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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Cabacos

Name (modern):

 

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000)
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/854694
Großraum:

Skythien

Toponym Typus:

isolierter Name

Planquadrat:

8A1

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

---

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Cabacos - https://elexikon.ch/RE/III,1_1161.png

Barrington Atlas:

Kazeka (87 J2)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Cabacos (619)

Levi:

 

Ravennat:

 

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

Παντικάπαια (3,6,4)

Plinius:

 

Strabo:

 

Autor (Hellenismus / Späte Republik):

 

Datierung des Toponyms auf der TP:

---

Begründung zur Datierung:

 

Kommentar zum Toponym:

Das Toponym Cabacos auf der Tabula Peutingerana ist eine verstümmelte Form von Pantikapaion. Der Ort ist als eine der beiden Hauptstädte des Bosporanischen Reiches in den antiken Schriftzeugnissen vergleichsweise gut bezeugt ist, vgl. z.B. Mela 2, 3: Panticapaeon; Ps.-Skylax 68; Ps.-Skymnos 836; Strab. 7, 4, 4 (309): Παντικάπαιον; 7, 4, 5 (309f.): Παντικάπαιον; 11, 2, 6 (494); Diod. 12, 31; Plin. nat. 4, 78: Panticapaeum, quod aliqui Bosporum vocant; 4, 87: Panticapaeum (checken: Plin. nat, 4, 78); Ps.-Arr. Periplus Ponti Euxini 19/1: Παντικάπαιον; Anon. Periplus Ponti Euxini 78/49; 79/50. 85/56: Παντικάπαιον; Ptol. 3, 6, 4: Παντικάπαια; Zos. 1, 31; Steph. Byz.: Παντικάπαιον: λαβόντες τὸν τόπον παρὰ Ἀγαήτου Σκυθῶν βασιλέως. Bei Strabon (11, 2, 6 [494]) wird Pantikapaion in der Beschreibung des Kimmerischen Bosporus zuerst genannt. In Millers Itineraria Romana (619) ist das Toponym mit Cabaos falsch wiedergegeben, auf der Miller-Faksimile aber richtig eingetragen. Die Stadtmauer, die befestigte Akropolis und eine im Straßenbau und den repräsentativen Bauten erkennbare Stadtplanung zeigen die Transformation von Pantikapaion zu einer typischen griechischen Polis seit dem 5.Jh. v.Chr.; bereits seit dem 6.Jh. v.Chr. war die Stadt überregionaler Verkehrsknotenpunkt (Handel!) und Standort wichtiger handwerklicher Produktion (Metallverarbeitung, Töpferware) und daher wirtschaftlich und strategisch führend unter den griechischen Poleis am Kimmerischen Bosporus. Um 480 v.Chr. etablierte sich das Bosporanische Reich mit Pantikapaion als Residenz der bosporanischen Könige (Diod. 12, 31). Die Bedeutung der Stadt als Zentralort des Bosporanischen Reiches zeigt sich auch in der in Inschriften wiederholt auftretenden Wendung ἄρχοντες Βοσπόρου καὶ Θεοδοσίης „die Archonten von Bosporos und Theodosia“ (vgl. z.B. IOSPE II 347; SIG2 214 n. 1; Tod 171 E; CIRB 973*), wobei Βόσπορος offenbar der ältere (griechische) für die Stadt mit dem nicht-griechischen Namen Pantikapaion ist: Panticapaeum, quod aliqui Bosporum vocant „Pantikapaion, das manche Bosporos nennen“ (vgl. Plin. nat. 4, 78). Das griechische Toponym wurde dann auch namengebend für die Reichsbildungen der Archaianaktiden und Spartokiden (Zum Gebrauch des Begriffs „Bosporos“ vgl. Gourova, What did Ancient Greeks by the „Cimmerian Bosporus“?).
Dementsprechend bezeichnet der Anonymus Periplus Ponti Euxini (78/49) den Ort als Βοσπόρου βασίλειον („Residenz von Bosporos [d.h. des Bosporanischen Reiches]“) und charakterisiert ihn als „letzten Ort“ (ἔσχατον) in Europa. Nach dieser geographischen Vorstellung gehört Pantikapaion als Hafenplatz am Westufer des Kimmerischen Bosporus noch zu Europa, während die am Ostufer der Meerenge (Halbinsel von Taman) gelegenen Orte wie z.B. Phanagoreia bereits zu Asien gezählt werden. Ab dem 5.Jh. v.Chr. prägte Pantikapaion eigene Münzen mit den Legenden ΠΑΝ, ΠΑΝΤ und ΠΑΝΤΙ. Ab Mitte des 3.Jh. n.Chr. fielen die Goten und Heruli ein (Zos. 1, 31, 370), in der zweiten Hälfte des 4.Jh. wurde die Stadt durch die Hunni zerstört (Prok. BP 1, 12, 7) und das Gebiet später (5./6.Jh.) von Krimgoten besiedelt. Ein Wiederaufbau erfolgte nicht - auch dann nicht, als sich die Region erholte (6.Jh.) und 534 von Justinian erobert wurde. An der Küste von Kertsch wurde in justinianischer Zeit ein Fort errichtet, um diese dem Oströmischen einverleibten Gebiete militärisch zu sichern. - Vgl. auch Phamacorium· (Phanagoreia) und Teagina· (Theodosia).

Monika Schuol

Kommentar (Talbert):
See note under Sorsdesertvs (8A1).

Literatur:

Matija P. Katančić, Orbis antiquus ex tabula itineraria quae Theeodosii Imp. et Peutingeri audit ad systema geographiae redactus et commentario illustratus, Pars I, Buda 1824, XL. 216; Karl G. Brandis, in: RE III / 1, 1897, 757-789 (hier 757) s.v. Bosporos 3; Miller, Itineraria, Sp. 619; Nina A. Frolova, Frühe Münzen von Pantikapaion als historische Quelle, in: Klio 73, 1991, 66-69 ; Alexander V. Podossinov, Eastern Europe in Roman Cartographic Tradition, Moscow 2002, 343 [in Russian]; Vladimir P. Tolstikov, Pantikapaion. Ein archäologisches Porträt der Hauptstadt des Kimmerischen Bosporus, in: Jochen Fornasier / Burkhard Böttger (Hrg.), Das Bosporanische Reich. Der Nordosten des Schwarzen Meeres in der Antike, Mainz 2002, 38-58; Iris von Bredow, in: DNP 9, 2000, 273 s.v. Pantikapaion; Alexandru Avram / John Hind / Gocha Tsetskhladze, The Black Sea Area, in: Mogens H. Hansen / Thomas H. Nielsen (Hrg.), An Inventory of Archaic and Classical Poleis: An Investigation Conducted by the Copenhagen Polis Centre for the Danish National Research Foundation, Oxford / New York 2004, 924-974, hier 949f.; Friederike Fless / Angelika Lorenz, Die Nekropolen von Pantikapaion im 4. Jh. v. Chr., in: Friederike Fless (Hrg.), Bilder und Objekte als Träger kultureller Identität und interkultureller Kommunikation im Schwarzmeergebiet, Rahden / Westf. 2005 (= Internationale Archäologie), 17-25; A.A. Tavoikin, Bosporus: Panticapaeum and the Territorial State, in: Sergey L. Solovyev (Hrg.), Greeks and Natives in the Cimmerian Bosporus, 7th - 1st Centuries BC. Proceedings of the International Conference, October 2000, Taman, Russia, Oxford 2007 (= British Archaeological Reports / International Series 1729),150-152; John G. F. Hind, Two Notes on Early Coin Types of Pantikapaion and Phanagoreia, in: The Numismatic Chronicle 2008, 1-8; Michael Schmauder, Die Goten und das Schwarze Meer, in: Valentina I. Mordvinceva (Hrg.), Die Krim. Goldene Insel im Schwarzen Meer: Griechen - Skythen - Goten. Begleitbuch zur Ausstellung „Die Krim. Goldene Insel im Schwarzen Meer: Griechen - Skythen - Goten“, LVR-LandesMuseum Bonn, 4. Juli 2013-19. Januar 2014 in Bonn, Darmstadt 2013, 187-213; Natalia Gourova, What did Ancient Greeks mean by the „Cimmerian Bosporus“?, in: AWE 13, 2014, 29-49; Kerstin S. Jobst, Geschichte der Krim, Über Goten, Hunnen, die sog. „Völkerwanderung“ und ihre Folgen für die Krim. Iphigenie und Putin und Tauris, Berlin / Boston 2020, 51-53.

Tomaschek, Wilhelm, Cabacos, in: RE III.1 (1897), Sp. 1161.

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Letzte Bearbeitung:

24.01.2026 13:44


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https://tp-online.ku.de/einzelanzeige.php?id=1956 [zuletzt aufgerufen am 04.03.2026]

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