| Kommentar zum Toponym: |
Miller, Itineraria, Sp. 617:
Gaete statt Getae, ein thrazisches Volk, nach Herodot diesseits des Ister, später über der Ister-Mündung, dann nach Westen gedrängt durch die Bastarnae, so daß Strabo an ihrem früheren Wohnsitz die Wüste der Geten nennt.
Geten heißen sie bei den Griechen, Daker bei den Römern, oder Getae die östlichen (gegen den Pontus), Daci die westlicheren - St. Von Augustus an mit den Daci identifiziert; deshalb auf den Weltkarten Getae Daci (Dn), Dacia Getica (Dv), Getae Daci Romanis dicti (Pl 4, 80), Goti qui et Gite (Hi), Getae (Eb), Gothia ubi Dacia (Gu, Albi, Eb, Is, Be, Or, Co), immer an der Donau. Zweifellos stand also auf der Augustuskarte eine ähnliche Angabe, aus welcher Gaetae Dagae herzuleiten ist. Dazu kommt nun aber, daß vom ersten Auftreten der Goten unter Caracalla der alte Name der Geten auf dieselben übertragen wurde. Gothii hat Ho;
St, Seneka u. a. unterscheiden Daci als die westlicheren von den Donaukarpathen an, Getae als die östlicheren an der unteren Donau. Venedi zum zweitenmal aus derselben alten Quelle. Alle 4 innerhalb des alten Dazien;
Dacia antiqua, welches jetzt die Gepiden innehaben, sagt Jord., ist im Osten von den Roxulani, im Westen von Jazyges, im Norden von Sarmatae und Bastarnae begrenzt.
DNP:
Getai
(Γέται, die Geten). Griech. Bezeichnung der thrak. Stämme südl. der unteren Donau in der h. Dobrudža und im Hinterland der nordwest-griech. Kolonien an der Schwarzmeerküste. Ihr Gebiet zeigt Siedlungsspuren seit der Steinzeit und war Zentrum entwickelter Kulturen seit der Kupfersteinzeit (vgl. Varna, Durankulag). Aufgrund der Schriftquellen und der im Onomastikon belegten Sprachreste sind die G. als nördl. Zweig der Thrakes erwiesen. Die Namen einiger ihrer Teilstämme sind überliefert, vgl. Krobyzoi, Troglodytai (Hdt. 4,49), Terizoi (Hellanikos, FGrH 4 F 73). Erst die eisenzeitlichen Funde können sicher den G. zugeschrieben werden. Wichtige Hallstatt-Siedlungen und -Nekropolen sind z.B. bei Carev brod, Dălgopol und Belogradec entdeckt worden.
Zum ersten Mal werden sie in Verbindung mit dem Skythen-Feldzug Dareios´ [1] I. 513 v.Chr. erwähnt (Hdt. 4,93ff.), der ihren starken Widerstand brechen mußte. Herodot charakterisiert die G. folgendermaßen, was bis in die Spätant. wiederholt wird: Sie seien die tapfersten und gerechtesten unter den Thrakern und unterschieden sich in ihrer Rel. von ihnen, in deren Mittelpunkt der Gott (Daimon) Zalmoxis (Gebeleizis) steht (Hdt. 4,94-97). Durch die Gründung der westpontischen Kolonien gerieten sie seit dem 7. Jh. v.Chr. in wirtschaftlichen und kulturellen Kontakt mit den Griechen, wovon getische (get.) Handelsplätze zeugen. Bis ins 2. Jh. v.Chr. waren sie jedoch nur selten in den griech. Poleis zu finden. Während der Blütezeit der Odrysai gerieten sie in deren Herrschaftsbereich; sie mußten Heeresfolge leisten. Berühmt waren ihre Reiterabteilungen. Nach dem Zerfall des odrysischen Reiches begannen sich kleinere get. Fürstentümer zu konsolidieren. 339 v.Chr. zog der skythische König Atheas gegen die G., worauf sich der get. Fürst Kothelas mit Philippos II. verbündete; Philippos heiratete die get. Prinzessin Meda (Athen. 13,557d). 335 besiegte Alexander d.Gr. die G. (Arr. an. 1,2ff.), doch konnte er sie nicht endgültig unterwerfen. 313 verbündeten sich die G. mit den westpontischen Kolonien unter der Führung von Kallatis gegen Lysimachos, der die G. schließlich besiegte und auf Tirizis Akra (h. Kalliakra) eine Festung gegen sie errichtete. Um die Wende vom 4. zum 3. Jh. erhob sich das Fürstentum des Dromichaites (Diod. 21,11f.; Strab. 7,3,8), der den König Lysimachos 292 kurze Zeit gefangen hielt.
Die 1. H. des 3. Jh. v.Chr. ist die Blütezeit der G.: Residenzen und Heiligtümer zeugen von einer hohen Kultur und gewaltigem Reichtum, den diese Herrscher v.a. durch den Handel mit den Griechen erworben haben (vgl. Svestari, Borovo, Adzighol). Auch lit. und epigraphische Quellen berichten darüber (vgl. den sagenhaften Reichtum des get. Königs Isanthos bei Athen. 12,536d). Eine Inschr. aus Histria um 200 v.Chr. (SEG 18,288) zeigt die Abhängigkeit dieser Kolonie von dem get. Fürsten Zalmodegikos, eine weitere von einem Fürsten Zoltes und einem ebenfalls starken get. Herrscher Rhemaxos (etwa 180 v.Chr.). Zahlreiche get. Fürsten ließen eigene Mz. prägen. Die Königsgräber sowie auch die Angaben von Strabon (16,2,38f.) und Cassius Dio (68,9) zeigen einen ausgeprägten Herrscherkult. Von den Kelteneinfällen sind die G. wohl kaum mehr als peripher betroffen worden. Im 2./1. Jh. v.Chr. existierten neben den get. Siedlungen auch zahlreiche skyth. und bastarnische Enklaven (Ps.-Skymn. 756f.; Strab. 7,4,5; zur get. Präsenz in den griech. Poleis: Ov. Pont. 4,1,67-84; trist. 5,10,15-44). M. Terentius Varro Lucullus war der erste röm. Feldherr, der gegen die G. zog (72/1 v.Chr.), um die westpontischen Verbündeten des Mithradates VI. zu schlagen, ohne dabei Erfolge erzielen zu können. Zehn Jahre später wurde C. Antonius Hybrida bei Histria von einer Koalition von Skythai, G., Bastarnae und griech. Kolonisten geschlagen (Liv. per. 103; Cass. Dio 38,10,1-3). Dieser Sieg über die Römer ließ den Stammesverband des Burebista für kurze Zeit (60-50 v.Chr.) in den get. und dakischen Gebieten dominieren. Nach seinem Tode wurden die G. wieder unabhängig. Augustus aber verfolgte den Plan, die gesamte Balkanhalbinsel zu unterwerfen, weiter. Als Vorwand diente ihm ein Einfall von Bastarnae über die Donau, die die get. und thrak. Landstriche bis ins h. Südbulgarien hinein verwüsteten. M. Licinius Crassus übernahm die Ausführung des Plans. 29 v.Chr. besiegte er die Bastarnae, im get. Gebiet mit der Hilfe des get. (bzw. dakischen) Fürsten Rholes (Cass. Dio 52,24,7; 26,1), der ihm für seine Unterstützung gegen den get. Herrscher Dapyx Hilfe versprach (Cass. Dio 51,26). Die G. wurden vernichtend geschlagen. Nachdem Crassus bis an das Donau-Delta gekommen war, setzte er Rholes als von Rom abhängigen regulus ein und kehrte nach Rom zurück. 16 v.Chr. fielen Sarmatae in das get. Gebiet ein, die von röm. Truppen zurückgeschlagen wurden (Cass. Dio 54,20,1-3). Das get. Gebiet wurde unter die Kontrolle des röm. Vasallenkönigs in Thrakien, Rhoimetalkes. I., gestellt, der die ripa Thraciae sichern sollte. 12 und 15 n.Chr. wurden diese Garnisonen durch röm. Truppen verstärkt. 45 n.Chr. wurde die Prov. Moesia gegr., zu der die G. geschlagen wurden.
Das demographische Bild änderte sich während der röm. Kaiserzeit wesentlich: Fremde Stämme, die über die Donau einfielen, die zahlreichen röm. Lager und Städte, in die auch viele Menschen aus anderen Gebieten des röm. Reiches zuzogen, verdrängten die G. immer mehr. In der spätant. Lit. unterscheidet man nicht mehr zw. G. und Dakoi. Der Rest des Volkes ging in den german., avarischen, bulgarischen und slavischen Stämmenauf.
von Bredow, Iris
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| Literatur: |
Liccardo, Names, S. 13–14, 103n12, 109, 138, 209, 219n68.
D.M. Pippidi, Scythica minora, 1975.
Ders., Epigraph. Beiträge zur Gesch. Histrias in hell. und röm. Zeit, 1962, 75-88.
J. Iouroukova, Nouvelles données sur la chronologie des rois scythes en Dobroudja, in: Thrakia 4, 1977, 105-121.
D.M. Pippidi, D. Berciu, Dĭn istoria dobrugei 1, 1965.
A. Fol, S. Dimitrov (Hrsg.), Istorija na Dobrudža 1, 1984.
A. Avram, Unters. zur Gesch. des Territoriums von Kallatis in griech. Zeit, in: Dacia N.S. 35, 1991, 103-137.
Weiss, Jakob, Getae, in: RE VII.1 (1910), Sp. 1330-1334.
[Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]
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