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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Madobalani

Name (modern):

 

Toponym vorher
Toponym nachher
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/903079
Großraum:

Asien östl. d. Euphrat, südl. d. Taurus

Toponym Typus:

Ethnikon

Planquadrat:

11B2 / 11B3

Farbe des Toponyms:

rot

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Μασσαβατική - https://elexikon.ch/RE/XIV,2_2125.png

Barrington Atlas:

Masabadan/Massabatene (92 B3)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Madobalani

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Μεσσαβάται (1,6,4; 6,4,3)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

---

Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Der Eintrag ist in dieser Schreibung weder mit einem Ethnonym noch mit einer Landschaft östlich von Euphrat und Tigris und südlich des Taurus Gebirges zu identifizieren. In ihrer graphischen Gestaltung vergleichbare Einträge auf der Tabula Peutingeriana lassen an ein Ethnonym denken. Platziert sind die MADOBALANI in einer kompliziert gestalteten Region, in die der Kartenzeichner nördlich des Taurus-Gebirges liegende Landschaften hineingeschoben hat (Albanien, Iberien) und sich offenbar Karmanien und Medien überlappen. Zudem ist diese Region von großen Flüssen durchzogen, die Teil des großen, die Segmente 10 und 11 dominierenden Euphrat-Tigris-Ganges-Systems sind. Daher ist auch in dieser Region mit Fehlern und großen Verzerrungen in der Darstellung des geographischen Raumes östlich des Zagros-Gebirges zu rechnen, so z.B. mit Verwechslungen der großen Flüsse und der Zerlegung des Indus- und Ganges-Flusssysteme in mehrere Elemente und der Vertauschung oder Verlegung zumindest einiger Routenabschnitte. Für die Interpretation des Eintrags MADOBALANI bedeutet das, dass es sich keineswegs um ein in Karmanien zu lokalisierendes Ethnonym handeln muss, auch wenn die Platzierung in Nachbarschaft der Raudiani dies vermuten lässt. Vielmehr ist hier mit großer Wahrscheinlichkeit an die medischen oder elymäischen Massabatae (BAtlas 92 B/C3) zu denken: Dieses Volk ist im Eulaios-Gebiet zwischen der Elymais und Medien auf beiden Seiten des Zagros-Gebirges ansässig (Strab. 11, 13, 6 [524]; 16, 1, 18 [744f.]: ἡ Μασσαβατική; Dion. Per. 1015: Μεσσαβάται; Ptol. 1, 6, 4; 6, 4, 3: Μεσσαβάται; Priscian. perieg. 939: Messabatae; Avien. descr. orb. 1209: Messabatae; Rav. Cosm. 51, 10, 11: Massabaton). Plinius bezeichnet dieses Gebiet mit dem Namen Messabatene (Plin. nat. 6, 134f.) und beschreibt dessen geographische Lage folgendermaßen (Plin. nat. 134f.): … supra Cossiaeos ad septentri- onem Massabatene sub monte Cambalido, qui est Caucasi ramus, inde mollissimo transitu in Bactros. Susianen ab Elymaïde disterminat amnis Eulaeus, ortus in Medis modicoque spatio cuniculo conditus ac rursus exortus et per Massabatenen lapsus („… oberhalb der Kossiaer nach Norden zu liegt die Massabatene am Fuß des Kambalidos-Gebirges, das ein Zweig des Kaukasos ist; von dort geht es auf einem sehr sanft ansteigenden Pass zu den Baktrern. Susiane trennt von Elymais der Strom Eulaios; bei den Medern entsprungen …, fließt er durch die Massabatene“ (Übers. nach Brodersen, Plinius, Naturkunde VI, 97). Aus syrischen Konzilsakten des letzten Drittels des 6.Jh. n.Chr. ist unter der Bezeichnung Masabadan eine Diözese der nestorianischen Christen am Fuß des Zagros bekannt. In der antiken Litertaur galten die Massabatae als eines der größten und bedeutendsten Völker in der Susiana. Da HIBERIA und ALBANIA, beide im Kaukasus am Fluss Cyrus gelegen, erst in einer späteren Kopierstufe zwischen Mesopotamien und Ostiran eingefügt worden sind, müsssen in einer Rekonstruktion des großen geographischen Raumes zwischen dem Zagros und Indien die Regionen westlich und östlich des Zagros wieder miteinander verbunden werden. Die Platzierung der MADOBALANI zu weit im Osten in räumlicher Nähe zu Nagae (Tagai) und dem dortigen Übergang über den Taurus basiert wohl auf Plinius’ Angaben (s.o.), wobei sich gerade an dieser Stelle auf der Tabula nochmals sehr deutlich die Überschneidung von Medien und Karmanien zeigt. Zusätzlich, aber nur teilweise als Folge der Verschiebung von IBERIA und ALBANIA, falsch platziert sind z.B. MEDIA, CATACE, DRANGIANE und CAMPI DESERTI. Es sind also irrtümlich Landschaftsbezeichnungen und Ethnonyme Karmaniens nach Westen und MEDIA nach Osten verpflanzt worden. - Vgl. auch zu ME˙Dia· (Media), Catace: (Cataces), DRaNGiaNe· (Drangiane), Nagae·, HIBe˙RIA· (Hiberia) und ALBANi˙A· (Albania).

Miller, Itineraria, Sp. 626:
Madobalani. Cf. Macorani oder Mastorani (Pt As 9 in Aria); cf. j. Maciquepadan am östlichen Abhang des Mons Mastoranus längs der parthischen Grenze. Daselbst bei den Borgi viele Scorpionen.

Kommentar (RE):
Μασσαβατική, ἡ[WS 1] (Strab. XI 13, 6. XVI 1, 18), Provinz, die zu Medien oder zu Elymaia gerechnet wurde. Durch M. führte der Weg von Medien und den Zagrosortschaften nach dem Lande der Elymaier und war einer der drei bequemsten Zugänge zum Lande Elymaia. Plinius (n. h. VI 134) legt Messabatene nördlich der Cossiaei und an den Fuß des Berges Cambalidus (s. d.); der Eulaeus durchströme die Landschaft (§ 135). Ptolemaios (VI 4, 3) rechnet den Volksstamm Μεσσαβάται zu Persis, und zwar sollte er südlich von Paraitakene, der an Medien grenzenden nördlichsten Landschaft der Persis, wohnen. Geogr. Rav. (51, 10ff.) nennt als Provinzen der patria Persorum u. a. auch Cossion Massabaton Chaloniton. Diese drei Namen finden sich in derselben Reihenfolge auch Dionys. perieg. 1015 (Μεσσαβάται), Priscian. perieg. 939, Avien. descr. orb. 1209 (beide Messabatae) ‚oberhalb Babylons‘, in der Paraphrasis (Μεσαβάται) als ‚Völker Syriens‘. Die hsl. Überlieferung des Namens schwankt zwischen a und e in der ersten Silbe, dann zwischen s und ss. Er lebt fort in dem heutigen Māsabadān, dem Namen einer Landschaft im oberen Luristan, die von der Kerḫah (Choaspes, also nicht Eulaeus, wie Plinius angibt) durchflossen wird. Zu Persis (so Ptolemaios) kann sie nicht gerechnet werden, sondern nur entweder zu Medien oder zu Elymais. Vgl. Marquart Ērānšahr 20. Schwarz Iran im Mittelalter IV 464–470.
[Weissbach. ]

Literatur:

Albert Forbiger, Handbuch der alten Geographie, Zweiter Band: Asia und Africa, Hamburg 1877 (2. Aufl.), 576 mit Anm. 42. 583; Franz H. Weissbach, in RE III / 1, 1897, 1426 s.v. Cambalidus; Miller, Itineraria, 626; Franz H. Weissbach, in: RE X/2, 1919, 1807f. s.v. Kambadene; Ders., in: RE XIV / 2, 1930, 2123 s.v. Μασσαβατική; Richard N. Frye, The History of Ancient Iran, München 1983 (= HdA III / 7), 89; Alireza Shapur Shahbazi, in: Encyclopedia Iranica IV, 1990, 724 s.v. Cambadene; C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde. Lateinisch-deutsch, Buch VI. Geographie: Asien, herausgegeben und übersetzt von Kai Brodersen, Darmstadt 1996, 97; Hans Kaletsch, in: DNP s.v. Massabatai, http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e725850.; Richard E. Payne, A State of Mixture: Christians, Zoroastrians, and Iranian Political Culture in Late Antiquity, Oakland 2015 (= Transformation of the Classical Heritage 56), 68. 77.

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Letzte Bearbeitung:

09.10.2025 13:22


Cite this page:
https://tp-online.ku.de/trefferanzeige_druck.php?id=2442 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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