deutsch englisch spanisch französisch italienisch
Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

In his locis elephanti nascuntur

Name (modern):

 

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000) ---
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Großraum:

Indien

Toponym Typus:

chorographische Information

Planquadrat:

11C4 / 11C5

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

 

Barrington Atlas:

 

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

In his locis elephanti nascuntur

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

 

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

Frühhellenismus (vor 200)

Begründung zur Datierung:

Die Beischrift ist möglicherweise mit Megasthenes zu verbinden und daher einer frühhellenistischen Überarbeitung der Karte zuzuweisen (vgl. Kommentar).

Kommentar zum Toponym:

Die Beischrift ist unterhalb eines als Mons Lymodus bezeichneten Gebirgszuges im Südosten der Oikumene angebracht und basiert möglicherweise auf Megasthenes (Diod. 2, 37, 2; 42, 1), der als Charakteristikum für das Land der Gangariden im Osten Indiens sehr viele große Elefanten nennt. Als Erklärung für diese Beischrift (wenn man denn überhaupt eine antike Vorlage voraussetzen will) in Frage kommen auch weitere Verweise in der antiken Literatur seit der hellenistischen Zeit über den Export von Elfenbein aus Indien oder auf Berichte über den Fang, die Zähmung und Ausbildung von Kriegselefanten (Megasthenes, teils auch Onesikritos und Nearchos; vgl. Strab. 15, 1, 42 [704f.]). Diese und auch die Beischrift In his locis scorpiones nascuntur sind für die Frage nach der Rezeption antiker Quellen im Entstehungsprozess insbesondere des östlichen Teils der Tabula Peutingeriana relevant: Sie passen zum Charakter chorographischer Karten und sind in ihrer Länge charakteristisch für die Darstellung der Ränder der Oikumene; zudem erlauben sie die Einordnung der Karte in den größeren kartographischen Kontext, denn beide Beischriften finden sich ebenfalls auf der Beatuskarte von Saint-Sever aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die Ebstorfer Weltkarte platziert Reviere von Elefanten an mehreren Stellen der Oikumene. Eine umfangreichere Beischrift beschreibt die Lebensweise der Elefanten an den Ausläufern des Atlas-Gebirges in der Mauretania Tingitana: Hic Septem Montes, qui ad similitudinem fratres appellati sunt, elefantibus frequentissimi sunt; qui imminent freto … „Hier, nahe der Meerenge in den Sieben Bergen, die ihrer Ähnlichkeit wegen auch Brüder heißen, gibt es besonders viele Elefanten …“ Apud solam Africam et Indiam elefantes prius nascebantur, nunc autem sola India et isti montes ut dicunt eos gignunt … „In ganz Afrika und Indien waren früher Elefanten verbreitet, jetzt aber sollen sie nur noch in Indien und in den besagten (Sieben) Bergen vorkommen“, De elefantis satis inveniens iuxta montes, qui Septem Fratres appellati sunt „Von den Elefanten steht genug bei den Bergen zu lesen, die man die Sieben Brüder nennt.“ Auch am Ganges werden Elefanten erwähnt: In Gange sunt vermes, qui instar cancri bina habent brachia, quibus elefantes corripiunt et undis imergunt. „Im Ganges gibt es Würmer, die wie Krebse zwei Scheren haben, mit denen sie Elefanten packen und ins Wasser ziehen.“ In Indien und Äthiopien habe eine große Würgeschlange die dortigen Elefanten bedroht (vgl. auch Ail. nat. 5, 48; 6, 21). Die Beischrift hic nascuntur elefantes im indischen Raum ist auch auf der Sanudo-Weltkarte von Pietro Vesconte (1320) bezeugt. - Vgl. auch die Beischrift In his locis scorpiones nascuntur.

Miller, Itineraria, Sp. 838:
In his locis elephanti nascuntur. (Eb, Be), Elephanti (Gv, Lib monstr), in Indien (Ml, Dn, Ma), elephantes (Eb, Hf, Is, So). Hic elefantes nascuntur (Marino Sanuto (a. 1320).

IN BEARBEITUNG! MS, 15.11.2020
Miller, Itineraria, Sp. 850:
In his locis elephanti nascuntur. Ebenso Be. S.o.

Literatur:

Miller, Mappaemundi I, 54. 66; Ders., Mappaemundi IV, 37; Ders., Mappaemundi V, 96f. mit Anm. 3; Ders., Itineraria, 838, 850; Naomi Reed Kline, Maps of Medieval Thought: The Hereford Paradigm, Woodbridge 2001 (ND 2003), 95. 100; Hans-Werner Goetz, Gott und die Welt. Religiöse Vorstellungen des frühen und hohen Mittelalters, Teil I, Band 2: Die materielle Schöpfung: Kosmos und Welt; Die Welt als Heilsgeschehen, Berlin 2002, 158; Patrick Gautier-Dalché, La trasmissione medevale e rinascimentale della Tabula Peutingeriana, in: Francesco Prontera (Hrg.), Tabula Peutingeriana. Le antiche vie del mondo, Florence 2003, 44; Hartmut Kugler / Sonja Glauch / Antje Willing, Die Ebstorfer Weltkarte. Kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden, Band 1, Berlin 2007, 298f. Nr. 53/30. 327 Nr. 59/8; Patrick Gautier Dalché, L’Héritage Antique de la Cartographie Médiévale: les Problèmes et les Acquis, in: Richard J.A. Talbert / Richard W. Unger (Hrg.), Cartography in Antiquity and the Middle Ages: Fresh Perspectives, New Methods, Leiden 2008 (= Technology and Change in History 19), 29-66, hier 46f.; Alfons Städele, „Die Welt als Wille und Vorstellung“ oder das Bild, das man sich im kaiserzeitlichen Rom von der Erde machte, in: Rolf Kussl (Hrg.), Themen und Texte. Anregungen für den Lateinunterricht, Speyer 2010, 168‒189, hier 180; Richard Talbert, Rome’s World. The Peutinger’s Map Reconsidered, Cambridge 2010, 165f.; Michael Rathmann, The Tabula Peutingeriana in the Mirror of Ancient Geography, in: Klaus Geus / Michael Rathmann (Hrg.), Vermessung der Oikumene, Berlin 2013 (= TOPOI. Berlin Studies of the Ancient World 14), 203‒222, hier 218 Anm. 67; Ders., Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume im Hellenismus am Beispiel Asiens, in: Ders. (Hrg.), Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume in der Antike, Mainz 2007, 81-103, hier 97; Laurent Chrizanowski, Le vie dell’Avorio, in: Massimiliano David (Hrg.), Eburnea Diptycha. I Dittici d’avorio tra Antichità e Medioevo, Bari 2007, 195-216, hier 199f.; Emily Albu, The Medieval Peutinger Map. Imperial Roman Revival in a German Empire, New York 2014, 70f.; Monika Schuol, Indien und die großen Flüsse auf der Tabula Peutingeriana: Die östliche Oikumene zwischen paganer und christlicher Kartographie, in: Orbis Terrarum 14, 2016, 92-154, hier 99f.

Köhner, Nordafrika, S. 190;

RE: -

   [Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]

Letzte Bearbeitung:

04.03.2024 11:55

Druckversion erstellen


Cite this page:
https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=2469 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

Impressum Datenschutzerklärung