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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Hermonassa

Name (modern):

Fundstätte nahe Taman

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000)
Bild (Scheyb 1753)
Bild (Welser 1598)
Bild (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/854687
Großraum:

Asien östl. d. Maiotis (Asowsches Meer), nördl. d. Taurus

Toponym Typus:

isolierter Name

Planquadrat:

9A1

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

Hermonassa[1] (DNP)

RE:

Hermonassa 1

Barrington Atlas:

Hermonassa (87 L2)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Hermonassa

Levi:

 

Ravennat:

Ermonassa (p. 45,46); Ermonasa (p. 92,31)

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Ἑρμώνασσα* (5,9,8; 8,18,3)

Plinius:

Hermonasa (6,18)

Strabo:

Ἑρμώνασσα (11,2,10)

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

Archaik

Begründung zur Datierung:

Der Ort erscheint in den Quellen seit Hekataios

Kommentar zum Toponym:

Hermonassa lag in Wirklichkeit am asiat. Ufer des Kimmerischen Bosporos (der heutigen Straße von Kertsch) und somit im Süden der Maeotis (des Asowschen Meeres), das auf der TP weiter links. Aufgrund der starken Längsverzerrung der Karte und der daraus resultierenden Stauchung des Schwarzen Meers hat der Kartograph Hermonassa und die umliegenden Orte aus Platzgründen an die pontische Nordküste verschoben (s. dazu den Kommentar zu Trapezunte).

Hier ist zu beachten, dass die oben eingefügte Barrington-Karte hinsichtlich der hydrographischen Situation der Taman-Halbinsel, die im Laufe der Antike starken Veränderungen (vor allem Verlandung) ausgesetzt war, nicht dem aktuellen Forschungsstand entspricht (s. u.). Den aktuellen Erkenntnissen entsprechende Karten bieten Dan et al. 2020, 686f.

Die wichtigsten Belegstellen:
- Ἑρμώνασσα: erste Erwähnung des Ortes bei Hekat. BNJ 1 F 208 ap. Steph. Byz. (s. u.); Apollodor BNJ 244 F 318 = fr. 9 Marcotte ᾽Απολλόδωρος ἐν β̄ Περὶ γῆς· «ἔπειτα δ᾽ ῾Ερμώνασσα καὶ Κῆπος…; Ps.-Skymn. 885 (erwähnt zusammen mit Phanagoreia und Sindikos Limen als Städte auf Taman, das hier als Insel geschildert wird); Strabo 11,2,10 εἰσπλεύσαντι δ´ εἰς τὴν Κοροκονδαμῖτιν ἥ τε Φαναγόρειά ἐστι, πόλις ἀξιόλογος, καὶ Κῆποι καὶ Ἑρμώνασσα καὶ τὸ Ἀπάτουρον τὸ τῆς Ἀφροδίτης ἱερόν (eine der Städte in der Korokondamitis, wenn man in diese hineinsegelt, nach Phanagoreia und Kepos; zum Bosporanischen Reich gehörig); Ptol. 5,9,8 Ἑρμώνασσα* (nach Korokondame; es folgt der Hafen Sindikos); Ptol. 8,18,3 (in Sarmatien); Arr. Bith. frg. 55 Roos (60 M) ap. Eusth. ad Dion. 549 (mytilen. Kolonie, benannt nach der Frau ihres Gründers, die nach dessen Tod die Regierung übernahm); Dion. perieg. 552 Κιμμέριον δέ κέ τοι ἀνὰ Βόσπορον ἰθὺς ἰόντι / 550 ἄλλη ἀπειρεσίη νῆσος πέλοι, ἥ ῥά τε λίμνης / ἔνδοθι δεξιτερῇ Μαιώτιδος ἐστήρικται, / ᾗ ἔνι Φαιναγόρη τε καὶ εὔκτιτος Ἑρμώνασσα (wohlgegründete Stadt, auf einer Insel am Kimmerischen Bosporos); Menipp peripl. 10r15-16 p. 155 Diller Hafen in der Korokondamitis; Anon. Peripl. Pont. Eux. 23 B p. 130 Diller (440 Stadien, bzw. 58 Meilen von Opissas); 47 p. 131 Diller Εἶτα ἔστι Φαναγόρου πόλις, Κῆποι πόλις. Εἶτα ἔστιν Ἑρμώνασσα Φαναγόρειά τε; Steph. Byz. ῾Ερμώνασσα· νῆσος μικρὰ πόλιν ἔχουσα ἐν τῶι Κιμμερίωι Βοσπόρωι, ᾽Ιώνων ἄποικον, ὡς ὁ Περιηγητής (Dion. perieg. 552f). ταύτην ὁ Σκύμνος καὶ ῾Ερμώνειαν καλεῖ. Στράβων ἐν ζ̄ ῾Ερμώνακτος κώμην φησί (Strabo 7,3,16, Verwechslung, s. Billerbeck/Zubler comm. ad loc.). Μένιππος (Menipp peripl. 9r21 p. 154 Diller = GGM 1,572 fr. 1, Verwechslung mit der homonymen Stadt an der pontischen Südküste, heute Akçaabat) δὲ χωρίον Τραπεζοῦντος ἐν Περίπλωι τῶν δύο Πόντων. ῾Εκαταῖος (Hekat. BNJ 1 F 208) δὲ καὶ Θεόπομπος (Theopomp BNJ 115 F 370) πόλιν αὐτήν φασιν (Insel und Kleinstadt am Kimmerischen Bosporos, ionische Kolonie laut Dion. perieg., laut Hekat. und Theopomp eine Stadt; Steph. Byz. unterlaufen hier mehrere Verwechsungen!); Eust. ad Dion. perieg. 549 = GGM II 324 nennt als alternative Namensdeutung zu der von ihm aus Arrian (s. o.) zitierten auch einen gewissen Hermon als Gründer
- Hermonassa Mela 1,112 zur Halbinsel Coracanda (heute: Taman): quattuor urbes ibi sunt Hermonassa, Cepoe (cod.: hermonos saccephoe), Phanagorea, it in ipso ore Cimmerium; Amm. Marc. 22,8,30 Prope palus est Maeotis amplissimi circumgressus, ex cuius uberrimis uenis per Panticapes angustias undarum magnitudo prorumpit in Pontum, cuius in dextro latere insulae sunt Phanagorus et Hermonassa studio constructae Graecorum. circa haec stagna ultima extimaque plures habitant gentes, sermonum institutorumque uarietate dispariles (Insel auf der rechten Seite des Pontos, auf Initiative der Griechen konstruiert); Avien perieg. 730 Rursum Cimmerius qua Bosphorus ora patescit, / dexterior ponto subit insula, vastaque late / excedit moles pelagus: sedet eminus ingens / Phaenagore, et muros attollitur Hermonassa; Prisc. perieg. 565 Post quam (sc. Alopeceam) Phaenagoren Hermonassamque nepotes / Egregiae quondam coluerunt gentis Ionum.
- Hermonasa Plin. nat. 6,18 unter den Städten am Eingang in die Maeotis: Hermonasa, dein Cepoe Milesiorum, mox Stratoclia …

Alternative Namensform:
- Ἑρμώνεια Skymnos FGrHist V 2047 F6 = frg. 4 Gisinger ap. Steph. Byz. s. v. Ἑρμώνασσα (s. o.)

Verschreibungen:
- Ermonassa Rav 4,3 p. 45,46 Ermonassa – Eteobroton – Suppatos – Fritiores – Dina – Ichigin – Ermogan
- Ermonasa Rav 5,10 p. 92,31 Sevastolis – Appatura – Ceppos – Stratuclis - Malichi – Acheon – Sindice – Ermonasa – Eteobrocon – Latirita – Supatos – Machara; ähnlich Guido 135,53
Diskussion der antiken Quellen zu Hermonassa bei Kiessling, RE 896-899.

Hermonassa (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt an der pontischen Südküste, dem heutigen Akçaabat) war eine griech. Hafenstadt am asiat. Ufer des Kimmerischen Bosporos, an der Südküste der Bucht von Taman (in der Antike: Korokondamis), deren hygrographische Situation bereits in der Antike starken Wandlungen ausgesetzt war (dazu Kelterbaum et al. 2011; Dan et al.). Hermonassa lag im Stammesgebiet der Sindoi (Strabo 11,2,10), deren Oberschicht auch in der Stadt lebte (reiche Kurgane). Laut den antiken Quellen wichtiges Handelszentrum, wie auch Importe und Münze bezeugen; s. von Bredow, DNP).
Gegründet vor Mitte 6. Jh. v. Chr. als ion. und äol. Kolonie, wohl von Mytilene aus (Arrian Bithynica frg. 55; zu den teilweise widersprüchlichen Quellen zur Gründung s. Avram et al. 2004). Blütezeit im 4.-3. Jh. v. Chr. (s. Bernhard/Sztetyłło 1976). Florierte allerdings wohl auch noch in gotischer und hunnischer Zeit (s. Kießling, RE 899).

Hauptkulte: Apollon Ietros und Delphinios, Artemis, Aphrodite (Ps.-Skymn. 886-889; Arr. peripl.). Lit. zu den Weihinschriften s. Avram et al. 2004.

Lokalisierung: Die Identifizierung mit einer Fundstätte nahe Taman gilt heute als gesichert (s. Kovalenko 2021).

Zur Stadtgeschichte Korovina 2002.

Systematische Ausgrabungen seit 1951, seit 1971 unter der Ägide des Puschkin-Museums Moskau (s. Kovalenko 2021).
Zahlreiche Funde antiker Gebäude und Straßen, z. B. ein geräumiges Wohnhaus aus dem 4. Jh. v. Chr. Spuren einer ausgiebigen Umstrukturierung im 2. Jh. n. Chr. Nekropolis aus dem 6./5. Jh. Fundstücke werden in der Hermitage und im Museum von Kiew aufbewahrt (s. Bernhard/Sztetyłło 1976, dort ältere Literatur).
Zu den zu den Münzfunden (keine eigenen Prägungen) s. Kovalenko 2021, mit Literaturübersicht auf S. 589.


(Silke Diederich)








Kommentar (Talbert):
See note under Sorsdesertvs (7A5).

Note how the lettering for this name is widely spaced.

Miller, Itineraria, Sp. 620:
Hermonassa, it. Und Ermonassa (Dion, Scyl, Pt, Ml, Steph, Am), Ermonasa, (Ra, Gu), in aditu Bospori primo (Pl); j. Matriga?

DNP:
Hermonassa
(Ἑρμώνασσα).
[1] Griech. Hafenstadt am asiat. Ufer des Kimmerischen Bosporos

Dieser Ort ist auf folgenden Karten verzeichnet:

Kolonisation | Regnum Bosporanum

Griech. Hafenstadt am asiat. Ufer des Kimmerischen Bosporos [2], an der Südküste der Bucht von Taman, als Kolonie von Iones und Aioleis vor Mitte 6. Jh. v.Chr. gegr. Importe und Mz. bezeugen lebhaften Handel. H. lag im Stammesgebiet der Sindoi (Strab. 11,2,10), deren Oberschicht auch in H. lebte (reiche Kurgane). Hauptkulte: Apollon Ietros, Delphinios, Artemis, Aphrodite (Ps.-Skymn. 886-889; Arr. per. p. E. 60 u.a.).

von Bredow, Iris (Bietigheim-Bissingen)

Der Ort Hermonassa liegt an der nordöstlichen Schwarzmeerküste kurz hinter der Einfahrt in die Straße von Kertsch auf der gleichnamigen Insel (Strab, 11, 2, 10 [495]: Mela 1, 112: Hermonassa; Ptol. 5,9,8: Ἑρμώνασσα); möglicherweise ist auch die Landschaft gemeint. Ein Toponym Hermonassa ist auch an der Südküste des Schwarzen Meeres etwa 20 km von Trapezunt entfernt bezeugt; etwa 100 km weiter in westlicher Richtung von diesem Hermonassa liegt der Ort Pharnakeia, der möglicherweise mit der Stadt bzw. der Halbinsel Phanagoreia am Kimmerischen Bosprus verwechselt worden ist. Beides zusammen dürfte zu der Verlegung von Trapezunt zusammen mit diesen Orten an den Kaukasus geführt haben; diese Konfusion macht sich ab Polemonion an der südlichen Schwarzmeerküste bemerkbar. - Vgl. auch zu Trapezunte· (Trapezunt) und ENIOCHI· (Heniochi).



Literatur:

Avram, Alexandru/Hind, John/Tsetskhladze, Gocha: 697. Hermonassa, in: Hansen, Mogens Herman/Nielsen, Thomas Heine: An inventory of archaic and classical poleis, Oxford 2004, 945.

Bernhard, M. L./Sztetyłło, Zofia: Hermonassa, in: Stillwell, Richard et al. (Hgg.): The Princeton encyclopedia of classical sites, Princeton N. J. 1976.
https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.04.0006:entry=hermonassa.

Dan, Anca et al.: Coracanda, Korokondamè, Korokondamitis: Notes on the most ancient names of the Cimmerian Bosporus, the Kuban Bosporus and the southern part of the Taman Island, in: Alexei Belousov/Katarina Ilyushechkina (Hgg.): HOMO OMNIVM HORARVM: Symbolae ad anniuersarium septuagesimum professoris Alexandri Podosinov dedicatae, Moskau 2020, 682-725.

Gaidukevič, Viktor F.: Das Bosporanische Reich, Berlin 1971, 221-225.

Kacharava, D. D./Kvirkvelia, G. T.: Goroda I poseleniya Prichernomor´ya antichnoi epokhi: malyi enpiklopedicheskiy spravochnik, Tbilisi 1991, 71.

Katančić, Matija P.: Orbis antiquus ex tabula itineraria quae Theodosii Imp. et Peutingeri audit ad systema geographiae redactus et commentario illustratus, Pars I, Buda 1824, 217.

Kelterbaum, D. et al.: Geoarchaeology of Taman Peninsula (Kerch Strait, South-West Russia) – the Example of the Ancient Greek Settlement of Golubitskaya 2, DIE ERDE – Journal of the Geographical Society of Berlin, 142/3 (2011), 235–258. Retrieved from https://www.die-erde.org/index.php/die-erde/article/view/35.

Kiessling, Max: Hermonassa 1, RE 8,1 (1912), 895-899.

Kovalenko, Sergej Anatolʹevič: Coin finds from the recent excavations of Hermonassa, in: Gocha R. Tsetskhladze/Alexandru Avram/James Hargrave (Hgg.): The Greeks and Romans in the Black Sea and the importance of the Pontic region for the Graeco-Roman world (7th century BC-5th century AD): 20 years on (1997-2017) / edited by 2021), Oxford 2021, 589-593.

Korovina, A. K.: Germonassa. Antichnyi gorod na Tamanskom poluostrove, Moskau 2002.

Kubitschek, Wilhelm: Eine römische Straßenkarte, Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien 5 (1902), 20-96.

Miller, Itineraria Sp. 620.

Podossinov, Alexander: Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition, Moscow 2002, 359.

Podossinov, Alexander: Osteuropa auf der Tabula Peutingeriana. Einige Beobachtungen zu der kartographischen Technik und der geographischen Nomenklatur, Orbis Terrarum 17 (2019), 185-240.

Podossinov, Alexander: The Black Sea on the Tabula Peutingeriana, in: Tsetskhladze, Gocha R./Atasoy, Süme (Hgg.): Settlements and necropoleis of the Black Sea and its hinterland in antiquity. Select papers from the third international conference ´The Black Sea in Antiquity and Tekkeköy: an ancient settlement on the southern Black Sea Coast´, 27-29 October 2017, Tekkeköy – Samsun - Oxford 2019, 42-51, hier: 46.

von Bredow, Iris (Bietigheim-Bissingen) and Olshausen, Eckart (Stuttgart), “Hermonassa”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik,, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 22 May 2023
First published online: 2006.

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Letzte Bearbeitung:

14.07.2026 17:37

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