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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Macedonia

Name (modern):

 

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Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/491656
Großraum:

Balkanraum südlich

Toponym Typus:

Region

Planquadrat:

6A3 / 6B3 / 6B4 / 6B5 / 7B1 / 7B2

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

Makedonia/Makedones (DNP)

RE:

Makedonia - https://elexikon.ch/RE/XIV,1_637.png

Barrington Atlas:

Macedonia (50 A2)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

 

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Μακεδονία (2,16,1; 2,16,8; 3,9,1; 3,9,2; 3,11,1; 3,11,7; 3,13,1; 3,13,18; 3,13,20; 3,13,47; 3,14,1; 3,15,1; 8,7,2; 8,11,2; 8,12,1; 8,12,3)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

---

Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Miller, Itineraria, Sp. 592:
Macedonia (aut.), hier nicht geteilt. Die Teilung erfolgte erst im 4. Jahrhundert, LV a.297 hat sie noch nicht wohl aber Pol Silv (385).

Datierung (Barrington):


DNP:
Makedonia, Makedones
(Μακεδονία, Μακεδόνες, lat. Macedonia, Macedones).
I. Geographie, Wirtschaft, Ethnogenese

Kerngebiet des ant. maked. Staates bildeten die Ebenen unmittelbar östl. und nördl. des Olympos-Massivs. Von ihrer Hauptstadt Aigai [1] aus eroberten die Makedones vom 7. Jh.v.Chr. an nach und nach Pieria (südl. des unteren Haliakmon), Bottiaia (zwischen Haliakmon und Axios), Almopia, Mygdonia (im Becken des Bolbe-Sees), Krestonia (nördl. der Mygdonia), Anthemus (südl. der Mygdonia); später wurden die obermaked. Landschaften Elimeia, Eordaia, Lynkos, Orestis und Pelagonia erobert oder auf andere Weise in den Staat eingegliedert. Dieser Raum, erst im 4. Jh.v.Chr. unter Philippos II. polit. geeint, spielte eine Brücken- oder, je nach Gesichtspunkt, Puffer-Funktion zw. den nicht-griech. Stämmen im Westen an der Adriaküste, im Osten in Thrake sowie im Norden bis hin zum unteren Istros (Donau) und der Welt der griech. Kleinstaaten (póleis) im ägäischen Raum. Vier wichtige Landwege kreuzten M.: Vom Istros [2] über das Morava-Tal und das Axios-Tal, von der Adria über Lynkos, von Thrake über Mygdonia und vom Süden über Tempe. Hohe Berge bes. im Westen und im Süden trennten M. von den Nachbarn.

Da M. sowohl Kontinentalklimazonen aufweist als auch in den Küstenregionen vom Mittelmeer beeinflußt wird, brachte es typische landwirtschaftliche Produkte beider Regionen hervor: Pferde, Rinder und Schafe bzw. Ziegen sowie Schiffbauholz, aber auch Getreide, Obst, Olivenöl und Wein. In den Bergen wurden außerdem Eisen, Silber und Gold gewonnen (Gold, mit Karte, z.B. Pangaion).

Die Bevölkerung war wohl z.Z. der maked. Eroberung unterschiedlichen Ursprungs, doch galten die Makedones selbst schon für Hes. fr. 5 als ein griech. Stamm von Pferdeliebhabern, von Zeus abstammend, der um Pieria und Olympos ansässig war. Die erste königliche Dyn., die Argeadai, beanspruchte Abstammung von den Temenidai aus dem peloponnes. Argos [II 1], und Alexandros [2] konnte so die Schiedsrichter in Olympia von seinem Griechentum überzeugen (Hdt. 5,22). Wenn dennoch bes. z.Z. der Auseinandersetzungen mit Athen im 4. Jh. einige Südgriechen behaupteten, die Makedones - bis auf das königliche Geschlecht - seien keine Griechen (vgl. Isokr. or. 5,107), dürfte dies nicht nur aus aktuellem polit. Interesse geschehen sein, sondern auch die histor. schwer faßbare Entstehungsphase des maked. Staates sowie die unterschiedlichen staatlichen und sozialen Strukturen gegenüber den póleis widerspiegeln. Diese konnten zumeist auf eine viel längere staatliche Gesch. zurückblicken; die Athener behaupteten sogar, sie seien autochthon, d.h. immer da gewesen. Kein griech. Staat zu dieser Zeit kannte noch das allmächtige Königtum; und der maked. Dial. (Makedonisch), der zwar wohl grundsätzlich griech., aber offenbar mit illyr. und thrak. Wörtern und Wendungen durchsetzt war, galt als unverständlich, also nicht-griech. [1; 2]. Die Ethnogenese der Makedones war eben viel jünger und komplexer als diejenige der südgriech. Staaten.
Errington, Robert Malcolm

II. Politische Geschichte

A. Entwicklung vom 7. Jh. bis 359 v.Chr.

Histor. läßt sich die Entwicklung von M. nur über Könige und Eroberungen zeichnen. Die Königsliste, die Hdt. 8,137 überliefert, umfaßt vor Alexandros [2] I., “dem Philhellenen” (ca. 498-454 v.Chr.), nur sechs Namen: Perdikkas, Argaios, Philippos, Aeropos, Alketas sowie Alexandros´ Vater Amyntas. Die Liste führt also kaum weiter zurück als in die Mitte des 7. Jh. v.Chr. Von der Zeit vor Perdikkas wußten somit die Makedones selbst nichts. Amyntas oder wohl eher Alexandros paktierte mit dem nach Europa expandierenden Perserreich unter Dareios und Xerxes; nach dem Scheitern des Xerxes-Feldzuges im J. 479 dürfte Alexandros seine Macht über Mygdonia bis zum Strymon ausgedehnt sowie den Anfang einer stärkeren Einflußnahme in Ober-M. gemacht haben (Thuk. 2,99,2).

In der Zeit zw. dem Tod Alexandros´ I. (ca. 454 v.Chr.) und dem Thronantritt Philippos´ II. (359) litt M. unter seiner Randlage. Der Aufstieg Athens im 5. Jh. v.Chr. zur Flottenmacht in der Ägäis brachte zwar erhöhten Absatz des maked. Schiffbauholzes und damit zunehmenden Wohlstand, doch gleichzeitig wurde M. in die Querelen der südl. Griechen hineingezogen, bes. während des Peloponnesischen Krieges (431-404), als Perdikkas II. und Archelaos [1] große Schwierigkeiten bes. wegen Athens Kriegführung auf der Chalkidike hatten, aber auch wegen eigener Versuche, bis dahin weitgehend selbständige Fürstentümer in Ober-M. in den Argeaden-Staat einzubinden. Archelaos ging schließlich auch neue Wege, indem er ein staatliches Investitionsprogramm durchführte, das infrastrukturelle Verbesserungen, die bes. dem Heerwesen zugute kommen sollten, vorsah - Straßenbau, Waffenarsenale, Forts und Stützpunkte wurden mehr als je zuvor gefördert (Thuk. 2,100). Auch gründete er maked. Festspiele nach griech. Muster in Dion [II 2], und der Ausbau der zentral gelegenen Stadt Pella zur Residenzstadt geht auf ihn zurück. Nach seiner Ermordung (399 v.Chr.) wurde M. sowohl von Illyrioi als auch von verschiedenen griech. Staaten - Athen, Sparta, Theben sowie dem Chalkidischen Bund - existentiell bedroht, bis Philippos II. gleich nach seinem Thronantritt (359) die Illyrioi vernichtend schlug und daran ging, den maked. Staat systematisch zu konsolidieren und zur größten Macht im Balkanraum auszubauen.
Errington, Robert Malcolm

B. Makedonia unter Philippos II. und Alexander d.Gr.

Bis zu Ermordung Philippos´ II. 336 v.Chr. war eine Machtstruktur in M. entstanden, die im wesentlichen bis 196 v.Chr. Bestand hatte, als unter röm. Diktat mit deren Abbau begonnen wurde. Zentrale Anliegen Philippos´ waren sichere Grenzen, die er über polit. und soziale Konsolidierung im Innern sowie die Beseitigung von unmittelbar an den Grenzen lauernden Feinden erreichte: Im Osten wurden die Grenzen bis zum Nestos vorgeschoben, die Chalkidike nach der Zerstörung von Olynthos in M. integriert; im Norden wurden die Paiones im Axios-Tal geschlagen und integriert, im Westen die Illyrioi eingeschüchtert; über die Ehe mit Olympias wurde eine dynastische Bindung mit den epeirotischen Molossoi geknüpft (Epeiros). Im Süden wurde Thessalia zur sicheren Pufferzone gegenüber Griechenland gestaltet, wobei Philippos zeitweilig wohl Archon des Thessalischen Bundes wurde. Nach der Schlacht bei Chaironeia (338) konnte M. auch über die meisten griech. Staaten gebieten, doch wurde die maked. Herrschaft durch die Gründung eines Bundes, den der maked. König führte (“Korinthischer Bund”), formal verschleiert. Im Innern wurde ein schlagkräftiges Heer geschaffen, das den einzelnen Makedones Dienst- und Aufstiegsmöglichkeiten bot und die Integration der letzten auf ihre Selbständigkeit pochenden obermaked. Fürsten förderte. In den Grenzgebieten im Westen sowie in den “neu-maked.” Ländern im Osten (bes. auf der Chalkidike und in Mygdonia, um Amphipolis herum und v.a. bei Philippos´ Neugründung Philippoi) wurden durch königliche Landschenkungen an Makedones und andere Siedlungswillige personelle Bindungen geschaffen, welche den inneren Zusammenhalt des Staates förderten und eine Loyalitätsbasis gegenüber dem Königshaus schufen, ohne die der Eroberungszug Alexandros´ d.Gr. (Alexandros [4], mit Karte) kaum möglich gewesen wäre.
Errington, Robert Malcolm

C. Hellenistische Zeit

Für M. war es eine Katastrophe, daß 323 Alexandros plötzlich in Babylon starb, nachdem er mit seinem maked. Heer das Perserreich niedergekämpft hatte und bis nach India vorgedrungen war. Ersatz für die kämpfende Truppe war ihm immer wieder aus M. geschickt worden. Alexandros´ Tod verursachte einen langjährigen Kampf unter seinen ehemaligen Generälen um die Herrschaft über die eroberten Gebiete sowie über M. selbst (“Diadochenkriege”). Dort wurden 310 v.Chr. die letzten Vertreter des Argeadenhauses ermordet, und erst nach weiteren 30 J. Bürgerkrieg und polit. Chaos ging im J. 276 der Enkel des Alexander-Offiziers Antigonos [1] Monophthalmos, Antigonos [2] Gonatas, als Sieger und neuer Dynastiegründer hervor (Antigonos, mit Stemma). Wesensbestimmend für die polit. Gesch. der Regierungszeit der Antigoniden, die bis 168 v.Chr. herrschten, waren: 1) der Kampf um die Wiederherstellung bzw. die Aufrechterhaltung der Herrschaft über die Griechen, die zunehmend unwillens waren, dies zu dulden, und dabei immer wieder Hilfe erhielten von den aus dem Alexanderreich hervorgegangenen maked. Monarchien in Ägypten (den Ptolemaiern, Ptolemaios) sowie in Syrien und Kleinasien (den Seleukiden, Seleukos, vgl. auch Hellenistische Staatenwelt, mit Karte); 2) der Kampf gegen Rom, den Philippos V. 215 v.Chr. über einen Kooperationsvertrag mit Hannibal [4] leichtfertig provozierte und dadurch drei Kriege (“Makedonische Kriege”) verursachte. Im ersten Krieg (214-205), der mit dem Kompromißfrieden von Phoinike zu Ende ging, war das röm. Kriegsziel darauf begrenzt, zu verhindern, daß Philippos Hannibal helfen konnte. Im zweiten Krieg (200-196), der gewissermaßen als eine Fortsetzung des Hannibal-Krieges gesehen werden kann, zielte Rom konsequent auf die Demontage der maked. Machtstellung außerhalb der traditionellen Grenzen. Nach der Schlacht bei Kynoskephalai in Thessalia (197) erklärten die Römer unter dem Proconsul T. Quinctius Flamininus Thessalia und Orestis sowie alle weiteren maked. Außenbesitzungen für selbständig, eine Maßnahme, die Flamininus öffentlichkeitswirksam bei den Isthmischen Spielen 196 als die Gewährung der “Freiheit der Griechen” verkündete. Nach einer Periode von zunehmend spannungsgeladener Allianz mit Rom und den röm. Bundesgenossen wurde im dritten Krieg (171-168), der mit der Niederlage des Perseus gegen Aemilius [I 32] bei Pydna endete, die maked. Monarchie abgeschafft.
Errington, Robert Malcolm


D. Unter römischer Herrschaft

Rom teilte M. zunächst in vier Regionen auf (merídes), die sich jeweils selbst über Versammlungen in Amphipolis, Thessalonike, Pella und Herakleia [2] verwalten sollten, aber keinerlei Kontakt zueinander unterhalten durften. Diese unpraktische Regelung schuf große Unzufriedenheit und provozierte schließlich einen Aufstand (150-148 v.Chr.), nach dessen Niederschlagung durch Q. Caecilius [I 27] Metellus (Macedonicus) M. als röm. Prov. organisiert wurde, wobei die vier merídes nur als Gerichtsbezirke erh. blieben. Bei der Einrichtung der Prov. wurden jene Teile von Süd-Illyricum, die 167 von Perseus´ Bundesgenossen Genthios annektiert worden waren, der neuen provincia Macedonia zugeschlagen, so daß sich die riesige Prov. von der Adria bei Apollonia [1] bis zum Nestos erstreckte. Die bald angelegte via Egnatia verband die Adria-Häfen Apollonia und Epidamnos (Dyrrhachium) mit dem Sitz des röm. Gouverneurs in Thessalonike; später wurde sie bis Byzantion weitergebaut [3].

Zunächst war M. Grenzprov. und diente als Schutzgebiet für Griechenland, wobei der Gouverneur auch ordnungsschaffende Aufgaben in Griechenland selbst wahrnahm. Während der röm. Bürgerkriege war M. Aufmarschgebiet sowohl für Pompeius gegen Caesar (Schlacht bei Pharsalos, 48 v.Chr.) als auch für die Caesarmörder gegen M. Antonius und den nachmaligen Augustus (Schlacht bei Philippoi, 42 v.Chr.), doch mit der zunehmenden Verlagerung von röm. mil. Tätigkeit an die Donau unter Augustus sowie der Einrichtung einer neuen Grenzprov. Moesia 45/6 n.Chr. verlor M. die zentrale Schutzfunktion im Balkanraum, die es jahrhundertelang ausgeübt hatte, und wurde herabgestuft zur senatorischen Prov. (Cass. Dio 60,24). Zur röm. Prov. s.u. V. (s. auch Achaia, Epeiros, Thessalia).
Errington, Robert Malcolm

E. Spätantike und byzantinische Zeit

Unter Roms Herrschaft war M. nur so sicher wie das Reich selbst. Hatte schon 196 v.Chr. T. Quinctius Flamininus die Notwendigkeit des Weiterbestehens des maked. Königreichs mit dem Argument begründet, Griechenland brauche dessen Schutz gegen die Balkanstämme (Pol. 18,37,8f.), und herrschte diese Funktion bis zur Schaffung der Prov. Moesia vor (vgl. Cic. Pis. 38), so litt dann vom 3. Jh.n.Chr. an auch M., als die Istros-Grenze immer wieder von sarmatischen und german. Stämmen durchbrochen wurde. Schon unter Gallienus oder Claudius Gothicus (268 oder 269) kamen Goti und andere Völkerstämme nach M., belagerten Kassandreia (Poteidaia) und Thessalonike und stießen plündernd die via Egnatia entlang nach Westen vor (Zos. 1,43). Am schlimmsten aber traf es M. nach der Schlacht bei Hadrianopolis [3] (378), als die siegreichen Goti durch den ganzen Balkanraum plündernd und raubend zogen und selbst die Umgebung von Thessalonike unsicher machten (Zos. 4,24f.). Auch später konnte M. nicht vor den Goti des Alaricus [2] geschützt werden, die sich 397 auf maked. Boden sogar für einige Jahre niederlassen durften (Claud. Bellum Geticum 497). Unter Kaiser Zenon wurden Kämpfe mit und zw. den zwei Gotenführern Theoderich (Sohn des Triarius) und Theoderich (“d.Gr.”; Sohn des Theodemir), der nach dem Tode seines Vaters (ca. 474 n.Chr.) bei Kyrrhos [1] zum Gotenkönig ausgerufen wurde (Iord. Get. 287f.), auf maked. Boden ausgetragen.

Iustinianus soll, wie überall, auch in M. umfangreiche Reparaturen an der mil. Infrastruktur vorgenommen haben (Prok. aed. 4,4), doch konnten diese Anstrengungen, wenn überhaupt histor., nicht verhindern, daß schon vor E. des 6. Jh. Slaven und Avaren vor Thessalonike erschienen, im folgenden Jh. die maked. Städte immer wieder bedrohten und dann auf dem Lande selbst ansässig wurden (Miracula Sancti Demetrii [10]). Erst im 8. Jh. wurde mit der Schaffung des maked. Themas eine effektivere byz. Verwaltung wiederhergestellt (Theophanes 475,22).
Errington, Robert Malcolm

III. Politische, soziale und militärische Strukturen

Vor 168 v.Chr. kontrollierte die monarchische Verwaltung das Leben in M., wobei das Königtum als Institution anscheinend nie in Frage gestellt wurde. Das lag zum einen am symbiotischen Verhältnis zw. König und Adel, zum anderen aber am volksnahen Auftreten der Könige. Sie sollten dem gemeinen Mann zugänglich sein (und waren es meistens auch), da es eine regelmäßig tagende Volksversammlung in M. nicht gab. Der Staat wurde von den Königen sowie den jeweils maßgeblichen Adligen regiert, die auch bei der Thronfolge mitredeten, selbst dann, wenn ein erwachsener Sohn des Verstorbenen - soweit vorhanden - die Nachfolge antreten konnte. Königliche Berater waren seine “Gefährten” (hetaíroi) oder später einfach “Freunde” (phíloi), die er selbst bestimmte. Die Außenpolitik hatte der König in der Hand, da er Staatsverträge im eigenen Namen abschloß, Verhandlungen persönlich führte oder polit. Ehen (gelegentlich, je nach Neigung, mehrfach) einging. Die dauerhafte Bindung des Adels an den Hof - in der Frühzeit gab es in Ober-M. (etwa in Elimeia, Orestis, Lynkos oder Pelagonia) lokale Königsdyn., die erst unter Philippos II. ihre Selbständigkeit, aber nicht ihren Einfluß, verloren - erfolgte bes. über den mil. Dienst (seit Philippos II. von zunehmenden Erfolgen gekrönt, welche das Ansehen und die Attraktivität wesentlich erhöhten) sowie über die Beteiligung der adeligen Jugend am von Philippos II. gegr. Pagenkorps. Diese Bindungen wurden auch durch großzügige Landschenkungen an verdiente oder einflußreiche Personen in den eroberten und zunächst als Königsland behandelten neuen maked. Gebieten weiter gefestigt.

Von zentraler Bed. im maked. Heerwesen war schon unter Alexandros I. die Kavallerie gewesen, aber vor der Neuordnung der Infanterie-Phalanx unter Philippos II. gab es offenbar kein regelmäßiges Exerzieren der Infanterie. Philippos führte dies nach dem Modell von Theben ein, hinzu kam eine gleichmäßige Bewaffnung mit der Sarissa, einer 5 m langen Stoßlanze, sowie mit Helm, Beinschienen, Schwert und Schild. Das Heer bestand regulär aus 20000-30000 Mann (im Notfall evtl. mehr), die zu bestimmten Zeiten bes. im 4. und 3. Jh.v.Chr. fast Berufssoldaten wurden und sich dementsprechend bes. gegen die Soldaten der kleineren griech. Staaten fast immer durchsetzen konnten. An der Spitze des Heeres im Felde stand der König persönlich, genauso wie im mil. Bereich seine “Freunde” die hohen Offiziere waren. Eine bed. Flotte besaß M. nie. Auch sonst wurde der Staat zentralistisch vom König regiert: Die uns bekannten Verwaltungsbeamten scheinen allesamt königliche Beauftragte gewesen zu sein. Das Steuerwesen bestand vornehmlich aus einer Erntesteuer, die unter Perseus 200 Talente jährlich einbrachte (Plut. Aemilius Paullus 28,3) und die zentral von der königlichen Verwaltung organisiert wurde, der die Erträge zuflossen. Außerdem waren das Bergwerkswesen sowie der Holzexport königliche Monopole. Die Städte verfügten möglicherweise über Hafen- und Marktgebühren.

Auch das kulturelle Leben dürfte weitgehend vom Hof bestimmt gewesen sein, wo die Könige sich gerne als Patrone von Künstlern und Intellektuellen zeigten - so schrieb z.B. Euripides [1] seine ‘Bakchen bei einem Aufenthalt in Pella; Aristoteles [6] diente als Erzieher für den jungen Alexandros [4] (d.Gr.) -, auch dann noch, als mit zunehmendem Reichtum insbes. in 3. und 2. Jh. v.Chr. das Städtewesen in M. aufblühte und auch dort mit einer kulturellen Infrastruktur (Theater, Gymnasien, Tempeln sowie entsprechenden örtlichen Veranstaltungen) zu rechnen ist. Im Bereich der Architektur und Malerei, in dem Ausgrabungen immer wieder Neues zutage fördern, ist in M. ein Sinn für hohe künstlerische Qualität spätestens seit E. des 5. Jh.v.Chr. nachweisbar, als Archelaos den Maler Zeuxis für die Ausgestaltung seines neuen Palastes in Pella gewann. Qualitätsvolle Grabbeigaben bes. aus Sindos und Derveni (im Museum von Thessaloniki), sowie die mit kunstvollen Mosaiken ausgeschmückten Peristylhäuser in Pella und die bemalten Grabhäuser, bes. die “Königsgräber” in Vergina (Aigai [1]), belegen dies mit aller Deutlichkeit (s.u. VI. Archäologie).
Errington, Robert Malcolm

IV. Städtewesen

Eine bed., langfristige Entwicklung in M. war die Urbanisierung und die damit verbundene Anpassung der Lebensbedingungen vieler Makedones an die Urbanität, die in den meisten Teilen der griech. Welt vorherrschte und die für die griech.-röm. Zivilisation charakteristisch war. Die Theorodoken-Liste aus Epidauros (ca. 360 v.Chr.) kennt aus M. als anerkannte Gemeinden, die den hl. Gesandten (theōroí) des Asklepios Aufnahme gewährten (IG IV2 1, 94), nur Namen alter griech. Kolonien sowie den König selbst. Gegen E. des 3. Jh. wurden in einer entsprechenden Liste von theōrodókoi aus Delphoi in M. 31 Gemeinden, viele davon im Binnenland, anerkannt [4]. Die Zahl der urbanen Zentren mit gewissen Selbstverwaltungsfunktionen wuchs also von der Zeit Philippos´ II. stark an, der offenbar als erster König versuchte, von ihm eroberte Städte in den maked. Staat einzugliedern (z.B. Amphipolis) sowie in den eroberten Gebieten entweder als póleis konzipierte Siedlungen zu gründen (z.B. Philippoi, Apollonia [3], Herakleia [2]), oder über eine umfangreiche Vergabe von Ländereien an Makedones die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine spätere Polisbildung zu schaffen (z.B. Kalindoia).

Urbane Zentren brauchten eine ortsnahe Verwaltung, die in den meisten griech. póleis (die sich in ihrer Entstehungsphase nicht mit einer übergeordneten Territorialmacht auseinandersetzen mußten) im 4. Jh. v.Chr. von einer Volksversammlung (ekklēsía), einem ihr vorgeschalteten kleineren Rat (bulḗ) sowie von Amtsträgern, die nur kurzfristig (z.B. auf ein Jahr) sowie ehrenamtlich tätig waren, wahrgenommen wurde. Dieses “demokratische” Modell existierte schon in Amphipolis, als Philippos II. die Stadt eroberte, und es wurde von ihm als für eine reine Ortsverwaltung geeignet akzeptiert, allerdings gelegentlich von einem königlichen Aufseher (evtl. epistátēs gen.) oder einem Garnisonskommandeur in ihrem Tätigkeitsdrang dort gebremst, wo gesamtstaatliche Interessen tangiert waren. Es hatte den Vorteil, wenig zu kosten und den Bewohnern die Befriedigung zu gewähren, nicht von der Zentralverwaltung des Königreiches in ihren rein lokalen Angelegenheiten bevormundet zu sein. Sie besaßen also einen Tätigkeitsbereich, wo sie lokalen Stolz entfalten konnten, genossen sowohl die Vorteile der lokalen Autonomie als auch die des übergeordneten monarchischen Territorialstaats, in dem die Ärmeren einträglichen Heeresdienst leisten und die führenden Mitglieder einen viel größeren Rahmen für ihren polit. Ehrgeiz genießen konnten.

Zeigte Philippos II. den Weg, so folgten ihm sein Sohn Alexandros, der die Gründung griech. póleis und die Ansiedlung griech. Kolonisten geradezu zum herrschaftssichernden Instrument in Asien erhob, sowie alle Diadochen. Unter Alexandros´ maked. Nachfolgern blühte das Städtewesen auf wie nie zuvor, es entstanden auch in M. selbst neue Städte, entweder als Neugründungen (z.B. Kassandreia, Thessalonike) oder als Gruppierungen von zu einer Stadt zusammengefaßten ländlichen Siedlungen (z.B. Kalindoia) [5. 91-106]. Dieser Prozeß war langsam, gewiß regional unterschiedlich; dörfliche bzw. stammesgebundene Siedlungs- und Organisationsstrukturen hielten sich bes. in den Bergregionen von Ober-M. lange, lösten sich vielleicht nie gänzlich auf (vgl. SEG 30, 568). Aber bis zum E. der Monarchie waren Städte zu den maßgeblichen Untereinheiten der Verwaltung geworden, so daß nach der Schlacht bei Pydna 168 v.Chr. der Sieger L. Aemilius [I 32] Paullus die röm. Verwaltung von M. damit einleitete, daß er jede Stadt aufforderte, zehn Vertreter als Unterhändler zu ihm zu entsenden (Liv. 45,29,1). Städtische Verwaltungen waren also bis dahin so verbreitet, daß sie zum Basiselement der röm. Provinzialorganisation gemacht werden konnten. Eine neuartige Behörde, die politárchai, erscheint in vielen maked. Städten der röm. Zeit, und selbst wenn die allerersten politárchai königliche Beauftragte gewesen sein sollten, verrät ihre Verbreitung die Vereinheitlichungstendenzen der röm. Provinzialverwaltung [6. 99f.]. Nach den röm. Bürgerkriegen wurde der Bestand an Städten durch die Gründung von röm. Veteranenkolonien in Dion, Kassandreia, Philippoi und bei Pella, mit entsprechendem Zufluß von allerdings Lat. sprechenden Siedlern, verstärkt. Eine Prov.-Versammlung (koinón) tagte in der Kaiserzeit in Beroia [1].

Auch in M. waren Städte nicht nur Verwaltungseinheiten, sondern auch Lebensräume und Kulturträger. Die wichtigste Institution dieser Art war wohl das Gymnasion als gemeingriech. städtische Bildungseinrichtung, die allen, die daran teilnahmen, das Bewußtsein kultureller Gemeinsamkeit über Stadtgrenzen hinweg einflößte. Den uns am besten bekannten Gymnasion-Betrieb gab es in Beroia, wo ein einmaliges Gesetz, wohl kurz nach 168 v.Chr. verabschiedet, darüber informiert [7]. Gymnasien gab es offensichtlich viele, sie funktionierten in der Königszeit allerdings nicht ohne gelegentliche königliche Einmischung [8. Bd. 2, Nr. 16]. Ein städtischer Gymnasion-Betrieb, der nicht nur körperliche, sondern auch intellektuelle, insbes. philos. Anregungen bot, war ohne eine gewisse Offenheit gegenüber anderen Städten aus demselben Kulturkreis nicht aufrechtzuerhalten.

Spätestens seit der Gründung von Thessalonike (315 v.Chr.) hatte M. einen bed. Seehafen,der die Stadt schnell zu einer der wichtigsten Handelsstädte des Mittelmeerraumes machte und dadurch die Öffnung von M. für die intellektuellen und rel. Strömungen der hell. und röm. Zeit förderte. Schon im 3. Jh.v.Chr. ist der neue ägypt. Gott Sarapis in M. nachweisbar, in Thessalonike war bis 187 sein Tempel so wohlhabend, daß der König selbst den Zugang zum Tempelschatz meinte regeln zu müssen [9. Bd. 2 Nr. 110]. Der Bau der via Egnatia verbesserte außerdem die Verbindung mit It., so daß etwa Cicero als Ort des Exils u.a. wegen des guten Nachrichtenverkehrs von und nach It. Thessalonike wählte (Cic. Att. 3,10-22, bes. 14,2). Aber auch einfachere Leute kamen im 2. und 1. Jh.v.Chr. nach M., etwa jene Juden, die im Rahmen der Diasporabewegung (Diaspora) den geistigen Nährboden für die Tätigkeit des Apostel Paulus in Philippoi, Beroia und Thessalonike bildeten und dort die ersten christl. Gemeinden Europas entstehen ließen. Die Christianisierung, genauso wie die Aufnahme etwa der ägypt. Kulte, ist ein Merkmal der allmählichen Integration von M. in das ostmittelmeerische kulturelle Kontinuum, die “griech.-röm. Zivilisation”. Sobald im 4. Jh.n.Chr. das Christentum im Reich gefördert wurde, spielten auch maked. Bischöfe eine mitprägende Rolle, etwa bei der Reichssynode von Nikaia (325), wo Stoboi und Thessalonike vertreten waren, oder etwa Acholios von Thessalonike, der als Täufer des Kaisers Theodosius 379/380 bei seinem Aufenthalt in Thessalonike und als Berater bei der Vorbereitung für die Synode von Konstantinopel 381 diente. Spätestens dann war M. nicht mehr eine Randerscheinung, sondern ein maßgeblicher Bereich des Imperium Romanum geworden.
Errington, Robert Malcolm

V. Provinz, Diözese und Thema

Die röm. Prov. Macedonia (M.) überlebte die administrative Reform - von Aurelianus angefangen und von Diocletianus (mit Karte) und Constantinus I. zu Ende gebracht - als Teil einer der zwölf Diözesen (und zwar der Moesiae), allerdings territorial geschmälert (vgl. Laterculus Veronensis, 292-297 n.Chr.; zur möglichen Teilung der Diözese Moesiae in die Diözesen M. und Dacia vgl. [3. 134; 6. 21]). Festus [4] Rufius zufolge (Breviarium 8,3) wurde die Diözese M. in die Prov. M., Thessalia, Achaïa, Epiri duae, Praevalis und Creta eingeteilt [1. 13].

In der Notitia dignitatum (379-408) erscheint zum ersten Mal die Prov. M. salutaris, die sich teils in der Diözese M., teils in der Diözese Dacia befindet. Im Unterschied zu den Diözesen Dacia und Pannoniae unterstand die Diözese M. einem vicarius . Mit der Teilung der Diözese Moesiae in die Diözesen M. und Dacia wurde auch die Prov. M. in die - größere - M. prima (Θεσσαλονίκη, Thessalonike) und die nordwestl. von ihr liegende M. salutaris (Στόβοι, Stobi) gespalten. Die M. salutaris wurde gegen 386 eingerichtet [4. 768] und bestand nur wenige Jahrzehnte [2. 135]. Aus ihr entstand die M. secunda (Στόβοι, h. Pustogradsko; [11. 987]; vgl. Hierokles, Synekdemos 641,1 [5. 15]; anders [11. 987]). Hierokles´ Werk, entstanden zu Anf. der Regierungszeit des Iustinianus [1] am röm. Kaiserhof, ist die letzte offizielle Quelle, die uns Auskunft über die administrative Lage der M. gibt. Die Descriptio orbis Romani des Georgios von Kypros (Anf. 7. Jh.) erwähnt M. nicht mehr [7. 81-82]. Im Vergleich zur M. prima, die unter einem κονσουλάριος/konsulários (consularis) stand [5. 14], wurde die M. secunda durch einen ἡγεμών/ hēgemṓn (praeses) verwaltet [5. 15]. Die Provinzialgliederung von Byzanz wurde unter der wachsenden Gefahr arab., slav. und avarischer Angriffe zugunsten der Themenordnung ( théma ) grundlegend umgestaltet. Die Jurisdiktion der M. secunda bestand jedoch auf dem Territorium der Präfektur Illyricum während des 7. Jh. weiter (PG 116,1276).

In den Subskriptionslisten der 6. ökumenischen Synode zu Konstantinopel (680-681) und des Quinisextum (692) sind zwei Titularbischöfe von Stobi eingetragen, offensichtlich wie viele andere ohne Sprengel geblieben [8. 227f.]. Nach arch. Ausgrabungen wurde Stobi gegen E. des 6. Jh. wegen der slav. Einwanderung und in Verbindung mit einem Erdbeben und der zunehmenden Dürre von seinen Bewohnern verlassen [10. 308-310]; der h. Name Pustogradsko bedeutet “verlassene Stadt”. Die Präfektur Illyricum wurde wegen der slav. Einwanderung auf die Balkanhalbinsel auf Thessalonike und seine Umgebung sowie seine Küstenplätze reduziert, was Grundlage der späteren Themeneinteilung sein dürfte [7. 123]. M. wird jedoch bei der Aufzählung der slav. und avarisch besetzten Prov. (PG 116,1361b) nicht erwähnt, da es offensichtlich nicht ganz besetzt wurde. Die Weiterbildung von Themen, die gleichzeitig Armeebezirke und Zivil-Prov. waren, wurde gegen E. des 8. Jh. im Rahmen der erneuten Hellenisierung der Balkanhalbinsel fortgesetzt [9. 132]. Das neue théma Makedonía tēs Thráikēs entstand auf westthrak. Gebieten und trennte sich vom Thema Thracia zwischen 783 (Theophanes 456,27f.) und 802 (Theophanes 475,22f.) ab, Hauptstadt war Hadrianopolis [3].
Duridanov, Ludmil

VI. Archäologie

A. Spätbronze- bis geometrische Zeit

Die Kultur der Bewohner von M. ist von der späten Bronze- bis zur frühen Eisenzeit eine wechselnde Kombination von myk. bis geometr. Elementen des Südens mit balkanischen des Nordens.

M. gehörte in der 2. H. des 2. Jt.v.Chr. ebenso wie Epeiros nicht zur Zone der myk. Palaststaaten. Die Menschen wohnten zumeist auf künstlichen Siedlungshügeln (Toumben), die durch kontinuierliche Besiedlung z.T. seit dem Neolithikum entstanden waren. Zu den größten unter ihnen zählen die Toumba von Thessalonike mit einer Basisfläche von 1,3 ha und Hagios Mamas mit 1,5 ha, wobei aber die in der Spätbrz. besiedelten Flächen erheblich kleiner waren. Somit handelte es sich um kleinere Siedlungen im Vergleich zu den südgriech. Burgen von Tiryns (2 ha) und Mykene (3 ha; vgl. auch die Siedlungsfläche rund um die Burgen/Paläste: Pylos 12,4 ha, Tiryns 25 ha). Auf manchen maked. Toumben (Thessalonike und Assiros) konnten umfangreiche Terrassierungs- und z.T. auch Befestigungsmaßnahmen nachgewiesen werden.

Die Ökonomie der maked. Spätbrz. unterschied sich während des 14. und 13. Jh.v.Chr. ganz grundlegend von der zentralisierten redistributiven Palastwirtschaft (Minoische Kultur und Archäologie) des myk. Südens. Hinweise auf Paläste und eine staatliche Bürokratie mit Schriftverwendung fehlen für M. völlig. Gemeinschaftliche Vorratshaltung betrieb man zwar u.a. auf den Toumben von Assiros und Thessalonike, aber jeweils nicht für eine große Region. Angebaut wurden v.a. Gerste, Emmer und Einkorn, Hirse, eine Anzahl von Hülsenfrüchten sowie Lein und Mohn. Wein hat man kultiviert, die Olive jedoch nicht. Tierische Nahrungsmittel lieferten Rind, Schaf und Ziege sowie das Schwein in etwa gleichem Maße. Zur Zeit der myk. Palaststaaten (Mykenische Kultur und Archäologie) trat durch Übernutzung der pflanzlichen (Einkornmonokulturen) und tierischen Ressourcen eine ökologische und ökonomische Krisensituation ein, die nur langsam überwunden wurde (Kastanas).

Schon vor der Mitte des 2. Jt.v.Chr. bestanden Austauschkontakte von der Peloponnes nach M.: minyische Keramik in Hagios Mamas, ein Ring aus Golddraht in Kastanas, frühmyk. Keramik in Torone einerseits, Beigaben in den Schachtgräbern von Mykene aus Silber von der Chalkidike andererseits. Diese Südkontakte führten in M. schnell zur Übernahme der Lehmziegelarchitektur sowie spätestens ab E. des 14. Jh. zu einer lokalen Produktion myk. Drehscheibenkeramik (geringe Mengen gegenüber den unbemalten, ritzverzierten, inkrustierten oder mattbemalten handgemachten Waren).

Die Toten wurden in der Brz. in West- und Nord-M. in Kistengräbern bestattet, in Kastri auf Thasos dagegen in niedrigen Grabbauten für Mehrfachbestattungen und im Norden von Ost-M. in Tumuli (Tumulus). Spuren myk. Rel. sind spärlich: eine anthropomorphe Terrakottafigur aus Ano Komi/Kosani und Terrakottatierfigurinen aus Hagios Mamas.

Der Übergang zur Eisenzeit am E. des 2. Jt.v.Chr. ist durch eine starke Regionalisierung mit je unterschiedlich intensiven Kontakten zum Balkan und zur Südägäis gekennzeichnet. In Kastanas wechselten sich z.B. südl. wirkende Lehmziegel- mit balkanisch erscheinenden Holzbauphasen ab. Charakteristisch für die Eisenzeit sind die oft am Fuße brz. Toumben entstandenen großen Flachsiedlungen (tables): z.B. Axiochori, Anchialos, Thessalonike.

Die Speisegewohnheiten änderten sich, die agrarische Krise der Spätbrz. war überwunden. Rinder wurden wichtiger als Schweine, Schafe und Ziegen; man betrieb nun auch Gartenbau (Kastanas). Protogeom. Keramik löste die Keramik myk. Stils nur langsam ab. Eine früheisenzeitliche Innovation war die sog. Graue (Drehscheiben-)Ware.

Soziale Ungleichheit belegen die qualitativ wie quantitativ sehr unterschiedlich mit Br.-Schmuck bzw. Eisenwaffen und -geräten ausgestatteten Gräber in den Tumuli von Vergina. Während es sich dort ganz überwiegend um Skelettgräber handelte, ebenso wie in Tsausitsa und auch in den eisenzeitl. Grabbauten von Kastri auf Thasos, dominierten in der Nekropole von Torone die Brandbestattungen. Vom breit fließenden Axios, aus Amydon (= Axiochori), kommen in der ‘Ilias die Paionen, die unter Pyraichmes und Asteropaios auf der Seite der Troianer kämpfen (Hom. Il. 2,848-850; 16,287-288; 21,140ff.).
Jung, Reinhard

B. Archaische bis römische Zeit

Die noch spärlichen arch. Zeugnisse stammen vorwiegend aus Zentral- und Ost-M., darunter Wohnbauten mit steinernem Sockel und Holzwänden sowie Lehmziegelbauten (Axiochori), später auch Apsidenhäuser (Assiros). Wichtigste Informationen liefern die Nekropolen (z.B. Hagios Dimitrios, Sykia und Torone); sie zeigen Grabhügel (Tumulus) als charakteristische Grabform, Körper- und Brandbestattungen mit zahlreichen Grabbeigaben. Einflüsse lassen sich aus dem Süden Griechenlands sowie Zentraleuropa und dem Balkan nachweisen. In der Keramik zeigt sich eine Fortsetzung der brz. Trad. Parallel dazu werden neue Keramiksorten eingeführt: Schwarzgefärbte Keramik mit kannelierter Verzierung, graue Drehscheibenkeramik mit waagerechten Kanneluren, Mattkeramik hauptsächlich aus West-M. sowie protogeom. Keramik, die bis ins 6. Jh.v.Chr. reicht. Waffen, v.a. Schwerter, sind meistens aus Eisen, der Schmuck dagegen vorwiegend aus Bronze: Halsringe, Bogen- und Brillenfibeln, Gürtelschmuck, Armbänder und Anhänger. Viele Schmuckformen bleiben im Gebrauch bis in das 5. Jh. v.Chr. Die Siedlungen liegen in archa. und frühklass. Zeit zumeist auf Hügeln, wie z.B. Aigai [1] (h. Vergina) und Aiane. Spätere Städte wie Pella bevorzugen flachere Areale, damit Gebäude, Plätze und Heiligtümer in einer Ebene liegen können.

Erst in klass. Zeit gewann M. eine immer stärker werdende kulturelle Eigenständigkeit. Im 4. Jh.v.Chr. war es in Metallverarbeitung (Metallurgie) und Waffen-Herstellung, aber auch auf dem Gebiet der Wandmalerei und Mosaiktechnik eine - durch Adaption vorwiegend der att. Kunst - führende Landschaft.

Die wichtigste Bestattungsform war in M. das Kammergrab [1]. Es besteht in der Regel aus Vor- und Hauptraum; die Decke wird durch echte Gewölbe gebildet. Die frühesten Beispiele stammen aus der 2. H. des 4. Jh.v.Chr. und finden sich in Vergina. Die in M. entwickelte Grabmalerei war im südl. Griechenland unbekannt. Bei reicheren Kammergräbern sind sowohl die Innenräume als auch die Fassaden ausgemalt. Die Grabbeigaben bestanden aus Edelmetall- und Metallgefäßen, Goldkränzen, Elfenbeinarbeiten und Purpurgewändern.

Vergina, dessen Identifizierung mit dem alten maked. Königssitz Aigai [1] als gesichert gelten kann, war von etwa 1000 v.Chr. bis in die röm. Kaiserzeit wohl ununterbrochen besiedelt. Die bislang erforschten baulichen Reste der Stadtsiedlung gehören allerdings frühestens dem 3. Jh.v.Chr. an. Im SO des h. Dorfes fanden sich die Ruinen eines zweigeschossigen Palastes wohl aus dem 3. Jh. Um seinen Peristylhof von 45 m auf 45 m liegen Speisezimmer und andere Repräsentationsräume, deren Mosaikböden z.T. noch erh. sind. In der Nähe des Palastes befinden sich Reste eines kleinen Tempels und eines nicht sehr großen Theaters. Ein Hügelgräberfeld mit über 300 Tumuli bildet die Nekropole der Zeit zw. 1000 und 700 v.Chr. Aus dem 4. und 3. Jh. v.Chr. sind zahlreiche Kammergräber belegt, darunter das zweikammrige sog. Philippsgrab (Abb. s. Grabbauten) von 9,5 m auf 4,5 m. Im Grab wurden zwei goldene Larnakes (Sarkophage; Urna) entdeckt. Die größere der beiden enthielt verm. die Skelettreste Philippos´ II. von M. (dazu [2]). Neben der Larnax lag ein großer Eichenkranz aus Gold. In der zweiten, kleineren Larnax fand man das verbrannte und in Brokatstoff gehüllte Skelett einer Frau sowie ein feines, goldenes Diadem. Zahlreiche Grabbeigaben aus Gold, Silber, Eisen und Bronze lagen in beiden Räumen des Grabes, ferner prächtige Elfenbeingegenstände: ein Prunkschild, verziert mit Glas- und Goldplättchen, sowie Elfenbeinköpfe und -reliefs, die Holzklinen verzierten. Das sog. Philippsgrab lag zusammen mit dem sog. Persephonegrab, das nur aus einer flach gedeckten Kammer ohne Tür bestand, und dem sog. Prinzengrab, einer Doppelkammeranlage mit gewölbtem Dach, unter einem großen Grabhügel von über 110 m Dm und 20 m H.

Pella wurde gegen 410 v.Chr. am Nordrand der maked. Tiefebene gegründet und löste sehr bald Aigai als Hauptstadt des maked. Reiches ab. Eine große Agora von 250 m × 200 m lag inmitten eines rechtwinkligen Straßenrasters mit reich ausgestatteten Wohnhäusern, Heiligtümern und Brunnen. In den Häusern freigelegte Fußbodenmosaike mit großer Themenvielfalt bestehen aus schwarzen, weißen und farbigen Naturkieseln [3]. Einige Häuser besaßen bemalte Wände. Die älteste Bauphase eines großen Palastkomplexes im Norden der Stadt datiert in die Zeit Philippos´ II. Bautätigkeit ist in Pella noch bis zum Anf. des 1. Jh.v.Chr. nachweisbar. Im 2. Jh.n.Chr. wurde die Stadt aufgegeben (Thessalonike).

Dion [II 2], am Fuß des Olymp gelegen, bildete die südlichste Stadt des maked. Reiches und war Sitz des bedeutendsten Heiligtums der M. Neuere Grabungen legten große Teile der gut erh. Stadtmauer, ein hell. und röm. Theater, ein Stadion, mehrere Heiligtümer und Reste der Wasserversorgung frei. Außerhalb der Stadt wurden mehrere Gräber makedon. Typs gefunden.

Aiane liegt in Zentral-M. sö von Kozani auf einem Hügel. Mehrere freigelegte große öffentl. Gebäude, eine Agora, eine Zisterne und eine Vielzahl rf. Scherben legen nahe, daß Aianeschon vor der Mitte des 5. Jh.v.Chr. eine bed. Stadt war. Wegen systematischer Zerstörung bzw. Steinraub nach Aufgabe der Siedlung im 1. Jh.v.Chr. sind bes. auf dem obersten Plateau nur noch geringe Mauerreste vorhanden. Um den Siedlungshügel liegen ausgedehnte Nekropolen und Gräbergruppen. Die Gräber sind teilweise von Umfassungsmauern umgeben. In den drei größten Gräbern fanden sich Belege für die Ausübung von Totenkult.

Lefkadia (ant. Mieza) ist neben Beroia eine der bedeutendsten Siedlungen am Westrand der maked. Tiefebene, die noch in röm. Zeit eine beschränkte Verwaltungsautonomie besaß. Die erh. Gebäudereste stammen aus hell. Zeit. Das Theater des 2. Jh.v.Chr. verfügte verm. über 1500-2000 Sitze. Ein Gebäude wurde als das Nymphaion (Nymphaeum) der Schule des Aristoteles identifiziert. In der Umgebung von Lefkadia wurden sechs maked. Kammergräber aus hell. Zeit mit teilweise gut erh. Malereien innen und außen entdeckt. Das gesamte Siedlungsgebiet zeigt eine Kontinuität von der späten Brz. bis in röm. Zeit.

Bei Derveni, nö von Thessalonike, liegt eine maked. Nekropole des 4. und 3. Jh.v.Chr. Brand- und Körperbestattungen treten in Kammer-, Kisten-, und Grubengräbern offensichtlich gleichzeitig auf. Die Innenwände der Kisten- und Kammergräber waren in üblicher Manier stuckiert und in Freskotechnik ausgemalt. Bes. bekannt ist der gegen 300 v.Chr. angelegte Grabhügel B, der an Beigaben u.a. ein mehrteiliges Silbergeschirr, ein br. Weinmischgefäß, überreich mit plastischen Figuren und Reliefs verziert (der sog. Krater von Derveni), und den einzigen bis h. in Griechenland gefundenen (1964) Papyrus der klass. Zeit (4. Jh.v.Chr.) mit einem Komm. zur Orphischen Lehre (Orphik) enthielt (sog. Derveni-Papyrus).

Sindos ist bis h. nur durch seine Nekropole bekannt. Die meisten der über hundert Gräber sind in die archa. bis frühklass. Zeit zu datieren. Einige Grabanlagen gehören aber noch in das letzte Viertel des 5. Jh.v.Chr. Stein- und Holzsarkophage sowie Kisten- und einfache Erdgräber dienten ausnahmslos für Einzelbestattungen: Die Männer wurden mit dem Kopf nach Westen, die Frauen mit dem Kopf nach Osten gelagert beigesetzt. Auffällige Grabbeigaben sind goldene Masken und eiserne Miniaturnachbildungen von Möbeln und Wagen. In späterer Zeit wurde das Areal nicht mehr als Nekropole genutzt: Es fanden sich keramische Werkstätten mit vier Öfen des 4. Jh.v.Chr.

Mit der Anlage der via Egnatia am E. des 2. Jh.v.Chr. zeigt sich zunehmende Prosperität der maked. Städte im Hinblick auf Bevölkerungszuwachs und Wirtschaftswachstum. Die Hauptstadt der röm. Prov. M., Thessalonike, wurde in große Insulae unterteilt, mit einem Forum versehen und einer Stadtmauer befestigt. Während der 2. Tetrarchie (305-306 n.Chr.) kam es zu erneuter Blüte: Thessalonike wurde Residenz des Tetrarchen Galerius [5] (Palast, Ehrenbogen für seinen Persersieg 297 n.Chr., Mausoleum, Erweiterung der Mauer, Hippodrom, Prachtstraßen). Typisch für die Kunst der Zeit: Porträts von Würdenträgern bei Grab- und Ehrendenkmälern. Ähnliche Stadtbilder zeigen noch Dion, Beroia (Grab- und Ehrendenkmäler, Villen mit Fußbodenmosaiken sowie zahlreiche Inschr.).

Philippoi erhielt das nach 42 v.Chr. (nach Octavians Erhebung zum Augustus) Koloniestatus (Colonia Augusta Iulia Philippensium). Aus dieser Zeit ist Münzprägung belegt, und gibt es prächtige Bauten: Forum und Verwaltungsgebäude, Thermen, Gymnasium, Theater am Burgberg und Villen. Gegen Ende der röm. Herrschaft weisen Heiligtümer und Inschr. auf die Verbreitung oriental. und ägypt. Mysterienkulte (z.B. Mithras) hin. Das Christentum läßt sich verhältnismäßig früh nachweisen. 49 n.Chr. besuchte der Apostel Paulus die Stadt. Am ant. Heroengrab aus hell. Zeit entstand der erste christl. Bau, der dem Apostel Paulus geweiht war. Im 6. Jh.n.Chr. wurde die große Basilika errichtet. Durch Erdbeben im 6./7. Jh. und Barbareneinfälle im 8. Jh.n.Chr. verlor die Stadt an Bedeutung.
von Mangoldt, Hans

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