| Kommentar zum Toponym: |
Miller, Itineraria, Sp. 138:
Rauraci, it. (Caes, Am), Raurici (Pl, Pt); ihre Städte Augusta Rauracorum, j. Augst, und Arialbinnum.
Datierung (Barrington):
Col. Augusta Raurica – Roman/Late Antique (PECS; Römer Schweiz 323-37; Forschungen in Augst; NPauly Augusta 4)
§ Col. Paterna Pia Apollinaris Augusta Emerita Raurica
§ Rauraci – Hellenistic/Roman/Late Antique
DNP:
Rauraci, Raurici
Kelt. Volksstamm, mit den Tulingi und den Latobici Nachbarn der Helvetii (Caes. Gall. 1,5,4). Die R. wanderten 58 v. Chr. zusammen mit den Helvetii westwärts aus ihrer Heimat aus. Da Munatius [I 4] Plancus 44 v. Chr. im Gebiet der R. die Kolonie Augusta [4] Raurica (h. Augst) gründete, sind ihre Wohnsitze zw. Oberrhein und Jura-Südfuß anzunehmen. Die Angabe bei Caes. Gall. 1,1,4, der zufolge Germani und Helvetii eine gemeinsame Grenze hätten, ist irrig, da so das Gebiet der R. übergangen wird (vgl. dazu [3]). Durch das Stammesgebiet der R. verlief die Straßenverbindung von Raetia an den Rhein: Von Augusta [7] Vindelicorum über Cambodunum [1], Brigantium, Ad Fines (h. Pfyn) erreichte sie das Gebiet der Helvetii, passierte das Legionslager Vindonissa, führte über die Aare-Brücke bei Brugg in das Gebiet der R. und setzte ihren Lauf über Augusta [4] und Basilia auf dem linken Rheinufer nach Argentorate fort [2]. Nach welchem caput viae die Meilensteine im Gebiet der R. vermessen worden sind, war bis vor kurzem umstritten: Den Stein von Nieder-Mumpf (CIL XIII 9077 = CIL XVII 2,596) mit der Angabe des caput viae AR haben Mommsen und Hirschfeld zu AR(gentorate) ergänzt, F. Staehelin und E. Meyer dagegen zu A(ugusta) R(aurica). 1995 wurden die Frg. von sechs weiteren Meilensteinen gefunden [1], welche das caput viae AVG(usta) RAVR(ica) bestätigen.
Walser, Gerold † (Basel)
"TP-Online-ID: 2045 — Ravraci (Rauraci)
Desjardins S. 4–5.
Lesung und Namensform bei Desjardins: Rauraci; normalisierte Form: RAURACI.
Lage und Route bei Desjardins: Region/Lage: Maxima Sequanorum – Oberrhein / Basel. Typ: Volk. Route/Abschnitt: keine Route bzw. kein Abschnitt angegeben.
Quellenstellen bei Desjardins: Caes. Gall. 1,5; 1,29; 6,25; 7,75; Plin. Nat. 4,79; 4,106; Ptol. Geogr. 2,9,18; Amm. Marc. 14,10,6; 15,11,11; 21,8,1; 30,3,1; Not. Gall.: Basilia und Rauracum; CIL X 6087: IN GALLIA COLONIAS DEDVXIT LVGDVNVM ET RAVRICAM; weitere Rauraci-Inschriften bei Desjardins.
Moderne Identifikation bei Desjardins: Augusta Raurica/Augst in der Schweiz, östlich von Basel.
Kommentar und Forschungsstand bei Desjardins: Desjardins ordnet die Rauraci der Maxima Sequanorum am Oberrhein um Basel zu. Sie seien auf der Tabula sehr weit von ihrer Hauptstadt Augusta Ruracum bzw. Rauracorum entfernt falsch eingetragen. Die Hauptstadt identifiziert er mit Augst östlich von Basel; für die dortigen Ruinen verweist er auf Schöpflin, Alsatia illustrata I, S. 160–161. Caesar nennt die Rauraci als Nachbarn der Helvetii und setzt ihre Grenze an die Hercynia. Plinius zählt sie zur Belgica; Ptolemaios ebenso und nennt Augusta Raurica sowie Argentovaria. Ammian ist nach Desjardins der erste Autor, der Basilia nennt. In der späteren gallischen Provinzliste erscheint Basilia, während Rauracum nur noch als castrum auftrete. Die Gründungsinschrift des Munatius Plancus belegt die Kolonie Raurica.
Zusatz aus Desjardins’ Gallien-/Germanienanalyse (S. 66–67): Rauraci stehen nach Desjardins östlich des Genfer Sees statt bei Augusta Rauracorum. Die Fehlstellung ist für ihn ein Argument dafür, dass die Völkernamen einer älteren Kartenschicht als das Straßennetz angehören.
Bearbeitungshinweis: Zwei weitere von Desjardins nach Orelli/Henzen zitierte Rauraci-Inschriften müssen für die endgültige Fassung noch auf ihre moderne Corpus-Konkordanz geprüft werden."
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| Literatur: |
Desjardins, Table, p. 4, col. 3, no. 1 - p. 5, col. 1.
Miller, Itineraria, Sp. 138.
H. Sütterlin, Miliaria in Augusta Raurica, in: Jahresber. aus Augst 17, 1996, 71-87.
G. Walser, Zu den Römerstraßen in der Schweiz, in: MH 54, 1997, 53-61.
Ders., Zu Caesars Tendenz in der geogr. Beschreibung Galliens, in: Klio 77, 1995, 217-223.
E. Meyer, Die röm. Schweiz 1940, 305-315.
G. Walser, Röm. Inschr. in der Schweiz 2, 1980, 190-276.
F. Staehelin, Die Schweiz in röm. Zeit, 31948, 30-32, 115.
Haug, Ferdinand, Raurici, in: RE I A.1 (1914), Sp. 289-294.
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