| Kommentar zum Toponym: |
Miller, Itineraria, Sp. 617:
Datierung (Barrington):
DNP:
Tanais
[1] Fluss
Der 1970 km lange Strom, der die Grenze zw. Skythai und Sarmatai bildete (Hdt. 4,21; nach Plin. nat. 6,20 von den Skythai Silis genannt) und in die Maiotis mündete, h. Don. An seinem Unterlauf lebten seit dem 4. Jh. v. Chr. sarmatische Stämme; arch. sind hier etwa 15 ant. Siedlungen bekannt.
von Bredow, Iris
[2] Stadt
Dieser Ort ist auf folgenden Karten verzeichnet:
Handel | Kolonisation | Regnum Bosporanum | Regnum Bosporanum | Roma | Schwarzmeergebiet | Skythen
Von bosporanischen Griechen im 3. Jh. v. Chr. wohl unter Spartokos [3] III. gegr. Stadt am rechten Ufer eines in der Ant. schiffbaren Mündungsarms (h. “toter Don”) des T. [1] beim h. Nedvigovska (Strab. 11,2,3), wo mehrere Nekropolen entdeckt wurden. Das Territorium von T. umfaßte auch das Gebiet der angrenzenden Maiotai. Etwa 40% der PN auf den Grabinschr. von T. sind nicht griech. In röm. Zeit verstärkte sich der sarmatische Anteil der Bevölkerung. T. diente als gemeinsamer Handelsposten für griech., sarmat. und maiotische Händler. Bes. gut bezeugt sind Handelsbeziehungen zu den Sarmatai am Rha. T. versuchte immer wieder, sich vom Regnum Bosporanum zu lösen, was wohl in der 2. H. des 2. Jh. v. Chr. gelang. Nach Mithradates [6] VI. stand T. wieder unter bosporanischer Herrschaft. Im Zusammenhang mit dem Aufstand der bosporan. Bevölkerung gegen Polemon [4] brachen auch in T. Unruhen aus, bei deren Niederwerfung (zw. 15 und 8 v. Chr.) T. schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde (Strab. 11,2,3). T. wurde von einem königlichen Beamten verwaltet (πρεσβύτης/presbýtēs; IOSPE 2,433); umstritten ist die Bed. der Amtsbezeichnungen ἑλληνάρχης/ hellēnárchēs und ἄρχοντες Ταναειτῶν/árchontes Tanaeitṓn (ethnische oder territoriale Bed.). Der Wiederaufbau der Stadt wurde erst seit dem E. des 1. Jh. n. Chr. betrieben, als T. eine starke Befestigung erhielt. T. wurde ein wichtiger röm. Militärstützpunkt gegen die Nomadenstämme im Hinterland. Im 2./Anf. des 3. Jh. n. Chr. erlebte T. seine höchste wirtschaftl. Blüte. Die letzte datierbare Inschr. aus T. stammt aus dem J. 244 (IOSPE 2,454). Um 250 n. Chr. fiel die Stadt den Angriffen der Goti und Heruli zum Opfer.
von Bredow, Iris
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| Literatur: |
Miller, Itineraria, Sp. 617; A.V. Podossinov, Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition (Moscow, 2002) [in Russian], S. 338-339;
F. V. Gaidukevič, Das Bosporanische Reich, 1971, 151-255, 362-364
T. M. Arcen´eva, T., in: G. A. Koselenko (Hrsg.), Antičnye gosudarstva severnogo Pričernomor´ja, 1984, 93-95.
Herrmann, Albert, Tanais [1], in: RE IV.A.2 (1932), Sp. 2162-2166.
[Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]
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