| Kommentar zum Toponym: |
Großraum?
MR: Die beiden I-Punkte auf Cotii wirken wie von zweiter Hand nachgetragen. Bemerkenswert ist, dass sowohl In Alpe Cottia (Col du Mont-Genèvre) als auch Cotii Regnum westlich des Alpenkamms verzeichnet sind.
Miller, Itineraria, Sp. 141:
Cotii Regnum (St, Suet, u.a.). Mehrere der kleinen, in den Alpen versteckt wohnenden Völker bildeten das bis auf Neros Zeiten hin den Römern nicht unterworfene, sondern bloß mit ihnen verbündete Reich des Cottius (M. Julius Cottius; vgl. Alpes Cottiae). Durch Kaiser Claudius wurde dem Sohn oder Enkel des Cottius der Königstitel verliehen. Nero machte das Land zur römischen Provinz. Hauptbestandteil der Provinz Alpes Maritimae. Städte: Ramae und Brigantium (Strecke 36).
Datierung (Barrington):
Cotti Regnum – Roman/Late Antique (Barruol 1969, 172-81)
DNP:
Alpes Cottiae
Nach Einzug des regnum ins röm. Reich Verwaltung durch Cottius als praefectus civitatium (CIL V 7231), nach dem Tod Cottius` II. 63 n. Chr. Umwandlung der A. in eine prokuratorische Prov. (Suet. Nero 1), seit dem 3. Jh. n. Chr. unter einem praeses; Hauptort Segusio; weitere Zentren Eburodunum und Brigantio (h. Briançon). Unter Diocletianus kam der Westteil zu den Alpes Maritimae, der Ostteil wurde unter einem praeses der dioecesis Italia zugeteilt (Amm. 15,10,6). Ab dem 6. Jh. n. Chr. wurde Ligurien als A. bezeichnet.
Graßl, Herbert (Salzburg)
"TP-Online-ID: 2046 — Cotii Regnvm (Cotii Regnum)
Desjardins S. 6–7.
Lesung und Namensform bei Desjardins: Cotii Regnum; normalisierte Form: COTTII REGNUM.
Lage und Route bei Desjardins: Region/Lage: Alpen – Regnum Cottii. Typ: Königreich / Region. Route/Abschnitt: keine Route bzw. kein Abschnitt angegeben.
Quellenstellen bei Desjardins: CIL V 7231: Bogen von Susa; Strab. 5,1,2; 4,1,3; 4,6,6; Plin. Nat. 3,135; 3,138; Cass. Dio 60,24,4; Suet. Nero 18; Laterculus Veronensis: provincia Alpium Cottiarum; Not. Dign. Occ. 3,14–31: Alpes Cottiae unter den Provinzen Italiens.
Moderne Identifikation bei Desjardins: Regnum Cottii / Cottische Alpen; zwischen Ebrodunum (Embrun) und Ocelum, von Desjardins mit Saint-Ambroise (?) in Italien verbunden.
Kommentar und Forschungsstand bei Desjardins: Desjardins rekonstruiert die Ausdehnung des Reiches vor allem anhand der Inschrift auf dem Bogen von Susa, in der Cottius als praefectus einer Reihe von civitates erscheint. Nach Strabon reichte das Gebiet von Ebrodunum/Embrun bis Ocelum und umfasste auf der Route über Brigantium/Briançon und Scingomagus/Servières (?) ungefähr 99 Meilen. Plinius zufolge besaßen die cottischen civitates das latinische Recht. Desjardins hebt hervor, dass nach seiner Plinius-Lesung zwölf cottische civitates nicht im Tropaeum Alpium aufgeführt worden seien, weil sie nicht feindlich gewesen seien; auf dem Bogen von Susa stehen dagegen vierzehn Völker, von denen vier – Medulli, Caturiges, Veamini und Vesubiani – zugleich im Tropaeum vorkommen. Claudius erkannte nach Cassius Dio die väterliche Herrschaft des Cottius an, erweiterte sie und verlieh ihm erstmals den Königstitel. Unter Nero wurde das Regnum Cottii nach Cottius’ Tod in eine Provinz umgewandelt. Daraus entwickelt Desjardins ein wichtiges Datierungsargument: Die Bezeichnung REGNUM COTTII auf der Tabula müsse aus der ältesten Anlage der Karte stammen, also aus einer Zeit, in der dieses Königreich tatsächlich existierte. Da der Bogen von Susa durch die 15. tribunicia potestas des Augustus auf 8 v. Chr. datiert sei, verbindet Desjardins diese alte Kartenschicht mit Agrippas orbis pictus. Er kritisiert Mannert dafür, Regnum Cottii nicht deutlich genug von Alpes Cottiae bzw. Provincia Alpium Cottiarum zu unterscheiden. Die spätere Provinz gehörte zum Dioecesis Italiae und erscheint deshalb nicht in der Notitia Galliarum.
Zusatz aus Desjardins’ Gallien-/Germanienanalyse (S. 67): Cottii Regnum deutet Desjardins nicht als bloß traditionellen Landschaftsnamen, sondern als Erinnerung an die konkrete Herrschaft des Cottius und damit an die augusteische Epoche.
Bearbeitungshinweis: Die heute maßgebliche Plinius-Paragraphenzählung bietet in Plin. Nat. 3,138 „Cottianae civitates XV“; Desjardins spricht in seinem Text von zwölf. Desjardins’ Aussage wird im Kommentar unverändert bewahrt."
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| Literatur: |
Desjardins, Table, p. 6, col. 3, no. 18 - p. 7, col. 1.
Miller, Itineraria, Sp. 141.
C. Letta, La dinastia dei Cozii e la romanizzazione delle Alpi Occidentali, in: Athenaeum 64, 1976, 37 - 76.
J. Prieur, La province romaine des A., 1968.
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