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Part of Tabula Peutingeriana - Rome

Tabula Peutingeriana – Single display of hits

Toponym TP (renewed):

Etrvria (Etruria)

Name (modern):

Toscana and N Lazio

Image:
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Toponym before
Toponym following
Alternative Image ---
Image (Barrington 2000)
Image (Scheyb 1753) ---
Image (Welser 1598) ---
Image (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/413122
Area:

Italy

Toponym Type:

Region

Grid square:

4B1 / 4B2

Toponym Color:

red

Vignette Type :

---

Itinerary:

 

Alternative Name (Lexica):

Etrusci, Etruria (DNP)

Name A (RE):

Etruria

Name B (Barrington Atlas):

Etruria/Tuscia (42 B1)

Name C (TIR/TIB/others):

 

Name D (Miller):

Etruria

Name E (Levi):

 

Name F (Ravennate):

Tuscia (p. 66.19), Tuscie (p. 74.15)

Name G (Ptolemy):

Τούσκοι (3,1,4) = Τυρρηνοι (3,1,4), Τούσκοι μεσόγειοι (3,1,47), ὑπὲρ τοὺς Τούσκους (3,1,53),

Plinius:

Etruria (3,38; 3,50; 3,53; 3,112; 3,115)

Strabo:

 

Dating from Toponym on TP:

Roman Republic

Argument for Dating:

Erste überlieferte literarische Erwähnung laut Livius bei Fabius Pictor.

Commentary on the Toponym:

Etrusker in der Toscana IV 24, 109; VI 62, 88, 103; VII 53f., 57f. / Tyrrhenisches Meer (Thuk. 4,24), tyrrhenischer Golf (Thuk. 6,62) οἱ Τυρσηνοί (Thuk. 7,53f.)

Herodot nennt ebenfalls Tyrrhener

Antike Namensformen:
Etruria (Varro lingua 5,5).
Europae loca multae incolunt nationes. Ea fere nominata aut translaticio nomine ab hominibus ut Sabini et Lucani, aut declinato ab hominibus, ut Apulia et Latium, aut utrumque, ut Etruria et Tusci. Qua regnum fuit Latini, universus ager dictus Latius, particulatim oppidis cognominatus, ut a Praeneste Praenestinus, ab Aricia Aricinus.

Datierung:
Der Ort ist laut Livius frühestens bei Fabius Pictor belegt, sein Eintrag auf der Karte damit republikanisch zu datieren.

Kommentar (Talbert):
A faint "i" (also in red) has been inserted between the the last two letters. There is no knowing whether our copyist made the correction, or a later user.

Plin
Colonia Bononia, Felsina vocitata tum, cum princeps Etruriae esset (3,115)

Miller, Itineraria, Sp. 379
Etruria, kleiner geschrieben, i ist nachkorrigiert, der ältere Name für Tuscien (bei St, Ml, Pl).

Datierung (Barrington):
Etruria/ – Archaic/Classical/Hellenistic/Roman/Late Antique (RE)
Tuscia – Late Antique (Nissen II, 278)
§ Rasna – Archaic

DNP:
Etrusci, Etruria
siehe auch Tusci (Etrusker)

I. Geschichte

A. Name
Volk in It., das zw. dem 9. und dem 1. Jh. v.Chr. die höchste Form der Zivilisation im westl. Mittelmeerbereich hervorgebracht hat, bevor sich im selben Gebiet die röm. Zivilisation durchsetzte. Verschieden sind die Volksnamen, mit welchen die E. bezeichnet werden: Rasna (oder gräzisiert Rasenna) in den etr. Quellen, Tyrrhenoi oder Tyrsenoi in den griech. Quellen, Turskus in den umbr. Quellen und Etrusci, Tusci oder Lydii (nach Hdt. 1,94 wegen ihrer möglichen Herkunft aus Lydia) in den lat. Quellen.

B. Wirkungs- und Forschungsgeschichte
Die außergewöhnlich vielfältigen Ressourcen der Region, die sie bewohnten, und die daraus resultierende Führungsrolle, die sie im Welthandel spielten, ihr hohes kulturelles Niveau, der Vorbildcharakter und die Kompetenz, die ihnen von den Römern in Bezug auf Wissenschaft und Kultpraktiken zugesprochen wurden, der Ruhm, ein "uraltes und aufgrund der Sprache und der Gebräuche von allen anderen sich unterscheidendes Volk" zu sein (Dion. Hal. ant. 1,30,2) sind die wichtigsten Gründe dafür, daß bereits in der Ant. eine Art Mythos um die E. entstand.

Dieser Mythos tauchte im Humanismus und in der Renaissance wieder auf, als in der Toscana und in Latium - hauptsächlich in Florenz und Viterbo - die E. als Modell für die gesellschaftliche und moralische Erneuerung herangezogen wurden und Eingang in die polit. und kulturellen Programme zahlreicher Fürsten fanden (vgl. die Familie der Medici der Toskana). Man berief sich dabei auf die lit. Tradition der E. (Liv., Plin. d.Ä.), aber man begann auch, die Denkmäler der E. hoch zu achten (vgl. Cosimo. I. de` Medici und seine Kunstsammlung mit den Br.-Statuen "Minerva, "Chimäre, "Arringatore). In dieser Perspektive sind auch die Nachforsch. der Altertumsforscher des 18. Jh. zu sehen (F. Buonarotti, A.F. Gori, S. Maffei, G.B. Passeri, M. Guarnacci), die sich der etr. Kultur annahmen (u.a. Inschr., Sprache, Rel., Kunst). Zw. dem 18. und den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. begann man (L. Lanzi, G. Micali in It., K.O. Müller in Deutschland), die Stud. über die E. auf eine histor. Grundlage zu stellen. Spezialisten zahlreicher Disziplinen (Kunst, Rel., Gesch., Epigraphik, Sprache, Top., Naturkunde) beschäftigen sich mit den E., griffen aber nicht über ihren eigenen Forsch.-Bereich hinaus. Deshalb konnten ihre Forsch.-Erträge bei aller Qualität keinen umfassenden Einblick in die Welt der E. vermitteln. Im Übergang von einer multidisziplinären zu einer interdisziplinären Arbeitsweise hat sich die h. Etruskologie als eigene Wissenschaft herausgebildet.

C. Quellen
Zur Verfügung stehen v.a. epigraphisch-linguistische, historiographisch-lit., arch., onomastische und toponomastische Quellen. Darunter sind die mit den epigraphischen eng verbundenen arch. Quellen am zahlreichsten und aussagekräftigsten. Deshalb wird die Etruskologie häufig als arch. und nicht als histor. Disziplin betrachtet. Abgesehen von Problemen, die sich aus der Natur bestimmter Quellen ergeben können, muß man sich einige Faktoren vergegenwärtigen, welche der Arbeit des Etruskologen grundsätzlich entgegenstehen: die vollständige Vernichtung der lit. und historiographischen Produktion der E. selbst und auch der klass. lit. Werke über die E. (so die libri rerum Etruscarum des Verrius Flaccus oder die Τυρρηνικά (Tyrrhēniká) des Kaisers Claudius), die Seltenheit und Zufälligkeit, mit der die ant. Schriftsteller Informationen über die E. liefern, die mit dem Verständnis der etr. Sprache verbundenen Schwierigkeiten, der Umstand, daß man bis vor wenigen Jahrzehnten ihren Siedlungen bei Grabungen zu wenig Beachtung geschenkt hat, die zeitweilige Wiederbelebung phantastischer Hypothesen, welche, erstmals von Gelehrten des 15.-16. und 18. Jh. vorgebracht, h. nicht mehr haltbar sind, schließlich die große Zahl dilettantischer Publikationen über die Welt der E., die nur vom richtigen Weg abbringen.

D. Geographischer Bereich
Die Region, in der sich die etr. Zivilisation entwickelt hat, ist im Norden durch das Arnobecken bis hinauf zum toskanisch-emilianischen Appenninus begrenzt, im Süden und Osten durch den Tiber und im Westen durch das mare Tyrrhenum. Das erste Ausgreifen der E. erfolgte im 9. Jh. v.Chr. in Richtung auf die Gegend um Salerno bzw. Bologna (Bononia [1]). Zahlreiche etr. Siedlungen des 6./5. Jh. finden sich in der Po-Ebene und in Campania; doch wurden sie zw. E. des 5. und dem 4. Jh. von Galliern bzw. Samnites verdrängt. Nach etr. Zeugnissen und der späteren Überlieferung finden sich kleinere etr. Gemeinschaften auch unter in verschiedenen ital. Regionen ansässigen Volksstämmen (etwa in Latium, der Romagna, Ligurien und Piemont) sowie in verschiedene Bereichen des Mittelmeergebiets (Languedoc, Corsica, Karthago und Ägypten).

E. Herkunft
Der Ursprung der E. ist schon seit der Ant. eine über lange Zeit diskutierte Frage. Hellanikos (FGrH 4 F 3 bei Dion. Hal. ant. 1,28,3) und Antikleides (FGrH 140 F 21 bei Strab. 5,2,4) hielten die E. für aus der Ägäis zugewanderte Pelasger, Hdt. 1,94 hatte lyd. Informationen, denen zufolge die E. aus Lydia stammten, Dion. Hal. ant. 1,30 dagegen hielt sie für Autochthone. Im 15. Jh. stellte Annio aus Viterbo die Hypothese von der Herkunft der E. aus Israel auf, die bis ins 18. Jh. lebendig blieb. In den vergangenen 200 J. hat man dagegen meist aufgrund von ant. Quellen, die eine Identität der Raeti mit den E. behaupteten (Liv. 5,33,11; Plin. nat. 3,133; Iust., Pomp. Trog. epit. 20,5,10; Steph. Byz. s.v. Ῥαιτοί) und aufgrund von Analogien von frühgesch. mit ital.-etr. Kulturen angenommen, die E. könnten aus Mitteleuropa zugewandert sein. Alle diese Theorien verlieren durch dasselbe ihnen zugrundeliegende Vorurteil an Gültigkeit: das etr. Volk bereits als existent anzunehmen, in It. oder außerhalb, noch bevor in Wirklichkeit seine Gesch. begonnen hätte. Jede dieser Theorien wartet mit histor. gesicherten Erkenntnissen auf, die jedoch nichts zur endgültigen Lösung des Problems beitragen, weil sie mit anderen, gleichfalls histor. gesicherten Erkenntnissen anderer Theorien erst in Zusammenhang gebracht bzw. verglichen werden müssen. Daraus folgt, daß man die zwingenden Schlüsse der einzelnen Theorien nur dann nutzbar machen kann, wenn man (nach einem Vorschlag von M. Pallottino) die Frage nach der Herkunft durch die Frage nach der Formation ersetzt, etwa in dem Sinne, daß sich verschiedene ethnisch-kulturelle Kerngemeinschaften verbunden und so ein neues Volk geschaffen haben könnten. Diese Entwicklung könnte in der Region E.a eben zw. dem Ende der Brz. und dem Anf. der Eisenzeit (zw. dem 10. und den Anf. des 9. Jh. v.Chr.) stattgefunden haben. Denn in den mittleren Jahrzehnten des 9. Jh. setzt sich in derselben Region die Villanova-Kultur durch, die das ganze 8. Jh. hindurch besteht und die erste Ausprägung der etr. Zivilisation darstellt. Gleichzeitig setzen sich in verschiedenen anderen Regionen der ital. Halbinsel jene Völker durch (Veneti, Picentes, Umbri, Sabini, Latini, Samnites, Dauni u.a.), die zusammen mit den E. die Gesch. Italiens das ganze 1. Jt. v.Chr. prägen werden.
Camporeale, Giovannangelo (Florenz)

RE:
Etruria (Ἐτρουρία; spät und fehlerhaft manchmal Aetruria, z. B. CIL IX 3667,[1] vgl. Aetruscus CIL III Suppl. 12201.[2] 13312. XIV 3911; mit falscher Aspiration Hetruria häufig in Hss., was, wie die von Serv. Aen. XI 598 mitgeteilte Etymologie: Etruria dicta est, quod eius fines tendebantur usque ad ripam Tiberis, quasi ἑτερουρία: nam ἕτερον est alterum, ut ὅρος finis beweist, schon ins späte Altertum zurückgeht), Landschaft in der westlichen Hälfte von Mittelitalien, benannt nach dem Volke der Etrusci, welches in ihr seit etwa dem 7. Jhdt. v. Chr. seinen hauptsächlichen Sitz hatte (s. Art. Etrusker). Die Grenze im Osten und Süden bildet der Tiber in der ganzen Länge seines Laufes, im Westen das Tyrrhenische Meer; im Norden nennt Skylax peripl. 4 einen Ort Antium (Anzo bei Moneglia?, s. Bd. I S. 2563) als Grenze zwischen Ligurern und Tyrrhenern, also nahe dem Punkt, wo die Apuanischen Alpen unmittelbar an das Meer herantreten. Aber auch der nördliche Teil dieses Gebietes wurde den etruskischen Beherrschern von den ligurischen Bergstämmen, die es, nach manchen Namen zu schließen, in der Urzeit im Besitz gehabt hatten, streitig gemacht; die Niederwerfung der Ligurer gelang erst den Römern seit Anfang des 2. Jhdts. v. Chr. Für das untere Arnotal, von dem aus die römischen Heere ihre Operationen gegen die Bergstämme zu beginnen pflegten, findet sich um die Wende des 3. und 2. Jhdts. in den römischen Annalen häufig die Bezeichnung provincia Pisae oder Ligurum: die Nordgrenze Italiens traf, bis in Sullanische Zeit, die Küste zwischen Portus Pisanus und Vada Volaterrana. Als Rom dann durch Anlage der Kolonien Luca und Luna starke Stützpunkte seiner Macht geschaffen hatte, wurde das Gebiet dieser Städte nicht zu Etrurien, sondern zur Aemilia geschlagen. Augustus rückte die Grenze seiner siebenten Etruria benannten Region wieder weiter nach Norden, bis zum Flüßchen Macra, vor, während im übrigen die Grenzen dieselben blieben. Der Flächeninhalt der Region beträgt ca. 31 000 qkm.

Das so begrenzte Gebiet, welchem im späten Altertum der Name Tuscia (s. d. und u. S. 724). im Mittelalter und der Neuzeit Tuscania, Toscana verblieben ist, hat in seinen verschiedenen Teilen sehr verschiedene geologische Beschaffenheit. Im nördlichsten Teile, zwischen Macra und Arnus, wird die Hauptkette des Appennin begleitet von der wild zerrissenen Seitenkette der Alpi Apuane, welche aus krystallinischem Kalk bestehen und, bei Luna, seit fast 2000 Jahren auf [721] ihren Marmor ausgebeutet werden (s. u.). Südlich vom Arno erstreckt sich dann ein vielfach zerklüftetes Hügelland tertiärer Bildung, mit reichen Metallschätzen; auch die Insel Ilva gehört geologisch zu diesem Gebiet. Im südlichen Teile dieses Gebietes zeigt sich schon die Wirkung mächtiger vulkanischer Kräfte: der 1760 m hohe Trachytkegel des Monte Amiata verdankt ihnen seine Entstehung. Südlich von 43° n. Br. beginnt sodann eine gänzlich durch vulkanische Tätigkeit gebildete Zone; in pliocäner Zeit Meeresboden, auf dem sich über Ton- und Mergelschichten durch unterseeische Eruptionen eine mächtige Tuffschicht sehr gleichmäßig gelagert hatte, wurde die ganze Strecke von Mons Argentarius bis zum Kap der Circe später aus dem Meere herausgehoben. Weitere vulkanische Eruptionen haben in diesem neugeschaffenen Lande mehrere Gebirgsmassive emporgehoben, namentlich die ciminischen Berge (s. Bd. III S. 2554), die mineralreiche Kette von La Tolfa und die an Kraterseen und Maaren reichen vejentischen Berge.

Der Lauf des Appennins, welcher sich innerhalb Etruriens in weitem Bogen von der Westküste entfernt, begünstigt die Ausbildung des Flußsystems; der Tiber, der, wie erwähnt, in seinem ganzen Laufe die Grenze Etruriens gegen Umbrien bildet, ist der bedeutendste Fluß der ganzen Halbinsel. Unter den Flüssen, die ihren Lauf ganz in der Landschaft E. vollenden, nimmt den ersten Rang ein der Arnus (s. Bd. II S. 1208f.) mit seinen Zuflüssen Visentius (Bisenzio) und Umber (Ombrone); auch der Ausar (Serchio), der jetzt direkt ins Meer fließt, war in alten Zeiten Nebenfluß des Arno (s. Bd. II S. 2558). Von geringerer Bedeutung sind die übrigen etrurischen Küstenflüsse: außer dem schon erwähnten Macra kennen wir die antiken Namen (von Norden nach Süden): Aventia (Avenza, s. Bd. II S. 2281), Vesidia, Caecina (Cecina. s. Bd. III S. 1236), Alusa (s. Bd. I S. 1588), Umbro. Osa, Albinia (Albegna, s. Bd. I S. 1312), Armenta (Fiora, s. Bd. II S. 1188), Marta, Minio (Mignone), Aro (Arrone, Bd. II S. 1209). Rechte Nebenflüsse des Tiber sind Clanis (Chiana, s. Bd. III S. 2626) mit der Pallia und Cremera (s. Bd. IV S. 1702).

Die großen Seen liegen meist in der südlichen Hälfte und sind erloschene Krater, wie der Lacus Ciminius (Lago di Vico, Bd. III S. 2554), Lacus Alsietinus (Lago di Martignano, s. Bd. I S. 1642), Lacus Statoniensis (Lago di Mezzano), oder vulkanische Senkungen, wie der Lacus Volsiniensis (Lago di Bolsena), Lacus Sabatinus (Lago di Bracciano) und Lacus Trasimenus. Vulkanischen Ursprungs ist auch der kleine, jetzt versumpfte Lacus Vadimonis bei Polimartium. Nördlich vom Arno finden wir nur die palus Blentina bei Lucca; der Strandsee Lacus Prelius (Prilius) südlich von Volaterrae ist jetzt ausgetrocknet.

Von den Etrurien vorgelagerten Inseln ist die bedeutendste Ilva (Elba); südlich folgen Planasia (Pianosa), Oglasa (Monte Cristo), Igilium (Giglio) und Dianium (Giannutri, s. Bd. V S. 340); nördlich, zwischen Ilva und Corsica, Urgo oder Gorgon (Gorgona) und Capraria (Capraja, s. Bd. III S. 1546). Von den bei Ptolem. III 6, 12 genannten kleinen Eilanden ist Columbaria vielleicht identisch mit Palmajola (zwischen Elba und dem Festlande, [722] s. Bd. IV S. 593), Barpassa (s. Bd. III S. 26) und Venaria mit den sog. Formiche di Grosseto, Maenaria mit Meloria südlich der Arnomündung. Auch der Mons Argentarius bei Cosa ist nichts anderes als eine landfest gewordene Insel (s. Bd. II S. 712).

E. galt den Alten als eine γῆ πάμφορος (Diod. V 40): die Produkte seines Bodens sind verschieden nach der oben geschilderten Beschaffenheit. An Mineralschätzen besonders reich ist das Hügelland zwischen dem Unterlauf des Arnus und dem Meere: auf Kupfer wurde im Altertum gegraben in den Stadtgebieten von Volaterrae, Populonium, Vetulonium, Rusellae, auf Silber bei Montieri, auf Eisen auf der Insel Elba (reiche Nachweisungen bei Gamurrini Bibliografia dell’ Italia antica I 1905, 124–135). Die Marmorbrüche von Luna, seit Ende der Republik bekannt, aber namentlich seit der Augustischen Zeit in großem Umfang ausgebeutet, lieferten Material für Architektur und Skulptur in unendlichen Mengen. Die vulkanischen Tuffe aus dem südlichen E. (lapicidinae Statonienses, Anicianae usw.) waren vortrefflich für Architektur, die feineren Sorten auch für Skulptur verwendbar. Volaterrae hatte feinen Alabaster, Arretium den besten Töpferton. Für den Ackerbau besaß fast ganz E. vortrefflichen fetten Boden; Spelt und Weizen waren von vorzüglicher Güte. Berühmt war in Süd-E. der Flachsbau und die Linnenfabrikation von Tarquinii und Falerii. Die Weinproduktion war mehr durch Quantität als durch Qualität ausgezeichnet, als bester galt der Wein von Luna, während die südetrurischen Sorten, namentlich der Vejenter, in schlechtem Ruf standen. Der Appennin und das Hügelland waren mit Wäldern, besonders Nadelholz, reich bestanden, aus denen Bauholz in Menge nach Rom geliefert wurde. Ergiebig war die Viehzucht (Rinder, Schafe, Schweine), Fischerei und Jagd. Gewerbe und Kunsthandwerk standen in hoher Blüte, s. d. Art. Etrusker, besonders S. 759ff. Im Zusammenhang angeführt werden mag hier der Bericht des Livius XXVIII 45 über die gegen Ende des zweiten Punischen Kriegs (547 = 207 v. Chr.) von den mit Rom verbündeten Gemeinden zur Ausrüstung der Flotte gemachten Naturallieferungen: Etruriae populi pro suis quisque facultatibus consulem adiuturos polliciti: Caerites frumentum sociis navalibus commeatumque omnis generis, Populonienses ferrum, Tarquinienses lintea in vela, Volaterrani inceramenta navium et frumentum. Arretini tria milia scutorum, galeas totidem, pila gaesa hastasque longas, milium quinquaginta summam pari cuiusque generis numero expleturos, secures rutra falces alveolos molas, quantum in quadraginta naves longas opus esset, tritici centum et viginti milia modium, et in viaticum decurionibus remigibusque collaturos: Perusini. Clusini, Rusellani abietes in fabricandas naves et frumenti magnum numerum.

Die römische Eroberung hat die etruskische Nation zwar nicht sofort vernichtet, aber derartig geschwächt, daß sie in den letzten zwei Jahrhunderten v. Chr. langsam abstarb. An der großen Erhebung der Bundesgenossen gegen Rom im J. 90 v. Chr. nahmen die Etrusker keinen Anteil: im folgenden Jahr wurde den meisten [723] Gemeinden das römische Bürgerrecht erteilt. Im Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla stand E. auf seiten des ersteren. Dafür behandelte Sulla nicht nur im Krieg das Land mit schonungsloser Härte, sondern führte auch durch Anlage zahlreicher Militärkolonien und die damit zusammenhängenden Konfiskationen eine völlige Änderung des Besitzstandes herbei. Nicht minder litt E. in den folgenden Jahrzehnten, zur Zeit des Catilinarischen Aufstands wie des zweiten Bürgerkriegs: die Triumvirn deduzierten aufs neue zahlreiche Militärkolonien, und das unglückliche Ende des Perusinischen Kriegs (41 v. Chr.) besiegelte den Niedergang der Etrusker als Nation.

In der Augustischen Einteilung Italiens bildet E. die siebente Region: die wichtigsten Orte innerhalb desselben werden im folgenden nach den großen Landstraßen aufgezählt. Die selbständigen Gemeinwesen sind mit * bezeichnet.

A. Nord-Etrurien :

I. Via Aemilia Scauri (s. Bd. I S. 543. Itin. Ant. 292. Geogr. Rav. IV 32 p. 268f. V 2 p. 336): *Luna-Taberna Frigida-Forum Clodii-Fossae Papirianae-*Pisae-Turrita-Piscinae-ad Herculis-ad Fines-Velinae(?)-Celsinum (s. Bd. III S. 1881) - Vada Volaterrana.

II. Via Cassia et Clodia (s. Bd. III S. 1670. Itin. Ant. 286. Geogr. Rav. IV 36 p. 285 P.): *Pisae-Aquae Pisanae (s. Bd. II S. 304) - *Luca-ad Martis-*Pistoriae-Hellana-ad Solaria-* Florentia-ad Aquileia (s. Bd. II S. 320) -ad Fines sive Casas Caesarianas (s. Bd. III S. 1632).

III. Von Florenz nach Pisae (nur auf der Peutingerana), Stationen in Portu-Valvata.

Von Florenz nach Faventia (Itin. Ant. 284): * Faesulae-Anneianum (s. Bd. I S. 2257).

B. Süd-Etrurien.

IV. Küstenstraße (Via Aurelia, s. Bd. II S. 2430. Itin. Ant. 290f. 300. Geogr. Rav. IV 32 p. 267f. V 2 p. 335f.): Vada Volaterrana-Aquae Populoniae (s. Bd. II S. 304)-*Populonium-Manliana -Salebro-Hasta-Telamon-Portus Cosanus-*Cosa (s. Bd. IV S. 1666) -Succosa-ad Nonas-Forum Aureli-Martanum-Tabellaria-Graviscae-Centum Cellae (s. Bd. III S. 1934)-Castrum Novum (s. Bd. III S. 1770) -Punicum-Pyrgi-Alsium, (s. Bd. I S. 1639) -ad Turres-Baebiana (s. Bd. II S. 2728) -Lorium[-Roma]. Abzweigung am Schluß: ad Turres-Fregenae-Portus.

C. Süd-Etrurien, Binnenland.

V. Seitenstraße der Via Aurelia: ad Turres-Caere (s. Bd. III S. 1281) -Aquae Apollinares (s. Bd. II S. 296) -*Tarquinii-Graviscae.

VI. Via Cassia: Ad Fines-Bituriza (s. Bd. III S. 548) -ad Ambronem-*Arretium (s. Bd. II S. 1227) -*Cortona (s. Bd. IV S. 1661) -ad Statuas-*Clusium (s. Bd. IV S. 115) -*Volsinii -Trossulum-Aquae Passeris (s. Bd. II S. 303) -Sorrina-Forum Cassii-Vicus Matrinii-*Sutrium-Baccanae (s. Bd. II S. 2720) -*Veii.

VII. Seitenstraßen der Via Cassia: 1) ad Ambronem-ad Iuglandem-ad Graecos-ad Novas-Clusium (s. Bd. IV S. 115); 2) ad Novas-Manliana-ad Mensulas-ad Umbronem-*Saena.

VIII. Via Clodia (s. Bd. IV S. 63. Itin. Ant. 286. Geogr. Rav. IV 36 p. 285): Forum Cassii -*Forum Clodii-Sabate-ad Novas-Careiae (s. Bd. III S. 1588) [-Roma]. [724] IX. Seitenstraße der Via Clodia (Geogr. Rav. IV 36 p. 284): *Forum Clodii-*Blera (s. Bd. II S. 569)-*Tuscana-Maternum-*Statonia-*Suana -*Saturnia.

X. Via Amerina (s. Bd. I S. 1826): Baccanae -*Nepet-*Falerii (Aequum Faliscum) -*Fescennium-*Horta.

XI. Via Flaminia (Itin. Hierosol. 612): [Roma-] Saxa Rubra-ad Vicesimum-*Capena (s. Bd. III S. 1505)-Aqua Viva (s. Bd. II S. 307)-*Aequum Faliscum.

An der Grenze von Umbrien liegt, an der Straße Clusium-Fulginiae, die bedeutende Stadt *Perusia; von sonstigen bedeutenden Städten liegen abseits der großen Straße (im Küstengebiet) *Volaterrae, *Vetulonia, *Rusellae, *Volci.

Etrurien erlebte, wie die Schriftzeugnisse und die Denkmäler beweisen, in der Kaiserzeit eine Nachblüte; namentlich die großen Städte im Tiber- und Arnotal waren bedeutend und reich – freilich waren ihre Bewohner überwiegend römischer Nationalität, während die alten Einwohner wohl schon im 2. Jhdt. verschwanden oder sich ganz mit den Beherrschern assimilierten. Die Küstengegenden an der Via Aurelia aber fallen in der Kaiserzeit einer immer weiter um sich greifenden Verödung anheim: die Malaria ist seitdem endemisch, wie an der latinischen Küste so auch in dem ganzen Striche zwischen Tiber- und Arnomündung, den noch heute verrufenen Maremme.

In der Diocletianischen Einteilung Italiens ist E. zusammengelegt mit Umbrien (mit dem es schon in der zweiten Hälfte des 3. Jhdts. durch einen gemeinsamen Landtag verbunden war, der in Volsinii zusammenkam, s. das Constantinische Edikt von Spello CIL XI 5265[3] und Mommsens Kommentar dazu, Ber. d. sächs. Gesellsch. 1850, 199ff.). Die Provinz Tuscia et Umbria steht Anfangs unter Correctores, die in Florenz residierten. Zwischen 366 und 370 trat ein Wechsel ein; die Verwalter der Provinz führen nunmehr den Titel consulares. Die Provinz zerfällt in zwei Teile, Tuscia suburbicaria südlich und Tuscia annonaria nördlich vom Arnus. Der letztere sehr viel kleinere Teil scheint im 5. Jhdt. zur Aemilia gezogen zu sein; gegen Ende des weströmischen Reiches kommt ein consularis Tusciae suburbicariae vor (Novell. Maiorian. 9, 1 p. 327 Haenel vom J. 458). Vgl. Marquardt St.-V. I2 236ff. Cantarelli Bull. com. 1892, 121ff.

Hauptstellen über E. aus den Klassikern: Strab. V 219–227. Plin. n. h. III 50–52. Ptolem. III 1, 4. 43. Aus der älteren Literatur ist zu nennen: Th. Dempster De Etruria regali libri VII, Florenz 1723, mit Passeris Paralipomena, Lucca 1767; aus der neueren das Hauptwerk K. O. Müller Die Etrusker (2. Aufl. bes. von Deecke, Stuttgart 1877). Ferner: Repetti Dizionario geografico-storico della Toscana, 6 Bde., Florenz 1834–1846. Dennis Cities and cemeteries of E., 3. ed. London 1883. Canina L’Etruria maritima, Rom 1846–1852. Nissen Ital. Landesk. II 277–373. R. Kiepert im Text zu den Formae orbis antiqui Bl. 20 (1902). Reiches Material enthalten auch die Einleitungen zu den einzelnen Städten in Bd. XI des CIL (Bormann). Zur Literatur vgl. Mau Katalog der röm. Institutsbibliothek I 132f. 161f. 229f. II 408.
[Hülsen.]
Anmerkungen
1.Corpus Inscriptionum Latinarum IX, 3667.
2.Corpus Inscriptionum Latinarum III, 12201.
3.Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 5265.

References:

Miller, Itineraria, Sp. 379;

Hülsen, Christian, Etruria, in: RE VI.1 (1907), Sp. 720-724.

Camporeale, Giovannangelo, Etrusci, Etruria, in: DNP 4, 1998, Sp. 167-195;

L. Banti, Il modo degli Etruschi, 21969 (Die Welt der Etrusker, 1960)

J. Heurgon, La vie quotidienne chez les Etrusques, 21979

M. Torelli, Storia degli Etruschi, 1981

M. Cristofani (Hrsg.), Gli Etruschi. Una nuova immagine, 1984 (Die Etrusker 21995)

Ders. (Hrsg.), Civiltà degli Etruschi, 1985

A. Maggiani (Hrsg.), Artigianato artistico in Etruria, 1985

G. Camporeale (Hrsg.), L`Etruria mineraria, 1985

G. Colonna (Hrsg.), Santuari d`Etruria, 1985

S. Stopponi (Hrsg.), Case e palazzi d`Etruria, 1985

A. Carandini (Hrsg.), La romanizzazione dell`Etruria: il territorio di Vulci, 1985

P. Barocchi (Hrsg.), L`Accademia etrusca, 1985

F. Borsi(Hrsg.), Fortuna degli Etruschi, 1985

G.Pugliese Carratelli (Hrsg.), Rasenna, 1986

M. Pallottino, Etruskologie, 71988

Ders. (Hrsg.), Gli Etruschi e l`Europa, 1992.
Karten-Lit.:

Die Etrusker und Europa, Ausst.-Kat. Berlin, 1993

M. Cristofani (Hrsg.), Die Etrusker, 1995

F. Prayon, Die Etrusker, 1996

K. v. Welck, R. Stupperich (Hrsg.), Italien vor den Römern, 1996.

   [Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]

Last Update:

25.09.2025 12:07


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