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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Hale

Name (modern):

 

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000) ---
Bild (Scheyb 1753)
Bild (Welser 1598)
Bild (MSI 2025) ---
Großraum:

Asien östl. d. Maiotis (Asowsches Meer), nördl. d. Taurus

Toponym Typus:

isolierter Name

Planquadrat:

8A2 / 8A3

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Hylaia

Barrington Atlas:

Hylaia 23 F2 oder Hali (84 unlocated)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

 

Levi:

Hale (620)

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

ἄλσος Ἑκάτης ἄκρον (3,5,7)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

---

Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Welser und Scheyb lesen Hale und ebenso auch Talbert. Aktuell sind aber nur noch schwache Buchstabenreste hinter dem l zu erkennen. Talbert ist bei der Interpretation dieses Eintrags sehr zurückhaltend: Es könne sich sowohl um ein Toponym als auch um ein Ethnonym handeln (https://www.cambridge.org/us/talbert/talbertdatabase/TPPlace2819.html).
Meines Erachtens kann die Gleichsetzung von Hale mit der bei Olbia gelegenen Region Hylaia eine gewisse Wahrscheinlichkeit beanspruchen.
Dieser Landstrich, eine bewaldete Region im ansonsten durch offene Steppenlandschaften geprägten Skythenland, wird wegen der dortigen Kultplätze für verschiedene Gottheiten und im Zusammenhang mit dem Tod von Anarchasis (siehe unten) in der antiken Literatur immer wieder, auch in detaillierten Beschreibungen dieser Örtlichkeit, genannt, so z.B. Hdt. 4, 9, 1; 18, 1; 19, 1; 76, 4: Ὑλαίη; Val. Flacc. 6, 74: Hylaea gens; Mela 2, 5; Plin. nat. 4, 83: Hylaeum mare; nat. 4, 84: Hylaei; Anon. Periplus Ponti Euxini 87/58: Ἱερὸν ἄλσος Ἑκάτης τῆς ἄκρον „Heiliger Hain der Hekate“; Ptol. 3, 5, 7: ἄλσος Ἑκάτης ἄκρον; Steph. Byz. s.v. Ὑλαία.
Herodot zufolge liegt diese Region östlich des Borysthenes.
Nach Stephanos von Byzanz lautet der einheimische (skythische) Name dieser Region Ἀβίκη.
Plinius überliefert für den an Skythien angrenzenden Teil des Schwarzen Meeres das Hydronym Hylaeum mare (Plin. nat. 4, 83) und nennt auch das Ethnonym Hylaei (Plin. nat. 4, 84).
Nach der Sage der am Schwarzen Meer siedelnden Griechen traf Herakles auf der Suche nach seinen gestohlenen Pferden hier in einer Höhle eine Schlangenfrau, mit der er drei Söhne zeugte: Agathyrsos, Gelonos und Skythes. Letzterer war der Eponym der Skythen und von ihm stammten die Könige der Skythen ab (Hdt. 4, 6-10).
Die Hylaia war in der Antike bekannt als ein Verehrungsort verschiedener Gottheiten wie Kybele und der Demeter, bezeugt durch entsprechende Terrakotta-Darstellungen, Weihinschriften und Altäre. Auch Achilles wurde dort verehrt, wie der Fund eines ihm geweihten Altars aus dem 4.Jh. v.Chr. (IOSPE I [2] 327) bestätigt; seine Parhedra war wohl Hekate, der der in der Hylaia gelegene „Heilige Hain der Hekate“ (Anon. Periplus Ponti Euxini 87/58: Ἱερὸν ἄλσος Ἑκάτης τῆς ἄκρον; vgl. auch Ptol. 3, 5, 5: ἄλσος Ἑκάτης ἄκρον) geweiht war. Eine Weihung an sie ist wohl auf dem Graffito aus Berezan (spätes 6./5.Jh. v.Chr.) erhalten (von Vinogradov und Kryžickij, Olbia, 118 aber als Grabinschrift angesehen). Ebenfalls in der Hylaia eingerichtet wurde möglicherweise ein Herakles-Kult (Vinogradov / Kryžickij, Olbia, 119) und der Kult der Flussgötter Hypanis und Borysthenes (SEG 30, 913; Vinogradov / Kryžickij, Olbia, 118f.) Als der Skythe Anarchasis nach seiner Rückkehr aus Kyzikos in Hylaia heimlich die Kybele-Mysterien beging, wurde er wegen dieser gegen skythische Traditionen verstoßenden religiösen Praktiken von seinem Bruder, dem Skythenkönig Saulios, getötet (Hdt. 4, 76, 5).


Kommentar (Talbert):
See note under Sorsdesertvs (7A5).

Literatur:

Max Kiessling, in: RE IX / 1, 1914, 107-109 s.v. Hylaia; Miller, Itineraria, Sp. 620; François Hartung, The Mirror of Herodotus: The Representation of the Other in the Writing of History, Berkeley / Los Angeles / London 1988, 66-69; Jurij Vinogradov / Sergej D. Kryžickij, Olbia. Eine altgriechische Stadt im nordwestlichen Schwarzmeerraum, Leiden 1995 (= Mnemosyne, Suppl. 149), 115-119; Iris von Bredow, in: DNP 5, 1998, 780 s.v. Hylaia; Alexander V. Podossinov, Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition, Moscow 2002, 353 [in Russian]; David Braund, Greater Olbia: Ethnic, Religious, Economic, and Political Interaction in the Region of Olbia, c. 600-100 BC, in: Sergey D. Kryzhitskii / David Braund (Hrg.), Classical Olbia and the Scythian World, Oxford 2007, 37-55, hier 50f.; Balbina Bäbler, Das Land der Skythen - ein Wolkenkuckucksheim Herodots?, in: Nikolai Povelahev / Vladimir Kuznetsov (Hrg.), Phanagoreia, Kimmerischer Bosporos, Pontos Euxeinos, Göttingen 2011 (= Altertümer Phanagoreias 1), 103-140, hier 114-116; Pia Guldager Bilde / Søren Handberg / Jane Hjarl Petersen, The Black Sea, in: Franco De Angelis (Hrg.), A Companion to Greeks across the Ancient World, Hobroken (NJ) / Oxford 2020 (= Blackwell Companions to the Ancient World), 431-458, hier 447 mit Anm. 4. 451.

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Letzte Bearbeitung:

31.08.2026 14:57

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Cite this page:
https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=1968 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]

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