deutsch englisch spanisch französisch italienisch
Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Ceronesos (Cersonesos)

Name (modern):

 

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000)
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/501386
Großraum:

Balkanraum nördlich

Toponym Typus:

Region

Planquadrat:

7B5 / 8B1

Farbe des Toponyms:

rot

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

Chersonesos (DNP)

RE:

Chersonesos 1

Barrington Atlas:

Chersonesus (51 G4)

TIR / TIB /sonstiges:

Chersonesos (TIB 12, 311-313)

Miller:

Ceronesus

Levi:

 

Ravennat:

Cersonisum (5,22 p. 99, 47)

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Χερσόνησος (Ptol. 3,12 u. ö.)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

Klassik (5./4. Jh.)

Begründung zur Datierung:

Die Namensform ist am ehesten (aber keineswegs zwingend) als Haplographie der jüngeren Namensform Cherronesos zu erklären, die ab dem 5. Jh. v. Chr. belegt ist.

Kommentar zum Toponym:

Eine Verschreibung des Namens in dieser Form nur hier belegt (am ähnlichsten Cersonisum Rav 5,22 p. 99, 47).
Am ehesten (aber nicht zwingend) als Haplographie der jüngeren, seit dem 5. Jh. belegten Namensform Cherronesos zu erklären. Man beachte die griechische Endung!

Antike geographische Beschreibungen der Halbinsel:

Mela 2,25-27 Chersonessus
Ptol. 3,12 ἡ Χερσόνησος

Ps.-Skyl. 67 Χερρόνησος
Ps.-Skymn. 689-712 Χερρόνησος
Strabo 7 frg. 21a ἡ Χερρόνησος
Plin. 4,47-49 Cherronesus

Die Chersonesos verläuft auf der TP von links oben nach rechts unten, also genau entgegengesetzt zur tatsächlichen Südwest-Nordost-Ausrichtung der Halbinsel, so als hätte der Kartograph die Halbinsel nach rechts geklappt, um darunter Platz für das hochgeschobene Kreta zu schaffen. Allerdings hatte interessanterweise auch bereits Strabo diese verkehrte Südostausrichtung (Strabo 7 frg. 21a ἄκρα γὰρ ἔκκειται πρὸς εὐρόνοτον, s. Radt Komm. ad loc., S. 368 u. 371), der auch die Form Χερρόνησος verwendet, die am wahrscheinlichsten auch der verschriebenen Form auf der TP zugrunde liegt! (An Städten haben die beiden Werke allerdings nur Sestos und Macrontecos/Makroteichos gemeinsam). Oberhalb verläuft der Melas Kolpos (heute: Golf von Saros), unterhalb der Hellespont.
Die realen Proportionen der etwa 80 km lange und bis zu 20 km breiten Halbinsel sind auf der TP erwartungsgemäß nicht korrekt wiedergegeben; sie ist nur verstümmelt dargestellt: Abgesehen von Aprodisia und Macrontecos an der Grenze der Halbinsel ist nur der äußerste Ausläufer mit Callipoli und Sestos repräsentiert (s. ItMiller 595). Zahlreiche Städte und Siedlungen, an denen vor allem die Südküste reich war, fehlen (zur Chersonesos auf der TP ausführlich Külzer 2016b, 51-55).
Südöstl. gegenüber der Chersonesos müßte eigentlich die Küste von Asia liegen, aber dessen Platz wird auf der TP blockiert durch das nach oben gerutschte Kreta.

Die Chersoneos war strategisch günstig gelegen und fruchtbar. Erstmals bei Hom. Il. 2,844f. als Heimat der Thraker Akamas und Peiroos erwähnt. Aiol. Kolonisation im 7. Jh. v. Chr, ion. etwas später. Die starken thrak. Stämme blieben noch lange feindlich. Um die Chersoneso zu schützen, ließ Miltiades der Ältere, der als Tyrann über sie herrschte, die Bulair-Landenge mit einer Mauer von Kardia bis Paktye befestigen (s. Art. 8B1 Macrontecos). Nach dem Krieg mit Lampsakos wurde Miltiades der Jüngere von Athen auf die Chersonesos entsandt. Nach dem Skytheneinfall 496 trat er 493 sie an Dareios ab. Perikles ließ die Mauer wiederherstellen und schickte Siedler nach Sestos und Kallipolis. Ab 466 Mitglied im 1. Attisch-Delischen Seebund. Bis 387 kämpfte Athen um die Ch. wegen ihrer Bedeutung für den Weizenimport. Zu dieser Zeit wohl rein griech. besiedelt. 405 bis 386 zeitweise unter spartanischer Herrschaft. 398 erneuerte der Spartaner Derkylidas die Mauer. Bis zur Einnahme durch Philipp II. (338 v. Chr.) unter thrakischer Herrschaft. 280/79 zogen Kelten durch die Ch.; Antigonos Gonatas schlug sie 277 entscheidend. Abwechselnd unter der Herschaft der Seleukiden, Ptolemaiern, Antigoniden und (seit 189) Attaliden. Zur Zeit Attalos´ II. Einfall der Thraker unter Dielylis, dem König der Kainoi. 133 als Vermächtnis Attalos´ III. unter röm. Herrschaft. Seit seit 12 v. Chr. teilweise kaiserliche Domäne (s. von Bredow, DNP). auch unter Hadrian (117–138) hatte die von einem Prokurator geleitete Chersones einen Sonderstatus, ihre Hauptstadt lag in Koila (s. Külzer 2013,1), das nicht auf der TP berücksichtig ist! Zur Zeit des Iustinianus (6. Jh. n. Chr.), der die Mauer wiederherstellen ließ, fielen sporadisch Hunnen und Slawen in die Chersonesos ein (s. von Bredow, DNP).

DNP:
Chersonesos

(Χερσόνησος).

[1] h. Halbinsel Gallipoli

Die h. Halbinsel Gallipoli (über 900 km2); mit vorgesch. Siedlungsspuren, strategisch günstig gelegen und fruchtbar. Erstmals bei Hom. Il. 2,844f. als Heimat der Thraker Akamas und Peiroos erwähnt. Aiol. Kolonisation im 7.Jh. v.Chr (Alopekonnesos, Madytos, Sestos), die ion. (Kardia, Limnai von Miletos und Klazomenai, Elaius von Teos) etwas später. Die starken thrak. Stämme (Apsinthoi, Dolonkoi) blieben noch lange feindlich. Um die Ch. zu schützen, ließ Miltiades der Ältere, der mit Zustimmung der Dolonkoi als Tyrann über die Ch. herrschte, die Bulair-Landenge mit einer Mauer von Kardia bis Paktye befestigen (Hdt. 6,36). Nach dem Krieg mit Lampsakos wurde Miltiades der Jüngere von Athen auf die Ch. entsandt. Nach dem Skytheneinfall 496 trat er 493 die Ch. an Dareios ab. Sestos war pers. Satrapensitz. Perikles ließ die Mauer wiederherstellen und schickte Siedler nach Sestos und Kallipolis. Die ganze Ch. war ab 466 Mitglied im 1. Attisch-Delischen Seebund. Bis 387 kämpfte Athen um die Ch. wegen ihrer Bed. für den Weizenimport. Zu dieser Zeit war die ganze Ch. wohl rein griech. besiedelt. 405 bis 386 stand die Ch. zeitweise unter spartanischer Herrschaft. 398 erneuerte der Spartaner Derkylidas die Mauer. Durch die Expansion der Odrysai befand sich die Ch. bis zur Einnahme durch Philippos II. (338 v.Chr.) unter thrakischer Herrschaft, was Athen zu zahlreichen diplomatischen Schritten gegenüber Herrschern wie Kotys I., Amadokos und Kersebleptes zwang. 280/79 zogen Kelten durch die Ch.; Antigonos [2] Gonatas schlug sie 277 entscheidend. Abwechselnd stand die Ch. unter Seleukiden, Ptolemaiern, Antigoniden und (seit 189) Attaliden. Zur Zeit Attalos´ II. Einfall der Thraker unter Dielylis, dem König der Kainoi. 133 kam die Ch. als Vermächtnis Attalos´ III. unter röm. Herrschaft, war seit 12 v.Chr. teilweise kaiserliche Domäne.

In der 1. Hälfte des 2.Jh. wurde eine prov. Chersonesus mit dem Prokuratorensitz in Koila/Coela geschaffen. Zur Zeit des Iustinianus (6.Jh. n.Chr.), der die Mauer wiederherstellen ließ, fielen sporadisch Hunnen und Slawen in die Ch. ein.

von Bredow, Iris

Literatur:

Bürchner, Ludwig: Chersonesos 1, RE 3,2 (1899), 2242–2251.

Isaac, Benjamin: The Greek Settlements in Thrace until the Macedonian Conquest, Leyden 1986, 159-197.

Kahrstedt, U.: Beiträge zur Geschichte der Thrakischen Chersones (= Deutsche Beiträge zur Altertumswissenschaft 6), Baden-Baden 1954.

Kılıç, Günşıl: Osmanlı Dönemi´ne Kadar Gelibolu Yarımadası´nın Tarihine Kısa Bir Bakış: The Ancient History of the Gallipoli Peninsula, in: Arikan Erciyas/Burcu, D. (Hgg.): Marmara araştırmaları sempozyum bildirileri: 27 Nisan 2007, Ankara = Marmara studies symposium proceedings : 27 April 2007, Ankara, İstanbul 2008, 115-129.

Külzer, Andreas: Land- und Seerouten im südwestlichen Thrakien. Das Grenzgebiet der thrakischen Provinzen Eurōpē und Rodopē. Vortrag, gehalten am 26. September 2013 in Wien, anläßlich des Arbeitstreffens der byzantinischen Teilprojekte des DFG SPP 1630 „Häfen von der römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“, besonders S. 3f.
https://www.academia.edu/4602264/Land-und_Seerouten_im_s%C3%BCdwestlichen_Thrakien

Külzer, Andreas: Die thrakische Chersones als Geschichts- und Wirtschaftsraum in frühbyzantinischer Zeit, in: Mustafa H. Sayar (Hg.): Eleventh International Congress of Thracology, Istanbul, 8th -12th November, 2010, Istanbul 2016, 407-424.

Külzer, Andreas: Zwischen Europa und Asien: Zur Darstellung der thrakischen Chersones und des westlichen Kleinasien auf der Tabula Peutingeriana, Orbis Terrarum 14 (2016), 49-68.

Loukopoulou, Louisa: Thracian Chersonesos, in: Hansen, Mogens Herman/Nielsen, Thomas Heine: An inventory of archaic and classical poleis, Oxford 2004, 900-911.

Miller, Itineraria, Sp. 595.

Tzvetkova, J.: History of the Thracian Chersonese (From the Trojan War Until the Time of the Roman conquest, Veliko Tărnovo 2008.

von Bredow, Iris (Bietigheim-Bissingen), Tokhtas´ev, Sergej R. (St. Petersburg) and Makris, Georgios (Bochum), “Chersonesos”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik,, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 29 April 2020
First published online: 2006.

U. Kahrstedt, Beitr. zur Gesch. der Thrak. Ch., 1954.

B. Isaac, The Greek Settlement in Thrace until the Macedonian Conquest, 1986, 159-197.

   [Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]

Letzte Bearbeitung:

04.01.2025 20:31

Druckversion erstellen


Cite this page:
https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=2288 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

Impressum Datenschutzerklärung