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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Treveri

Name (modern):

 

Bild:
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Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/109390
Großraum:

Gallien/Germanien

Toponym Typus:

Ethnikon

Planquadrat:

2A1

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

Treveri (DNP)

RE:

Treveri - https://elexikon.ch/RE/VIA,2_2301.png

Barrington Atlas:

Treveri (11 G3)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Treveri

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Τρίβηροι (2,9,12)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

---

Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Miller, Itineraria, Sp. 138:
Treveri, it. (Ml, Pl, Tac), Treviri (Caes, St, Pt), der mächtigste und berühmteste Stamm der Belger, mit den Römern bloß verbündet. Treffliche Reiterei. Ardennenwald Grenze zwischen den Treviri und Nervii. Hauptstadt Augusta Trevirorum, j. Trier.

Datierung (Barrington):
Treveri - Hellenistic/Roman/Late Antique (RE; TIR Lutetia 180)

DNP:
Treveri
I. Geographie

Volk in der Gallia Belgica zw. Maas im Westen und dem Mittelrhein im Osten, dessen Gebiet im Norden durch die Ardennen, den luxemburgischen Eisling und die Mittlere Eifel begrenzt wurde; die südl. Grenze verlief am Südrand von Belgisch-Lothringen und Luxemburg, durch das nördl. Saarland und der Nahe entlang. Zw. den gebirgigen, waldreichen, eher siedlungsfeindlichen Grenzzonen im Norden und Süden (Hunsrück) lagen fruchtbare Hügellandschaften, Flußtäler und Buchten mit idealen Siedlungsvoraussetzungen.

Schön, Franz
II. Frühgeschichte

Bereits in der späten Hallstattzeit (Hallstatt-Kultur; 600-475 v. Chr.: Hallstatt D) und der frühen Latènezeit (Latène-Kultur: 475-250/220 v. Chr.: Latène A-B/C) bildete sich in dem Raum eine vom übrigen Umland abgesetzte Hunsrück-Eifel-Kultur. Der Übergang zur Zeit der T. (250/220-25/20 v. Chr.) erfolgte ohne bes. ethnische Umbrüche. Während in der Mittellatènezeit v. a. die mittleren und kleineren Höhenbefestigungen florierten, gewannen in der Spätlatènezeit die größeren Oppida wie der Titelberg und der Martberg an Bed. [1; 2; 3]. Es herrschten enge wirtschaftl. und polit. Kontakte zur mediterranen Welt, ethnisch fühlten sich die T. aber den Germani zugehörig (Caes. Gall. 2,4; Tac. Germ. 28). Ihre nördl. Nachbarn, die Segni und Condrusi, waren ihre Clienten (Caes. Gall. 4,6,4), im Süden grenzten sie an die Mediomatrici, Triboci und Vangiones (Caes. Gall. 4,10,3; Strab. 4,3,4), im Westen an die Remi (Caes. Gall. 5,3,4; 5,24,2; 6,29,4; Strab. 4,3,5).

Schön, Franz
III. Rom

Im Gallischen Krieg (Caesar I. C.) spielten die in allen Büchern der Commentarii de Bello Gallico Caesars erwähnten T. eine wichtige, sehr zwiespältige Rolle. Aufgrund ihrer traditionell guten Kontakte zu Rom informierten sie Caesar zu Anf. des Krieges 58 v. Chr. von der Ankunft der Suebi (Caes. Gall. 1,37,3) und stellten ihm ihre schlagkräftige Reiterei zur Verfügung, distanzierten sich jedoch bei der Schlacht gegen die Nervii 57 wieder von ihm (Caes. Gall. 2,24,4). Jetzt war die Politik Caesars gegenüber den T. darauf ausgerichtet, bei den internen Auseinandersetzungen des Stammes gegen den romfeindlichen Flügel um Indutiomarus zugunsten des romfreundlichen Cingetorix [1] zu intervenieren. Es ist auffallend, daß die T. während des gesamten Krieges kein Bündnis mit keltischen oder belgischen Stämmen eingingen, jedoch mit den rechtsrheinischen Germani sympathisierten (vgl. Caes. Gall. 3,11,1; 5,2,4; 6,2,1; 6,3,4) [4].

In nachcaesarischer Zeit beteiligten die T. sich möglicherweise an den allgemeinen gall. Unruhen während der Statthalterschaft des Agrippa [1] 39-37 v. Chr. (Cass. Dio 48,49,3). 29 v. Chr. erhoben sie sich zusammen mit den Morini und wurden von Nonius [II 14] Gallus geschlagen (Cass. Dio 51,20,5). Durch die Neueinteilung von Gallia unter Augustus kamen die T. zur Prov. Belgica, ein Landstreifen entlang des Rhenus [2] wurde jedoch direkt unter röm. Militärverwaltung gestellt (Mela 3,20). Der Aufstand des Iulius [II 58] Florus 21 n. Chr. hatte wohl soziale Ursachen (Tac. ann. 3,40-42).

Bei den röm. Thronstreitigkeiten 68/9 n. Chr. (Vierkaiserjahr) und im folgenden J. traten die T. zum letztenmal als eine eigene polit. Kraft in Erscheinung. Dem Aufstand der gall. Stämme unter Iulius [II 150] Vindex 68 n. Chr. hielten sie sich fern (Tac. hist. 4,69). Für ihr Verhalten, bes. aber für die zögerliche Anerkennung des Galba [2] als neuen Princeps mußten sie Nachteile in Kauf nehmen. 69 n. Chr. schlossen sie sich dem Aufstand der Legionen unter Vitellius an (Tac. hist. 1,57,63). Wenn man sie 70 n. Chr. unter der Führung des Alenkommandanten Iulius [II 44] Classicus, des Rheinuferpräfekten Iulius [II 139] Tutor und des Iulius [II 143] Valentinus an der Seite der aufständischen Batavi (Bataveraufstand) unter Iulius [II 43] Civilis findet, waren ihre polit. Ziele weniger Separation und die Errichtung eines “Gallischen Reiches”, sondern - aus Ablehnung des Vespasianus - die Wahrung der Interessen eines möglichen Prätendenten in der Nachfolge des ermordeten Vitellius. Valentinus wurde an der Nahemündung geschlagen (Tac. hist. 4,69-71); Classicus und Tutor unterlagen bei Augusta [6] Treverorum dem obergerman. Statthalter Petillius [II 1] Cerialis. Nur wegen des rechtzeitigen Einlenkens der civitas wurde die Stadt geschont (Tac. hist. 4,72 ff.). Zusammen mit Classicus und Tutor flohen 113 senatores Treverorum zu den Batavi und setzten sich verm. ins “freie” Germanien ab (Tac. hist. 5,19,4). Die Folge war eine komplette Neuordnung der Stammesaristokratie [5].

Neben den unter einheimischer Führung stehenden Reitereinheiten, der ala Indiana, der ala Treverorum des Iulius Classicus, den numeri Treverorum unter Hadrianus, die Caracalla in die cohors I bzw. II Antoniniana Treverorum equitata aufgliederte, waren treverische Soldaten in den verschiedenen Truppenteilen des Reiches stark vertreten [6]. Das mil. Engagement Roms gegen die Germani bescherte dem Gebiet der T. eine neue Infrastruktur. Im Drehkreuz der bereits unter Agrippa [1] (39-37 oder 19 v. Chr.) angelegten Fernverbindungen von Lugdunum (Lyon)-Divodurum (Metz) im Süden und Colonia Agrippinensis (Köln) im Norden und von Durocortorum (Reims) im Westen und Mogontiacum (Mainz) im Osten entstand der neue civitas-Hauptort Augusta [6] Treverorum (Trier); entlang dieser Straßen entwickelten sich die vici Andethanna (Niederanwen, Luxemburg), Ausava (Oos bei Gerolstein), Beda (Bitburg), Belginum, Contionacum, Epossium (Ivoy), Icorgium (Jünkerath), Mamer, Noviomagus [7] (Neumagen), Orolaunum, Ricciacus (Dalheim), Stabulum (Etalle), vicus Volcannionum (bei Trier). Abseits der Hauptverkehrsachsen lagen Titelberg und Vertunum. Die uns bekannten pagi (Pagus AC̣[---] oder AG̣[---], Carucum, Teucorias, Vilicias, Aresaces, Talliates, Devas, Genius Vosugenum) gehen verm. auf vorröm. Zeit zurück. Der v. a. im 2. Jh. n. Chr. erreichte Wohlstand zeigt sich auch auf dem Land in den teilweise verschwenderisch ausgestalteten villae (z. B. Fließem-Otrang, Welschbillig, Oberweis).

Schön, Franz
IV. Wirtschaft und Gesellschaft

Die ökonomische Grundlage bildete die Landwirtschaft, bes. der Anbau von Getreide (v. a. Weizen und Gerste) und seit dem 1. Jh. n. Chr. der Weinbau (Mosel, Saar, Ruwer) sowie die Pferde- und Schafzucht. Der sog. “Langmauerbezirk”, ein eingeschlossenes Gelände von ca. 220 km2 bei Augusta Treverorum, wird als eine Art kaiserliches Gestüt oder “Wildpark” gedeutet. Die Wollproduktion brachte Textilherstellung und Tuchhandel (vestarii) mit sich. T. als Geschäftsleute waren im ganzen Imperium anzutreffen [6]. Im Lande selbst produzierte man Keramik (sog. “belgische” Ware, “Trierer Sigillatatafeln”), brach Steine (Kordel, Ferschweiler, Mamer) und verarbeitete Metalle (Kupferstollen bei Kordel und Wallerfangen).

Die Sozial- und Wirtschaftsstruktur der T. spiegelt sich in den Grabformen und bes. in den Grabmonumenten mit Darstellungen aus dem Alltag wider [7]. Sie geben Aufschluß über die ges. und berufliche Position des Verstorbenen und seine Einbindung in röm. oder einheimische Trad. [8]. Zur monumentalen Grabarchitektur gehören aufwendige Säulen in Pfeilerform wie die sog. “Igeler-Säule” (vgl. Säulenmonumente), Grabstelen mit Relief, lat. Inschr. und Architekturdekor sowie Grabaltäre mit Nischen für Aschegefäße. Typisch für die T. sind halbzylindrische Steine über den Grablegen. Als ein Fortleben kelt. Sitten gelten die Grabsteine in Gestalt kleiner Häuser (vorwiegend im westl. Teil der civitas) sowie die Hügelgräber im östl. Hunsrück-Eifel-Gebiet und im Sauertal; andere Tumuli (Tumulus), wie der bei der villa von Nennig, weisen dagegen ital. Einflüsse auf.

Schön, Franz
V. Religion

Neben dem Kaiserkult und der Verehrung der röm. Trias (Iuppiter, Iuno, Minerva) läßt sich bei den T. ein sehr intensives Fortleben einheimischer Gottheiten beobachten, die teils allein mit ihren röm., teils mit ihren gallischen Namen oder aber mit einem gallo-röm. Doppelnamen bezeichnet wurden. Es sind sowohl ortsbezogene als auch über den gesamten gall. Bereich verbreitete Götter (z. B. Epona, Rosmerta) vertreten [9]. Die großen Kultbezirke der Hauptstadt Augusta [6] Treverorum lagen im SO, im Altbachtal, und auf dem linken Moselufer am “Irminenwingert”, wo sich verm. das Stammesheiligtum befand und als Hauptgott der T. Lenus Mars verehrt wurde - freilich nicht als röm. Kriegsgott, sondern als mit Heilwassern in Verbindung stehende Gottheit [10]. Aus dem ländlichen Bereich kennen wir Quell- und Pilgerheiligtümer (Hochscheid, Heckenmünster, Möhn, Judenkirchhof bei Pelm), Heiligtümer bei vici (Belginum, Tawern), Tempelanlagen bei Villen (Newell, Otrang-Fließem) und Bergheiligtümer (Burgkopf bei Fell) [11]. Eine bes. Verbindung gall. und röm. Elemente zeigt sich in der Gestalt der Iuppitergigantensäulen (Säulenmonumente).

Augusta [6] Treverorum (mit Plan); Gallia (mit Karte); Keltisch-Germanische Archäologie; Trier

Schön, Franz

"TP-Online-ID: 2032 — Treveri

Desjardins S. 4.

Lesung und Namensform bei Desjardins: Treveri; normalisierte Form: TREVERI.

Lage und Route bei Desjardins: Region/Lage: Belgica I – Moselgebiet / Trier. Typ: Volk. Route/Abschnitt: keine Route bzw. kein Abschnitt angegeben.

Quellenstellen bei Desjardins: Caes. Gall. 1,37; 2,24; 3,11; 4,10; 5,3; 5,24; 5,47 ff.; 6,2 ff.; 7,63; 8,25; 8,45; Strab. 4,3,4–5; Plin. Nat. 4,106; 18,183; ferner von Desjardins eine Plinius-Stelle in Buch 11 zum „Trevericus ager“ zitiert, deren moderne Abschnittskonkordanz noch offen ist; Ptol. Geogr. 2,9,12; Tac. Ann. 1,41; 3,42; Tac. Hist. 1,53; 2,28; 4,18; 4,28; 4,37; 4,62; 4,65; 4,69; 4,70; 5,14; Tac. Germ. 28; Cass. Dio 39,47; 40,11; 40,31; 51,20; Mela 3,2; Amm. Marc. 15,11,9; 16,3,3; 27,10,16; CIL XIII 6800: CIVITAS TREVERORVM; CIL XIII 1911: C. Apronius Raptor, Treverus und decurio seiner civitas; CIL XIII 634: CIVI TREVERO; CIL VII 36: CIVIS TREVER.

Moderne Identifikation bei Desjardins: Trierer Land beiderseits der Mosel; Hauptstadt Augusta Treverorum.

Kommentar und Forschungsstand bei Desjardins: Desjardins ordnet die Treveri der Belgica I zu und lokalisiert sie beiderseits der Mosel im Gebiet des Bistums Trier. Im Gegensatz zu mehreren anderen Ethnonymeinträgen seien sie auf der Tabula gut bei Augusta Tresvirorum platziert. Caesar charakterisiere die civitas als besonders stark an Reiterei und bis an den Rhein reichend. Im Süden grenzten die Mediomatrici an, im Westen Remi und Nervii; Strabon und Ptolemaios bestätigen diese Lage. Pomponius Mela räumt den Treverern nach Desjardins den ersten Rang unter den Belgern ein. Die Inschriften belegen die civitas; Desjardins bemerkt außerdem, dass sie schon früh den Rang einer Kolonie erhalten habe.

Zusatz aus Desjardins’ Gallien-/Germanienanalyse (S. 66–67): Dieses Ethnonym zählt Desjardins zu den vergleichsweise wenigen Völkernamen, die auf der Tabula ungefähr richtig positioniert sind. Auch die Ethnika insgesamt weist er einer älteren, im Kern augusteischen Kartenschicht zu.

Bearbeitungshinweis: Desjardins zitiert zusätzlich eine Plinius-Stelle in Buch 11 zum „Trevericus ager“; ihre sichere moderne Paragraphenkonkordanz ist noch offen. Die im Druck verkürzte Dio-Angabe zwischen 40,11 und 51,20 lässt sich inhaltlich als Cass. Dio 40,31 bestimmen."

Literatur:

Desjardins, Table, p. 4, col. 2, no. 3.

Miller, Itineraria, Sp. 138.

S. Fichtl, Les Gaulois du nord de la Gaule, 1994, 83-96.

J. Metzler, Das trever. Oppidum auf dem Titelberg, 1995, 573-624.

D. Krauße, Zum vorröm.-kelt., galloröm. und german. Siedlungswesen, in: A. Haffner, S. von Schnurbein (Hrsg.), Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum, 2000, 1-6.

R. Urban, Die Treverer in Caesars “bellum Gallicum”, in: H. Herzig (Hrsg.), Labor omnibus unus, 1989, 244-256.

Ders., Der Bataveraufstand und die Erhebung des Iulius Classicus, 1985.

J. Krier, Die Treverer außerhalb ihrer Civitas, 1981.

Espérandieu, Rec. 5 und 6, passim (Nachträge 9 und 10).

M. Baltzer, Die Alltagsdarstellungen der trever. Grabdenkmäler, in: TZ 56, 1993, 7-190.

C. M. Ternes, Non-Roman Gods in the Civitas Treverorum, in: Bulletin des Antiquités Luxembourgeoises 22, 1993, 137-167.

H. Merten, Der Kult des Mars im Trevererraum, in: TZ 48, 1985, 7-113.

H.-P. Kuhnen (Hrsg.), Religio Romana, 1996.

H. Heinen, Trier und das Trevererland in röm. Zeit, 1985.

Rau, Reinhold, Treveri, in: RE VI A.2 (1937 ), Sp. 2301-2353.

C.-M. Ternes, Die römerzeitliche Civitas Treverorum im Bilde der Nachkriegsforsch., in: ANRW II 4, 1975, 320-424.

E. M. Wightman, Roman Trier and the T., 1970.

   [Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]

Letzte Bearbeitung:

20.08.2026 09:13

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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=2032 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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