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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

(mountain, no. 11)

Name (modern):

 

Bild:
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000) ---
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Großraum:

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Toponym Typus:

Berg/Gebirge

Planquadrat:

1C1 / 1C2 / 1C3 / 1C4 / 1C5 / 2C1 / 2C2 / 2C3 / 2C4 / 2C5 / 3C1 / 3C2 / 3C3 / 3C4 / 3C5 / 4C1 / 4C2 / 4C3 / 4C4 / 4C5 / 5C1 / 5C2 / 5C3 / 5C4 / 5C5 / 6C1 / 6C2 / 6C3 / 6C4 / 6C5 / 7C1 / 7C2 / 7C3 / 7C4 / 7C5 / 8C1 / 8C2 / 8C3 / 8C4 / 8C5 / 9C1

Farbe des Toponyms:

ohne Farbe

Vignette Typus :

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Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

 

Barrington Atlas:

 

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

 

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

 

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

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Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Kommentar (Köhner):

Eine Besonderheit in der Darstellung Nordafrikas bildet die Darstellung des südlichen Randes der Oikumene. Während der nördliche und östliche Rand der dargestellten Landmasse auf der TP durch Wellenbänder vom Meer abgegrenzt werden, wird Nordafrika im Gegensatz dazu im Süden durch eine lange Bergkette begrenzt. Aufgrund der Einmaligkeit auf der TP scheint es sich um kein dekoratives Element zu handeln, sondern tatsächlich um ein existierendes Bergmassiv (RATHMANN weist auf die nicht einheitliche Form des Gebirges hin und macht verschiedenartig gezeichnete Bereiche aus. So vermittele etwa die Bergkette von Segment 2 bis 4 die Form von Dünen, von 5 bis 7 die Form eines spitzen Bergmassivs, was seiner Meinung nach auch als eine Art Dekoration zu verstehen ist (vgl. RATHMANN, Zwischenbericht, S. 19)). Ein Blick in moderne Karten zeigt jedoch, dass eine solche ganz Afrika durchziehende Bergkette nicht existiert, warum wurde also diese Form der Darstellung gewählt? MILLER äußert sich dazu wie folgt (MILLER, Itineraria, Sp. 881f.):

"Ein Gebirge bildet die Südgrenze durch ganz Afrika vom Roten Meer bis an den Atlantischen Ozean, j. das Atlasgebirge. Südlich desselben ist nochmals Meer. Aber den Alten war der Atlas mehr ein Berg oder Bergzug und wurde nicht in der großen Ausdehnung, welche er hier hat, angenommen. Es mag dahingestellt bleiben, ob dieses durchgehende Gebirge zufällig oder mit Absicht so gezeichnet ist. Pt hat kein solches. Im Westen müßte ja eigentlich in Mauretanien, Numidien und Afrika das Atlasgebirge innerhalb des römischen Reiches gezeichnet werden […], und die Grenze des Römerreichs bilden die Wüste, die großen Schotts und der Fl. Gihir. Jedenfalls war es für Castorius ein bequemer Abschluß, durch welchen die herrschenden Streitfragen über die Bewohnbarkeit der Äquatorialgegenden sich von selbst erledigten."

MILLER interpretiert die markante Bergkette also als Atlasgebirge, das sich aber – wie er selbst zugibt – nur in Westafrika und im Römischen Reich selbst befindet (Atlas mons (Plin. nat. 5,1,5. 10f. 13f. 16; Mela 3,101), Μείζων Ἄτλας ὄρος (Ptol. geogr. 4,1,1. 4), Ἄτλας Ἐλάττων ὄρος (Ptol. geogr. 4,1,2. 12)). Auf jeden Fall sieht er darin einen „bequemen Abschluß“ der bekannten Welt, betont damit dessen praktischen Darstellungszweck und lässt offen, was dieses Gebirge in seiner Ausdehnung eigentlich genau darstellen soll. Auch RATHMANN betont den „geschickten Kunstgriff der Bergmetapher“ in Kombination mit der in roter Farbe gerade durchgezogenen Küstenlinie, die beide zusammen (RATHMANN, Zwischenbericht, S. 20):

"ganz offensichtlich als kartographische Metapher für ‚viel Land im Süden` zu deuten sind. Die gerade Küstenlinie legt zudem die Vorstellung nahe, hier könnte als zusätzlicher Faktor das Zonen-Konzept eingeflossen sein. Afrika wäre demnach am Übergang zur Wüstenzone aus den bekannten kartographischen Gründen ‚abgeschnitten`, das weitere Land im Süden durch die Berg-Metapher angedeutet worden."

Der Zeichner der TP sei zu dieser Darstellung gewissermaßen gezwungen gewesen aufgrund der typischen Stauchung der Landmassen und des engen Raumes, der für Afrika zur Verfügung stand. Auf den Punkt gebracht sei dassüdliche Gebirge also ein Darstellungsmittel, um anzuzeigen, man wisse durchaus, dass im Süden noch weiteres Land folgt, könne es aber aufgrund des Platzmangels nicht darstellen. Würde man so eine Bergmassivbegrenzung aber dann nicht auch an der Ostgrenze der TP erwarten, wo man ebenso aufgrund des Platzmangels der Karte kein weiteres Land mehr darstellen kann, obwohl man etwa durch den Hinweis „Sera maior“ zu wissen gibt, dass man sich bewusst ist, dass jenseits der Karte noch Land und Leute folgen? (Ausführlich dazu SCHUOL, Kommentar zu SERa MaIOR· (TP 11B5 / ID 1940)) Wahrscheinlich fehlen dafür jedoch die nötigen Hinweise auf real existierende Bergmassive in dieser Gegend, die dagegen im Süden Afrikas bekannt gewesen zu sein scheinen und wohl als Inspiration für die markante Bergkette gedient haben (vgl. RATHMANN, Zwischenbericht, S. 20 mit Verweis auf SCHUOL, Indien). Das verdeutlicht auch der Blick in die antike Literatur, der offenbart, dass die Vorstellung einer die Welt im Süden begrenzenden Hügel- oder Bergkette schon sehr alt ist; so schreibt bereits Herodot in seiner Libyenbeschreibung („υπέρ δέ τούτων ές μεσόγαιαν ή θηριώδης έστί Λιβύη, υπέρ δέ τής θηριώδεος όφρύη ψάμμης κατήκει, παρατείνουσα άπό Θηβέων τών Αίγυπτιέων έπ` Ήρακλέας στήλας. έν δέ τή όφρύη ταύτη μάλιστα διά δέκα ήμερέων όδοϋ άλός έστι τρύφεα κατά χόνδρους μεγάλουςέν κολωνοϊσι. (Hdt. 4,181,1).): Landeinwärts hinter ihnen [den libyschen Nomaden] liegt das Gebiet mit den wilden Tieren, und hinter dieser tierreichen Gegend zieht sich eine hügelige Sandwüste hin, die vom ägyptischen Theben bis zu den Säulen des Herakles reicht. Auf den Hügeln dieser Hochfläche liegen ungefähr alle zehn Tagereisen große Salzklumpen.

Auch wenn die Hügelkette auf der TP noch weiter bis ans Horn von Afrika reicht, zeigt der Bericht auf, dass die Vorstellung einer Hügelkette im Süden bereits bei Herodot bezeugt ist. Wie SCHUOL (Vgl. SCHUOL, Indien, „7. Der Südrand der Oikumene“, S. 119-125) bereits hingewiesen hat, finden sich Hinweise auf Berge im Süden Afrikas auch schon im Fahrtenbericht des Hanno, in dem es heißt (Ταχὺ δʼ ἐκπλεύσαντες παρημειβόμεθα χώραν διάπυρον θυμιαμάτων μεστ<ήν. μέγι>στοι δʼἀπʼαὐτῆς πυρώδεις ῥύακες ἐνέβαλλον εἰς τὴν θάλατταν. ἡ γῆ δʼ ὑπὸ θέρμης ἄβατος ἦν. Τάχυ οὖν κἀκεῖτεν φοβηθέντες ἀπεπλεύσαμεν. τέτταρας δʼ ἡμέρας φερόμενοι νυκτὸς τὴν γῆν ἀφεωρῶμεν φλογὸς μεστήν· ἐν μέσῳ δʼ ἦν ἠλίβατον τι πῦρ, τῶν ἄλλων μεῖζον, ἁπτόμενον ὡς ἐδόκει τῶν ἄστρων. τοῦτο δʼ ἡμέρας ὄρος ἐφαίνετο μέγιστον, Θεῶν Ὄχημα καλούμενον. (Fahrtenbericht des Hanno 15f.)).

Rasch fuhren wir ab und kamen an einem Land vorbei, das von Feuer durchglüht und voll von Rauch war. Riesige Feuerbäche stürzten aus ihm ins Meer. Den Boden aber konnte man vor Hitze nicht betreten. Voller Furcht segelten wir auch von da wieder ab. Vier Tage dahinfahrend, sahen wir nachts das Land in Flammen erfüllt. In der Mitte aber war ein steil aufsteigendes Feuer, größer als alle anderen, das – wie es schien – die Sterne in Brand setzte. Am Tage aber zeigte es sich als ein sehr hoher Berg, ‚Götterwagen` genannt.

Während Herodot von einer ganz Afrika durchziehenden Hügelkette spricht, finden sich in Hannos Fahrtenbericht lediglich Hinweise auf vereinzelte Berge an der Südwestküste Afrikas mit vulkanischer Aktivität, (wobei laut HUß dafür nur das westliche Kamerun in Betracht käme, vgl. WINKLER/KÖNIG, Plinius, S. 353.) von denen der „Götterwagen“ der höchste sei. Auch Plinius und Mela erwähnen diesen „Theon Ochema“ in ihrer Afrikabeschreibung. (Vgl. Mela 3,94f.; Plin. nat. 2,237; 5,1,10; 6,197; Ptol. geogr. 4,6,9). Ansonsten finden sich bei Ihnen jedoch weniger Hinweise auf große Gebirgszüge im Süden Afrikas, eine Ausnahme bildet freilich das Atlas-Gebirge im Westen Afrikas an der Straße von Gibraltar, das sicher auch auf dem fehlenden Teil der TP zu erwarten wäre. Auch Ptolemaios nennt den Götterwagen (Vgl. Ptol. geogr. 4,6,9) und verweist daneben noch auf zahlreiche weitere Berge. Er konstruiert damit das Bild eines bergigen Südrandes der bekannten Welt, wenn er schreibt: „Die Region [Äthiopien] hat bis zur unbekannten Erde viele und große Gebirge, die zumeist namenlos sind.“ (ἔχει δὲ ἡ χώρα ὄρη, ἄλλα τε πολλὰ καὶ ἀνώνυμα μεγάλα πολλὰ ἕως τῆς ἀγνώστου γῆς (Ptol. geogr, 4,8,5)). Könnte etwa die unterschiedliche Darstellungsform der Bergkette, auf die RATHMANN hingewiesen hat, auf diese vielen namenlosen Gebirge des Ptolemaios hinweisen?

Festhalten lässt sich auf jeden Fall, dass zahlreiche antike – pagane wie auch jüdisch-christliche Belege, wie SCHUOL darauf hinweist, (Vgl. SCHUOL, Indien, S. 120-122) – das Bild einer die bekannte Oikumene im Süden begrenzenden Hügel- oder Bergkette prägen. Dass die Welt dahinter weiterreichte, schien dem Zeichner der Ur-TP nebensächlich beziehungsweise nicht abbildungsnotwendig zu sein. Nach antiker Vorstellung schien im Süden nichts weiter zu kommen als öde Wüste mit wundersamen Fabelvölkern. (Vgl. die umfangreichen ethnographischen Berichte bei Plinius, Ptolemaios und Herodot sowie das Kapitel 2.8 Toponym Typus „Ethnikon“ – Die Völker Nordafrikas, S. 51-62 und die Zusammenstellung im Anhang 4.2 Die Ethnien Nordafrikas, S. 114-118). Nun gibt es jedoch Hinweise in den antiken Quellen auf römische Expeditionen hinein in den Süden Afrikas. So spricht Seneca in seinen Naturales quaestiones von zwei Zenturionen, „die Nero Caesar […] zur Erforschung der Nilquelle ausgesandt hatte" (Centuriones duos, quos Nero Caesar [...] ad investigandum Nili caput miserat (Sen. nat. 6,8,3)) sowie Plinius d. Ä. von Prätorianersoldaten, „die von ihm [Nero] mit einem Tribun zur Auskundschaftung gesandt worden waren, als er unter anderen Kriegen auch an einen aithiopischen dachte." (Principi Neroni missi ab eo praetoriani cum tribuno ad explorandum, inter reliqua bella et Aethiopicum cogitanti (Plin. nat. 6,181)). Was sich bei Seneca nach einer rein wissenschaftlichen Expedition geographischen Hintergrundes anhört, (Er bezeichnet Nero als Kaiser, „den ja neben seinen anderen Tugenden eine besonders ausgeprägte Liebe zur Erkenntnis der Wirklichkeit auszeichnet“ – ut aliarum virtutum ita veritatis in primis amantissimus (Sen. nat. 6,8,3)) klingt bei Plinius nach einer geplanten militärischen Expedition, die tief in unbekanntes Land vordringen sollte, um es zu erkunden; ein Land, das „nie zuvor von einem römischen (oder griechischen) Heer betreten worden war." (HEIL, Außenpolitik, S. 169. Einzig Publius Petronius, praefectus Aegypti unter Augustus, war bis dato am weitesten vorgedrungen. Auch Plinius nennt ihn und stellt dessen Feldzug in Gegensatz zur reinen Erkundungsmission Neros (vgl. Plin. nat. 6,181)). Die Neronis exploratores sammelten laut Plinius dabei wichtige Informationen zur Infrastruktur des Landes, zu Entfernungsangaben zwischen den zentralen äthiopischen Städten und Informationen zur Vegetation und Topographie (Vgl. Plin. nat. 6,184-186). Diese Informationen scheinen jedoch keinen Einzug in die TP gehalten zu haben.

Zwischenfazit südliches Gebirge:
Wie SCHUOL festhält, gibt es also zahlreiche pagane wie auch christlich-jüdische Belege für ein Afrika im Süden begrenzendes Gebirge. Auch wenn es bereits erkundet wurde, wird ein kartographisches ‚Update‘ der Region jenseits dieses Randes auf der TP nicht vorgenommen. Dies scheint wohl – ähnlich wie im Falle des fehlenden Ostens – am nicht zur Verfügung stehenden Platz auf der TP zu liegen, zum anderen nennt RATHMANN als weiteren plausiblen Grund den nicht vorhandenen linearen Wissenszuwachs in der Antike (RATHMANN, Zwischenbericht, S. 35):

Vermutlich sollten wir akzeptieren, dass es in der Antike keinen linearen Wissenszuwachs gab. Die wenigen relevanten Wissensspeicher, wie beispielsweise die Bibliothek von Alexandria, waren für die meisten Menschen unerreichbar. Ferner ist deutlich, dass es Expeditionsfahrten ausschließlich mit dem Ziel des Wissenszuwachses in der Antike fast nicht gegeben hat. […] Vor allem wissen wir nicht, auf welcher informationstechnischen Grundlage diese Menschen ihre Reisen begannen und wie ihre jeweiligen Reiseberichte rezipiert wurden.

Literatur:

MILLER, Itineraria, Sp. 881f.;

Köhner, Nordafrika, S. 178;

RE: -

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Letzte Bearbeitung:

01.03.2024 19:25

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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=3519 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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