| Toponym TP (aufgelöst): | Sera Maior |
| Name (modern): |   |
| Bild: | ![]() Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP |
| Toponym vorher | |
| Toponym nachher | |
| Alternatives Bild | --- |
| Bild (Barrington 2000) |
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| Bild (Scheyb 1753) | --- |
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| Bild (MSI 2025) | --- |
| Pleiades: | https://pleiades.stoa.org/places/60042 |
| Großraum: | Asien östl. d. Euphrat, südl. d. Taurus |
| Toponym Typus: | isolierter Name |
| Planquadrat: | 11B5 |
| Farbe des Toponyms: | schwarz |
| Vignette Typus : | --- |
| Itinerar (ed. Cuntz): |   |
| Alternativer Name (Lexika): |   |
| RE: | Sera, Serica |
| Barrington Atlas: | Serae (6 G2) |
| TIR / TIB /sonstiges: |   |
| Miller: | Sera maior |
| Levi: |   |
| Ravennat: | Serra maior (p. 23.27) |
| Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff): | Σῆρα μητρόπολις (1,6,2; 15,5; 6,16,8) |
| Plinius: |   |
| Strabo: |   |
| Autor (Hellenismus / Späte Republik): |   |
| Datierung des Toponyms auf der TP: | Späthellenismus (nach 200) |
| Begründung zur Datierung: | Die Zuweisung des Eintrags in die hohe Kaiserzeit ließe die Nennung weiterer, in dieser Zeit bekannter Orte (z.B. Cattigara) erwarten. Die Einträge im 11. Segment gehen offenbar auf die Rezeption hellenistischer und frühkaiserzeitlicher Vorlagen zurück; will man Sera Maior nicht als einen von dieser Zeitstellung erheblich abweichenden Fremdkörper akzeptieren, lässt sich die Zuordnung dieses Eintrags zu einer hellenistischen oder frühkaiserzeitlichen Kopierstufe gut mit den umliegenden, den Wissensstand der hellenistischen und frühkaiserzeitlichen Geographie widerspiegelnden Toponymen begründen. |
| Kommentar zum Toponym: |
Einen der östlichsten Punkte auf der Tabula Peutingeriana markiert der Eintrag Sera Maior, der der jüngeren Forschung zufolge Chang’an oder vielleicht auch einen anderen Ort im fernöstlichen Abschnitt der Seidenstraße meint. Ptolemaios (1, 6, 2; 6, 16, 1. 8; 7, 3) bezeugt jenseits des Imaus mons und der Emodi montes „das Land der Serer und die Sera Metropolis“ (Ptol. 1, 17, 5: Σηρῶν χώρα καὶ ἡ Σήρα μητρόπολις), das im Skythenland zu suchen ist; das von Ptolemaios gebotene Toponym Sinai/Thinai (vgl. auch die Namensform Thina im Periplus Maris Erythraei § 64f., s.u.) zur Bezeichnung der Hauptstadt der Sinen und die Sinarum situs („Wohnplätze der Sinen“) erscheinen auf TabPeut nicht, ebensowenig zu finden sind Ptolemaios’ Eintragungen auf seiner elften Karte am Ostrand der Oikumene: Cattigara, sinarum statio, Emporium (Handelshafen der Sinen), in der Forschung z.B. identifiziert als am Mekong-Delta gelegener Hafenplatz (Oc èo), Hanoi oder Kanton. Amm. Marc. 23, 6, 66 kennt einen Ort Sera, bezeichnet die Region als fruchtbar und die dortigen Städte als reich; das große Land werde von zwei große Flüssen durchflossen. Mit seiner Bemerkung, dass Kaufleute über eine „Straße von sehr großer Länge“ ad Seras gereist seien, bezeugt er offenbar in seinem Exkurs über das Perserreich die Seidenstraße (Amm. Marc. 23, 6, 60: iter longissimum). (Zur Seidenstraße mit ihren wichtigsten Stationen vgl. auch auch das von Ptol. [1, 11, 7] gebotene, um 100 n.Chr. verfasste Itinerar des Marinos von Tyros, das auf Titianos, den graeco-syrischen Agenten eines Großkaufmannes aus Damaskus zurückgeht; vgl. Dihle, Die Griechen und die Fremden, 114. 116; Geus, Ptolemaios über die Schulter geschaut, 163 Anm. 30; Walter, Die Vorstellungen über das ostasiatische Ende der Seidenstraße, 100f.; Reichert, Asien und Europa im Mittelalter, 106f.; zu Ptol. 1, 11, 7 vgl. Alemany i Vilamajó, Maes Titanaos, 105-120, hier auch zu den chinesischen Quellen). Aus den Quellen lässt sich eindeutig ersehen, dass der Handelsplatz der Serer nicht an der Küste, sondern im Landesinneren liegt: Mit den Handelswegen über Palibotra existiert eine Anbindung an Indien, eine andere Route führt über den Steinernen Turm (Λίθινος πύργος) nach Baktrien und weiter nach Westen (Ptol. 1, 11, 4; 17, 5). Orosius bezeichnet den nördlichen Teil des östlichen Ozeans als Oceanus Sericus (Cobet, Die Horizonte der antiken Oikumene, 23f.). Die genannten Toponyme in Ostasien gehen jedoch auf Quellen zurück, die sonst offenbar in keiner Beziehung zur Tabula Peutingeriana stehen. Als Grundlage für den fraglichen Eintrag heranzuziehen wäre daher am ehesten Strabons, auf Artemidor von Artemita basierende Bezeichnung „Serer“ für die von den gräkobaktrischen Königen im Tarim-Becken unterworfenen Nomadengruppen in Zentralasien: Sie sollten die Fernhandelswege nach China absichern (Strab. 11, 11, 1 [516f.] = Apollodoros von Artemita FGrHist 779 F: Σῆραι; vgl. auch Strab. 16, 1, 34 [701] = Onesikritos FGrHist 134 F 24; 16, 1, 36 [702]), werden daher meines Erachtens zu Recht in der jüngeren Forschung als „middlemen who traded along the Silk Road“ (Nichols, Ctesias, 90. 168f.) charakerisiert. Mit dieser Region zu verbinden ist möglicherweise das im Periplus Maris Erythraei genannte „sehr große, im Landesinneren gelegene Stadt, die Thina genannt wird“ (64f.: πόλις μεσόγειος μεγίστη, λεγομμένη Θίνα), ein im Landesinneren gelegener Warenumschlagplatz, von dem aus Seide und andere Güter nach (Süd-)Westen, etwa nach Barygaza, transportiert werden (Albaladejo Vivero, Emporion and Chora, 21f.) Plinius bzw. seinem Gewährsmann Rachia zufolge fungierten die „Serer“ als Zwischenhändler zwischen dem fernen Osten und Indien und lieferten Seide vom Tarim-Becken in das Ganges-Gebiet an dortige indische Kaufleute (Plin. nat 6, 53f.; Solin. 50, 3f.)?; zu den zentralasiatischen Serern vgl. Thomson, History of Ancient Geography, 175; Narain, The Indo-Greeks, 170f.; Engels, Die Raumauffassung, 125; Harmatta, Introduction, 20; Bernard, The Greek Kingdoms of Central Asia, 100; Harmatta, Conclusion, 488); Faller, Taprobane, 88-96 (ausführlich zu Plin. nat 6, 54); Baumer, Central Asia, 288; McLaughlin, The Roman Empire and the Indian Ocean, 198 (zu der Plinius-Stelle). Für die Lokalisierung von Sera Maior in Zentralasien würde die Bedeutung der Völkerschaften in den Regionen rund um das Tarim-Becken sprechen - Sera Maior wäre dann die Bezeichnung für deren Lebensraum (in den Gegenden des Pamir, des Tarim-Beckens und des Kunlun-Gebirges) oder einen wichtigen Warenumschlagplatz in Zentralasien für den mittelmeerisch-ostasiatischen Güteraustausch, an dem möglicherweise der von Plinius (nat. 6, 88), Pomponius Mela (3, 60), Solinus (50, 3f.) und auch in chinesischen Quellen (zu letzteren vgl. Wood, The Silk Road, 47) beschriebene „stumme Handel“ stattfand. Für die Bezeichnung einer Region Zentralasiens könnte die kartographische Tradition einer Dreiteilung Indiens in India Dimirica, India Maior und India Serica sprechen - die beiden letztgenannten Regionen wären in der Tabula Peutingeriana dann zusammengefallen und als Sera Maior eingetragen, das sich - entsprechend dem Geographischen Wissensstand der Antike - an den ganzen skythischen Raum anschließt und den östlichsten Punkt der terra cognita markiert: Μετὰ δὲ τὴν σύμπασαν Σκυθίαν ἐστὶν ἡ Σηρικὴ, τὸ ἀνατολικώτατον ἀποτερματίζουσα τῆς ἐγνωσμένης (Geographiae Expositio Compendiaria 19 [GGM II 499]). |
| Literatur: |
Liccardo, Names, S. 112, 123–124, 140, 143, 186. |
| Letzte Bearbeitung: | 24.06.2026 23:21 |
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https://tp-online.ku.de/trefferanzeige.php?id=1940 [zuletzt aufgerufen am 03.10.2026]