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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Eniochi

Name (modern):

 

Toponym vorher
Toponym nachher
Großraum:

Asien östl. d. Maiotis (Asowsches Meer), nördl. d. Taurus

Toponym Typus:

Ethnikon

Planquadrat:

8A3 / 8A4

Farbe des Toponyms:

rot

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

Heniochoi DNP)

RE:

Ἡνίοχοι (2)

Barrington Atlas:

Heniochoi (88 A4)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

 

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Ἡνίοχοι (5,9,25)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

Klassik (5./4. Jh.)

Begründung zur Datierung:

Die Eintragung der Eniochi an der südöstlichen Schwarzmeerküste entspricht der Lage ihrer Siedlungsgebiete in der klassischen Zeit; die kolchisch-kaukasische Wanderung der Heniochi ist nicht auf der Tabula Peutingeriana ablesbar. Daher ist dieser Eintrag einer Kopierstufe der klassischen oder frühhellenistischen Zeit zuzuweisen.

Kommentar zum Toponym:

Die Heniochi sind eine Stammeskonföderation, die in der klassischen Zeit an der südöstlichen kaukasischen Schwarzmeerküste in Nachbarschaft der Colchi in der Phasis-Region nahe der milesischen Kolonie Pityus beheimatet war. Dort werden sie häufig gemeinsam mit anderen Völkern an der kaukasischen Pontosküste genannt, z.B. den Sindoi, Kerketai, Toretai, Achaioi, Koraxoi und Kolchoi (Ps.-Skylax 75f.; Aristot. pol. 1338 B 17-28) oder mit Albanien, Iberien und den Kolchoi wie Strabo (11, 5, 6 [506]), nur gemeinsam mit den Achaioi und den Zygoi (17, 3, 24 [839]), den Achaioi wie Ovid (Pont, 4, 10, 25-28: Ἀχαιοί τε καὶ Ἐνίοχοι), den am Tanais und an der Maeotis siedelnden Alanen wie Valerius Flaccus in seiner Argonautica (6, 42f.: Alanos Heniochosque truces) oder mit den Achaioi, Kerketai und den Suanokolchoi (Ptol. 5, 9, 25).
Den ältesten Beleg (5.Jh. v.Chr.) liefert Hellanikos (FGrHist 4 F 70); vergleichbare Angaben bieten noch im 1.Jh. n.Chr., aber auf älteren Quellen basierend, Strabo (Belege im nächsten Satz) und Plinius (nat. 6, 14). Die Heniochi sind in der antiken Literaur bis in die Spätantike vergleichsweise gut bezeugt, vgl. z.B. Ps.-Skylax 72-80: Ἡνίοχοι; Diod. 20, 25, 2; Strab. 2, 5, 31 (129); 11, 2, 1 (492); 11, 2, 12 (495f.). 13f. (497 = Artemidor Frg. 138 Stiehle); 11, 5, 6 (506); 17, 3, 24 (839): Ἡνίοχοι; Plin. nat. 6, 12. 14. 16. 16. 30: Heniochi; Mela 1, 99.100; Val. Fl. 6, 43: Heniochi; Tac. ann. 2,68, 1: Heniochi; Dion Per. 686: Ἡνίοχοι; App. Mithr. 102: Ἡνίοχοι; Ptol. 5, 9, 25: Ἡνίοχοι; Priscian. per. 668 (GGM 2, 196): Heniochi; Amm. 22, 8, 24: Heniochorum natio; Avien. descr. orb. terrae 71 (GGM 2, 185): Heniochi; Jul. Hon. 38, 8 A (p. 45 GLM Riese): Heniochi gens.
Plinius teilt mit, dass die Heniochi in zahlreiche Einzelstämme zerfielen (Plin. nat. 6, 14: multis nominibus Heniochorum gentes; 6, 30: in plurima genera; vgl. z.B. auch Amm. 22, 8, 24: Heniochorum natio). Ihr Name sei, so Strabo (11, 2, 12 [496]) und Plinius (nat. 6, 16) von den Wagenlenkern (ἡνίοχοι) der Dioskuren abgeleitet; diesen Begleitern wurde spartanische Herkunft nachgesagt, so dass eine entsprechende Abstammung auch den Heniochi zugeschrieben wurde. In der Literatur gelten sie als wild und kriegerisch (Vell. 2, 40; Lucan. 2, 590; 3, 270; Val. Fl. 6, 41; Tac. ann. 2, 68) und werden auch als Piraten im östlichen Schwarzen Meer (Ov. Pont, 4, 10, 25-28; Strab. 11, 2, 12 [495]; 17, 3, 24 [839]) und Menschenfresser (Aristot. pol. 1338 B 21f.) dargestellt. Im Zusammenhang mit seiner Bekämpfung der Seeräuberei im Schwarzen Meer ging Eumenos, König des Bosporanischen Reiches, gegen die Heniochi vor und unterwarf sie im späten 4.Jh. v.Chr. seiner Oberherrschaft.
Im ersten vorchristlichen und im ersten nachchristlichen Jahrhundert gelangten die Heniocher ins nordöstliche Kleinasien und sind somit in der Bergregion (Scydises mons, mons Paryadres, Moschici montes) etwa 100 km südöstlich von Trapezunt präsent. Ebenso wie das doppelt bezeugte Toponym Hermonassa trug das an verschiedenen Plätzen dokumentierte Ethnonym Heniochi möglicherweise bei zu der Platzierung von Trapezunt in der Nähe des Kimmerischen Bosporus: So kennt Plinius sowohl am Kimmerischen Bosporus (nat. 6, 19) als auch im Hinterland von Trapezunt (nat. 6, 12) eine gens Heniochorum, und die Quellen des Cyrus liegen ihm zufolge in montibus Heniochorum quos alii Coraxicos vocavere (nat. 6, 26); Mela (3, 41) lässt diesen Fluss ebenfalls und auch den Cambyses in den Koraxischen Bergen entspringen. Diese Plinius- und Mela-Belege verweisen wohl auf die Wanderungsbewegungen dieses Stämmeverbundes ins nordöstliche Kleinasien und bis an den Oberlauf des Cyrus, wo sie in Nachbarschaft der Iberer lebten.
Die Eintragung der Eniochi in einer Region südöstlich der Halbinsel von Taman entspricht der Lage ihrer Siedlungsgebiete (gelegentlich als Ἡνιοχία bezeichnet, vgl. Strab. 11, 2, 12 [496]) in der (früh)hellenistischen Zeit. Die Wanderung der Heniochi nach Kleinarmenien ist an dem Eintrag des Ethnonyms auf der Tabula Peutingeriana nicht ablesbar, aber anhand der Platzierung von Trapezunt nachzuvollziehen, wenn man diese Verzerrung in der Darstellung Kleinasiens nicht (oder nicht nur) einem ungeschickten Zeichner, der sich mit dem Platz verkalkuliert hat, zuschreiben will. - Vgl. auch zu Trapezunte· (Trapezunt) und HeRMONASSA·.

DNP:
Heniochoi

(Ἡνίοχοι, Ps.-Skyl. 71). Im 5. Jh. v.Chr. großer Stammesverband an der kaukasischen buchtenreichen und dichtbewaldeten Pontosküste zw. Zygoi und Achaioi im Norden und Sanigai im Süden. Im Gebiet der H. wurde Pityus/Picunda gegr.; die H. trieben Viehzucht, daneben Piraterie mit leichten Booten (Strab. 11,2,14) und wurden gegen E. des 4. Jh. v.Chr. vom bosporanischen König Eumelos [4] unterworfen, der die Seeräuberei im Pontos bekämpfte (Diod. 20,25,2). Im 1. Jh. v.und n.Chr. kam es zu einer starken Wanderbewegung ins nordöstl. Kleinasien, wo sich die H. von den Pontischen Alpen bis zu den Quellen des Kyros ansiedelten (Plin. nat 6,26; 6,30) und zumindest in hadrianischer Zeit unter röm. Suzeränität standen (Arr. per. p. E. 15).

Plontke-Lüning, Annegret (Jena)


Literatur:

Liccardo, Names, S. 139–141.
Max Kiessling, in: RE VIII / 1, 1912, 259-280 s.v. Ἡνίοχοι 2; Miller, Itineraria, 621; David Asheri, The Achaeans and the Heniochi. Reflections on the Origins and History of a Greek Rhetorical Topos, in: Gocha R. Tsetskhladze (Hrg.), The Greek Colonisation of the Black Sea Area: Historical Interpretation of Archaeology, Stuttgart 1998 (= Hist.-E. 121), 265-285; Marek J. Olbrycht, Parthia et ulteriores gentes. Die politischen Beziehungen zwischen dem arsakidischen Iran und den Nomaden der eurasischen Steppen, München 1998 (= Quellen und Forschungen zur antiken Welt 30), 143. 204; Annegret Plontke-Lüning, in: DNP 5, 1998, 346f. s.v. Henichoi (http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e507830, zuletzt aufgerufen am 20.1.2019); Burkard Meissner, A Beated Nation: Sources on Ancient Iberia and Iberian Kingship, in: AMI 32, 2000, 177-206, hier 188; Thomas Baier, Valerius Flaccus, Argonautica, Buch VI.: Einleitung und Kommentar, München 2002 (= Zetemata 112), 134; Alexander V. Podossinov, Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition, Moscow 2002, 356 (auf Russisch); Demetrios V. Grammenos / Elias K. Petropoulos, Ancient Greek Colonies in the Black Sea, Volume 2, 2003 (= Publications of the Archaeological Institute of Northern Greece 4), 1304-1306; Leonid S. Chekin, Northern Europe in Medieval Cartography: Inventory, Texts, and Translation, and Commentary, 2006 (= Orbis Terrarum Series 4), Leuven 223f. 236.

W.E.D. Allen, Ex Ponto III, in: Bedi Kartlisa 32/33, 1959, 28-35

E. Kiessling, s.v. Ἡνίοχοι, RE 8, 259-280.

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Letzte Bearbeitung:

21.06.2026 18:52


Cite this page:
https://tp-online.ku.de/trefferanzeige_druck.php?id=2306 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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