenninus in den Monti Peloritani (bis 1286 m H, kristalline Schiefer, Gneise), dem Mons Nebrodes (bis 1847 m H), der Madonie (Tertiärsandsteine, Tone, mit dem Mons Maroneus/h. Pizzo Carbonara, 1977 m H) und dem westsizil. Bergland (Trias- und Jurakalkstöcke) bis hin zum Eryx [1] fort. Im Zentrum der Insel liegt seismisch aktives Bergland (Mergel, Tone, schwefelführende Sedimente) und weiter südl. das Pliozän-Tafelland mit den Heraia (h. Monti Erei). Den Abschluß im SO bildet das Tafelland von Hybla [1] (Kalksandstein) mit den Colles Hyblaei (h. Monti Iblei). Im mittleren Osten beherrscht schließlich der aktive Vulkan Ätna/Aitne [1] (h. ca. 3260 m H) eine eigene Landschaftskammer [1]. Der Berg wird bei Strab. 6,2,7 f. beschrieben. Von Bed. für die Siedlungsgesch. von S. sind die Ebenen im Küstenbereich - der schmale Küstenstreifen an der gesamten Nordküste von Lilybaion bis Messana [1] und weiter an der NO-Küste bis an die Aitne sowie die Schwemmlandebenen im Süden davon (Campi Laestrygonii, h. Piana di Catania), von Gela, Akragas, Herakleia [9] und Selinus [4].
Günstige Naturhäfen finden sich an den Küsten von S. nur wenige (vgl. Motya, Panormos [3], Syrakusai). Das subtropisch-mediterrane Inselklima ist geprägt durch heiße, trockene Sommer und milde, niederschlagsreiche Winter. S. war bekannt für seinen ergiebigen Getreide-, hauptsächlich Weizenanbau (cella penaria rei publicae nostrae, Cato bei Cic. Verr. 2,2,5), doch wurde auch Weinbau und Viehzucht (Pferde, Schafe, Schweine) betrieben; Wolle, Honig und Wachs aus S. kamen in den Handel.
Olshausen, Eckart
III. Topographie
Die Küsten dürften sich seit der Ant. nicht wesentlich verändert haben; immerhin hat man im südöstl. Küstenbereich (Syrakusai) eine Anhebung des Meeresspiegels festgestellt [2; 3]. Ein Küstenphänomen ist auch die Versandung der Häfen von Akragas, Kamarina und Selinus; der Hafen von Katane wurde Opfer des Ätna-Ausbruchs von 1669. Zahlreich sind kurze Wasserläufe, die vom gebirgigen Binnenland herunterfließen und in die See münden; größere Flüsse sind Symaithos (148 km), Halykos (84 km), Himeras (der südl. 112 km, der nördl. 32 km). Angesichts der vulkanischen Natur ganzer Landesteile verwundert die Fülle der Thermalquellen nicht (vgl. Selinus [4], Segesta [1], Himera). Wenig ist über das Straßennetz bekannt, das die Insel überzog. Als Quellen dienen Ciceros Verres-Reden (bes. 2,3,192; 5,169) und die Notizen der verschiedenen Itineraria wie z. B. Itin. Anton. 86,2-98,1 (vgl. weiter [4; 5]). Nur ein einziger Meilenstein wurde auf der Insel gefunden; er stammt von der Straße von Akragas nach Panormos (vgl. [6]). Zur Erforschung der zahlreichen Landsitze auf der Insel S. [7; 8].
Olshausen, Eckart
IV. Sicilia in der antiken Geographie
Beschreibungen der Insel finden sich bei folgenden ant. Geographen: Strab. 6,2 f.; Plin. nat. 3,86-94; Mela 2,115-120; vgl. 3,51; Ptol. 3,4; Solin. 5,2-6,2; Dion. Per. 267-480; Avien. descriptio orbis terrae 631-645; Skyl. 13; Itin. Anton. 86,2-98,1; Tab. Peut. 6,5-7,2; Geogr. Rav. 23; Guido 56-62. Auch bei ant. Historikern, denen die Landschaft als realer Rahmen histor. Ereignisse erwähnenswert war, finden sich wesentliche Hinweise auf die Natur der Insel (vgl. Pol. 1,42,3-7; Sall. hist. 4 fr. 25-28; Diod. 5,2,1-5,12,4; Iust. 4,2,1-5,11). Die Griechen mit ihrer Neigung zur Schematisierung geogr. Vorstellungen erkannten früh die Dreiecksgestalt der Insel (vgl. Pind. fr. 322 Snell), die sich zw. die Kaps Pachynos, Pelorias und Lilybaion spannt (Pol. 4,42,3-7; Dion. Per. 469; Vergleich mit einem Delta bei Mela 2,116). Doch sah man sie grundsätzlich (vgl. Strab. 6,2,1) um 90 ° verkantet (vgl. [9]).
Olshausen, Eckart
V. Sicilia im Mythos
Über Kontakte zur minoisch-myk. Kultur wurde bei den Sikanoi der Mythos vom Tod des Minos heimisch (vgl. Hdt. 7,170 f.): Bei der Verfolgung des Daidalos [1], des Schöpfers bewundernswerter Bauwerke auf der Insel (vgl. Paus. 7,4,5), wurde Minos, auf S. angekommen, von Kokalos, dem König von Kamikos, getötet. Die Kreter, die herbeigeeilt waren, ihn zu rächen, bestatteten Minos nach einer vergeblichen Belagerung von Kamikos in einem Hypogäum, über dem ein der Aphrodite geweihter und von der ortsansässigen Bevölkerung stark frequentierter Tempel errichtet wurde. In histor. Zeit wurden seine Gebeine von Theron den Kretern zurückgegeben (Diod. 4,79,3 f.).
Auf vorkoloniale Kontakte der Insel mit der dorischen Kultur verweisen die Abenteuer des Herakles [1], die sich im NW und SO der Insel abspielten. Er tötete Eryx [2], den eponymen König von Eryx [1], der eines der Rinder des Geryoneus entwendet hatte (Diod. 4,23,1 f.), außerdem die Räuber Solus und Motye (FGrH 1 F 76 f.). In Syrakusai führte er den Kult von Demeter und Kore ein (Diod. 4,23,4; 5,4,2). Bei Henna [1] wurde nach einer Mythenversion (Diod. 5,2-5) der Raub der Persephone lokalisiert, der Zeus die Insel anläßlich ihrer Vermählung mit Pluton zum Geschenk gemacht hatte.
Falco, Giulia
VI. Geschichte
A. Frühgeschichte
Die geopolit. und ökonomisch bedeutsame Lage der Insel zw. dem Osten und dem Westen der Mittelmeerwelt bedingte ihre bewegte gesch. Entwicklung unter Einwirkung verschiedenster Völker und Kulturen. Die frühesten Siedler auf S., die die ant. Lit. namhaft macht, waren die Elymoi; als ihre Städte werden Entella (Ephoros FGrH 70 F 68), Eryx [1] und Segesta [1] (Thuk. 6,2,3) genannt. Sie wurden von den Sikanoi ostwärts abgedrängt, die ihrerseits wieder von den aus It. übersetzenden Siculi nach Osten verdrängt wurden. Vor den griech. Siedlern (s.u.) wichen die Siculi an die Nordküste und ins Landesinnere zurück, ohne nennenswerten Widerstand zu leisten (vgl. Duketios). Während der ersten Sizilischen Expedition der Athener (427-424 v. Chr.) im Peloponnesischen Krieg werden die Siculi zum letzten Mal erwähnt, als sie Athen unterstützten (IG I 291). Schon gegen E. des 2. Jt. hatten Phönizier Handelsstützpunkte an den Küsten eingerichtet (Kolonisation III.); wie die Siculi wurden auch sie von den Griechen nach Osten abgedrängt und hielten sich schließlich nur noch in Motya, Solus und Panormos [3] (Thuk. 6,2,6).
Olshausen, Eckart
B. Große Kolonisation
Mit der Einwanderung von Iones (Kolonisation II.) und Dorieis setzte die sog. Große Kolonisation auf S. in der 2. H. des 8. Jh. ein (vgl. Thuk. 6,3-5; Kolonisation IV.). Ihre frühesten Gründungen waren Naxos (Chalkidier aus Euboia), Syrakusai (Korinth), Akragas (Rhodos und Gela; 600 oder um 580).
Olshausen, Eckart
C. Ältere Tyrannis
Über die innere Entwicklung der Griechenstädte auf S. informieren die ant. Quellen kaum; doch weist das Aufkommen von Tyrannen (Tyrannis) an verschiedenen Orten - in Analogie zu ähnlichen Vorgängen etwa in Athen, wo die Quellenlage besser ist - auf starke soziale Spannungen [10]. Zeitweise entstanden regelrechte Territorialherrschaften, wie etwa in Syrakusai (Anf. 5. Jh., Gelon [1]). Deren Dynamik forderte den Widerstand der Karthager heraus; denn diese hatten, als Tyros immer mehr in Abhängigkeit von den Assyrern geriet (Tiglatpilesar III., 745-727), die Schutzherrschaft über die phöniz. Kolonien auf S. übernommen. In der Schlacht bei Himera (480 v. Chr.) wurden die Karthager jedoch von den Tyrannen Gelon und Theron schwer geschlagen (Hdt. 7,165-167). Gelons Bruder Hieron [1] griff sogar nach It. über (Pithekussai). Er gestaltete seine Hofhaltung in Syrakusai als ein Zentrum griech. Kultur; Aischylos [1] und Pindaros [2] wirkten dort. Das Scheitern der zweiten Sizilischen Expedition der Athener (415-413) im Peloponnesischen Krieg (D.) führte aus dem sich daraus entwickelnden Konflikt zw. Selinus und Segesta die Karthager wieder aus ihrer Reserve bis vor die Mauern von Syrakusai (409-405), wo eine Seuche im Heer der Karthager dessen Feldherrn Himilkon [1] zum Abbruch der Belagerung zwang.
Olshausen, Eckart
D. Jüngere Tyrannis und Königtum
Der anschließende Friedensvertrag schonte zwar die Stadt und ihren Tyrannen Dionysios [1] I., etablierte aber die karthagische Hegemonie auch im Osten der Insel. Dionysios weitete 387 sein Herrschaftsterritorium sogar über das Fretum Siculum nach It. (Rhegion) aus. Seine außenpolit. Bemühungen richteten sich hauptsächlich gegen Karthago und die Etrusci. Auch unter ihm entfaltete sich der Hof in Syrakusai zu einem Mittelpunkt griech. Kultur (Platon [1]). 344 dankte nach etlichen Thronwirren Dionysios [2] II. ab.
Dazu veranlaßte ihn der Korinther Timoleon, der mit einer stetig wachsenden Schar von Anhängern verschiedene Tyrannenherrschaften im Osten der Insel beseitigte und auch die Karthager am Krimisos 340/339 in die Schranken wies. Den Plan, die Karthager endgültig aus S. zu vertreiben, verfolgte 30 J. später wieder ein Tyrann in Syrakusai, Agathokles [2]. Doch gelang ihm dies trotz zahlreicher Feldzüge (311-307) nicht; er sah sich gezwungen, den Halykos als Demarkationslinie zw. karthagischer epikráteia (“Herrschaftsgebiet”) und den Griechenstädten im Osten anzuerkennen (StV 3,437). 278 ließ sich König Pyrrhos [3] in innenpolit. Auseinandersetzungen in Syrakusai hineinziehen und folgte der Bitte um Unterstützung im Kampf gegen die Karthager. Tatsächlich gelang ihm ein siegreicher Feldzug quer durch die Insel bis nach Lilybaion, das von den Karthagern erfolgreich gehalten wurde. Hier zerbrach allerdings die Koalition zw. Pyrrhos und den Griechenstädten, weshalb der König 275 die Insel wieder räumte.
Olshausen, Eckart
E. Römische Provinz
Aus den Auseinandersetzungen um die Mamertini, eine campanische Söldnertruppe, die sich aus dem Dienst des Agathokles [2] gelöst und in Messana [1] festgesetzt hatte, entwickelte sich der Anlaß zum ersten der Punischen Kriege (264-241). In diesen Kämpfen erwies sich Hieron [2] II. von Syrakusai den Römern als treuer und nützlicher Bundesgenosse im Bestreben, die Karthager ganz aus S. zu vertreiben (Pol. 1,20,1 f.), so daß sein Reich, dessen Größe freilich nicht mit den Reichen eines Hieron I. oder Dionysios I. zu vergleichen ist, im Frieden von 241 erh. blieb (kein territorial geschlossener Komplex; mit den Städten Agyrion, Akrai, Heloros, Herbessos (?), Kentoripe, Leontinoi, Megara, Neton, Tauromenion); der größere, östl. Teil der Insel aber geriet unter röm. Herrschaft. Über die Anf. dieser ersten röm. Prov. (vgl. Karte; provincia ) ist trotz der guten Informationen, die Cicero in seinen Verres-Reden bereithält, nur wenig bekannt, da deren Ordnung durch die Regelungen von 210 v. Chr. überdeckt wurden, als auch das Reich des Königs von Syrakusai - seit 215 Hieronymos [3], der Enkel Hierons II. - im zweiten Punischen Krieg 212/210 v. Chr. der röm. Herrschaft unterworfen worden war.
Diese Regelungen wurden 132 v. Chr. nach dem ersten (ca. 138-132) und 99 v. Chr. nach dem zweiten Sklavenkrieg (104-101; Sklavenaufstände) reformiert. Seit 241 v. Chr. schickte der röm. Senat einen der beiden Praetoren - sein Amtssitz war Syrakusai/Syracusae - nach S. mit dem Auftrag, Tribute und Hafenzölle einzuziehen (App. Sic. 2,6); seit 227 v. Chr. stand grundsätzlich ein Praetor für die Verwaltung der Prov. zur Verfügung (Liv. per. 20). Dem Praetor standen zwei Quaestoren zur Seite, von denen der eine in Lilybaion/Lilybaeum, der andere in Syrakusai amtierte. Die Gemeinden der Prov. gliederten sich in vier Klassen: drei civitates foederatae (Messana, Tauromenion/Tauromenium, Neton/Netum: Heeresfolge als einzige Verpflichtung), fünf civitates liberae atque immunes (Kenturipe/ Centuripae, Alaisa/Halaesa, Segesta, Panormos/ Panormus, Halikyai/Haliquae; “frei und abgabenfrei”), 34 civitates decumanae (darunter Katane/Catina und Leontinoi/Leontini: abgabepflichtig wie unter Hieron II.), 26 civitates censoriae (darunter Syracusae und Lilybaeum: ihr Land wurde ager publicus ). Lilybaeum war Ausgangsbasis für die Unternehmungen der Römer zu E. des 2. und zu Anf. des 3. Punischen Krieges. Die beiden Sklavenkriege offenbarten tiefgreifende soziale Probleme, die nicht nur innerhalb der Sklavenschaft, sondern auch in den Gemeinden mit ihrem unterschiedlichen Rechtsstatus und ihrer verschiedenen ethnischen Zusammensetzung zu suchen sind.
Unter Augustus wurde S. senatorische Prov. unter einem Proconsul mit praetorischem Imperium. In der Prov. begegnen nach den allerdings nicht sehr zuverlässigen Notizen bei Plin. nat. 88-91 insgesamt 63 Gemeinden, d. h. fünf coloniae (Panormus, Syracusae, Catina, Thermae, Tyndaris, Tauromenium), eine Stadt mit röm. Bürgern (Messana), drei Städte mit Latinischem Recht (ius Latii; Centuripae, Netum, Segesta), 46 civitates stipendiariae und 13 oppida, deren Rechtsstellung unbekannt bleibt. Aber auch Strabons Schilderung von S. (6,2 f.) überträgt offenbar Zustände der Zeit des Poseidonios [3] (2./1. Jh. v. Chr.), auf dessen Ber. sie sich stützt, auf die Zeit des Augustus und kann daher ebenfalls nicht als zuverlässig gelten. Nach der Prov.-Reform des Diocletianus wurde die Verwaltung von S. von einem consularis geleitet, der dem vicarius urbis Romae unterstellt war. Ein rationalis ( rationibus, a ) war für das Steuerwesen verantwortlich. Spuren des Christentums lassen sich seit dem 2. Jh. n. Chr. (Katakomben) nachweisen. Ab 440 n. Chr. Raubzüge der Vandali. 535 geriet S. unter die Herrschaft des Theoderich.
Olshausen, Eckart
Bibliography
1 F. Tichy, It., 1985, 46-49
2 G. Lena u. a., Approdi, porti, insediamenti costieri e linee di costa nella S. sud-orientale, in: Archivio Storico Siracusano 2, 1988, 5-87
3 B. Basile u. a., Landings, Ports, Coastal Settlements and Coastlines in Southeastern Sicily, in: A. Raban (Hrsg.), Archaeology of Coastal Change, 1988, 15-33
4 G. Uggeri, La S. nella Tab. Peut., in: Vichiana 6, 1969, 127-171
5 Ders., Sull`“Itinerarium per maritima loca” da Agrigento a Siracusa, in: AeR 14, 1970, 107-117
6 A. Di Vita, Un milliarium del 252 a.C. e l`antica via Agrigento- Panormo, in: Kokalos 1, 1955, 10-21
7 R. J. A. Wilson, Sicily under the Roman Empire, 1990, 194-214
8 G. Bejor, Gli insediamenti della S. romana, in: A. Giardina (Hrsg.), Società romana e impero tardoantico, Bd. 3, 1986, 463-519
9 K. Ziegler, s. v. Sikelia (1), RE 2 A, 2461-2522, bes. 2468 f.
10 H. Berve, Die Tyrannis bei den Griechen, 1967, 128-154, 593-607.
P. Levêque, La Sicilie, 1967
A. Stazio, Monetazione ed economia monetaria, in: G. Pugliese Carratelli (Hrsg.), Sikanie, 1986, 81-122
S. Garraffo, Il rilievo monetale tra il VI e il IV sec. a.C., in: Ebd., 261-276
E. De Miro, s. v. S., EAA 2. Suppl. Bd. 5, 1997, 242-252
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A. Pinzone, Provincia S., 1999.
Karten-Lit.:
R. J. A. Talbert (Hrsg.), Barrington Atlas of the Greek and Roman World, 2000, 47.
[English version]
F. Byzantinische und arabische Zeit
Nach kurzer Zeit unter ostgotischer Herrschaft fiel S. im Zuge des Gotenkriegs (535-552 n. Chr.) an Byzanz (Belisarios). Durch zahlreiche administrative und kirchenpolit. Maßnahmen wurde ein gezielter Regräzisierungs- und Byzantinisierungsprozeß eingeleitet, der sich v. a. auf Ost-S. mit den Verwaltungszentren Syrakusai und Catania (Katane) konzentrierte. Ab 652 stellten arabische Überfälle eine ständige Bedrohung dar; dies führte zur Befestigung der Küstenstädte und zum Rückzug der Bevölkerung in die Berge. Innere Konflikte ermöglichten schließlich ab 827 eine arab.-muslimische Landnahme, die aber die byz. Präsenz auf S. nicht ganz beendete; bis 965 blieb ein Festungsdreieck um Taormina unter byz. Herrschaft. Die arab. Inbesitznahme erfaßte v. a. den Osten um Palermo (Panormos [3]) und den Süden um Agrigent (Akragas). Ab 910 unter der Herrschaft der Fatimiden, wurde das arab. S. unter der Gouverneurs-Dyn. der Kalbiten ab 947 de facto unabhängig und erlebte eine kurze Zeit der Stabilität. Innere Unruhen ab 1040 begünstigten schließlich die Eroberung durch die Normannen im J. 1060.
Sizilien
Toral-Niehoff, Isabel
Bibliography
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R. Traini, s. v. Ṣiḳiliyya, EI2, CD-Rom 1999.
VII. Religion
Aus dem späten Paläolithikum sind auf S. Höhlenmalereien (Grotta del Genovese, Levanzo; Addaurahöhlen, Monte Pellegrino) bekannt, deren Deutung als rituelle Szenen jedoch nicht gesichert ist. In der Kupferzeit (3000-2000 v. Chr.) bestanden auf der ganzen Insel Grabkulturen, die von verschiedenen mediterranen Regionen beeinflußt waren (bes. östl. Ägäis, Unter-It.), seit Beginn der Brz. (2000 v. Chr.) auch in Fels gehauene Kammergräber (z. B. in Pantalica; auf Thapsos), die bis nach der phöniz. und griech. Kolonisation bestanden. Vereinzelt sind auch Spuren myk. und minoischer Rel. (Pantalica, Thapsos, Syrakusai) faßbar, die auf lokale Imitation, nicht auf myk. Kolonisation zurückgehen. Um 1000 v. Chr., dem Beginn der Eisenzeit, entfalteten sich mit neuen Einwanderungen (Elymoi, Sikanoi, Sikeloi) erstmals eigenständige indigene Rel.-Formen, die oft nicht arch. unterscheidbar sind. Indigene Kultstätten sind oft Grotten oder Felsnischen (so das Heiligtum von Segesta in der Gemarkung Mango oder das Felsheiligtum von Agrigento/Akragas). Chthonische Kulte gingen in griech. Demeterkulte über. Es wurden weniger phöniz. als vielmehr griech. Rel.-Elemente (Tempelformen, Ikonographie) übernommen. Bezeugt sind einige urspr. verm. indigene Kulte in griech. Brechung: Verehrung von Quellen, Seen, Flüssen und Bäumen; Kult von Anna und den Paides (AE 1900, 91-92, Buscemi 1. Jh. n. Chr.) sowie der Palikoi.
Für die phöniz.-pun. Rel. im Westen Siziliens ist die Verehrung der Astarte, des Melqart sowie der karthagischen Hauptgottheiten Baal Hammon und Tinnit charakteristisch. Arch. faßbar sind anikonische Baityloi (Altäre, Stelen; Baitylia), das Symbol der Tinnit, mit Inschr. und (Opfer-)Reliefs versehene Votivstelen, Kultgebäude mit labyrinthischer Raumanlage (Kfr/h. Solunto), Tofet von Mtwa/Motye (7.-4. Jh. v. Chr., Aufbewahrungsort für Urnen und Erinnerungsstelen, keine Verbrennungsstätte). Ägypt. und griech. Einflüsse auf die phöniz.-pun. Rel. in Sizilien sind zu jeder Zeit erkennbar; letztere verstärkten sich durch den kulturellen Austausch mit den Griechen Siziliens. Unter pun. Herrschaft ist keine Kultkontinuität (außer bei Demeter Malophoros) feststellbar; Kontinuität der Kultstätte ist für indigene Kulte bezeugt (auf dem Eryx [1], Diod. 4,83,4).
Griech. Kolonien im Süden und Osten S.s pflegten enge rel. Bindungen zu ihren griech. Mutterstädten, sie bildeten aber eigene veränderbare Panthea (oft Wechsel der Stadtgottheit von Hera oder Athena zu Demeter). Die Aufarbeitung eines geschlossenen arch. Fundkontextes sizil. Kulte wurde bislang nur für die Demeterkulte der archa.-klass. Zeit versucht [10]. Auch Elemente anderer rel. Mittelmeer-Kulturen (Ägypt., Kleinasien) prägten die griech. Rel. in S. nachhaltig. Griech. und indigene Rel.-Formen begegneten einander in anfänglicher Koexistenz und in der Bildung neuer lokaler Kulte. Im 5. Jh. v. Chr. waren prächtige Tempelbauten Teil polit. Repräsentation der griech. Städte; aus S. kamen wesentliche Impulse für die Entwicklung des dorischen Ringhallentempels. Die griech. Mythenbildung auf S. bezog auch die Vor- und Frühgesch. sowie indigene und phöniz.-pun. Kulte mit ein.
Die röm. Prov. S. kennt griech., punische und röm. Religionen. Indigene Kulte waren in röm. Zeit nicht mehr selbständig. Der Kontakt zw. griech. und pun. Rel. führte zur Bildung von lokalspezifischen Formen; vereinzelt verbreitete sich stadtröm. Rel. durch Akkulturation. Der Kult der Venus Erycina hatte seinerseits Bed. für die Rel.-Entwicklung in Rom. Nach S. wurden auch graeco-oriental. Kulte (Isis) importiert. Auch in der Kaiserzeit verbanden sich Elemente röm. Rel. mit der lokalen Trad. (Fasti; Podiumtempel). Durch die Gründung röm. coloniae und municipia kam es zur Angleichung der Organisation von Rel. (im Sakralrecht und bei den Priesterämtern). Neue Kulte (z. B. der Mithras-Kult) waren selten. Das Christentum breitete sich seit dem 2. Jh. n. Chr. auf S. aus (Katakomben in vielen Städten). Jüd. Gemeinden sind seit dem 4. Jh. n. Chr. arch. belegt, aber wohl älter. Verbindungen zur traditionellen Rel. werden im jüd. und christl. Grabkult und in der Fortsetzung von Elementen einzelner Lokalkulte in Kulten christl. Heiliger sichtbar. In Lehre, Liturgie und Zeremonie folgte die Kirche S. bis Gregorius [3] d.Gr. (540-604) der röm. Trad., unter byz. Herrschaft nähert sie sich der östl. Trad. an.
Kunz, Heike
Bibliography
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2 B. Pace, Arte e civiltà della S. antica, Bd. 3, 1945, 451-721
3 E. Manni, S. pagana, 1963
4 A. Brelich, La religione greca in S., in: Kokalos 10/11, 1964/65, 35-63
5 R. Schilling, La place de la Sicile dans la rel. romaine, in: ebd., 259-286
6 G. Sfameni-Gasparro, I culti orientali in S., 1973
7 A. Messina, Le communità ebraiche della S. nella documentazione archeologica, in: Henoch 3, 1981, 200-219
8 Il cristianesimo in S. dalle origini a Gregorio Magno,1987
9 R. J. A. Wilson, Sicily under the Roman Empire, 1990 (bes. 277-312)
10 V. Hinz, Der Kult von Demeter und Kore auf Sizilien und in der Magna Graecia (Palilia 4), 1998
11 R. Leighton, Sicily before History, 1999
12 R. Barcellona, S. Pricoco (Hrsg.), La S. nella tarda antichità e nell` alto medioevo. Religione e società (Atti del convegno di studi 1997), 1999.

References:

Desjardins, Table, p. 244-252.

Miller, Itineraria, Sp. 396.

Ziegler, Konrat, Σικελία, Sicilia [1], in: RE II.A.2 (1923), Sp. 2461-2522.

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08.01.2026 18:20


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