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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Lacus Ses[...]

Name (modern):

Aralsee? (Rathmann)

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild
Bild (Barrington 2000) ---
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Großraum:

Asien östl. d. Maiotis (Asowsches Meer), nördl. d. Taurus

Toponym Typus:

Wasser (ohne Flussname)

Planquadrat:

11B3 / 11B4

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

 

Barrington Atlas:

 

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Lacvs. Ses...

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

 

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

---

Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Laut Talbert sind Buchstabenspuren nur im rechten Teil des Sees erkennbar. Miller konnte offenbar noch das erste Wort (Lacus) erkennen; dahinter waren für ihn noch Ses und dahinter nur noch Spuren von Schrift sichtbar, der Platz würde für zwei weitere Buchstaben reichen. Über die Identifizierung dieses Gewässers kann nur spekuliert werden. Vielleicht handelt es sich dabei um den Aralsee: Möglicherweise bietet das Nebeneinander der Bezeichnungen „Kaspisches Meer“ und „Hyrkanisches Meer“ (z.B. Aristot. Meteor. 2,1, 354a; Diod. 18,5,3f.; Curt. 7,3,21; Plin. nat. 6,58 = Patrokles FGrHist 712 F 7b) einen Hinweis darauf, dass die antike Mittelmeerwelt seit der zweiten Hälfte des 4. Jh. v. Chr. über entsprechende (auf Ktesias fußende?) geographische Informationen verfügte (Rathmann, 85-88). Strabo bezeichnet den See als Maiotis-See (Strab. 11,5,8 C 506; 11,9,3 C 515; vgl. auch Ios. bell. Iud. 7, 244) und wurde als identisch mit dem Kaspischen Meer angesehen. Einen See östlich des Kaspischen Meeres kennt auch Plinius, den er aber unter dem Hydronym Zotha lacus führt (Plin. nat. 6,47). In der Folgezeit, etwa bei Ptolemaios, werden das Kaspische Meer und der Aralsee immer wieder verwechselt (12,3: Ὀξιανὴ λίμηη). Erst Ammianus Marcellinus im 4. Jh. dokumentiert einen dahingehenden Zuwachs an geographischem Wissen, dass das Kaspische Meer und der Aralsee als zwei verschiedene Gewässer zu gelten haben (Amm. 23,6,59: Oxia palus) und zwei große Flüsse, Araxates und Dymas, in den Aralsee münden.
Als Ausgangsbasis für die Darstellung des größeren Gewässers östlich des Kaspischen Meeres auf die Darstellung der beiden Seen auf der Tabula Peutingeriana in Betracht zu ziehen wäre auch das Nebeneinander eines älteren und eines jüngeren Weltbildes - die Überzeugung, dass das Kaspische Meer ein Binnengewässer sei auf der einen Seite und die Vorstellung der späthellenistisch-frühkaiserzeitlichen Geographen (Strab. 11,6,1 C 507 = Eratosthenes Frg. III B 68 Berger; Mela 1,2; 3,5; Plin. nat. 6,15) auf der anderen Seite, dass das Kaspische Meer eine Ausbuchtung eben dieses Ozeans sei.
Die nur teilweise lesbare Beschriftung Lacus Ses ... lässt sich mit keiner der antiken Bezeichnungen für den Aralsee in EInklang bringen und könnte allenfalls (wenn man denn überhaupt an diese heute nicht mehr nachprüfbare Lesung Vermutungen knüpfen möchte) mit den in der hochmittelalterlichen Kartographie bezeugten Hydronymen erklärt werden: Zu denken wäre an die Karte von Marino Sanuto (1323) mit dem doppelten Eintrag des Kaspischen Meeres, eines davon trägt die Beischrift Mare Yrcanum sive de Sara und ist mit dem Ozean verbunden, während das zweite ein Binnengewässer ist; das zweite Hydronym verweist auf Sara bzw. Sarray an der unteren Wolga, die Residenz des Mongolenherrschers Batu Khan, des Enkels Dschingis-Khan, und geht auf die entsprechende Bezeichnung "Meer von Sarain" auf Marco Polo zurück. Das würde allerdings auf einen in dieser Eindeutligkeit sonst auf der Karte nicht erkennbaren Eingriff des letzten Kartenzeichners verweisen.
Das Kaspische Meer dürfte auf der Tabula also zweimal dargestellt und somit auf zwei unterschiedliche Rezeptionsstufen in der Abbildung ein und desselben geographischen Merkmals verweisen: 1) als Binnensee kann das ovale Gewässer im Osten vom Kaspischen Meer als eine dem 5./4.Jh. v.Chr. zuzuweisende Kopierstufe interpretiert werden, 2) das pilzförmige Mare Hyrcanium mit der Verbindung zum Nordozean ist Teil einer jüngeren späthellenistisch-frühkaiserzeitlichen Kopierstufe. - Vgl. auch zu Mare Hyrcanium

Kommentar (Talbert): eingearbeitet

Miller, Itineraria, Sp. 959: eingearbeitet

Literatur:

Miller, Itineraria, Sp. 959;Marek J. Olbrycht, Parthia et ulteriores gentes. Die politischen Beziehungen zwischen dem arsakidischen Iran und den Nomaden der eurasischen Steppen, München 1998 (= Quellen und Forschungen zur antiken Welt 30), 39; Michael Rathmann, Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume im Hellenismus am Beispiel Asiens, in: Ders. (Hrsg.), Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume in der Antike, Mainz 2007, 81-102, hier 85-88. - Zur Darstellung des Kaspischen auf mittelalterlichen Karten vgl. Anna-Dorothee von den Brincken, Ost- und Südosteuropa in der abendländischen Kartographie des Spätmittelalters, in: Revue des Études Sud-Est-Européennes 13 (1975) 253-349, hier 254f.; Dies., Quod von vicietur pictura. Die Sorge um das rechte Bild, in: Fälschungen im Mittelalter. Internationaler Kongreß der Monumenta Germaniae Historica München, 16.-19. Sept. 1986, Teil I: Literatur und Fälschung, München 1988 (= Schriften der Monumenta Germaniae Historica 33 / 1), 587-599, hier 598; Evelyn Edson, The World Map, 1300-1492. The Persistence of Tradition and Transformation, Baltimore 2007, 72f.; elicitas Schmieder, „Den Alten den Glauben zu entziehen, wage ich nicht ...“ Spätmittelalterliche Welterkenntnis zwischen Tradition und Augenschein, in: Gian L. Potestà (Hrsg.), Autorität und Wahrheit. Kirchliche Vorstellungen, Normen und Verfahren (13.-15. Jahrhundert), München 2012 (= Schriften des Historischen Kollegs 84), 65-77, hier 73f.; Dies., Nachdenken auf der Karte. Mappae Mundi als Spiegel spätmittelalterlichen Weltwissens, in: Periplus 13, 2103, 236-257, hier 242f. 252f.

RE: -

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Letzte Bearbeitung:

18.06.2026 11:55

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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=2450 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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