| Kommentar zum Toponym: |
Kommentar (Talbert):
All the letters in Stira are very faint (the "S" in particular), but not in doubt.
Miller, Itineraria, Sp. 603:
71. fN3. Stira, Thera (autt.) ; [Ra hat eine Insel Stira mit Arados an der syrischen Küste, Stiria (PI)]; j. Santorin.
Datierung (Barrington):
61 A5 Thera Ins. Santorini GRE RE
DNP:
Thera
(Θήρα).
I. Geographie
Insel (73 km2) der südl. Kykladen mit gleichnamiger Stadt (Strab. 10,5,1; Paus. 3,1,8); ehemals Santorini (von it. Santa Irene), h. Thira, mit den kleineren Inseln Therasia und Aspronisi eine Inselgruppe, die sich höchstwahrscheinlich um 1628 (Dendro-Datier.) infolge eines gewaltigen Vulkanausbruchs gebildet hat; Palaia Kaimeni und Nea Kaimeni sind Gipfel eines bereits in prähistor. Zeit entstandenen Vulkans (noch h. heiße Quellen). Trotz der Problematik der Datier. ist immerhin sicher, daß diese Naturkatastrophe entgegen älteren Theorien nicht für den Untergang der minoischen Palastkultur verantwortlich gemacht werden kann. Das Zentrum eines urspr. mit dem Kalkgestein des h. Profitis Elias (564 m H) verbundenen Vulkanbergs mit mehreren Kratern wurde durch eine Folge von Explosionen weggesprengt. Die Außenseite wurde durch eine über 30 m hohe Bimssteinschicht überschüttet, der Kraterrand brach an drei Stellen im Westen ein, an denen das Meer einflutete und die h. Caldera (ca. 86 km2, bis zu 390 m tief) mit im Norden bis zu 360 m hohen, nahezu senkrechten Innenwänden bildete. 197 v. Chr. entstand Hiera, 19 oder 46 n. Chr. Phia und eine weitere Insel (Strab. 1,3,16; Plut. mor. 399c; Plin. nat. 2,202; Iust. 30,4,1 f.; Paus. 8,33,4; Sen. nat. 2,26,4; Cass. Dio 60,29,7; Amm. 17,7,13; Aur. Vict. Caes. 5,14), die h. alle wieder verschwunden sind.
Der Boden von Th. galt als ertragreich (schol. Pind. P. 4,11), die Weine waren berühmt (Poll. 6,16); farbenprächtige Gewänder aus Th. verwendete man in der att. Komödie (Athen. 10,24; Theophr. Fr. 119).
II. Bronzezeitliche Besiedlung
Der Fuß des Vulkans war seit dem Spätneolithikum besiedelt, frühkykladische Funde wurden u. a. im h. Akrotiri sowie im h. Phtellos gemacht. Südl. von Akrotiri bestand eine brz. Siedlung mit zwei- und dreistöckigen Gebäuden und einer geschätzten Ausdehnung von 20 ha: Die öffentlichen und privaten Gebäude dieser Siedlung erbrachten den größten und besterhaltenen geschlossenen Fundkomplex ägäischer bzw. brz. Wandmalerei (in Secco- und in Freskotechnik). Sie zeigt Elemente kykladischer Trad., gehört aber zur min. Kunst (Minoische Kultur und Archäologie). Neben abstrakten und stark abstrahierenden Motiven sind u. a. folgende figürliche Themen bekannt: Landschaftsdarstellungen mit Tieren und Pflanzen, Fischer, ein Flottenfries mit Szenen zur See und an Land, boxende Kinder, eine Prozession, verschiedene rituelle Szenen hauptsächlich mit Frauen, aber auch Fabelwesen und evtl. weibliche Gottheiten. Die Themen des figürlichen Raumdekors werden sehr unterschiedlich interpretiert, da - wie in der kretischen Wandmalerei, aber im Gegensatz zu äg. Darstellungen - keine Inschr. beigegeben sind.
Die soziale und ökonomische Organisation der späten Brz. ist größtenteils unklar. Palastbauten wurden nicht gefunden. Viele Bauten mit eigenen Magazinen könnten auf die ökonomische Unabhängigkeit der Bewohner hindeuten. Umstritten ist der Grad des min. Einflusses auf Th. und dessen sozioökonomischer Hintergrund; deutlich zeigt er sich in der Adaption der Linear-A-Schrift und des min. Gewichtssystems sowie u. a. in Architektur und Malerei.
III. Vom 15. bis zum 6. Jh. v. Chr.
Mit der großen Vulkaneruption erlosch in Th. für geraume Zeit alles Leben. Beim h. Monolithos an der Ostküste entstand im 13. Jh. v. Chr. eine neue Siedlung mit Beziehungen zu myk. Zentren. Im 10. Jh. v. Chr. erfolgte Besiedlung durch Dorieis aus der Lakonike (Hdt. 4,147-151; Strab. 10,5,1), die auf dem 370 m hohen Bergvorsprung Mesavuno im SO die Polis Th. gründeten. Älteste Anlagen: die sog. Götteragora, Gymnasion der Epheben, säulenloser Tempel des Apollon Karneios (um 600 v. Chr.); nw davon ein Tempel des Apollon Pythios (6. Jh. v. Chr.), Fundamente archa. Häuser. Im Norden der Stadt verschiedene Nekropolen; kunsthistor. bedeutend sind die großen geom. dekorierten Gefäße. Es wurde ein eigenes “theräisches” Alphabet entwickelt, das sich allmählich dem in Sparta verwendeten anglich (Fels-Inschr. in Th.). Um 630 v. Chr. wurde von Th. aus Kyrene gegr. (Hdt. 4,150-156).
IV. Klassische, Hellenistische, Römische Zeit
Im 5. Jh. v. Chr. trat an die Stelle des Königtums die Aristokratie. 431 v. Chr. Athen noch fernstehend (Thuk. 2,9,4), trat Th. 430/29 v. Chr. in den Attisch-Delischen Seebund ein (Tribut: 3 Talente, vgl. ATL 1, 284 f., seit 425/24 v. Chr. 5 Talente, vgl. ATL 1, 216 f.); wohl nach dem Sieg des Peloponnesischen Bundes 404 v. Chr., evtl. aber schon früher, gestaltete Th. die Verfassung nach spartanischem Vorbild (drei éphoroi ; vgl. IG XII 3, 330; 336). Im 4. Jh. v. Chr. war Th. Mitglied des 2. Attischen Seebundes. Um 330 v. Chr. erhielt Th. zur Linderung der auf der Insel wie in ganz Hellas herrschenden großen Hungersnot 15 000 Scheffel Getreide von Kyrene. Seit 275 v. Chr. war Th. Flottenstützpunkt der Ptolemaier; während des Chremonideïschen Krieges 267-261 v. Chr. wurde ein ptolem. Statthalter auf die Insel entsandt; Einrichtung einer Garnison auf dem Mesavuno. Der ptolem. Kriegshafen lag bei Exomythion an der Südspitze von Th. In dieser Zeit setzte eine umfangreiche Bautätigkeit in der Stadt ein (u. a. Fels-Heiligtum für Serapis, Isis und Anubis). Im Zentrum von Th. lag die Agora mit westl. angrenzendem Dionysos-Tempel, der seit dem 2. Jh. v. Chr. dem ptolem. Königskult diente; außerdem Theater, Privathäuser, im Norden der Stadt Kultbezirk für Ptolemaios [6] III. mit Felsreliefs (Adler, Löwe, Delphin).
146 v. Chr. zogen die Ptolemaier ihre Garnison von Th. ab, im 1. Jh. v. Chr. erfolgte die Eingliederung in die röm. Prov. Asia. In der röm. Kaiserzeit abermals bedeutende Bautätigkeit: u. a. Basilike Stoa (z.Z. des Augustus), Badeanlage und Thermen. Seit dem 4. Jh. n. Chr. war Th. Bistum; mehrere frühchristl. Kirchenbauten sind auf der Insel nachgewiesen (u. a. Basilika Archangelos Michael bei Th.), ferner Reste byz. Befestigungsmauern.
Külzer, Andreas; Jung, Reinhard
RE:
Thera [1] Kykladeninsel
von Gaertringen, Friedrich Hiller
https://elexikon.ch/RE/VA,2_2261.png
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| Literatur: |
Miller, Itineraria, Sp. 603;
von Gaertringen, Friedrich Hiller, Thera [1], in: RE V A.2 (1934), Sp. 2260-2302;
Külzer, Andreas/Jung, Reinhard, Thera, in: DNP ?
DNP Literatur:
Philippson/Kirsten 4, 164-185
Sp. Marinatos, Excavations at Thera I-VII, 1968-1976
Th. and the Aegean World (International Congress Papers I-III), 1978-1990
H. Riedl, W. Kern (Hrsg.), Geogr. Stud. im Bereich der Kykladen, 1980
N. Marinatos, Art and Religion in Th., 1984
L. Morgan, The Miniature Wall Paintings of Th., 1988
Chr. Doumas, The Wall-Paintings of Th., 1992
Ph. Young Forsyth, Th. in the Br. Age, 1997
W. Hoepfner (Hrsg.), Das dorische Th., 1997
P. I. Soterakopoulou, Ἀκρωτήρι Θήρας, 1999
W.L. Friedrich, Fire in the Sea ..., 2000
St.W. Manning, A Test of Time, 1999
H. Lohmann, Die Santorin-Katastrophe - ein arch. Mythos? in: E. Olshausen, H. Sonnabend (Hrsg.), Naturkatastrophen in der ant. Welt (Geographica Historica 10), 1998, 337-363
Ch.A. Televantou, Ἀκρωτήρι Θήρας, Οἱ τοιχογραφίες τῆς Δυτικὴς Οἰκίας, 1994
K. Palyvou, Ἀκρωτήρι Θήρας, Ή οἰκοδομικὴ τέχνη, 1999
J. W. Sperling, Th. and Therasia (Ancient Greek Cities 22), 1973.
[Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]
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