| Kommentar zum Toponym: |
Stadt zunächst nur am rechten Ufer des unteren Atax im Gebiet der Volcae Arecomici (Strabo 4,1,12).
In vorrömischer Zeit lag hier eine Siedlung an der mythischen Straße des Herakles von Spanien zur Rhône. Seit dem 6. Jh. v. Chr. befand sich auf dem Hügel von Montlaurès, 4 km entfernt, ein oppidum namens Naro (Avien. 587). Ab 118/7 v. Chr. als colonia Narbo Martius Sitz der Provinzialverwaltung (Cic. Font. 5,13; Vell. 1,15,5). 46 v. Chr. legte Caesar hier mit Veteranen der 10. Legion eine neue Kolonie an (colonia Iulia Paterna Decumanorum, Suet. Tib. 4,1). 27 v. Chr. veranstaltete Augustus hier einen conventus von ganz Gallia (Liv. epit. 134).
Die Stadt war ein wichtiger Industrie- und Handelsplatz, Ausgangspunkt der Straßen von Gallien nach Spanien und Italien (Itinerare, s. u.). Narbo selbst hatte einen Flusshafen (heute: Les Barques), als Seehäfen wurden die nahegelegenen Lagunen genutzt.
Zentrum des gallischen Kaiserkults (CIL XIII 4333). Ende des 3. Jh. n. Chr. wurde eine Mauer um die verkleinerte Stadt gezogen. 462 von den Westgoten eingenommen.
(s. Lafond, Y. (., & Olshausen, E. (. (2006). Narbo. In Der Neue Pauly Online. Brill. https://doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e816840).
Inschr.: CIL XIII p. 521, 844, 863.
Weiter antike Quellen (Auswahl):
- Der Ort erscheint in den antiken Literatur seit Hekat. BNJ 1 F 54 ap. Steph. Byz. (s. u.)
- Diod. 5,38,5 … εἰς τὴν ὀνομαζομένην πόλιν Ναρβῶνα· αὕτη δ´ ἐστὶν ἄποικος μὲν Ῥωμαίων, διὰ δὲ τὴν εὐκαιρίαν […] μέγιστον ἐμπόριον ἔχουσα τῶν ἐν ἐκείνοις τοῖς τόποις (römische Kolonie, bedeutendster Handelsplatz der Region).
- Menipp. geogr. frg. 6 Νάρβων, ἐμπόριον καὶ πόλις Κελτική. Μαρκιανὸς δὲ Ναρβωνησίαν αὐτὴν λέγει.
- Caes. Gall. 3,20,2 u. ö.
- Mela 2,75 nomen et decus est Martius Narbo (keltischer Handelsplatz und Stadt, von Marikianos auch Narbonesia genannt).
- Cic. Font.13 Narbo Martius, colonia nostrorum civium, specula populi Romani ac propugnaculum istis ipsis nationibus oppositum et obiectum. u. ö.
- Ptol. 2,10,9 Ναρβὼν* κολωνία; 8,5,7.
- Itin. Ant. 389,6; 396,1; 397,1 Narbone.
- Itin. Burd. 552,2 civitas Narbone.
- Avien ora 587 Naro civitas (Narbo Holder)
- Auson. urb. 19.
- Narbone Tabula Peutingeriana 1B3.
- Steph. Byz.: Νάρβων· ἐμπόριον καὶ πόλις Κελτική. Στράβων δ` (Strabo 4,1,6). Μαρκιανὸς (Marcian epit. 5 GGM 1,574,22 Müller, s. o.) δὲ Ναρβωνησίαν αὐτήν φησι. τὸ ἐθνικὸν Ναρβωνίτης … ἔστι καὶ λίμνη
Ναρβωνῖτις καὶ ποταμὸς Ἄταξ. Ἑκαταῖος (s. o.) δὲ Ναρβαίους αὐτούς φησι (Handelplatz und keltische Stadt, mit See und dem Fluss Atax; Hekataios nennt die Enwohner Narbaioi).
- Cosmogr. Rav. 4,28 p. 65,4 Narbona
- Cosmogr. Rav. 5,3 p. 87,9 Narbone
(S. auch Holder, Alfred: Alt-celtischer Sprachschatz, Leipzig 1898, Bd. II, 688f; Ziebarth, Erich: Narbo, RE Suppl. 7 (1940), 515-549).
Zu den archäologischen Resten s. Lafond, Y. (., & Olshausen, E. (. (2006). Narbo. In Der Neue Pauly Online. Brill. https://doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e816840).
Neuere Arbeiten:
- Agusta-Boularot, Sandrine (Hg.) (2024): Narbonne: histoire sociale d´une capitale romaine, Paris.
Hekataios F54
Stephanos of Byzantion, Ethnika s.v. Νάρβων
Νάρβων· ἐμπόριον καὶ πόλις Κελτική· Στράβων δ̄. Μαρκιανὸς δὲ Ναρβωνησίαν αὐτήν φησι. τὸ ἐθνικὸν Ναρβωνίτης … ἔστι καὶ λίμνη Ναρβωνῖτις … καὶ ποταμὸς ᾽Ατακός. ῾Εκαταῖος δὲ «Ναρβαίους» αὐτούς φησι.
Stephanos of Byzantion, Ethnika s.v. Νάρβων
Narbo. Trading post and Celtic city. Strabo mentions it in his fourth book (4.1.6). Markianos calls it Narbonesia. The ethnic adjective is Narbonite … Also located there are Lake Narbonitis … and the Atakos River. Hekataios calls them ‘Narbaioi’.
Kommentar (Talbert):
-> stretch to Beteris
The distance figure XXI is best seen on the 1888 photograph.
Miller, Itineraria, Sp. 109:
Narbone, it. (It), civitas Narbone (Hi), Narbona (2. Stadt der Narbonensis: Am), it. (IG 2.3), Narbonem (IG 1), Narbone und Narbona (Ra); römische Kolonie i. J. 634 und unter dem Konsulat von M. Porcius Cato und Q. Marcius Rex; von letzerem ist übrigens der Zuname Martius nicht genommen, sondern vom Kriegsgott Mars; gegründet von vollberechtigten Bürgern, unter anderen dem nachmals berühmten Redner L. Licinius Crassus, von Cäsar neu errichtet, daher der Name Julia Paterna (Caes, Suet, I); colonia Decumanorum, nach der berühmten 10. Legion so benannt (Pl, „médailles“, I), zum drittenmal von Claudius kolonisiert (I; cf. Aus, Mart, Epigr. Pt II); zuerst Hauptstadt der dem römischen Senat unterstehenden prov. Narb., bis unter Maximus und Balbinus (Jul. Capit.), nach Teilung der Narb. in die Provinzen Biennensis, Narb. Ia, Narb. IIa Hauptstadt der Narb. Ia und im 4. Jahrhundert Residenz der Präses (ND, ng, Not. Prov. Am, Aus); Hafenstadt noch unter Sulp. Sev., „Narbona“ litus Maris Gallici (Ra, Gu); sehr bedeutend im 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. (Hecataeus, Pytheas [280 v. Chr.], Diod. Sicul., St, Steph, Byzant); in der Kaiserzeit durch 6 magistratus verwaltet; Industrie, Handel etc.; episcopus (I: 5336 sexies); j. Narbonne. Museum mit römischen Altertümern. Römisches Mosaik, das bei Narbonne ausgegraben wurde. Im J. 1251 bestand das Kapitol noch. Iss: 4314-5359. 5959 -6023. 6037a. 6038.
In Narbonne Einmündung in die Strecke 34.
Miller, Itineraria, Sp. 128:
Narbone, Strecke 17; j. Narbonne. 21, 16 (It – und 12, Hi), 16 (IG 1.3) und 15 (IG 2); bis Nemauso 88 (It), hier 95!
Datierung (Barrington):
Col. Narbo Martius – Archaic/Classical/Hellenistic/Roman/Late Antique (Gayraud 1981; Rivet 1988, 130-35; Bromwich 1993, 83-93)
§ Col. Iulia Paterna Claudia
[T.W.] N(arbone) (CIL 17,2, 297 = CIL 12, 5672 (p 858))
RE:
Narbo
RE P. Goessler Suppl. VII 515–548 — Narbo. TP-orientierte, ausführliche Zusammenfassung des vollständigen Großartikels. Narbo, spätere Form Narbona, griech. Νάρβων, war die auf prähistorisch-keltischem Boden gelegene und von Rom 118 v. Chr. als Bürgerkolonie gegründete Stadt, Hauptstadt der nach ihr benannten Gallia Narbonensis, heute Narbonne, Dép. Aude. Die gewöhnliche antike Form ist Narbo, häufig mit dem Zusatz Martius; seit dem 4. Jh. wird Narbona häufiger, woraus Narbonne entstand. Griechische Quellen bieten verschiedene Formen. Für den Namen nimmt Goessler einen vor- bzw. nichtkeltischen Ursprung, möglicherweise iberisch oder ligurisch, an; sichere Etymologie gibt es nicht. Die gallische Erweiterung Narbo/Narbona und die Frage, ob ursprünglich ein Flußname zugrunde lag, werden ausführlich diskutiert. Nicht zu verwechseln ist die Stadt mit einer aquitanischen Narbona bei Biarritz. Der alte Fluß der Stadt war der Atax, die Aude. Die außerordentliche Bedeutung Narbos beruhte auf der Lage vor der durch Aude und Garonne zwischen Pyrenäen und Cevennen gebildeten aquitanischen Pforte, an der sich die Verkehrswege vom Mittelmeer nach Westgallien und zum Ozean kreuzten. Die antike Küstenlandschaft war durch Lagunen, Inseln und Mündungsarme geprägt. Narbo lag zwar nach Plinius zwölf römische Meilen vom Meer entfernt, war aber über die kanalisierte Aude bzw. Robine mit dem Meer verbunden. Der lacus Rubresus und die später weitgehend verlandeten Lagunen ermöglichten ein komplexes System von See- und Binnenhäfen. Hekataios bezeichnet Narbo bereits als Emporion und keltische Stadt; Strabon nennt es den Hafen bzw. Handelsplatz der Volcae Arecomici. Goessler unterscheidet aufgrund der Forschungen Rouzauds mehrere Hafenstellen: den alten Seehafen Cauquene bei Ste-Lucie, einen Hafen bei Montfort/Capelles mit großen Mengen ungebrauchter Terra sigillata aus La Graufesenque, einen weiteren Hafen am Étang de Campignol und den eigentlichen Flußhafen bei der Stadt am pons vetus, wo Quais und Magazine lagen. Ein System regulierter Fluß- und Seitenarme verband diese Plätze miteinander. Die fortschreitende Verlandung der Küste und die Veränderung des Aude-Laufs trugen wesentlich zum späteren Bedeutungsverlust bei. Für die Vorgeschichte werden Elesycer, Ligurer, Iberer und später die Volcae Arecomici behandelt. Ein bedeutendes vorrömisches Oppidum lag wahrscheinlich bei Montlaurès, rund 4 km nördlich von Narbonne; dort fanden sich iberische und griechische Keramik, etruskischer Import, keltische und massaliotische Münzen. Griechischer Handel ist seit archaischer Zeit nachweisbar. Diodor hebt Narbos Bedeutung für den britannischen Zinnhandel hervor: Zinn gelangte über Gallien zu Pferd nach Massalia und Narbo, das er als römische Kolonie und größten Handelsplatz dieser Gegend bezeichnet. Die via Domitia folgte wahrscheinlich bereits einer prähistorischen Verkehrsachse. Die Römer erkannten die strategische und wirtschaftliche Bedeutung des Platzes in den spanischen Kriegen. 118 v. Chr. wurde hier im Zusammenhang mit der gracchischen Kolonialpolitik die erste dauerhaft erfolgreiche überseeische colonia civium Romanorum Galliens gegründet. Sie übernahm den einheimischen Namen und hieß Narbo Martius. Der Auftrag zur Deduktion war mit L. Licinius Crassus verbunden; die neue Kolonie sollte als specula ac propugnaculum der römischen Macht, als Sicherung der Verbindung Italiens mit Spanien und zugleich als Handelszentrum dienen. Narbo wurde Hauptstadt und Verwaltungssitz der neuen Provinz. Der Beiname Martius wird mit dem Marskult verbunden; zugleich diskutiert Goessler, in welchem Umfang hier italische und gallische Vorstellungen zusammentrafen. Die Kolonisten gehörten der tribus Papiria an; ihre Namen weisen vielfach auf Mittelitalien, Picenum, Etrurien und Umbrien. Keltische Namen blieben daneben erhalten. Die Frage, wie die einheimischen Atacini rechtlich in die Kolonie eingegliedert waren, bleibt unsicher. Caesar erwähnt Narbo mehrfach. 56 v. Chr. wurden für den aquitanischen Feldzug in Tolosa, Carcassonne und Narbo Männer besonders aufgeboten. 52 v. Chr. bedrohten Lucterius und die aufständischen Gallier die Provinz; Caesar eilte nach Narbo, beruhigte die Bevölkerung und verteilte Besatzungen im Gebiet und um die Stadt. Später begab er sich erneut nach Narbo. Um 46 v. Chr. wurde die Kolonie durch Caesar erneuert; die genaue Datierung 46 oder 45 wird diskutiert. Sie heißt danach colonia Iulia, später colonia Iulia Paterna Narbo Martius, daneben Decumanorum colonia bzw. Atacinorum Decumanorumque colonia. Goessler hält die Ansiedlung von Veteranen der legio X für wahrscheinlich; zugleich wurden auch arme römische Bürger angesiedelt. Nach Caesars Tod stand Narbo auf der Seite des Antonius. Augustus hielt 27 v. Chr. einen conventus in Narbo ab. Aus dieser Zeit stammen frühe Meilensteine an der via Domitia, der ältesten römischen Heerstraße Galliens. Die via Domitia kam von Baeterrae/Béziers, trat im Bereich der Porte de Béziers in die Stadt, bildete ungefähr den cardo im Zug der späteren Rue Droite, überschritt beim pons vetus die Aude/Robine und führte südlich nach Ruscino und weiter nach Spanien. Eine weitere wichtige Straße führte westwärts über Carcassonne nach Tolosa. Für die Tabula Peutingeriana besonders wichtig: Goessler gibt für Tab. Peut. segm. I B die Strecke Beterris XXI – Narbone VI – Ruseione wieder, korrigiert aber aufgrund der tatsächlichen Entfernungen zu Beterris–Narbo XVI und Narbo–Ruscino XI. Daneben verzeichnet die TP Usuerva XVI – Narbone. Die in der Karte stehenden Zahlen XXI und VI werden damit ausdrücklich als fehlerhaft beurteilt. Das Itin. Antonini führt auf der Strecke de Italia in Hispanias u. a. Beterris–Narbone–Salsulis; eine andere Strecke reicht von Arelate nach Narbo. Das Itin. Hierosolymitanum nennt mutatio Hosverbas – civitas Narbone – civitas Beterris. Auch der Geograph von Ravenna nennt Narbona/Narbone. Zahlreiche Meilensteine liegen von den drei Straßenabschnitten Nemausus–Narbo, Narbo–Spanien und Narbo–Tolosa vor. Besonders wichtig ist, daß bis in antoninische Zeit Entfernungen auf Teilen der via Domitia von Narbo aus gerechnet wurden; später werden sie von Nemausus aus gezählt, was mit der Frage einer Verlegung des Provinzialhauptsitzes zusammenhängt. Augustus förderte die Stadt besonders. Das Capitolium und ein Heiligtum von Roma und Augustus standen im Mittelpunkt des Provinzial- und Kaiserkultes. Besonders bedeutend ist die ara Augusti vom 22. September 11 n. Chr., errichtet aufgrund eines ewigen Gelöbnisses der plebs Narbonensium für das numen Augusti. Jährliche Opfer wurden durch drei Ritter aus der Plebs und drei Freigelassene vollzogen. Aus der Kaiserzeit stammt außerdem die teilweise erhaltene lex provinciae. Claudius zeigte ebenfalls besonderes Interesse an Gallien; der Koloniename erhält den Zusatz Claudia, und Narbo errichtete ihm einen Altar wegen des britannischen Sieges. Strabon stellt Narbo in augusteischer Zeit nach Lyon hinsichtlich der Einwohnerzahl an hervorragende Stelle. Die genaue römische Ummauerung bleibt dagegen ungeklärt. Die militärische Funktion der frühen Kolonie spricht für eine Befestigung, archäologisch ist aber im wesentlichen nur Spätantikes faßbar. Die spätere Stadt lag überwiegend in der heutigen Cité nördlich des Flusses. Das Stadtterritorium grenzte im Norden an Baeterrae, im Süden an Ruscino, im Osten an das Meer; nach Westen reichte es wohl in Richtung Carcassonne. Im 1. und frühen 2. Jh. erlebte Narbo eine hohe Blüte. Unter Antoninus Pius wurde die Stadt vor 149 durch einen schweren Brand fast ganz zerstört; eine Inschrift bezeugt die Wiederherstellung von Thermen, Portiken, Theater, Basiliken und weiteren Bauten. Ob damals der Verwaltungssitz endgültig nach Nemausus verlegt wurde, ist im RE umstritten. In der spätantiken Reichsordnung blieb Narbo jedenfalls metropolis der Narbonensis I. Das Christentum ist früh bezeugt. Als erster Bischof wurde später Paulus angesehen; historisch sicherer wird die Reihe mit Rusticus, dessen Amtsantritt auf 427 datiert wird. Zwischen 445 und 449 erneuerte Rusticus die Bischofskirche; ein Konzil fand wohl um 458 statt. Athaulf und die Westgoten bemächtigten sich der Stadt 413/414; im Januar 414 feierte Athaulf dort mit Galla Placidia Hochzeit. 415 mußten die Goten die Stadt wieder räumen. 435 wurde Narbo erneut bedroht, 439 durch Litorius entsetzt. 462 übergab der comes Agrippinus die Stadt den Westgoten; damit begann ihre endgültige gotische Herrschaft. Sidonius Apollinaris kannte Narbo persönlich und hinterließ eine wichtige Beschreibung der monumentalen Stadt. Unter Eurich blieb sie bedeutend; Juden spielten seit dem 5. Jh. eine große Rolle im Wirtschaftsleben. Im 6. und 7. Jh. blieb Narbo ein westgotisches Zentrum und Münzort. 719 fiel die Stadt an die Araber; 759 gelangte sie unter Pippin wieder in fränkische Hand. Sidonius beschreibt Narbo mit Mauern, Türmen, Straßen, Läden, Toren, Portiken, Forum, Theater, Tempeln, Kapitolien, Münzstätte, Thermen, Bögen, Speichern, Märkten, Wiesen, Quellen, Inseln, Salinen, Lagunen, Fluß, Handel, Brücke und Hafen. Der RE betont jedoch, daß die Verwendung des Plurals teilweise dichterische Lizenz ist. Die antike Topographie ist wegen geringer erhaltener Baureste nur teilweise rekonstruierbar. Als Forum und Kultzentrum kommt besonders das Gebiet der Moulinasses/place Bistan in Betracht, wo eine große Anlage mit doppelter Säulenhalle und zentralem Tempel ausgegraben wurde. Wahrscheinlich lagen hier Forum, Augustustempel und Capitolium nahe beieinander. Das Theater wird in der Umgebung von St.-Just vermutet. Ein großes Amphitheater lag etwa 450 m vor dem Nordtor. Thermen sind literarisch und inschriftlich bezeugt, archäologisch aber nicht eindeutig identifiziert. Weitere Kultstätten oder Altäre galten den Lares magni, Lares Augustales, Fortuna Augusta, Vulcanus, Mercurius, dem numen Augustorum, der Magna Mater und anderen Gottheiten. Sidonius nennt Bacchus, Ceres, Minerva und Pales. Gallische Gottheiten treten im Inschriftenmaterial auffallend zurück; der Kult zeigt stark italisch-römischen Charakter. Inschriften bezeugen zahlreiche Provinzial- und Stadtämter: pontifices, augures, flamines, flamen Romae et Augusti, magistri Larum, seviri Augustales, duoviri, quinquennales, aediles, Liktoren, tabellarii und andere. Besonders groß ist die Zahl der Handwerker und Händler. Genannt werden Metall-, Holz-, Leder-, Textil-, Schuh-, Gefäß- und Schmuckhandwerker, Bäcker, Bankiers und Geldwechsler. Narbo war vor allem eine Stadt der Plebeier, Freigelassenen, Matrosen und Händler, daneben aber auch Sitz sehr reicher Großkaufleute. Von besonderer Bedeutung waren die navicularii marini, zugleich Schiffsherren und Großkaufleute. Namen wie Sextius Fadius Secundus Musa und P. Olitius Apollonius sind in Narbo und auf Amphorenstempeln vom Monte Testaccio belegt. Der Handel umfaßte Wein, Öl, Oliven, Getreide, Salz, Honig, Austern, Keramik und britannisches Zinn. Terra sigillata aus La Graufesenque wurde in den Häfen Narbos umgeschlagen und in den Mittelmeerraum weiterbefördert. Das berühmte Mosaik der Narbonenses in Ostia zeigt ein Frachtschiff am Quai mit Kran und Getreidesäcken und dokumentiert die Tätigkeit der narbonensischen Reeder. Trotz dieser Handelsblüte wurde Narbo durch bessere Häfen, die schwierige Offenhaltung seiner Wasserwege und die zunehmende Verlandung allmählich zurückgedrängt; Nemausus und später Arelate gewannen an Bedeutung. Die große Zahl von Reliefs und Inschriften stammt vielfach aus späteren Stadtmauern, in denen antike Denkmäler als Spolien verbaut worden waren. Die Kunst ist überwiegend römisch-italisch geprägt. Bezeugt sind Augusteisches, religiöse Reliefs, Grabporträts, Handwerksdarstellungen, Gladiatoren- und Venationsreliefs, Waffenfriese, Taurobolienaltäre und christliche Sarkophage. Eine der bedeutendsten Inschriften ist die ara Augusti mit der zugehörigen Kultordnung. Zur Münzprägung ist der Befund unsicher: eine frührepublikanische Prägung des C. Valerius Flaccus könnte in Narbo erfolgt sein; vermutete Prägungen Galbas und Vespasians sind unsicher. Sicher ist eine westgotische Münzstätte, die bis in das frühe 8. Jh. arbeitete. [P. Goessler.]
"TP-Online-ID: 3214 — Narbone
Desjardins S. 51–52.
Lesung und Namensform bei Desjardins: Narbone; normalisierte Form: NARBO ATACINORUM, COLONIA NARBO MARTIUS, NARBO MARTIUS, COLONIA JULIA PATERNA DECUMANORUM NARBO MARTIUS, COLONIA JULIA PATERNA CLAUDIA NARBO MARCIUS.
Lage und Route bei Desjardins: Region/Lage: Narbonensis Ia. Typ: Colonia; später metrop.; carrefour de trois routes. Route/Abschnitt: LXIII. de Lugduno, Lyon, — à Elusa, Eause, par Vigenna, Vienne; Arelato, Arles; Nenniso, Nîmes; Narbonne, Narbonne et Tolosa, Toulouse.
Quellenstellen bei Desjardins: Itin. Ant. 389,6 sowie weitere Narbo-Routen 396–397; Itin. Burd. 552: civitas Narbone; Vasa Apollinaria; mehrere Tiberius-Meilensteine der Via Domitia; Polyb. 3,39; Cic. Font. 4–5; 7; Brut. 43; Avien. Ora mar. 584–586; Hecat. frg. 19; Pytheas bei Strab. 4,3,1; Diod. Sic. 5,38; Strab. 2,1,28; 4,1,6; 4,1,12; Steph. Byz. s.v. Narbo; Auson. Ordo urb. nob. 13; Caes. Gall. 3,20; 7,7; 8,46; Suet. Tib. 4; Mela 2,5; Plin. Nat. 3,32; 3,37; Ptol. Geogr. 2,10,9; Mart. 8,72; zahlreiche Inschriften zu colonia Julia Paterna, Decumani, Claudia, praetores, duumviri, aediles, quaestores, tribus Papiria, interrex, ordo Narbonensis und Berufsverbänden, moderne Einzelkonkordanzen nicht vollständig gesichert; SHA Maximus et Balbinus; Not. Gall.: metropolis civitas Narbonensium; Amm. Marc. 15,11; Sid. Apoll. Carm. 23,87 ff.; Sulp. Sev.; Rav. 4,28; 5,3; Guido 81; merowingische, karolingische und gräfliche Münzen; mittelalterliche Belege.
Moderne Identifikation bei Desjardins: Narbonne.
Kommentar und Forschungsstand bei Desjardins: Desjardins rekonstruiert mehrere Kolonisationsphasen: Bürgerkolonie 118 v. Chr.; erneute caesarische Kolonisation mit Julia Paterna und Decumanorum; weitere Kolonisierung bzw. Namenerweiterung unter Claudius. Er behandelt Verwaltung, tribus Papiria, Handel und die Stellung als Hauptstadt der Narbonensis I ausführlich.
Zusatz aus Desjardins’ Gallien-/Germanienanalyse (S. 72 und 77): In der systematischen Einzelprüfung der Narbonensis führt Desjardins diesen Namen unter den Ortsnamen, die er ausdrücklich als sicher vor dem Tod des Augustus bzw. spätestens augusteisch einstuft.
Bearbeitungshinweis: Normalform mit MARTIUS/MARCIUS exakt bewahren; nicht vereinheitlichen."
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