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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Insula Achillis [sive Leuca dicta]

Name (modern):

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild
Bild (Barrington 2000)
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/226506
Großraum:

Skythien

Toponym Typus:

Insel

Planquadrat:

8A3

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Ἀχιλλέως δρόμος

Barrington Atlas:

Leuke / Achilleos Nesos (23 D3) / Achilleios Dromos (23 E2) / Tamyrake (23 unlocated)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Ins. Achillis . s /// Leuce dicta

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Ἀχιλλέως δρόμος, Ταμυράκη (3,5,8)

Plinius:

insula Achillis (4,83), Achillea [...] eadem Leuce et Macaron appellata (4,93)

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

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Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Die in der Maeotis gelegene Insel ist mit dem als Dromos Achilleos bezeichneten Platz gleichzusetzen, also mit der in der in der antiken Literatur als Leuke bezeichneten Insel vor der Borythenes-Mündung, vgl. z.B. Hdt. 4, 55. 76: Ἀχιλλέως δρόμος; Mela 2, 5: Dromos Achilleos; 2, 87: Leuce Borysthenes ostio objecta, parva ad modum, et quod ibi Achilles situs est Achillea cognomine; Strab. 2, 5, 22 (125): Λευκὴ νῆσος; 7, 3, 19 (307f.): Ἀχιλλέως δρόμος; Plin. nat. 4, 83: insula Achillis; 4, 93: insula Achillea; Dion. Per. 541-544: νῆσος Λευκὴ; Arr. Periplus Ponti Euxini 21/1: Ταμυράκη; Anon. Periplus Ponti Euxini 86/57: Ταμυριάκοι; Ptol. 3, 5, 7: ὁ Ἰσθμὸς τοῦ Ἀχιλλέως Δρόμου; 3, 5, 8: Ἀχιλλέως δρόμος, Ταμυράκη; Amm. 22, 8, 35: insula Leuce [...] Achilli est dedicata; 22, 8, 41; Steph. Byz. s.v. Ἀχίλλειος δρόμος.
Heute mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen, aber mit Hilfe von Hyperspektralkamera-Technik zu erkennen ist die in den Ausgaben von Welser und Scheyb eingezeichnete Tempel-Vignette auf der Insel. Welser liest „Ins. Achillis A [-?-] dicta“, Scheyb hat „Ns A [-?-] li“, Weber rekonstruiert "Ins Achilis sive Leuce dicta" (vgl. Weber, Tabula Peutingeriana, 67). Für Miller (Itineraria 606 und 631) zumindest teilweise noch lesbar war die Beischrift [I]NS. Achillis … Leuce dicta „Insel des Achilles … Leuce genannt“. Talbert ist entsprechend dem aktuellen Erhaltungskarte der Karte an dieser Stelle sehr vorsichtig: „There are traces of lettering a considerable way to both left and right of the island, so if they are all part of its name, then that was indeed a long one. I can only identify a single "A" with any confidence, however.“ (http://www.cambridge.org/us/talbert/talbertdatabase/TPPlace3144.html). Der Rekonstruktion der Legende zu Grunde gelegt werden könnten die Beschreibungen der Insel von Mela (2, 98: Leuce Borysthenes ostio objecta, parva ad modum, et quod ibi Achilles situs est Achillea cognomine) oder Plinius (nat. 4, 93: ante Borysthenen 93 Achillea est supra dicta, eadem Leuce et Macaron appellata).
Eine detailreiche Beschreibung dieser Örtlichkeit bietet Strabo (7, 3, 19 [422]): Die Breite der „Landzunge“ (ταινία), von Strabo als „flache Halbinsel“ (ἁλιτενὴς χερσόνησος) charakterisiert, betrage maximal zwei Stadien (ca. 360 m) und die Länge etwa 1000 Stadien (ca. 178 km). Der „Hals der Landenge“ (ἰσθμοῦ αὐχὴν), von dem aus die beiden Nehrungen ins Meer hinauswachsen, wird in seiner Breite mit 40 Stadien beziffert. Die Rennbahn ist gleichzusetzen mit der vor der Mündung des Dnipro gelegenen Nehrung Tendrovskaja Kosa/Tendrivska Kosa (Plinius, Naturkunde / Naturalis Historia III/IV, 415 zu § 83; Roller, A Historical and Topographical Guide, 362). Neben der Bezeichnung Ἀχιλλέως δρόμος bietet Strabo auch den Namen Ταμυράκη (vgl. auch Ptol. 3, 5, 8). Auch Plinius (nat. 4, 83) nennt die Insel mit dem Achilles-Heiligtum und bietet im Anschluss eine genauere Beschreibung des Dromos Achilleos, dessen Form er mit der „Gestalt eines Schwertes“ (forma gladii) vergleicht und deren Länge Agrippa (frg. 19 Riese = frg. 52 Klotz) zufolge 80 Meilen (ca. 118 km) betrage. Arr. Periplus Ponti Euxini bezeichnet diesen Verehrungsort für Achilles ebenfalls mit dem von Strabo genannten Namen Tamyrake (20/1: Ταμυράκη) und beschreibt „einen See, der nicht groß ist“ (λίμην ἐστὶν οὐ μεγάλη). Dieses Gewässer ist identisch mit einem der beiden westlich und östlich des Isthmos gelegenen, fast komplett durch die Nehrung vom Schwarzen Meer abgeschnürten Seen (im Westen: Tendra Bay, im Osten: Dzarylhach Bay). Anschließend folgt eine ausführlichere Beschreibung der Insel Leuke (Schlangeninsel) vor dem Donaudelta (21/1-22/4), deren Bedeutung als Standort des Achilles-Tempels als Orakel- und Verehrungsstätte gegenüber dem Tempel am Borythenes-Delta besonders herausgestellt wird. Diese Heiligtümer wurden bevorzugt von Seefahrern aufgesucht, denn Achilles war der Beschützer der Seeleute und der Seefahrt. Weitere Kultstätten für Achilles sind aus der Troas, Olbia und von der Taman-Halbinsel am Ostufer des Kimmerischen Bosporus (Strab. 11, 2, 6: Ἀχίλλειων κώμη, vgl. dazu Roller, A Historical and Topographical Guide, 362) bekannt.
Bei der auf der TP genannten Insula Achillis handelt es sich um eine Nehrung westlich der Krim vor der Borysthenes-Mündung im Karkinitischen Golf (Καρκινίτης κόλπος), die durch einen kurzen Isthmus mit dem Festland verbunden ist. Nicht gemeint ist die Insel Leuke (Λευκή), die Schlangeninsel, vor der Donaumündung als weiterer Standort für eine Achilles-Kultstätte, sondern das Achilles-Heiligtum vor der Borysthenes-Mündung (vgl. Mela 2, 98: Leuce Borythenes ostio objecta, parva admodum, et quia ibi Achilles situs est Achillea cognomine; Plinius erwähnt in der Nähe des Hafenplatzes Portus Achaeorum die Insula Achillis, tumulo eius viri clara und die „Rennbahn des Achilles (Plin. nat. 4, 83: Dromos Achilleos) und erklärt die Lage der Insel: ante Borysthenem Achillea est (Plin. nat. 4, 93). Ptolemaios gibt den Isthmos an: ὁ Ἰσθμὸς τοῦ Ἀχιλλέως δρόμος „Landenge des Dromos des Achilles“ (Ptol. 3, 5, 7. 25: Ἀχιλλέως δρόμος) sowie das östliche und das Ende der Nehrung Ἱερὸν ἄκρον und Μισαρὶς (Μυσαρὶς) ἄκρα (Ptol. 3, 5, 8), als weitere Bezeichnungen für die beiden Spitzen der Landzungen sind auch Ταμυράκη (Westen) und Μυσαρὶς (Osten) belegt.
Durch archäologische Untersuchungen nachgewiesen sind am nördlichen Ende der Nehrung ein Tumulus, Reliefs, Steinfragmente und Weihinschriften mit Darstellungen und Erwähnungen von Achilles an einer Verehrungsstätte (Heroon oder ein freistehender Altar) für Achilles, die offenbar von 2.Jh. v.Chr. bis ins 4.Jh. n.Chr. genutzt wurde. Sporadisch aufgesucht wurde der Platz noch bis ins 12.Jh., wie ein Grab und Graffiti mit christlichen Motiven bezeugen. Gefäße, etwa 1200 Münzen (röm. Münzen ab Tiberius bis Valens, Prägungen des Bosporanischen Reiches ab Rheskuporis bis Sauromates IV. sowie 44 Städteprägungen aus dem ägäischen, kleinasiatischen und dem pontischen Raum, etwas mehr als 100 Silbermünzen, keine Goldmünzen; vgl. Tunkina, New Data on the Panhellenic Achilles Sanctuary on the Tendra Spit, 225-240. - Vgl. auch Caput Fluminis Nusacus (Borysthenes? / Dnipro).

Monika Schuol

Literatur:

Friedrich A. Ukert, Geographie der Griechen und Römer von den frühesten Zeiten bis auf Ptolemäus, Band 3: Skythien und das Land der Geten oder Daker nach den Ansichten der Griechen und Römer, Weimar 1846, 444-458; Wilhelm Tomaschek, in: RE I / 1, 1893, 221 s.v. Ἀχιλλέως δρόμος; Ders., ebd., 221 s.v. Ἀχιλλέως νῆσος (Leuke vor der Donaumündung); Miller, Itineraria, Sp. 606; Alexander V. Podossinov, Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition, Moscow 2002 (Russisch], 353; Sergej R. Tokhtas’ev, in: DNP 1, 1996, 75 s.v. Achilleion kome (Ἀχίλλειων κώμη); Ders., ebd., 75 s.v. Achilleos Dromos (Ἀχιλλέως δρόμος); Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde / Naturalis Historia. Bücher III / IV Geographie: Europa. Lateinisch-Deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Gerhard Winkler in Zusammenarbeit mit Roderich König, Düsseldorf/Zürich 2002 (2. Aufl.), 415 zu § 83; Anna S. Rusayeva, The Temple of Achilles on the Island of Leuke in the Black Sea, Ancient Civilizations from Scythia to Siberia 9 / 1-2, Leiden 2003, 1-16 (Leuke vor der Donaumündung); Dorothea Sigel, ebd., 79 s.v. Achilleus 1, Mythos C. Kult des Achilleus; Sergey B. Ochotnikov, Achilleus auf der Insel Leuke, in: Joachim Hupe (Hrg.), Der Achilles-Kult im nördlichen Schwarzmeerraum vom Beginn der griechischen Kolonisation bis in die römische Kaiserzeit, Rahden / Westf. 2006 (= Internationale Archäologoe 94), 49-87; I.V. Tunkina, New Data on the Panhellenic Achilles Sanctuary on the Tendra Spit (Excavation of 1824), in: Alain Bresson / Askold I. Ivantchik / Jean-Louis Ferrary (Hrg.), Une koinè pontique. Cités grecques, sociétés indigènes et empires mondiaux sur le littoral nord de la mer noire (VIIe s. s.C.-IIIe s. p.C.), Bordeaux 2007 (= Ausonius éditions, mémoires 18), 225-240; Duane W. Roller, A Historical and Topographical Guide to the Geography of Strabo, Cambridge / New York 2018, 362; Marta Oller Guzmán, Racing for Love: Achilles and Iphigenia in the Black Sea, in: David Braund / Vladimir F. Stolba / Ulrike Peter (Hrg.), Environment and Habitation around the Ancient Black Sea, Berlin/Boston 2021, 225-234; Marios Kamenou, From the Tower of Kronos to the Island of Achilles: Placing Leuce in the Greek Conception of Heroic Apotheosis, in: Gocha R. Tsetskhladze / Alexandru Avram / James Hargrave (Hrg.), The Greeks and Romans and the Importance of the Pontic Region in the Graeco-Roman World (7th Century BC-5th Century AD): 20 Years On (1997-2017). Proceedings of the Sixth International Congress on Black Sea Antiquities (Constanța - 18-22 September 2017). Dedicated to Prof. Sir John Boardman to celebrate his Exceptional Achievements and his 90th Birthday, Oxford 2021, 137-141.

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Letzte Bearbeitung:

09.04.2024 12:49

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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=2323 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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