| Kommentar zum Toponym: |
Rathmann/Köhner: Interessant ist, dass wir hier auf engem Raum wohl gleich drei Nachträge bzw. Korrekturen von zweiter Hand aus vermutlich späterer Zeit haben. Neben der Vervollständigung des Ethnikons Nitiobriges durch die drei Endbuchstaben GES, erstmals von Ernest Desjardins festgestellt, haben wir noch die Korrektur des falsch geschriebenen Flussnamens von Riger zu Liger (h. Loire) sowie den Nachtrag einer Vignette bei Andemantunno (h. Langres). Sowohl das L der Liger-Korrektur als auch die Buchstabenform von GES weichen vom sonst üblichen TP-Schriftbild erkennbar ab. Gleiches gilt auch für die Vignettenform von Andemantunno. Bemerkenswert ist zudem, dass sich die Korrektur Riger/Liger nur im Seg. 1A5, nicht jedoch bei der Loire-Mündung im Seg. 1B2 findet.
Karmann:
Auf dem Hyperspektralkamerabild, das als alternatives Bild eingefügt wurde, sind die nachgetragenen Buchstaben noch deutlicher zu erkennen.
Kommentar (Talbert):
The final "O" is followed by a stop. Someone (not our copyist ?) has lightly added after it "GES", without attempting to space these letters like those marked. Conceivably the same individual who named the symbol on the island in 1C3?
Miller, Itineraria, Sp. 139:
Nitiobro[ges], Nitiobriges (St, Pt, Caes) mit der Stadt Aginnum (j. Agen) (Pt, Aus), civitas Aginnensium (ND), bedeutende Völkerschaft zwischen der Garunna und dem Liger.
Datierung (Barrington):
Nitiobroges - Hellenistic/Roman/Late Antique (CAG 47, 43-47)
DNP:
Nitiobroges
Volk in SW-Gallia am mittleren Garumna (Caes. Gall. 7,7,2; 46,5; Strab. 4,2,2; Ptol. 2,7,14: Νιτιόβριγες; Tab. Peut. 2,4f.; Sidon. epist. 2,11,1: Nisiobroges), wo es sich im Laufe des 4. Jh.v.Chr. niedergelassen hatte. Seine Nachbarn waren im Norden die Bituriges Vivisci und Cadurci, im Osten die Cadurci und Ruteni, im Süden die Volcae Tectosages und Ausci (bis zum Tarnis, CIL XIII p. 117; Plin. nat. 4,109) und im Westen die Vasates. Hauptort der N. war Aginnum (h. Agen). Urspr. amici populi Romani (“Freunde des röm. Volkes”, Caes. Gall. 7,31,5), leisteten sie im Winter 53/2 unter ihrem König Teutomatos dem Vercingetorix mit 6000 Bewaffneten Zuzug (Caes. Gall. l.c.; 75,3). Mit der Neuorganisation unter Augustus wurde ihr Gebiet der Prov. Aquitania zugeschlagen (Strab. 4,2,2). Spätestens unter Claudius [III 1] (41-54 n.Chr.) erhielten sie das ius Latii (Latinisches Recht). Unter Diocletianus hieß Aginnum civitas Nitiobrogum (CIL XIII 8886; civitas Agennensium, Notitia Galliarum 13,3). Ein Straßennetz verband Aginnum mit Burdigala und Tolosa, ferner mit Augustoritum Lugdunum Convenarum (h. St. Bertrand-de-Comminges) und förderte den Handel mit Erzeugnissen des fruchtbaren Landes (zahlreiche Gutshöfe).
Lafond, Yves (Bochum)
Olshausen, Eckart (Stuttgart)
"TP-Online-ID: 2016 — Nitiobro (Nitiobroges)
Desjardins S. 5.
Lesung und Namensform bei Desjardins: Nitiobro…ges; normalisierte Form: NITIOBRIGES oder NITIOBROGES.
Lage und Route bei Desjardins: Region/Lage: Aquitania – Garonne / Agen. Typ: Volk. Route/Abschnitt: keine Route bzw. kein Abschnitt angegeben.
Quellenstellen bei Desjardins: Caes. Gall. 7,7; 7,31; 7,75; Strab. 4,2,2; Ptol. Geogr. 2,7,14; Plin. Nat. 4,109; Sidon. Apoll. Epist. 8,2.
Moderne Identifikation bei Desjardins: Garonnegebiet um Agen.
Kommentar und Forschungsstand bei Desjardins: Desjardins weist als paläographisch wichtigen Befund darauf hin, dass das Ende des Wortes auf der Tabula in moderneren Schriftzeichen geschrieben ist. Er hält sowohl NITIOBRIGES als auch NITIOBROGES für reguläre keltische Ethnika. Die Nitiobriges gehören für ihn zur Aquitania im Raum Agen an der Garonne, sind auf der Tabula aber völlig falsch zwischen Loire und Maas eingetragen. Caesar behandelt sie nach Desjardins eher als zur Celtica denn zu Aquitanien gehörig. Strabon setzt sie zwischen Petrocorii und Cadurci, Ptolemaios zwischen Petrocorii und Vassarii/Vasates. Ukert schlägt bei Ptolemaios eine abweichende Lesung vor. Besonders wichtig ist Desjardins’ textkritische Bemerkung zu Plinius: Dessen Text überliefert Antobroges; die Korrektur Scaligers zu Nitiobroges hält Desjardins für zweifelsfrei. Daraus ergibt sich, dass der Tarn die Nitiobriges von den Tolosani trennte. Sidonius Apollinaris schreibt Nitiobroges.
Zusatz aus Desjardins’ Gallien-/Germanienanalyse (S. 66–67): Nitiobroges stehen nach Desjardins zwischen Reims und Troyes statt bei Aginnum/Agen. Die Fehlstellung ist für ihn ein Argument dafür, dass die Völkernamen einer älteren Kartenschicht als das Straßennetz angehören. Besonders wichtig ist Desjardins’ Autopsie der Schrift: Nur Nitiobro… gehöre zur mittelalterlichen Hand; die Endung …ges sei mit blasserer Tinte von einer neuzeitlichen, wohl dem 16. Jahrhundert angehörenden Hand ergänzt. Die räumliche Kollision mit Vignette und Straße bei Durocortoro wertet er als materiellen Beleg für die nachträgliche Einzeichnung des Straßennetzes gegenüber der älteren Völkerbeschriftung."
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| Literatur: |
Desjardins, Table, p. 5, col. 2, no. 5.
Miller, Itineraria, Sp. 139.
B. Fages (Hrsg.), Le Lot-et-Garonne (Carte Archéologique de la Gaule 47), 1995, 43-47.
Linckenheld, Émile, Nitiobriges, in: RE XVII.1 (1936), Sp. 770-773.
[Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]
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