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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Parnaci

Name (modern):

 

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000) ---
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Großraum:

Asien östl. d. Maiotis (Asowsches Meer), nördl. d. Taurus

Toponym Typus:

Ethnikon

Planquadrat:

9A2

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Pharnakeia (1)

Barrington Atlas:

Pharnakeia = Kerasous 87 D4

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

 

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Φαρνακία (5,6,5)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

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Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Der als Ethnonym auf der TP eingetragene Name ist am Unterlauf des Phasis platziert. Miller (Itineraria 623) mit dem Verweis auf die in der Margiane (südöstlich des Kaspischen Meeres) im heutigen Turkmenistan und nördlichem Iran beheimateten Parni (Strab. 11, 7, 1 [508]: Πάρνοι; 8, 2 [511]; 9, 2 [515]: Πάρνοι) hilft hier nicht weiter, da eine derartige Zuordnung von PARNACI in diesem geographischen Kontext nicht plausibel und auch philologisch nicht begründbar ist. Zu erwarten wäre an dieser Stelle auf der TP ein Ethnonym, das eine im westlichen Kaukasus oder im östlichen Teil des nordpontischen Raumes lebende ethnische Gruppe oder eine Stammeskonföderation bezeichnet. Ein entsprechender Eintrag ist aber nicht zu identifizieren. In Betracht zu ziehen ist daher auch die Möglichkeit, dass auf der Karte ein Ort irrtümlich als Ethnonym eingetragen ist. Auf Grund der Namensähnlichkeit ist PARNACI am ehesten mit Pharnakeia zu verbinden. Der Ort ist in den antiken Schriftzeugnissen mehrfach bezeugt, das griechische Toponym lautet bei Strabon Φαρνάκεια oder Φαρνακεία, vgl. Strab. 2, 5, 25 (126); 6, 7, 2 (320); 11, 2, 18 (499); 12, 3, 13 (547). 17 (548f.). 28 (555f.); 14, 5, 22 (677); andere Namensformen finden sich in Plut. Lucullus 18, 2: Φερνακία; Arr. Periplus Ponti Euxini 16/3f.: Φαρνάκεια; Anon. Periplus Ponti Euxini 34: Φαρνακία, Φαρνάκιοn; Ptol. 5, 6, 5: Φαρνακία; Steph. Byz. s.v. Φαρνάκεια. Plinius bietet folgende Varianten des Toponyms: Pharnacea oppidum, Pharnacea (nat. 6, 11. 32).
Pharnakeia ist eine Gründung Pharnakes’ I. (185-160/54 v.Chr., evtl. bereits ab ca. 196 v.Chr. auf dem Thron) von Pontos und dürfte nach der Besetzung von Sinope 183 v.Chr. erfolgt sein. Die Vorgängersiedlung an diesem Platz war möglicherweise Choirades (Hecat. fr. 204; Ps.-Skylax 86). In Pharnakes’ Stadtgründung involviert war Kerasos (Κερασοῦς), das durch einen Synoikismos mit Kotyora vereinigt und nach Pharnakes benannt wurde. Den älteren Namen Kerasos teilt z.B. der Anoynyme Periplus Ponti Euxini (34) mit: ἀπὸ δὲ Φαρμαντίνου ποταμοῦ εῖς Φαρνακίαν τὸ λεγόμενον Φαρνάκιοn σταδ᾽ μιλ᾽ ις᾽. ἅυτη ἡ Φαρνακία πάλαι μὲν Κερασοῦς ἐκαλεῖτο „Vom Fluss Pharmantinos nach Pharnakia, genannt Pharnakion, sind es 120 Stadien, 16 Meilen. Dieses Pharnakia wurde früher Kerasus genannt.“ (Übers. aus: Brodersen, Periplus Ponti Euxini, 85. 87; vgl. auch Arr. Periplus Ponti Euxini 16/3f.). Ebenso wie in diesem Text werden auch sonst in Periplus-artigen Routenbeschreibungen und als Orientierungspunkte in geographischen und ethnographischen Beschreibungen sowie der Nachzeichnungen von Grenzverläufen in der Beschreibung der Ausdehnung des Königreiches von Pontos unter Mithradates VI. (Strab. 12, 3, 28 [555f.]) Pharnakeia und Trapezunt gemeinsam genannt. Die beiden Stationen sind häufig direkt nacheinander genannt, vgl. Strab. 6, 7, 2 (320); 11, 2, 18 (499); 12, 3, 17 (548); 12, 3, 28 (555), so dass die tatsächlichen Entfernungen nicht ersichtlich sind oder der Eindruck kurzer Distanzen zwischen diesen Orten entsteht. Durch das Vorhandensein mehrerer Orte mit dem Namen Kerasos lassen sich die Entfernungsangaben nicht verifizieren (Olshausen, in: DNP 6, 1999, 438).
Ebenso wie andere Orte in der nördlichen und östlichen Pontusregion spielte auch Pharnakeia als Sitz des Harems von Mithradates VI. in seinen Kriegen gegen Rom eine wichtige Rolle (Plut. Lucullus 18). Pharnakeia ist eine Gründung Pharnakes’ I. von Pontos und wurde nach ihm benannt, der ältere Name ist Kerasos (Κερασοῦς). Die Vorgängersiedlung an diesem Platz war möglicherweise Choirades (Hecat. fr. 204; Ps.-Skylax 86). Der Name Pharnakes ist auch in der Variante Parnaces bezeugt und ist ebenso wie z.B. Antiocus anstatt Antiochus dem gelegentlich feststellbaren Wegfall der Aspiration in der spätrepublikanischen Zeit und dem frühen Prinzipat zuzuschreiben, so z.B. in einem Fluch gegen die Dienerschaft (vgl. Solin, Analecta epigraphika, 141f. 145; Ders., Die griechischen Personennamen, 243f.; Brodersen, Fluchtafeln 119f.) und in einer Grabinschrift eines Lucius Terentius Parnaces für seine Ehefrau Terentia Melaena (CIL 14, 2373). Weitere epigraphische Zeugnisse bieten auch Parnaceni (CIL 6, 21696 = I2 1332; vgl. auch CIL I 1064 = Or. 4488).
Für die Gleichsetzung von PARNACI auf der TP mit Pharnakeia spricht, dass der von Pharnakes I. gegründete Ort weder an der Nordküste Kleinasiens noch an anderer Stelle auf der Karte eingetragen ist. Der Eintrag nördlich des Unterlaufes des Phasis ist folgendermaßen zu erklären: Der Kartenzeichner hat Trapezunt zu weit nach Norden gerückt, und mit der Verlegung der Küstenstraße zwischen Trapezunt und Sebastopolis ins Landesinnere aus Platzgründen ist auch Pharnakeia an die nordöstliche Schwarzmeerregion „gewandert“, um die in den literarischen Texten beschriebene Zusammengehörigkeit der beiden Städte auch visuell zum Ausdruck zu bringen. - Vgl. auch Trapezunte· (Trapezunt).

Monika Schuol

Literatur:

Miller, Itineraria, Sp. 623; Albert Herrmann, in: RE XIX / 2, 1938, 1842 s.v. Pharnakeia 1; Erich Diehl, ebd., 1849-1851 s.v. Pharnakes 1; Christo Danoff, in: RE S 9, 1962, 927; Heikki Solin, Analecta epigraphika, in: Arctos 22, 1988, 141-162; Eckart Olshausen, in: DNP 6, 1999, 438 s.v. Kerasus (Κερασοῦς); Ders., in: DNP 9, 2000, 751f. s.v. Pharnakeia (Φαρνάκεια, Φαρνακία, lat. Pharnacea); Alexander V. Podossinov, Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition, Moscow 2002, 360 [in Russian]; Heikki Solin, Die griechischen Personennamen in Rom. Ein Namenbuch, Erster Band, Berlin 2003 (2. Aufl.), 243f. s.v. Pharnaces (hier auch weitere Belege); Alexandru Avram / John Hind / Gocha Tsetskhladze, The Black Sea Area, in: Mogens H. Hansen / Thomas H. Nielsen (Hrg.), An Inventory of Archaic and Classical Poleis: An Investigation Conducted by the Copenhagen Polis Centre for the Danish National Research Foundation, Oxford / New York 2004, 924-974, hier 955. 958f.; Kai Brodersen, Fluchtafeln. Neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber, Frankfurt am Main 2004, 119f.; Manolis Manoledakis, Choirades, Kerasous, Pharnakeia. Observations on three Ancient Place-names in the Southern Black Sea, in: Ancient West and East 9, 2010, 135-153; Altay Coşkun, Expansion und Dynastische Politik in Pontos: Zwei neue Ären unter Pharnakes I., in: Historia 71, 2022, 2-26; Luis Ballesteros Pastor, Pharnakes I, King of Pontos, in: Altay Coşkun et al. (Hrg.), Amici Populi Romani, 2004-2022, s.v. Pharnakes I. (https://static1.squarespace.com/static/553e6ebae4b06fb7f1cd64df/t/63b58644b5ca674df10281a8/1672840778783/APR+12-221231c.pdf, abgerufen am 25.3.2023); Kai Brodersen, Periplus Ponti Euxini. Zweisprachige Ausgabe, Speyer 2022, 85-87.

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Letzte Bearbeitung:

25.03.2023 23:07

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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=2365 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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